Schreiblaunen

„Wenn mich die Muse küsst“ sagt das Sprichwort, dann kann man besonders gut schaffend aktiv sein. Sei es nun mit Hammer und Meißel, mit Pinseln und Farbe, Instrument und Notenblatt oder mit Feder und Tinte, wahlweise auch Tastatur und Bildschirm. Nur, wer ist diese Muse, welche so eifrig alle Leute küsst, und sich doch so gerne diskret gibt? So diskret jedenfalls, dass mit persönlich kein Gesicht dazu einfallen möchte, welches mich geküsst haben will.

Anstelle einer schönen Person ist es in den meisten Fällen wohl einfach eine Laune. Bei mir als Schreiberling wäre es dann wohl die Schreiblaune, die mich zwar nicht küsst, aber immerhin doch schon einmal überkommt. Ihr zuvor kommt meistens ihre Schwester, die Idee, sie sind Zwillinge, aber trotzdem sollte ihr besser eine eigene Geschichte gehören. Die Schreiblaune jedenfalls macht aus der Idee eine Geschichte, welche greifbar, schreibbar und lesbar wird.

Zum Beispiel wenn man tiefenentspannt in der Sonne sitzt mit einem kühlen Getränk vor sich und dem Blick am Horizont. Wenn man die Zeit und die Ruhe hat, den Geist schweifen und die Gedanken fliegen zu lassen. Oder, wenn man einen Teil eines Vorgangs beobachtet hat, und das Gehirn einfach weiter rennt und die Ereignisse fortführt. Auch fort von dem Handlungsstrang der Realität. Was wäre, wenn…?

Was wäre, wenn die Frau, die dort eben auf der Treppe zum Bahnsteig gestolpert ist, nicht auf ihre Knie, sondern dem entgegen kommenden Mann in den Schoß gefallen wäre? Was, wenn sie sich daraufhin kennen und lieben gelernt hätten? Oder was wäre, wenn das Flugzeug über der Stadt spontan Feuer fangen würde und im nächsten Fluss notwassern würde, um den Brand gleich wieder zu löschen? Schließlich fliegt es doch sowieso verdächtig tief und in einer seltsam engen Kurve.

Stress ist hingegen ein optimaler Inspirationskiller bei mir. Ich habe zwar etwas Freizeit, aber ich sollte sie nutzen um irgendwas Wichtiges zu erledigen? Oder ich habe Freizeit, die sogar als Freizeit gedacht ist, aber am Horizont warten große Aufgaben? Selbst wenn ich will, kann ich vielleicht über Schreibblockaden schreiben aber schöne oder gute Einfälle, darauf wartet man vergeblich. Blöderweise drückt es gleichzeitig auf die Motivation und blockiert bestehende Gedanken und Konzepte. Ich kann also nicht einmal weiter schreiben, was ich schon begonnen habe.

Und wenn ich dann trotzdem unbedingt etwas schreiben will? Tja, dann müsst Ihr so etwas hier lesen. Was sind denn so die Gegebenheiten für Eure Schreiblaunen? Wie und wann könnt ihr am besten schreiben und wie funktioniert es überhaupt nicht? Lasst es mich doch mal wissen.

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Ein Gedanke zu „Schreiblaunen

  1. Simmis Mama

    Ich brauche vor allem Zeit um kreativ zu sein. Ich schalte den computer an / lege Papiere und stifte zurecht aber dann dauert es oft Stunden bis ich mich richtig hinsetze. Oft hilft mir Haushalt, Musik oder IRGENDWAS. Ich habe zwar vor kreativ zu sein, muß dann aber erst etwas andres tun um in Laune zu kommen. Ich kann aber nicht erst zb spülen und dann schreiben. Ich muss erst beschließen kreativ zu sein, vorbereiten, dann vielleicht zwischendurch Spülen und dabei immer wieder zum Arbeitsplatz zurückkehren.
    Außerdem geht nix vor nachmittags oder abends.
    Und irgendwann kommt dann der flow…

    Gefällt 3 Personen

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