Beltane – Teil 5.

Beltane Titelbild

„[…] Wie sieht es mit Ihnen aus, junge Dame? Ihre eigene Familie stammt aus den Minen von Deimos, dem Marsmond, wenn ich mich nicht täusche.“

„Von Deimos und Phobos sogar. Die Großeltern meines Vaters haben sich beim Bau der Station über Utopia Planitia kennen gelernt. Meine Urgroßmutter war dort als Schweißerin und mein Großvater steuerte den Frachter, der die Seile für den Orbitallift lieferte. Seine Familie kam von Phobos, wo die Seile damals produziert wurden.“

„Dann hat Ihre Familie ja direkt an den Werften mit gebaut. Die letzten der Kolonieschiffe wurden dort noch gebaut. Nach meinem letzten Stand wurden dort nach uns nur noch Frachter und Drohnen gebaut. Die Beltane war das letzte Kolonieschiff, was gebaut wurde. Verstehen kann ich das nicht. Ich hatte erwartet, dass wir nur die Vorhut von etwas großem sind. Es gibt immerhin eine ganze Galaxie zu erforschen. Haben Sie es schon gehört? Man hat wohl tatsächlich zwei weitere außerirdische Zivilisationen entdeckt! Bisher nur Gerüchte, aber wie aufregend das wäre. Offensichtlich wird es voll im Weltall. Wer weiß, vielleicht wird es in der Galaxie einmal überall so voll sein, wie auf der Erde selbst. Damit wäre es dann für einen einzelnen wieder kaum möglich, einen Unterschied zu machen. Noch viel weniger wahrscheinlich.“

„Ich glaube, es wird immer Menschen geben, die durch ihre Art und durch ihr Handeln aus der Masse heraus stechen werden und sich einen Namen machen. Bei uns wird man sich vielleicht nicht an die Namen erinnern aber wir werden von unseren Nachkommen hoffentlich immer als die Gründer in Erinnerung behalten werden. Wir bauen hier alles auf, machen aus einem Toten Stein eine Heimat. Ohne diese Arbeit, würden sie hier nie leben.“

„Oh dieser Stein, wie Sie ihn nennen, war nie wirklich tot. Er hat schon vor der Ankunft der Kapseln geatmet und gelebt. Wenn sie gut Acht geben, dann werden sie vielleicht einige der Kristalle finden. Irgendwie schaffen es diese kleinen Dinger in der tiefsten Nacht ein klein wenig Licht zu erzeugen. Für mich erscheinen sie lebendig aber davon will man in der Universität nichts hören. Die schlauen Köpfe dort haben wohl zu viel Angst davor, eine unbekannte Art aus zu löschen ohne sie wahrgenommen zu haben. Also nimmt man sie lieber nicht wahr.“

„Soweit ich gehört habe, sind die beiden außerirdischen Völker tatsächlich Zivilisationen. Bei ein paar Kristallen, die lediglich ein Energiemuster zeigen, wird man doch kaum davon reden können, oder? Ich meine, es gibt keine Städte, keine Bauwerke, keine Artefakte. Nichtmal eine simple Form des Stoffwechsels oder der Kommunikation haben wir auf Beltane beobachten können. Andernfalls wäre der Planet niemals für die Besiedlung frei gegeben worden. Von den beiden außerirdischen Kulturen ist die eine der Menschheit angeblich sogar technisch Überlegen. Das glaube ich aber noch nicht so ganz, sonst hätten wir doch sicher früher von ihnen gehört.“

„Seien Sie sich da nicht zu sicher. Wenn diese Wesen tatsächlich so weit entwickelt sind, dann muss die Menschheit ausgesprochen langweilig für sie sein. Was haben wir ihnen denn zu bieten? Von unserer Technologie können sie kaum was lernen, unsere Gesellschaft mag ihnen regelrecht barbarisch vorkommen. Objektiv betrachtet sind wir Menschen wahrlich nicht großartig. Die grünen Technologien feiern zwar mit der jüngsten Expansion der Menschheit eine gewisse Renaissance aber ihr Wirkungsgrad ist durch die Bank bestenfalls mittelmäßig. Besonders unsere Raumfahrer und Führungspersonen können sich vor Überheblichkeit kaum bewegen und feiert sich nur zu gerne als Geschenk an das Universum. Es ist ihnen egal, ob sie nun Segen oder Geißel der Sterne sind. Für diese fremdartige Kultur der Außerirdischen müssen wir wie kleine, verwöhnte Kinder mit zu großen Spielzeugen wirken. Sie werden gute Gründe haben, uns bislang ignoriert zu haben. Natürlich ist das nun nicht mehr möglich, jetzt, wo wir sie gefunden haben. Die hohen Herrschaften in der Regierung der jungen Allianz werden auf eine Botschaft bestehen, falls sie das nicht direkt getan haben. Wie man hört, hat sich unsere werte Allianz sowieso beim Erstkontakt nicht gerade rühmlich verhalten.“

„Dafür habe ich leider nicht genug davon gehört. Die Nachrichten treffen erst mit Verzögerung bei mir ein. Die Verwaltung empfängt als einziger die Nachrichten und gibt sie dann weiter. Aber es ist schon ein großer Fortschritt. Vor dem Tunnelrelais haben wir überhaupt keine Nachrichten empfangen können. Selbst wenn wir etwas aus dem Hintergrundrauschen heraus filtern konnten, war es über vierzig Jahre alt! Kaum aktuell genug, um die Ereignisse nach dem Start der Beltane rekonstruieren zu können.“

„Für Nachrichten mag das eine lange Zeit sein aber dadurch werden sie nicht weniger wichtig. Für uns sind Entwicklungen neu, die im Sol System längst vergessen sind. Für den See hilft es mir leider trotzdem nicht.“ Er warf einen wehmütigen Blick über die glitzernden Wellen. Vor seinem inneren Auge verglich er das aktuelle Bild mit denen von früher. Er hatte früher Fotos von Gewässern der Erde gesehen. Wenn es irgendwie in seiner Macht stand, dann würde er diesem See ein solches Schicksal wie denen dort ersparen. Die Bilder von schmierigen Tümpeln voller Müll und Unrat hatten ihn damals tief getroffen. Gewässer, in denen kaum noch eine Art von Leben möglich war, ganz zu schweigen von empfindlichen Fischarten. Hier stand ihm die Möglichkeit offen, einen neuen Lebensraum zu schaffen um selbst die bedrohtesten Tiere weiter schwimmen zu lassen. Sein Traum war, die Gewässer Beltanes mit Leben zu füllen. Von der kleinsten Mikrobe bis hin zum größten Wal. Er musste sehr vorsichtig dabei vor gehen. Das Wasser hatte schon begonnen trübe zu werden. Er hatte Angst davor, den Effekt zu unterschätzen.

Mara meinte, einen ausreichend guten Eindruck vom See und seinem Hüter bekommen zu haben. Die Bilder würden der Erde zeigen können, wie Wasser unter freiem Himmel auszusehen hatte. Vielleicht konnte man selbst dort wieder einiges renaturieren, wenn man sich Mühe gab. Beltane konnte die Richtung aufzeigen und sich so dabei einen Namen machen. Für sie war es Zeit, weiter zu kommen. Die Fähre war angekommen und brachte sie nach Belenos.

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