Perlen

Die Welt ist rund, dreht sich im Kreis, immer um ihre eigene Achse. Es wird voll auf dieser kleinen blauen Perle im Nichts. Dicht gedrängt in goldenen Käfigen aus Stahl und Beton kriecht und krabbelt es. Ein Ameisenhaufen aus Blech und dazwischen die Menschen. Sie müssen miteinander leben, einander aushalten. Für alles andere ist kein Platz mehr. Kleine Häufchen von Menschen bilden sich, einzelne Gruppen, verbunden durch irgendetwas, was sie vereint. Ideen, Träume, Ideologien, und was vereint, das kann genau so trennen.

Zwischen den Clustern und Gruppen schwimmen einzelne lose Elemente. Sie passen nicht ins Bild, nicht so wirklich zum Rest, und gehören dennoch zweifelsfrei dazu, dann aber auch wieder genau nicht. Niemand kann sie ganz zuordnen, etwas mit ihnen anfangen. Es sind Fremdkörper im System, obwohl sie Teil eben dessen sind. Nicht so sehr wie ein Sandkorn im Getriebe der Maschine. Eher wie ein paralleler Prozess, verbunden aber gleichzeitig doch auch abgeschieden.

Die Gesellschaft ist nicht begeistert von diesen Elementen. Sie versteht sie nicht, kann sie nicht durchschauen und will sich nicht wirklich mit ihnen befassen. Sie sind ausgegrenzt, weil sie ausgegrenzt werden und auch, weil sie sich selbst ausgrenzen, sich von der Menge abheben und isolieren.

Von beiden Seiten aus wird eine Mauer gebaut, Stein um Stein, Lage um Lage, Schicht um Schicht. Unterschiedliche Ideen, Ideologien und Vorstellungen, die unvereinbar aufeinanderprallen. Fremdkörper, wie Sandkörner in einer Muschel. Bunt schillerndes Perlmutt wird aufgetragen, um die Kanten zu runden, um den Fremdkörper nicht mehr sehen zu müssen. Mit jeder Lage wird das einstige Sandkorn größer, stärker, und runder. Mit jeder Lage wird dir Schicht dicker, die Abgrenzung deutlicher und unüberwindbarer. Eventuell verkleben zwei Perlen miteinander und werden zu einer, aber es ist selten, dass diese Mauer wieder angenagt wird, um das eigentlich schon vergessene Sandkorn darin zu suchen.

Wenn es doch einmal passiert, dann müssen dicke Lagen einer soliden Wand abgetragen werden, Löcher hinein gepickt werden, aber verschwinden wird sie nie wieder ganz. Das ist der Schutzpanzer, in den sich der Fremdkörper des Systems zurückzieht, denn wenn er eines gelernt hat, dann ist es, dass er anders ist. Er braucht die Anderen nicht. Er war schon immer auf sich gestellt und wird es auch weiterhin sein können. Das Perlmutt schimmert in allen Farben des Regenbogens und wenn man ganz genau hinsieht, vielleicht sogar etwas mehr. Man muss sich vielleicht etwas drehen, um es zu sehen. Im Kreis und um die eigene Achse. Wie die kleine blaue Perle im Nichts.

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