Hörsaalgetuschel – Ausgabe 113

Die Badezimmerchroniken Teil 6

Handwerker, Vermieter und Hausverwaltung waren sich alle einig geworden und jeder versprach, sich um alles zu kümmern. Mia und Erik würden sich mit nichts wirklich befassen müssen. Selbst die Terminfindung schien leicht von der Hand zu gehen.

„Na lange können wir damit nicht warten, die Mieter brauchen ja schließlich Wasser. Das ist doch kein Zustand so!“

Irgendwo waren die beiden geneigt, dieser Aussage so zuzustimmen aber sowohl Mia als auch Erik hatten die Befürchtung, dass wenigstens eine Partei überstürzt und undurchdacht an die Sache herangehen wollte.

Dafür hatte es mit der Unterkunft keine Probleme gegeben. Flo war gerade dabei, die letzten drei Jahre seines Lebens in Kisten zu verpacken und das kleine Wohnheimzimmer leer zu machen. Aktuell verbrachte er eh einiges an Zeit mit Kristina in der neuen Wohnung, die gerade renoviert und eingerichtet wurde. Für diese Zeit stellte er sein Zimmer gerne und ohne zu zögern zur Verfügung. Er hatte es sogar noch angeboten, bevor sie danach fragen konnten.

Und dann kamen die Handwerker. Montags morgens, pünktlich um neun Uhr standen sie vor der Türe, genau, wie es verabredet war. Erik räumte gerade die letzten Sachen in seine Reisetasche, mit der er in Flos Zimmer umziehen wollte. Mia war noch damit beschäftigt, die Küche aufzuräumen. Putzen wäre wohl eh vergebene Liebesmüh.

Schweres Abbruchgerät donnerte im Flur und der Klempner erklärte seinem Kollegen, was alles zu tun sei. Alles raus und dann dies und jenes und dort dann noch das. Erik hörte das Gespräch nur gedämpft durch die geschlossene Zimmertüre, aber die Frage nach dem Zeitplan war deutlich zu verstehen.

„Puh, schwierig. Ich würde sagen, zwei Wochen, dann ist das durch.“

„Ja, aber dann brauch ich noch drei Tage für die Heizung.“

Das war sie also, die Prognose von einer Woche. Sie hatten doch alle gewusst, dass daran etwas faul war. Zwei Wochen klangen dagegen schon viel realistischer. Leider, wie er sich eingestehen musste. Er sah in seine Reisetasche und bemerkte, dass er vorsorglich mehr eingepackt hatte, als für die prognostizierte Woche notwendig war. Nicht, dass es relevant gewesen wäre. Seine ganzen Unterlagen waren noch in der Wohnung, genau so Mias. Sie würden sowieso alle zwei Tage vorbei sehen müssen, mindestens.

Knirschen und Kratzen hallte durch die Wohnung, als im Bad alles Demontierbare abgebaut wurde. Mia kam herein und griff nach dem Fotoapparat. Sie wollte noch eilig den aktuellen Stand einmal festhalten, wer konnte schon wissen, wofür das noch gut sein mochte. Zwei Minuten später war sie zurück und unterhielt sich gedämpft mit Erik.

„Zwei Wochen also? Ich bin ja mal gespannt. Immerhin ist das hier ein Altbau, wer weiß also, was sie unter der Tapete oder hinter den Fliesen finden? Worauf haben wir uns da nur eingelassen? Es lief doch nur das Wasser nicht.“

Sie setzte sich resigniert auf die Bettkante und ließ sich hinten überkippen. Erik konnte gut nachvollziehen, wie sie sich fühlte. Ihm ging es keine Spur besser und so legte er sich dazu und kuschelte sich an sie.

Es fühlte sich an, als würde das ganze Haus beben, als die beiden ihre Taschen griffen, um das Haus zu verlassen. Die Zwischenwand ächzte und gab Stückchen für Stückchen nach. Das kleine Badezimmer sah jetzt schon nicht mehr wiedererkennbar aus.

„Kann vielleicht einer von Ihnen morgen gegen vierzehn Uhr hier sein? Der Schornsteinfeger hat sich für dann angekündigt und Ihr Vermieter hat gebeten, dass ich Sie darüber informiere, er wollte dann auch da sein. Die Hausverwaltung kommt dann auch noch einmal hinzu.“

Erik nickte. Das war noch, bevor er in der Uni sein müsste. Ein kleiner Umweg aber kein Problem, und er könnte den nächsten Arbeitsstand fotografieren, wenn er daran dachte. Er nahm es sich wenigstens vor, doch als es so weit war, hatte er es längst wieder vergessen.

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Ein Gedanke zu „Hörsaalgetuschel – Ausgabe 113

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