Hörsaalgetuschel – Ausgabe 115.

Die Badezimmerchroniken Teil 8

Da überraschte „Oh“, was Erik am Vortag von den Bauarbeitern mitbekommen hatte, bezog sich auf das, was sie unter den Fliesen im Bad fanden. Es war das rohe Mauerwerk, auf welches, mit Hilfe von gründlich Mörtel, die Fliesen geklebt worden waren. Die Handwerker waren zu dem Entschluss gekommen, die Fliesen von der Wand zu schlagen und alles Weitere dem Putzer zu überlassen. Sie waren für das Leitungsnetz zuständig, nicht für ästhetische Feinheiten und Details.

Beim Abriss hatten sie ganze Arbeit geleistet. Die Wand war restlos verschwunden, ebenso der Fußboden mit Estrich. Selbst der Türrahmen der Toilettentüre war ausgebaut und entsorgt worden. Die Position der Trennwand war nur noch anhand der Tapetenfetzen auf der Rückwand und dem Schlitz in der abgehängten Schilfrohrdecke zu erkennen. Nicht einmal die Rohre an der Wand ließen noch klar erkennen, dass hier einmal ein Badezimmer gewesen war. Durch dicke Löcher in den Ecken konnte man in die angrenzenden Räume gucken. Vor Eriks inneren Augen quollen dicke Staubwolken dort hindurch und verteilten sich in der ganzen Wohnung. Als wären die zugigen Türen noch nicht ausreichend dafür gewesen.

Etwas ratlos sah Erik sich in seiner Wohnung um. Er war mit Mia vorbei gekommen, um den Kühlschrank und das Küchenregal so weit leer zu räumen, dass sie sie umstellen konnten, um Platz zu schaffen, für die neue Heizung. Die Handwerker hatten sie mit engagierter Begeisterung empfangen und ihnen in einer willkommenen Arbeitspause direkt ausführlich Bericht erstattet, was gerade wo getan wurde und was als Nächstes anstand.

Sie würden den Kleiderschrank verrücken müssen, weil die Heizungsrohre dahinter in der Fußleiste untergebracht werden sollten. Dafür müsste der Schrank möglichst leicht sein, aber sie sollten sich keine Sorgen machen. Bett und alles Andere würden sie mit Planen staubdicht abdecken. Die Planen lägen schon im Auto. Erik dachte wieder an die „abgeklebten“ Türen.

Und noch eine andere Türe ging ihm durch den Kopf. Er hatte das Spiegelschränkchen aus dem Bad unter dem Küchentisch wieder gefunden, schön außerhalb des Arbeitsbereichs. Und alles wäre ja auch in bester Ordnung gewesen, wenn nicht die linke Türe fehlen und nirgends zu sehen gewesen wäre. Was für ein ausgesprochen lästiger Umstand. Er hatte zwar das Schränkchen nicht übermäßig gemocht, aber es war immer sehr praktisch gewesen und entsprechend hatte er sich arrangiert. Das würde aber sicher nicht anhalten, wenn die Türe nicht wieder auftauchte.

Unterdessen erklärte ihm der Klempner mit vor Aufregung rotem Kopf zum inzwischen sicher siebten mal, wie die aktuellen Pläne für den Umbau aussahen. Mia warf ihm einen bedeutungsschweren Blick zu und sie beide wussten genau, am Ende würde es eh wieder alles anders sein.

Der einst so zuversichtlich präsentierte Zeitplan von einer Woche war gänzlich über den Haufen geworfen. Es war inzwischen Donnerstag und der Abbruch des alten Bades war noch nicht einmal komplett abgeschlossen. Die Trennwand war zwar raus und die alten Leitungen auch, aber ihre Reste waren noch im Flur verteilt. Dafür waren bereits die ersten Schlitze für kommende Leitungen in den Wänden zu sehen. Und die Rolle Toilettenpapier hing immer noch da, wo sie immer gehangen hatte.

Aber wenigstens würde diese Woche noch ausreichen, um die Abbrucharbeiten vollenden zu können. Nächste Woche würden die Rohre für Wasser und Heizung verlegt, die neue Heizung installiert werde können und eventuell auch bereits die Wände verputzt sein. Zwei Wochen hatten die Klempner noch zu Beginn angesetzt. Zwei Wochen und drei Tage genau genommen. Mia sah sich um und traute sich nicht, eine neue Prognose abzugeben. Erik war etwas mutiger, er hoffte auf drei Wochen. Die Klempner hatten bei ihrem Rederausch in der Pause noch auf ihrem bisherigen Zeitplan bestanden. Wenn Mia jetzt darüber nachdachte, musste sie etwas kichern. Diese Prognosen hatten in letzter Zeit eine recht schwache Trefferquote.

Herrsching III

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