Selaya I.

Weil ich noch keine Zeit hatte, mir genauer zu überlegen, was ich denn als nächstes schreiben möchte (und auch nicht viel Zeit zum Schreiben hatte), gibt es hier und heute jetzt nur eine kleine Geschichte von früher als Trost. Es ist tatsächlich eine der ersten Kurzgeschichten, die ich überhaupt geschrieben habe. Ich hoffe, das merkt man nicht all zu deutlich. Viel Spaß!

Grell weiß begannen die Leuchtstoffröhren an der Decke zu flackern. Ein kaltes, wenig einladendes Licht breitete sich in der kleinen Garage aus, drängte sich in jede noch vorhandene Ritze und Fülle letztendlich den ganzen Raum aus. Das war nicht schwer, es gab kaum noch freien Raum. Die Wände bogen sich unter Meter langen Regalen, von der Decke baumelten die Lampen und eine ganze Reihe von Haken an denen Massenweise Werkzeuge aufgehängt waren. All jenes, welches nicht mehr auf die Werkbank passte, welche sich in eine Ecke drängte und völlig verloren und verkümmert unter ihrem Berg aus Allerlei aussah. Dieses ganze große Chaos wurde von einem einzelnen Objekt beherrscht, welches ruhig und gewaltig in der Mitte der Garage thronte, sie beinahe vollständig für sich einnahm.

Der Junge blickte sich ruhig um, er war das Chaos gewöhnt, kannte es zur genüge. Wie sollte es auch anders sein? Er hatte es schließlich selber angerichtet. Er legte seinen Kopf schräg und betrachtete das Monster. Ein riesiger Klumpen aus Metall wie es schien. Ein Drache welcher seinen Schatz bewachte. Etwas mehr als ein Jahr lag er nun schon dort und wuchs Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Der Junge arbeitete jede freie Minute an ihm, oft bis spät in die Nacht hinein. Außer ihm wusste wohl niemand was er hier tat dachte er sich.

Ein zerknüllter Kontoauszug fiel aus seiner Hand und landete auf einem der Müllhaufen welche sich über dem angesammelt hatte, was einst durchaus als Mülleimer hätte gelten können. Auf dem Papier stand keine einzige Zahl mehr welche kein dezentes „-“ vor seinem Betrag stehen hatte. Es landete in einer leeren Farbdose wo es von einigen der wenigen Lebewesen im Raum freudig empfangen wurde, eine kleine Bakterienkultur welche in den Löse mitteln der Lackfarben ein neues Zu hause gefunden hatte. Warum das Gift sie nicht tötete interessierte sie nicht.

Er griff in seine Tasche und holte eine Papierschablone heraus, griff eine hellrote Sprühlackdose von der Werkbank und stiefelte auf den Koloss zu. Es war nicht viel anders als die hunderte Male zuvor doch aus einem Grund den er sich nicht erklären konnte klopfte sein Herz einen unruhigen Heavymetal-Takt und er hatte das Gefühl er müsse dem Moment etwas feierliches verpassen. So entschloss er sich, die Musik, welche sonst immer lief, zur Feier des Tages einmal schweigen zu lassen und sich ganz auf die Arbeit zu konzentrieren. Die Letzten Handgriffe, die letzten Arbeiten. Was danach kam, soweit hatte er noch nicht oft gedacht.

Eigentlich hatte er schon viel zu oft daran gedacht. Der Gedanke, dieser eine alles beseelende Wunsch bestimmte sein ganzes Handeln. Er hatte ihn dazu gebracht Ewigkeiten in dieser kleinen staubigen Garage zu verbringen und zu schrauben und zu hämmern bis er vor Erschöpfung kaum noch den Weg zurück ins Haus schaffte.

Alle diese langen Stunden der Erschöpfung, der aufopferungsvollen Arbeit. All dies neigte sich nun dem Ende entgegen. Alles lief auf das Ziel hin und es gab kein Zurück mehr, egal was kam. Er legte die Schablone an die spitze Nase des Koloss und hob die Dose.

Selaya“

Die Schrift leuchtete auf dem mattschwarzen Lack, welcher das gesamte teil überzog, als würde sie brennen, leben. Der Junge war von dem Ergebnis überrascht die Wirkung übertraf seine Hoffnungen. Er musste einige Schritte zurück treten um die gesamt Wirkung besser zu erfassen, dabei stieß er hart mit dem Kopf gegen den Akkuschrauber welcher laut polternd aus dem Regal fiel und zu surren anfing.

Selaya! Das war ihr Name, von diesem Moment an. Ein Schatten, ein finsterer Drache. Er wollte nicht gesehen werden und wer ihn wohl sah, sollte sich verwundert die Augen reiben und ihn danach nicht wieder finden.

Er sprach den Namen laut aus.

Selaya!“

Der Klang gefiel ihm. Er fand es würde irgendwie erhaben, majestätisch klingen. Eine Königin. Ein magisches Wesen, ein Drache, welcher Felsen fraß und Feuer spie.

Das erste Mal seit er das Herz des Drachen getestet hatte sollte es nun wieder schlagen. Das erste Mal seit er die Maschine in das Große und Ganze eingefügt hatte zum leben erwachen und sein Leben durch die Leitungen drücken, bis in die letzte Ecke.

Er klappte einen Schacht an der Seite hinten auf. Hinter ihm lagerten graue Zylinder im Regal. Sie sahen sehr schwer aus und er wusste sie waren es auch aber seine Selaya brauchte sie. Das war ihre Lebensenergie, ihr Treibstoff mit dem sie ihn an sein Ziel bringen sollte. Er hob einen an und verfrachtete ihn ächzend in die Luke. Mit einem leisen metallischen knirschen rutschte er hinein und ein dumpfes Klacken sagte aus, er war fixiert.

Shuttle

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4 Gedanken zu „Selaya I.

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