Selaya II.

Höchste Zeit für den Testlauf“ sagte er zu sich selbst. Der Motor funktionierte, das musste er nicht mehr testen. Jede einzelne Platine hatte er getestet, jeden Schaltkreis zig mal gemessen. Es konnte gar nichts schief gehen, sein Genie konnte nichts übersehen haben und doch…

Er war unruhig, nervös und angespannter als Spannstahl. Hastig suchte er alle Plätze ab wo er die Feuerlöscher wusste. Eigentlich lächerlich. Es war unwahrscheinlich das er es überleben würde wenn etwas schief ging.

Ein Raketentest ist ein sonntags Spaziergang hiergegen“ schoss es ihm durch den Kopf.

Er schob die Haube zum Cockpit auf und hob seinen Rucksack hinein. Er war erstaunt wie schwer fällig es ging, nun wo die Hydraulikanlage noch schlief. Wenn sie einmal erwacht war würde sie die Haube zurück ziehen können als würde sie nicht aus Zentimeter dickem entspiegeltem Plexiglas bestehen sondern nur aus einer dünnen Folie.

Genau so würde sie Sie nach vorne in die Abdichtung drücken können und kein noch so kleines bisschen Gas hindurch lassen. So hoffte er wenigstens denn das konnte er noch nicht unter den Bedingungen testen die er sich wünschte.

Schnaubend zog er sich zu seinem Rucksack ins Cockpit. Er begann sich schon zu ärgern die ganze Angelegenheit so weit in die Höhe gezogen zu haben, ohne Trittleiter würde es schwer werden ein zu steigen. Er schrieb den Gedanken auf seine Mängel liste.

Er klappte den Instrumentenpils herab. Eigentlich sollte sich nun die Haube schließen aber da das System noch nicht unter Druck stand war nur ein leises Klicken, gefolgt von einem Gluckern zu hören. Sein Blick schweifte flüchtig über die Instrumente. Die Bildschirme waren allesamt dunkel, nur die Uhr tickte leise und Gleichmäßig vor sich hin. Er lauschte dem Geräusch bis es den ganzen Raum mit einem Dröhnen zu erfüllen schien, es beruhigte ihn irgendwie.

Zu seinen Füßen spürte er seinen Rucksack. Er enthielt neben seinem Laptop, einer tafel Schokolade, einer Flasche Orangensaft seiner Federmappe und einem Block Papier auch noch eine Ladung Pflaster, einen Druckverband, eine bunte Mischung aus Schmerz- und Kopfschmerztabletten, ein Handtuch und je einen Ersatzakku für sein Handy und seinen Laptop. Er erwartete das er von all dem nur seinen Laptop benötigen würde aber man kann ja nie wissen.

Er schob seinen Laptop in das speziell dafür entworfene Dock zu seiner linken, klappte ihn auf und fuhr ihn hoch. Den Rucksack verstaute er hinter seinem Sitz. Der Joystick klapperte leise gegen die Instrumenten tafel und der Bildschirm des Laptop zitterte als vor dem Garagentor ein Bus entlang fuhr und in dem Bestreben seine Verspätung von unverschämten zwei Minuten und fünfzehn Sekunden auf zu holen die Geschwindigkeitsbegrenzung für innerörtlichen Straßenverkehr maßlos überschritt.

Der Laptop war hochgefahren. Die Startroutinen erweckten gleichzeitig auch Selayas Generator zum Leben. Ein leises Zittern durchlief das ganze Gefährt und überall um den Piloten erwachten die Lichter zum Leben und spiegelten in seinem Gesicht ein buntes Farbenspiel. Erschrocken fuhr er herum als mit einem scharfen Zischen die Haube zu fuhr und klackend ein rastete.

Es war Unsinn das Cockpit beim ersten Test geschlossen zu halten beschloss er und öffnete es wieder. Er testete das Belüftungssystem und die Heizung, bis ihm auffiel das es mehr Sinn machen würde hierfür die Kabine zu schließen. Da er dazu aber zu faul war blieb sein Blick am Steuerknüppel hängen.

Zu seiner Linken befand sich ein fast Ellenbogen langer Schubregler, an seiner spitze war eine kleine Reihe Kippschalter unter Sicherheitsklappen verborgen. Er legte bis auf zwei alle um.

Hinter ihm begann ein tiefes Brummen lauter zu werden. Der Motor lief und summte glücklich. Wieso musste dieser Motor summen? Er hatte nirgendwo auch nur ein einziges bewegliches Teil, alles war komplett statisch wie aus einem Guss. Die Tatsache das er wohl brummte beunruhigte den Piloten wenig. Das Modell welches er zuerst gebaut hatte, hatte auch gesummt und auch wenn er keine Ahnung hatte wieso dieser Motor funktionierte, schien er ihn zu beherrschen und konnte ihn wiederholt auseinander nehmen und zusammen bauen. Eine merkwürdige Schöpfung.

Behutsam löste der junge den Joystick aus seiner Fixierung und zog ihn zu sich heran. Er hoffte er würde genau so gut funktionieren wie der ganze Rest es bisher tat. Ein Spielzeug war eigentlich nicht zum Einsatz in einem Fahrzeug gedacht und so blickte er auf ihn herab und fragte sich was er mit so vielen Sondertasten anfangen sollte.

Was interessierte es ihn überhaupt? Das wichtigste war doch das es funktionierte und er war sich sicher das es funktionieren würde. Er überprüfte Selayas Einstellungen.

Shuttle

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10 Gedanken zu „Selaya II.

      1. Stella, oh, Stella

        Haha, ja in dieser Hinsicht bin ich ein totaler Ignoramus! Für mich ist ein Raumschiff nämlich das gleiche wie eine Rakete. Ich hoffe, es schockt dich nicht zu sehr … 😉

        Ich habe da einen ganz anderen Verdacht … nur das mit dem Gas passt nicht dazu, aber was weiss ich denn schon … 😉

        Gefällt 1 Person

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