Beltane – Teil 1.

Vorwort

Es wird mal wieder Zeit für eine Geschichte. Mit Beltane lade ich Euch auf eine Reise zu den Sternen ein. Es ist eine Geschichte, die ich bereits vor einer Weile geschrieben habe, um einer anderen Geschichte etwas mehr Hintergrund und Leben zu bieten, die Welt mit Geschichte, Gesichtern, Namen und Schicksalen zu füllen.

Damit steht sie auch nicht ganz alleine da. Hunger und Warteschleife spielen ebenfalls in diesem Universum. Man kann Beltane auch als eine Art „Fortsetzung“ zu Hunger sehen, auch wenn das Schiff ein anderes ist. Es ist im Grunde der nächste Schritt. Die eine Etappe der Reise ist abgeschlossen, und nun folgt die nächste.

Wie schon bei Hunger habe ich dabei rein aus dem Kopf geschrieben, ohne die bitter notwendigen Recherchen. Ich hoffe, man merkt es nicht zu sehr anhand von Fehlern und Logiklöchern (Wie immer bin ich dankbar um jeden Hinweis auf ebendiese). Kleinere Schnitzer versuche ich immer wieder unterwegs zu beseitigen. Wie üblich ist sie in mundgerechte Häppchen zerteilt, um sich besser in die Bloggerwelt am Bildschirm einzufügen.

Und es ist wieder eine kleine Premiere, denn vor Euch hat noch niemand diese Geschichte gelesen. Jetzt wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Lesen und wie immer sind Kommentare und Kritik herzlich willkommen.

Beltane Titelbild

Beltane – Teil 1.

Wie führt man ein Interview über vierzig Lichtjahre, über eine Leitung, die sich nur einmal am Tag für eine halbe Stunde öffnet?

Felix Urban saß an seinem spartanisch eingerichteten Arbeitsplatz und riss sich die dünnen Haare aus. Er hatte vom Sender den Auftrag bekommen, eine Dokumentation zu drehen. Eine Dokumentation über etwas, was auf einem anderen Planeten, in einem anderen Sternsystem, vierzig Lichtjahre entfernt statt fand. Eine Dokumentation mit Interviews und möglichst beeindruckenden Filmausschnitten. Immerhin würden sie sich mit der semi-3D Version zufrieden geben. Es würden also keine vollständig dreidimensionalen Aufzeichnungen für die Holokammern sondern nur die üblichen, einfachen, flachen Versionen benötigt. Diese waren immer noch gut genug, um auf den Televisoren in den Wohnzimmern der Allianz ein beeindruckendes Erlebnis zu erzeugen.

Noch etwas, an das er sich noch gewöhnen musste. Die „Allianz der Terranischen Kolonien.“ Zweiundvierzig waren es inzwischen, wenn man nur die Systeme zählte. Früher war noch die Rede von der Systemmacht Sol, den dichten- und den tiefraum- Kolonien gewesen. Seit der großen Konferenz war das nun Geschichte. All das hieß jetzt nur noch die Allianz. Das schlimmste daran war, der Sitz dieser Allianz war nicht einmal auf der Erde sondern auf einer der dichten Kolonien. Soweit war es schon gekommen. Die Erde, die Welt auf der alles begonnen hatte, war nicht einmal in die Auswahl zum Sitz der Verwaltung gekommen. Eine Kolonie sollte diese Aufgabe übernehmen. Eine Ersatzerde!

Für Felix Urban war das allein ein himmelschreiender Skandal. Und über eine solche Ersatzerde sollte er jetzt eine Dokumentation drehen. Der Sender hatte die jüngste, am weitesten entfernte, primitivste Welt ausgesucht. Wenn sie gekonnt hätten, sie hätten ihn wahrscheinlich noch selbst hin geschickt. Zu seinem Glück war die Reisezeit für die schnelle Medienwelt in geradezu geologischen Maßstäben. Das Kolonieschiff, die Beltane, hatte achtzig Jahre für die Reise gebraucht. Trotz der Dämpfer hatten sie nicht bis direkt unter Lichtgeschwindigkeit beschleunigen können. Sie hatten sich mit etwas mehr als der Hälfte zufrieden geben müssen, um die Raumzeit nicht gänzlich zu verzerren.

Seit dreißig Jahren war die Beltane Kolonie nun also der entfernteste Stützpunkt der Menschheit. Kein Mensch hatte überhaupt eine weitere Reise angetreten und das, obwohl sich die Triebwerkstechnologie und die Dämpfer verbessert hatten. Die neuen Schiffe konnten Lichtgeschwindigkeit fast erreichen, ohne dabei von außen relativ langsamer unterwegs zu sein. Ein Pilot hätte darin für fünf Monate unterwegs sein können und bei seiner Rückkehr wären tatsächlich nur diese fünf Monate vergangen. Das hätte er, wenn die Dämpferfelder für Organisches Leben nicht absolut tödlich gewesen wären. Trotzdem war die vergangene Systemmacht Sol vollends davon überzeugt gewesen und gab unbemannte Frachtdrohnen in Auftrag, die zwischen den Kolonien verkehren sollten. Die Ersten davon waren bereits auf der Heimreise.

Vor etwa einem halben Jahr war eine dieser Drohnen auf Beltane eingetroffen. Sie transportierte das allerneuste Stück Technologie aus den Geheimlabors der ehemaligen Systemmacht. Ein Objekt, von dem Felix Urban keine Ahnung hatte, wie es genau funktionieren sollte und was daran funktionieren könnte oder auch nicht. Technik interessierte ihn nur so weit, wie er es in einen hastig zusammen geschusterten Bericht packen konnte, den ihm irgendjemand für schnelles Geld abkaufte.

In diesem Fall war immer die Rede von Tunnelrelais, über die man Daten zwischen den Welten, über Lichtjahre der Entfernung ohne Zeitversatz transferieren konnte. Sie sollten im Grunde funktionieren wie ein Wurmloch, nur eben genau andersherum. So hatte ihm jedenfalls der Ingenieur entnervt erklärt, als er es nach der zigsten viel zu wissenschaftlichen Erklärung noch immer nicht verstehen wollte. Felix Urban musste sich allerdings eingestehen, dass er es auch nicht wirklich versucht hatte zu verstehen. Er konnte Wissenschaftler und Ingenieure nicht leiden. Wie sie umher stolzierten, mit ihren weißen Kitteln und tollen Helmen. Wie sie immer alles wissen mussten und jeden kennen. Als würde die Welt sich ohne sie nicht mehr weiter drehen können.

Gut, er musste zugeben, ungebremster Informationsfluss über Lichtjahre, das war in der Tat ein sehr kostbares Gut. Vielleicht sogar die wichtigste Erfindung seit … ihm fiel auf die Schnelle kein geeignetes Beispiel ein und er notierte sich schnell die Fragestellung. Vielleicht konnte man mit einem wohlwollenden Bericht darüber bei der Allianz einige Sonderrechte gewinnen. Trotzdem war er Realist genug, die alten Relaisstationen noch nicht aufzugeben. Sie konnten zwar keine Nachricht schneller als das Licht transferieren aber dafür von und zu jedem beliebigen Punkt. Und sie waren ausgesprochen zuverlässig, selbst wenn sie mit einem menschlichen Wärter besetzt waren. Der größte Teil der weniger dringlichen Nachrichten und Ergebnissen aus der Wissenschaft würde weiterhin über dieses verlässliche und (noch) billigere System laufen. Für seine Dokumentation aber brauchte er etwas schnelleres.

Felix Urban ärgerte sich, dass er der Kolonie nicht einmal eine brauchbare Kamera zukommen lassen konnte. Die Tunnelrelais konnten bislang keine Materie übertragen und mussten unbedingt im Weltall stationiert sein. Frei von Gravitation und Atmosphäre. Würde er dieses frei von Gravitation in einem wissenschaftlichen Beitrag senden lassen würde er sicher für viel Aufregung und Beschwerden sorgen aber für ihn reichte diese Erklärung so. Die Tunnel waren für Funkübertragungen geeignet, ansonsten wertlos. genauer wollte er es nicht wissen. Jedenfalls war er auf die Kameras angewiesen, die auf der Kolonie bereits vorhanden waren. Das konnte unmöglich gut gehen. Die Kameras dort mussten alle schon zwanzig Generationen veraltet sein und wahrscheinlich auch noch miserabel gewartet. Was für eine Verwendung hatten Kolonisten auch für Kameras? Das waren Wilde, Bauern, Barbaren! Freaks, deren Eltern es schon auf den alten Welten zu nichts gebracht hatten. Wieso sollte es auf den Neuen besser laufen? Felix Urban knirschte mit den Zähnen und schmiedete weiter an seinem Plan.

2 Gedanken zu „Beltane – Teil 1.

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