Momente V

Schemenhafte Stimmengewirr, laut, Musik, buntes Licht und klappernde Flaschen. Der dumpfe Lärm legt sich wie ein Nebel über den Geist, wie ein Kissen, welches sich im Schädel ausbreitet und drückt, alles erstickt. Gesichter, die verschwimmen, alle in irgend einer Richtung abgewandt. Gerüche von abgestandenem Bier, kaltem Rauch, Schweiß und billigem Parfüm. Pochen, hinter der Stirn, an den Schläfen und im Hals.

Müdigkeit, welche die Glieder schwer werden lässt und Alkohol, der ihr helfend zur Seite steht. Wummernder Bass, der unangenehm auf einen gereizten Magen und eine zu volle Blase drückt. Süßlicher Speichel sammelt sich im Mund, das nagende Verlangen nach frischer Luft und etwas Kälte wird zu einem unwiderstehlichen Drang. Müdigkeit drückt sich wie ein Kissen in den Geist, lässt alle Konturen verwischen und alle Geräusche stumpf werden.

Ein paar Augen, eher zu spüren als zu sehen, glitzern in der namenlosen einheitlichen Masse auf und heben sich ab. Vor einer vagen und diffusen Masse strahlen sie scharfkantig und hell wie kleine Sonnen, in Malachit gefangen. Sie starren genau herüber, fangen den eigenen Blick auf und reagieren. Plötzlich ist der Lärm weg, das Licht weich, die Hektik verschwunden. Alles bewegt sich nur noch in Zeitlupe, die grünen Augen scheinen Funken zu sprühen. Es liegt etwas magisches in ihnen, etwas unwiderstehliches, eine Verbindung, Verstehen, Verlangen, Vertrauen. Perfektion ist das Wort, was hier einmal wirklich angemessen ist.

Dann ein Stoß von der Seite, Taumeln, Abfangen, wieder aufrichten und umsehen. Doch die Augen sind weg. Dafür bricht jetzt noch stärker als zuvor die Umgebung wieder hervor. Gestank von verschüttetem Bier und diversen Körperflüssigkeiten, grelles Licht flackert unruhig in vielen Farben und der Lärm aus den Boxentürmen ist laut, unharmonisch und langweilig. Nichts hier drinnen lohnt es noch zu bleiben, die Augen sind verloren und nicht mehr zu finden. Das letzte verbliebene Verlangen wartet auf der anderen Seite der Tür.

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2 Gedanken zu „Momente V

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