Archiv für den Monat November 2015

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 61

Spielstunde

Die Woche war lang und anstrengend gewesen. Flo war voll im laufenden Semester angekommen. Es war nicht leicht, aber das war es nirgendwo und sein Notenschnitt brannte ihm unter den Nägeln. Er brauchte wirklich bessere Noten. Aufgrund von schlampiger Planung hatte er letztes Semester einen Kurs belegt, dessen Slot bereits mit einem anderen belegt gewesen war. Aber am Ende hatte er eine bessere Note bekommen und damit seinen Schnitt gehoben. Als er diesen Fehler bemerkt hatte, packte ihn der Ehrgeiz und dieses Semester hatte er sich ganz bewusst überladen. Er selbst hielt sich seither für verrückt, aber selbst Mia hatte ihn für bescheuert erklärt. Möglicherweise hätte ihm das eine Warnung sein sollen.

Auch für Kristina war es eine lange Woche gewesen. Die Arbeit forderte sie komplett und in diesem Sommer gab es volle Auftragsbücher zu bewältigen. Sie sammelte kräftig Überstunden, und wenn der Sommerurlaub fällig war, würde sie sich einen guten Bonus verdient haben. Ein Umstand, für den sie durchaus dankbar war. Im Augenblick aber war ihre Planung weit weniger langfristig. Ihre Ziele waren sehr viel unmittelbarer. Wenn sie abends erschöpft nach Hause kam, bereitete sie sich ein kleines Abendessen, um danach erschöpft ins Bett zu fallen. Nicht zum Schlafen, das kam später zwangsläufig, sondern um mit Flo zu telefonieren. Ihre Gespräche gingen oft bis tief in die Nacht und versüßten ihnen die Zeit bis zum Wochenende, wenn sie sich endlich wieder sehen konnten.

Und eben jenes heiß ersehnte Wochenende war jetzt. Sowohl Flo als auch Kristina hatten die letzten Stunden damit verbracht, sehnsüchtig auf die Uhr zu sehen und den Feierabend abzuwarten. Alle beide waren sie abgelenkt und unkonzentriert gewesen, nur um zu Feierabend und Vorlesungsende eilig den Heimweg anzutreten. Für Kristina stand ihre Wohnung nur deswegen auf dem Plan, weil sie genau auf dem Weg zum Bahnhof lag. Sie hätte kein Problem damit gehabt, in Arbeitskleidung im Zug zu sitzen aber heute war ihr nach etwas anderem. Daher kam ihr der kleine Zwischenstopp sogar halbwegs gelegen.

Flo rotierte in seiner kleinen Wohnung. Das Leergut war weggebracht, Geschirr gespült, frisches Bier im Kühlschrank und der Müll draußen. Er hatte noch etwa eine Stunde, ehe er los musste, um Kristina vom Bahnhof abzuholen. In der Zeit wollte er das Nötigste aufgeräumt und die Wohnung geputzt haben. Das Fenster stand weit offen, um die verbrauchte Luft einer bier- und arbeitsreichen Woche hinaus, sowie Sonnenschein und gutes Wetter hineinzulassen. Aufgeregt wie ein kleines Kind, stopfte er seine Bücher ins Regal. Auf dem Küchentisch stand sein Meisterwerk von einem Auflauf, mit dem er ihr gemeinsames Wochenende einläuten wollte. Die Idee war ihm spontan gekommen und hatte ihm auf Anhieb gefallen. Es war lange her, dass er das letzte mal einen Auflauf gemacht hatte.

DSC02666Kurze Zeit später waren Bad und Küche auf Hochglanz. Seine Motivation überraschte ihn selbst. Sogar das Bett hatte er frisch bezogen! Bevor er Kristina kennengelernt hatte, war es keine Seltenheit, dass der Bezug mehrere Monate drauf war. Irgendwie hatte er es immer für sinnvoll befunden, die Farbe der aktuellen Jahreszeit anzupassen. Er hatte nur eine blaue Garnitur, also musste diese für den ganzen Winter reichen. Das Gleiche galt für den roten Sommer oder den orangefarbenen Herbst. Inzwischen wechselte er es regelmäßiger und wunderte sich, wieso er es früher anders handhaben wollte. Der Geruch war einfach besser geworden.

Der Ofen heizte vor. In etwa zwanzig Minuten musste er los, er wäre etwa genau so lange unterwegs, wenn die Bahn rechtzeitig käme und der Auflauf brauchte vielleicht eine dreiviertel Stunde. Wenn er ihn in fünf bis zehn Minuten in den Ofen schob, war er auf jeden fall auf der sicheren Seite und das Essen wäre fertig, sobald sie zurück waren. Er deckte schon einmal den Tisch und achtete sogar auf etwas Tischdekor. Ein Schnapsglas mit Blümchen, deren Farben zu seinem Hemd passten. Es war kein Tag für die übliche Garderobe. Er wollte sie mit einem schönen Abendessen überraschen und da gehörte ein wenig Stil für ihn dazu. Auf die Krawatte verzichtete er trotzdem. Es war ihm zu viel Stress, erst herauszufinden, wie man sie band.

Gerade, als er nichts mehr Weiteres zu tun brauchte, als den Auflauf in den Ofen zu schieben und seine Schuhe anzuziehen, wurde seine sorgfältige Planung gestört. Die Klingel schaffte es mit Leichtigkeit, einen Schatten von Ärger über seine aufgeregte Vorfreude zu werfen. Ärgerlich knurrend stapfte er zur Türe und ließ den Gast hinein. Vielleicht war es Erik oder Mia. Vielleicht hatten die beiden wieder einmal Streit und suchten Bestätigung ihrer Positionen bei ihm. Vielleicht war es auch Tina. Sie hatte ihn in den letzten Wochen immer wieder besucht, um bei völlig banalen Themen um Hilfe zu fragen. Er war sich nicht sicher, ob sie vielleicht einfach nur etwas dumm war. Die Tatsache, dass Mia dazu nichts sagte, deutete nur darauf hin, dass es etwas anderes war.

Vielleicht lag er aber auch mit all seinen Befürchtungen daneben. Kristina fiel ihm so schwungvoll um den Hals, dass sie gemeinsam in den Raum torkelten. Mit dem Fuß warf sie Tür hinter sich ins Schloss. Es reichte die Bahn eine halbe Stunde früher, um selbst zur Überraschung zu werden. Flo konnte sich kaum auf den Beinen halten. Seine Freundin fest umschlungen taumelte er zurück, schwer bemüht, nicht einfach umzufallen. Ihr Duft rollte wie eine Flutwelle über ihn hinweg und riss seinen Verstand gleich mit sich.

„Überraschung“, säuselte sie ihm ins Ohr, während sie ihn aus der Umarmung entließ und die Überraschung war ihr perfekt gelungen. Er stieß mit den Fersen gegen seinen Bettrand und kippte hintenüber in die Kissen. Kristina behielt ihr Gleichgewicht und schaffte es, stehen zu bleiben. Ihre warmen, braunen Augen sahen auf ihn hinab, ein Wasserfall aus brauner Seide schwang über ihre Schultern. Das musste ihr großes Geheimnis sein. Egal wann und wo er sie ansah, sie war einfach immer perfekt. Möglicherweise lag es ja an ihm selbst, aber für ihn war sie die schönste Frau der Welt. Mindestens!

Er zog sie zu sich hinunter und küsste sie innig. Neben ihrer weichen Haut fühlte er sich noch immer wie ein grober Backstein. Vielleicht würde er irgendwann herausfinden, was sie in ihm eigentlich sah. Bis es so weit war, wollte er jede Sekunde mit ihr voll auskosten. Je intensiver, um so lieber war es ihm. Ein zu nah konnte es nicht geben. Der Protest, der von ihr kam, war mehr als halbherzig und wurde von der Decke geschluckt. Sie stürzte sich auf ihn, regelrechte Gier in den Augen, noch immer mit ihrem Mantel an.

Das erste Bedürfnis nach Nähe war gestillt und sie konnte sich lange genug von ihm lösen, um ihren Mantel wegzuhängen. Sie drehte sich um und stand in einem atemberaubenden Kleid vor ihm. Frühlingshaft, schlicht, elegant und maßlos sinnlich. Einen Moment lang saß er einfach nur da, und ließ den Anblick auf sich wirken. Die Sonne ließ ihre Strahlen genau auf sie fallen, als stünde sie auf einer Bühne. Flo hätte noch Stunden hier sitzen und einfach nur starren können. Der erwartungsvolle Blick, den sie ihm zuwarf, ließ keinen Zweifel daran, dass sie etwas anderes vor Augen hatte. Sie genoss es zwar, wenn er sie mit seinen Blicken verschlang, aber sie wollte mehr als einfach nur begehrt werden. Sie wollte das volle Programm und er konnte ihr diesen Wunsch noch unmöglicher abschlagen als sonst irgendeinen.

Die Luft schien vor Hitze zu flimmern. Die Sonne hatte sich hinter den Horizont verabschiedet und hatte zwei erschöpfte aber glückliche, nackte Körper im Dämmerlicht von Flos Bett zurückgelassen. Eng umschlungen lagen sie dort und kuschelten sich aneinander, während der Ofen noch immer vorheizte und darauf wartete, den Auflauf endlich backen zu können.

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Hörsaalgetuschel – Ausgabe 60

Paris

Uni konnte so Spaß machen, wenn man sich nur richtig darauf einließ. Vorlesungsfolien auf dem Laptop, Schaubilder im Notizblock und jede menge Anmerkungen auf kleinen Klebezettelchen. Dazu eine große Kanne Tee, kuschlige Socken und die Nachrichten irgendwo im Hintergrund auf dem Fernseher. Mia war glücklich. Endlich war sie im Semester angekommen und ihre Klausurvorbereitung lief. Es waren noch etwa zwei Monate und die wollte sie gut nutzen.

Heute hatte sie alle Zeit, die sie haben wollte. Erik hatte sich zu Flo verabschiedet. Die beiden hatten sich zu einem Puz-Tag verabredet. Pizza, Zocken und vermutlich auch einiges an Männergesprächen, bei denen sie eh um nichts in der Welt dabei sein wollte. Sie hatte in den letzten Tagen genügend Stoff angehäuft, den sie aufarbeiten wollte. Die letzten Tage waren zu voll und turbulent gewesen, um sich ausreichend damit zu beschäftigen.

Ihre Wohnung war ruhig. Sie war alleine, ihre Mitbewohnerinnen waren irgendwohin verschwunden und alles, was zu hören war, war das Brummen von Nachbars Waschmaschine und das leise Plappern des Nachrichtensprechers. Sie schenkte beidem nicht viel Beachtung. Bilder flackerten über ihren kleinen Fernseher, zeigten eine Stadt, über der eine kleine Rauchsäule aufstieg. Polizeisirenen heulten überall. Ein Bild, wie es beinahe täglich aus irgendeiner Stadt im nahen Osten gezeigt wurde.

Doch diesmal waren die Straßen keine sandigen Pisten, die Häuser keine zerschossenen Betonbunker und die Autos … Nun gut, die Autos waren trotzdem nicht im besten Zustand. Die Stadt erkannte sie trotzdem auf den ersten Blick. Vor etlichen Jahren war sie schon einmal dort gewesen. Im Rahmen eines Schüleraustauschs in der zehnten Klasse. Paris war ihr damals wie eine Stadt der Kontraste erschienen. Geprägt von prunkvollen Villen in der Innenstadt, Armut und Sozialbau in den Vororten. Damals waren Rauchsäulen nur in den Vororten zu sehen gewesen. Bürgerunruhen, ausgelöst von Polizeigewalt gegen Jugendliche aus dem Plattenbau, die keine Arbeit fanden, keine Zukunft sahen und zu viel Zeit für Dummheiten hatten.

Heute kam der Rauch nicht aus dem Stadtrand und der Nachrichtensprecher berichtete auch von keinen Bürgerunruhen, sondern von Explosionen und Schüssen auf Passanten. Das sportliche Großereignis der Woche war urplötzlich mutiert zu einem widerlichen und unmenschlichen Gemetzel. Über hundert Tote und noch ungezählte Verletzte und Schwerverletzte erwähnte die neutrale Stimme des Reporters. Im Hintergrund heulten immer noch die Sirenen und kreisten Hubschrauber.

Mia erinnerte sich an herzliche und freundliche, wenn auch etwas laute Menschen. Sie mochten teilweise etwas plump auftreten aber es war ihr leicht gefallen, sie in ihr Herz zu schließen. Zu manchen der Leute von damals hatte sie immer noch Kontakt. Ihr Französisch war nicht sehr gut und deren Deutsch war nicht viel besser, aber sie konnten sich gut verständigen und Mia war froh darum. Immerhin waren es im Grunde genommen ihre Nachbarn. Wenige Stunden mit dem Auto oder der Bahn und sie war dort. Global betrachtet war es keine Entfernung. Sie teilten in großen Bereichen die gleiche Geschichte und die gleiche Kultur. Für Mia machte es kaum einen Unterschied, ob der Anschlag in Paris, Wien, Amsterdam oder Berlin stattgefunden hatte. Es war „zu Hause“, und das war es, was ihr eiskalt den Rücken hinab lief.

Die Suche nach den Schuldigen war offenbar kein Problem. Das Internet kennt keine Zeitverzögerung, die Nachrichtenportale genau so wenig. Bekennerschreiben waren veröffentlicht worden, scheinbar noch, bevor die Bomben überhaupt explodiert waren. Eine ganze Bevölkerungsgruppe, bei der ihr Opa immer noch beharrlich vom „friedlichen Muselmann“ sprach, stand mal wieder im Zentrum von Kritik und Aufmerksamkeit. Und das war alles nicht das, was Mia am meisten daran schockierte.

DSC00810Das, was sich wie ein großer Block Eis in ihrem Magen anfühlte, waren nicht die vielen Tote, nicht der Ort, nicht einmal der Zeitpunkt oder der Anlass. Es war einfach die Erkenntnis, dass sie sich daran gewöhnt hatte. Sie sah die Zahl der Toten und dachte „zum Glück sind es nicht mehr.“ Sie sah die eingeblendete Karte mit den betroffenen Bezirken und dachte „Marie und Claude sind weit weg und sicher.“ Natürlich war sie traurig um die Toten und Verletzten. Sie war wütend über die Zerstörung, über die Morde, über die Störung in ihrem ruhigen Alltag. Verständnislosigkeit über die kaputten Seelen, die sich ohne zu zögern zum größten Abschaum der Menschheit zählten und die größte Schande über sich und ihre gesamte Familie brachten.

Aber irgendwo, tief in ihrem Inneren, hatte sie einfach damit gerechnet. Es war nichts passiert, was sie der Menschheit nicht ohnehin zugetraut hätte. Das Einzige, was noch eine Überraschung oder eine Variable in dieser Gleichung war, war das wann. Selbst die Heftigkeit, das Ausmaß, bewegte sich inzwischen in einem Rahmen, den sie ganz grob abschätzen konnte. Und der Grund? Der war seit Jahren sowieso der gleiche. Der Islam hatte sich einfach als zu dankbares Opferlamm erwiesen. Zu fremd, als dass er im Westen wirklich bekannt ist und zu vertraut, als dass man ihm die Gewalt nicht auch glauben würde. Immerhin teilt er sich mit der Bibel ihr blutiges Fundament.

Mias Laptop hatte sich inzwischen in den Ruhemodus verabschiedet. Der schöne Lerntag war völlig versaut. Sie hatte doch einfach nur in ruhe lernen wollen. Es war wahrscheinlich ein Fehler gewesen, den Fernseher statt einfach Musik anzumachen. Jetzt verfolgte sie nur noch die Nachrichten. Der Reporter musste zugeben, dass eigentlich noch nichts bekannt war, außer, dass es wohl einen islamistischen Hintergrund gab. Und prompt stolperte er auch über die Unterscheidung zwischen Muslimen und Islamisten, den er einfach nicht erkennen wollte. Mia war darüber erstaunt. Eigentlich sollte doch inzwischen jeder diesen Unterschied kennen, so häufig, wie er erwähnt wurde. Vermutlich waren viele Leute aber auch einfach zu bequem, um sich wirklich mit dem Unterschied zu befassen.

Die Welt war so herrlich einfach, wenn man sie in Stammtisch-Stereotypen einteilte. Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Ost und West. Die rhetorischen Fragen danach, wieso so etwas Schreckliches passieren konnte, wieso hier, wieso jetzt? Das alles war so schnell und einfach beantwortet. „Diese Leute sind einer intensiven Gehirnwäsche unterzogen worden. Sie hassen alles, was in ihren Augen gegen ihren Gott gerichtet ist.“

Das war so viel einfacher, als sich wirklich mit den Ursachen und Hintergründen auseinanderzusetzen. Wie zum Beispiel jahrelange, fremde, militärische Interventionen ganze Regionen destabilisiert hatten. Oder wie aggressive Wirtschaftspolitik gesunde und traditionsreiche Industriezweige vernichtet hatte, auf der Jagd nach immer billigeren Herstellern und Absatzmärkten für noch den letzten Abfall. Was blieb Menschen übrig, die ihr Leben lang eine Arbeit ausgeübt hatten, mit der sie ihre Familie halbwegs ernähren konnten, und die nun plötzlich nicht mehr rentabel waren? Das Problem saß viel tiefer und war viel weitreichender. Wie würde sich Mia zum Beispiel eine Waschmaschine leisten können, wenn sie nicht von chinesischen Kindern, sondern von deutschen Facharbeiten zusammengeschraubt werden würde? Wie sollte sie sich alle drei Jahre ein neues Smartphone leisten, wenn die Metalle dafür nicht quasi von Hand aus der Erde Afrikas und Südamerikas geklaubt wurden, sondern aus hoch technisierten Minen in Europa, wo der Umweltschutz fast teurer war als die Löhne der Ingenieure?

Nein, das Problem einfach auf die Herkunft der Attentäter zu schieben, war zu einfach. Da machte sie sich keine Illusionen. Es gab genügend Alternativen, wie man die Welt ein bisschen besser machen konnte. Dafür musste man nicht einmal so seltsam auftreten, wie es die Alternativpädagogen, Aussteiger, Barfüßigen und Ökos in ihren extremen Ausprägungen so gerne taten. Auch wenn Fair Trade und Bio natürlich etwas teurer war als das Billigste, was der Discounter anzubieten hatte.

Der Außenreporter war inzwischen von der Bildfläche verschwunden. Die spontan zwischengeschaltete Sondersendung graste alle üblichen Verdächtigen ab, die irgendeine Äußerung zum Thema von sich geben konnten oder einfach nur wollten. Ob sie dazu qualifiziert waren, das hinterfragte niemand. Erst recht nicht, beim Innenminister.

Das Gesicht, welches er zog, war gerade traurig und besorgt genug, als dass man ihn nicht als gut gelaunt bezeichnen konnte. Mia tat es trotzdem, denn sie wollte. Sie hatte nicht vergessen, wie er in vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit reagiert hatte und das gefiel ihr überhaupt nicht. Auch jetzt war er wieder bemüht, die Bevölkerung auf die drohende Gefahr einzuschwören. Seine Augen leuchteten, als er von den Möglichkeiten sprach, die eine Vorratsdatenspeicherung und ähnliche Maßnahmen in Deutschland bringen würde. Dass sie in Frankreich offenbar nicht hilfreich gewesen waren, das unterschlug er bewusst. Zu viel Nachdruck legte er in seine Forderungen nach mehr Sicherheit. Dass sie auf Kosten von Freiheit und des Grundgesetzes gehen würden, war jedem klar und bekannt.

Mia hatte genug. Sie war traurig und bis zum Hals voll mit Verachtung für die Menschheit als Ganzes. Sie ließ ihre Lernsachen einfach liegen, holte sich die Rumflasche aus der Küche und schaltete Cartoons ein. Die scharfe, süßliche Flüssigkeit dämpfte ihren Ekel ein wenig. Sie bemerkte, wie sie in einen Zustand der Apathie fiel und hatte zum ersten mal in ihrem Leben das Gefühl, nachvollziehen zu können, wie es Flo ging und wieso er war, wie er war.

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 59

Telefonkonferenz

Es gibt Momente, die sind ungemütlich bis unerfreulich. Wenn man den ganzen Vormittag auf ein Paket wartet etwa, und dann zufällig den Abholschein für ebendieses im Briefkasten findet, weil man angeblich nicht da war. Regelrecht ärgerlich ist es schon, wenn dann auf dem Abholschein auch noch die falsche Filiale angegeben ist. Ein wirklich unangenehmes Gefühl kann es sein, wenn man bemerkt, dass die Ex einem letzte Nacht zwischen drei und fünf Uhr betrunken einen Roman per SMS geschickt hat. Gesteigert wird dieses dann noch von dem reichlich flauen Gefühl im Bauch, wenn die bis heute Morgen noch aktuelle Freundin diese Nachrichten noch vor einem selbst liest und nun nicht mehr mit einem reden will. („Wieso hast du noch Kontakt zu dieser dämlichen Schlampe? Wieso hat die deine Nummer noch und schreibt dir?“)

Aber all dies ist ein entspannter Frühlingsabend bei strahlendem Sonnenschein im Vergleich mit einer so unscheinbaren Meldung auf dem Telefondisplay. Ob man nun gerade aus der Dusche kommt, aus der Vorlesung, aus dem Kino oder von einem gemütlichen Abend mit Freunden. Eventuell hat man nur ein kurzes Nickerchen gehalten und befindet sich noch im angenehm bräsigen Zustand des Halbschlafs.

„7 entgangene Anrufe von Mama“

Erik kratzte sich nervös am Kopf. Er kam gerade vom Sport und hatte sich auf Mia und eine heiße Dusche gefreut aber eine solche Nachricht verpasste jedem einen Dämpfer. Man ignorierte keinen Anruf von Mama, ganz egal wer man selbst oder Mama war. Und wenn es dann auch noch mehr als drei entgangene Anrufe waren, dann handelte es sich schon mindestens um eine mittelschwere Naturkatastrophe. Was musste dann erst für sieben Anrufe der Grund sein? Ein Stadtbrand? Atomkrieg? Fiel der Mond auf die Erde oder grassierte eine neue Seuche? Erik riss sich nicht darum, es heraus zu finden aber die Regeln waren klar. Man ignorierte keinen Anruf von Mama. Das war ein Naturgesetz, wie die Schwerkraft oder Massenträgheit.

Auch wenn der jüngste entgangene Anruf nur wenige Minuten zurücklag, ging zu Hause nicht gleich beim ersten Versuch jemand ans Telefon. Vielleicht brannte ja auch nur das Haus oder es war jemand gestorben. Mit etwas Glück sogar nur ein Unfall. Wer konnte das schon so genau wissen? Beim dritten Versuch nahm seine kleine Schwester auf.

„Wieso klingelst du denn hier Sturm? Was ist denn so dringend, dass es nicht bis nach dem Essen warten könnte?“ Seltsamerweise schien sie ausgesprochen überrascht von seinem Anruf zu sein.

„Das wollte ich euch fragen. Mama hat eben etliche Male versucht, mich zu erreichen. Ich wollte wissen, was los ist. Es wirkte so, als wäre es ziemlich dringend.“

„Davon weiß ich nichts. Warte, ich geb‘ sie dir mal eben.“

DSC01310Es folgte eine kurze Pause, in der man nur das Klappern von Gläsern und Geschirr und einiges Gemurmel im Hintergrund hörte. Wenigstens konnte er keinen Fernseher hören, was ein gutes Zeichen war. Eventuell konnten sie sich diese schlechte Eigenschaft doch noch abtrainieren. Die immer leicht abwesende Stimme seiner Mutter meldete sich. Sie wirkte ziemlich entspannt, dafür, dass sie ihn so dringend erreicht haben wollte.

„Du hattest versucht, mich zu erreichen. Ich war beim Sport, da habe ich nicht auf mein Telefon achten können. Was gibt es denn so Wichtiges?“

„Och, nichts, was besonders wichtig wäre. Ich wollte nur einfach noch einmal etwas von dir hören. Wir telefonieren doch so selten.“

Erik hatte nicht den Eindruck, sich besonders selten bei seiner Familie zu melden. Das letzte Gespräch lag zwei oder drei Tage zurück und es hatte keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Offenbar war seine Mutter mit ihren Gedanken bei anderen Dingen.

„Seit vorgestern hat sich nicht wirklich viel bei mir geändert. Mia ist da, wir wollten uns gleich etwas zum Abendessen machen. Wir sind uns nur noch nicht ganz einig, was es denn genau geben soll. Vorschläge?“

„Das kommt ganz darauf an, was du denn da hast. Richte ihr auf jeden Fall liebe Grüße aus. Geht es ihr denn gut?“

„Teils teils. Sie wohnt für ein paar Tage bei mir, weil sie sich etwas abregen muss. Letztes Wochenende war sie schon da und auf dem Weg hier her hat sie wohl den gelben Sack mit raus genommen. Als sie zurückgekommen ist, durfte sie dann feststellen, dass ihre Mitbewohnerinnen keinen neuen Sack eingehängt haben, aber trotzdem den Müll in den Ständer geworfen haben. Der Abfall vom ganzen Wochenende war wohl ein wenig in de wenig in der Küche verteilt. Da ist sie etwas ausgerastet und wieder zu mir gekommen.“

„Ohje, die Ärmste hat aber wirklich ein Pech.“ kam die verständnisvolle Antwort. „Ich hoffe, du putzt dafür umso besser. Nicht, dass du sie dir noch verscheuchst.“

Das kannte er schon von seiner Familie. Permanente Ermahnungen und Ratschläge. Nicht immer waren sie so „subtil“ und freundlich wie heute. Er hatte es in gewisser Weise so provoziert. Bei der Erwähnung von Mia konnte seine Mutter einfach nicht anders. Er hatte manchmal den Eindruck, die liebte seine Freundin mehr als er selbst, aber das war doch natürlich Blödsinn. Oder?

„Mach dir da keine Sorgen. Wie sieht es denn bei euch daheim so aus?“

„Alles beim Alten hier. Es ist wie immer viel zu tun, aber das ist halt einfach so. Wir wollten euch beide auch nicht vom Abendessen abhalten. Macht euch noch einen schönen Abend und die lieben Grüße an Mia bitte nicht vergessen. Ist bei dir denn auch alles in Ordnung?“

„Alles gut hier. Wie gesagt, seit vorgestern ist nicht so viel passiert. Es ist halt Uni, aber wir schaffen das schon. Für Mia ist das ja eh alles kein Thema. Euch dann auch einen schönen Abend noch und guten Appetit.“

Das war also alles. Nur eine kurze Meldung aus Neugier, die ausgereicht hatte, um ihn ernsthaft zu beunruhigen. Sein Vater hätte vielleicht nur einmal angeklingelt und dann einfach auf einen Rückruf gewartet. Seine Schwester hätte immerhin schon eine SMS geschickt aber so viele Versuche für ein einfaches „wie geht es dir?“ waren selbst für seine Mutter merkwürdig. An eines hatte sie ihn aber damit erinnert. Er hatte sich schon wirklich lange nicht mehr bei seinen Großeltern gemeldet. Vielleicht sollte er das in den nächsten Tagen mal erledigen.

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 58

Kaputt

Gedämpftes Licht drängte sich durch die alten Gardinen von Flos Zimmer. Der fleckige Stoff hatte bereits gehangen, bevor er eingezogen war. Wahrscheinlich hätte er ihn irgendwann einmal abhängen und waschen sollen aber er war zu faul gewesen. Inzwischen war es ihm so egal, dass er es nicht mehr wahrnahm und bisher hatte ihn auch niemand darauf angesprochen.

Während er zwischen Kissen und Decken im Bett lag, tickte an der Wand unerbittlich die Uhr. Gleich würde es halb vier sein. Neben ihm lagen der Wecker und ein Buch. Das Buch hatte er seit Tagen nicht mehr aufgeschlagen und der Wecker schien nur darauf zu warten, ihn in vier Stunden aus dem Schlaf zu reißen. Wenn er es denn bis dahin schaffte, Schlaf zu finden.

Er hatte sich selbst dazu gezwungen, heute einmal früh ins Bett zu kommen und es sogar deutlich vor Mitternacht geschafft. Seit dem lag er hier, starrte an die Decke und drehte sich nur ab und an mal um. Er fand weder Schlaf noch Ruhe. Die Spinne in seiner Gardine hatte wieder angefangen, ihr Netz in die Ecke des Zimmers zu spannen. Die Fäden glitzerten im Licht der Straßenlaterne. Flo hatte sie bei ihrer Arbeit beobachtet, dann wieder das Buch neben sich, dann die Decke über sich angestarrt. Versuchsweise hatte er die Augen geschlossen und versucht, einfach einen Traum zu starten. Er war gescheitert.

Bank an der Waterfront SeattleJedes Mal, wenn er glaubte, einen Gedanken in eine sinnvolle Richtung lenken zu können, kam ihm etwas dazwischen. Situationen aus der Uni, Sachen, über die er sich ärgerte, ungemütliche Erinnerungen aus der Schulzeit, verpasste Möglichkeiten und Fehlentscheidungen. Was würde die Zukunft bringen? Was stellte er mit seinem Leben an? Wie sollte das alles weiter gehen?

Immer, wenn er gerade auf der Schwelle des Traumlandes stand, zerrte ein Gedankenfetzen ihn zurück, hielt ihm etwas vor, was er vergessen hatte und jagte ihm einen Panikschub durch die Adern. Bis wann musste er sich für die Klausuren angemeldet haben? War nicht gestern die Abgabe von der Seminararbeit? Die Exkursion, zu der er sich anmelden wollte… War die Anmeldefrist dafür gestern oder erst nächste Woche? Er hätte längst mit dem Projekt anfangen müssen, zu dem er einfach keine Idee haben wollte. Sein Gehirn fand immer etwas Neues.

Ein vorbeifahrendes Auto ließ die Schatten an der Decke tanzen. In seinem Kopf waberte Nebel wie ein schweres Kissen umher, Müdigkeit drückte schwer auf seine Augen und Glieder. Er gähnte, nur sein Herz pumpte, als hätte es einen Marathon zu bestreiten. Er konnte den Blutfluss in seinem Kopf fühlen. Mit jedem Herzschlag pulsierte ein neuer Gedanke hindurch. Was machte er eigentlich mit diesem Leben?

Unter der Decke wurde es immer wärmer. Flo hatte sie bis unter die Nase hochgezogen und sich fest darin eingewickelt. Schweißtropfen perlten von der Haut, in seinem Kopf drehte sich alles. In der Ecke rasselte die Heizung leise vor sich hin und strahlte ihre Wärme in den Raum ab. Das Spinnennetz waberte langsam im warmen Luftstrom. Bald würden die Vögel aufwachen und die wärmende Morgensonne begrüßen, auch wenn diese sich noch mehr als eine Stunde Zeit lassen würde. Flos Gedanken kreisten um einen einzelnen kurzen Satz. „Mir ist kalt.“

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 57

Morgennebel

Schemen und Schatten bewegten sich wie in Zeitlupe, wanderten stetig und bestimmt durch die Strahlen der Morgensonne. Flos Blick war auf einen unbestimmten Punkt vor ihm gerichtet. Vielleicht auch auf einen Punkt hinter ihm, so genau konnte er das nicht sagen. Sein Gehirn hatte es noch nicht für notwendig befunden, aufzuwachen. Es funktionierte doch auch so alles gut.

Mit perfekt einstudierten Bewegungen war er aufgestanden, hatte sich geduscht, fertiggemacht, gefrühstückt und das Haus verlassen. In der ganzen Zeit hatte er vermutlich keinen einzigen klaren Gedanken gefasst, sondern sich lediglich in seiner Traumwelt befunden. Und wieso auch nicht? Es war doch so schön dort. Es gab dort alles, was er benötigte und außerdem fühlte es sich sehr viel schöner an, als der wie immer viel zu frühe Weg in die Uni. Er hätte auch erst in vier Stunden gehen können und es wäre immer noch zu früh für ihn gewesen. Egal wie spät es war, irgendwie war es doch eh immer zu früh.

Ein Schemen kreuzte seine Bahn und er wurde langsamer, ohne es überhaupt zu bemerken. Sein vegetatives Nervensystem schien die totale Kontrolle zu haben, wie ein absoluter Monarch, der keinen Widerspruch duldete. Er selbst wollte nicht einmal wirklich aufwachen, auch wenn es wohl auf kurz oder lang keine andere Option gab. Sein Bewusstsein rollte kurz mit den Augen, drehte sich noch einmal um und wickelte sich dick in die kuschlige Decke ein. Ein lärmender Schatten ratterte vor ihm vorbei, ein anderer wurde langsamer und kam zum Stillstand. Hier musste doch der Zebrastreifen sein.

Ein Bild drückte sich bis in seine Traumwelt durch. Schemen, die an einem leicht erhöhten Stück des Bürgersteigs standen und unter einem Schild warteten. Er hätte nicht sagen können, wie genau er hier hingekommen war, aber es war genau der Ort, an dem er zu dieser Zeit sein sollte, also war das nicht so schlimm in seinen Augen. Menschen sind Rudeltiere, und solange irgendjemand die Führung übernimmt und niemand Alarm schlägt, befassen sich die restlichen Gehirne zu gerne mit etwas anderem. Eine kühle Brise zog für einen Augenblick seine Aufmerksamkeit auf sich, dann war er wieder eingeschlafen, die Augen weit offen.

DSC02910Ein großer, roter Schemen kam quietschend zum Stillstand. Zur gleichen Zeit und am gleichen Ort wie immer. Es gab absolut keinen Grund, wieso man sich damit weiter befassen musste. Das Rudel setzte sich ganz von alleine in Bewegung und er schloss sich dem Fluss einfach an. Schultern und Köpfe vor und hinter ihm, Stahlstangen und mehr Menschen links und rechts von ihm. Von draußen kamen immer mehr Leute nach, obwohl der Bus doch eh schon voll war. Allgemeines Gedränge und Geschiebe. Der saure Geruch von Kaffee, hier und da ein frisches Brötchen, Wurst oder Käse, Schweiß, Parfüm und Duschgel. Ein Hauch von abgestandenem Bier waberte durch den Bus und drang kaum zu ihm durch. Sein Bedarf war für den Moment gedeckt.

Wie das Wasser in einem gefüllten Planschbecken, was jemand an einen anderen Ort verschiebt, folgten die Passagiere der Bewegung des Busses, als er sich in Bewegung setzte. Voll, wie es war, bestand für niemanden die Gefahr, umzufallen. Irgendein Paar Schultern würde ihn auf jeden Fall vor dem Fall bewahren und stützen, freiwillig oder nicht. Gemurmelte Gespräche, zu laute Musik aus Kopfhörern, Verkehrslärm. Es war keine angenehme Umgebung, um zu schlafen, aber wach bleiben lohnte sich einfach nicht.

Ein Ruck oder Schwappen ging durch die Menge der Leiber, die Türen öffneten sich und ein Hauch von frischer Luft mischte sich in die zunehmend verbrauchte Luft im Bus. Neue Köpfe ohne Gesichter drängten sich in die Masse, um mit ihr zu verschmelzen. Einer der Schemen wurde vom Unterbewusstsein rot eingefärbt und mit einem Adjektiv versehen. Ein penetrant beißender Geruch nach Zigarettenrauch ging von ihm aus. Eine dichte Wolke des weißen Rauchs blies er unter die Decke des Busses, von wo aus sie sich langsam aber dominant unter das große Durcheinander der Gerüche mischte.

Abartig“ blinkte das Adjektiv zu dem Schemen. Der Gestank zwang Flos Bewusstsein, wenigstens teilweise aufzuwachen, und dieser Umstand machte ihn ausgesprochen sauer. Einige wüste Beschimpfungen und Flüche waberten ziellos durch seinen Geist, ehe sie sich dem stinkenden Schemen anhefteten. Er hatte die Gestalt vermutlich noch nie gesehen und noch nie ein Wort mit ihr gewechselt aber hier und jetzt beschloss er, es dabei bleiben lassen zu wollen. Ihn so unsanft aus seiner Traumwelt zu reißen empfand er als ausgesprochen ungehörig. Wenn der Bus beschleunigte, wehte parfümierte Luft von vorne heran, wenn er bremste, kam der Zigarettengestank.

Eine Haltestelle noch. Das wäre zwar für ihn eine zu früh, aber den Rest konnte er laufen und es war eine gute Gelegenheit, an bessere Luft und seinen Schlaf zu kommen. Hauptsache, er war weiter weg von der stinkenden Gestalt. Gelegentlich mochte ihn der Geruch nur geringfügig stören aber heute war das anders.

Die Türen öffneten sich und das Ungeheuer von Bus übergab sich auf den Bürgersteig an der Bushaltestelle. Frische Luft umströmte Flos Nase und er übergab seinem Unterbewusstsein wieder die Kontrolle. Irgendwann, in wenigen Minuten, würde er vermutlich in einem Hörsaal oder Seminarraum sitzend aufwachen und feststellen, dass er genau da war, wo er sein sollte. So lief es schließlich immer um diese Zeit.