Hörsaalgetuschel – Ausgabe 168.

Terminmanagement

Die Klausur hat erst einmal Vorrang, danach habe ich ja dann immer noch eine Woche in der ich die eine Hausarbeit schreiben kann, die andere ist ja fast fertig, das dauert doch sicherlich nur noch einen Tag und die dritte kann ich ja dann immer abends nach dem Praktikum machen und an den Wochenenden. Also Samstag abends und sonntags dann. Das ist dann eine effektive Zeitnutzung.

So hatte Flo es sich ausgemalt und seine Zeit durchgeplant, obwohl er bereits von Anfang an genau wusste, dass es nicht aufgehen würde. Er kannte sich gut genug und wusste, dass er dafür zu faul sein würde. Abgesehen davon, würde Kristina es ihm übel nehmen, wenn er sie zu sehr vernachlässigte. Wenn er sich dazu überhaupt selbst hätte überreden können. Er hätte also jetzt seine Zeit am Schreibtisch verbringen und eifrig die Tastatur müssen. Es wunderte niemanden, dass er das nicht tat.

Stattdessen füllte er seine Oxytocinvorräte wieder auf und verbrachte den Abend mit Kristina auf dem Sofa. Worüber sie sich unterhielten könnte er in ein paar Minuten nicht mehr sagen, sein Gehirn lief bereits auf Sparflamme und ohne Filter. Er reagierte darauf, was sie ihm erzählte, erzählte selbst, was ihm gerade durch den Kopf wanderte, aber nichts davon schaffte es bis in sein Langzeitgedächtnis. Selbst das Kurzzeitgedächtnis hatte bereits Feierabend und sammelte nur noch das Nötigste ein.

Und so verpasste er dann auch, dass sie ihm mitteilte, an welchem Tag sie denn auf dem Geburtstag ihres Vaters bei ihren Eltern sein würden. Er verpasste, dass sie nächste Woche erst später zuhause sein würde, weil sie das Firmenjubiläum vorbereiten mussten und er verpasste auch, dass sie ihn bat, mit ihrem Rezept auf dem Heimweg am Montag in der Apotheke vorbei zu gehen.

In den kommenden Wochen würden einige Überraschungen auf ihn warten, mit Terminen, von denen er vorher noch nie etwas gehört hatte, obwohl Kristina ihm jeden einzelnen davon aufgezählt hatte. Wäre sie selbst etwas aufmerksamer gewesen, dann hätte sie bemerkt, dass ihr Freund bereits zur Hälfte im Traumland weilte, und hätte lieber Notizzettel geschrieben. So aber würden die Überraschungen genau so auf sie selbst warten..

Discovery Park

8 Gedanken zu „Hörsaalgetuschel – Ausgabe 168.

  1. Stella, oh, Stella

    Eigentlich mehr „normale“ menschliche Verhaltensmuster; Missverständnisse, die durch mangelnde Kommunikation entstehen. Zwischen den beiden war ja kein miteinander kommunizieren, sondern parallel kommunizieren, ein totales nebeneinander her, ohne den anderen eigentlich richtig wahrzunehmen.
    Eigentlich keine Ideen von mir, eher Beobachtungen.

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    1. dergrafvonborg Autor

      Kommunikation ist immer eine heikle Angelegenheit. Ich bin auch wahrlich kein Weltmeister darin, aber es gehört halt zum Leben in Gesellschaft dazu.
      Naja aber sie kennen sich ja bereits recht gut und wissen, mit dem jeweils anderen umzugehen. Da kennen sie vermutlich auch diese Seite schon und haben sich an entsprechende Ausgleichsmaßnahmen gewöhnt… teilweise jedenfalls. Wer weiß, wer hier was alles vergisst.

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