Geoengineering – Moin Senf

Nachdem es hier in letzter Zeit eigentlich nur noch um den Garten ging wird es allerhöchste Zeit für eine kleine Abwechselung. Mir begegnen in letzter Zeit vermehrt wieder Artikel zum Thema Geoengineering, und ich frage mich wieso? Warum ich bei diesen Berichten immer etwas skeptisch bin möchte ich euch in einem kleinen Beitrag gerne erläutern.

Habt ihr euch schon einmal mit dem Thema befasst? Wie ist eure Meinung dazu? Diskutiert gerne mit und vielleicht kann mich ja sogar jemand umstimmen.

Riesige Spiegelflächen im Orbit, die einfallendes Sonnenlicht in den Weltraum reflektieren, künstlich angelegte Wälder in den Wüsten dieser Welt, in der oberen Atmosphäre verstreute Aerosole, welche künstlich Wolken und damit Regen entstehen lassen sollen oder Ozeane voller Algenplantagen, in denen CO2 gebunden werden sollen. Alle diese Maßnahmen zählen zum Themenkomplex des Geoengineerings. Darunter versteht man die Beeinflussung des Weltklimas durch groß angelegte technische Maßnahmen. Der Mensch hat den Klimawandel maßgeblich verursacht, also soll er ihn auch wieder beseitigen, ist dabei die Devise. Die meisten Entwürfe setzen dabei beim Entfernen großer Mengen CO2 aus der Atmosphäre an.

Der Gedanke ist naheliegend. Immerhin ist es auch aus Sicht des Weltklimarates (IPCC) nicht mehr möglich, das 2-Grad-Ziel nur durch Klimaschutzmaßnahmen einzuhalten. Emissionen einsparen allein reicht also nicht mehr aus, um unser Wohlfühlklima zu retten. Aktiv werden müssen wir so oder so, es stellt sich nur die Frage, wie wirkungsvoll wir sein können.

Aber genau wie das vor einigen Jahren sehr emotional diskutierte Verfahren des Abscheidens und Untertageverbringen von CO2 bergen diese Methoden nicht kalkulierbare Risiken. Auch wenn die Klimaforschung weiterhin große Fortschritte erzielt, verstehen wir immer noch viel zu wenig über die Prozesse unseres Klimasystems, um die Folgen solcher Eingriffe zuverlässig abschätzen zu können.

Ganz abgesehen davon ist die wirtschaftliche Komponente nicht zu verachten, denn ob es nun um die Bewässerung und Düngung von Bäumen in der Wüste, die Bewirtschaftung von schwimmenden Farmen im Ozean, die Installation von Spiegeln im Weltall, CO2-Abscheidern oder das Ausbringen von Aerosolen in der Stratosphäre geht, in jedem Fall kostet es Geld. Wer will das bezahlen? Wer KANN das bezahlen? Die Kosten für solche Eingriffe liegen wenigstens im Milliardenbereich.

Und selbst wenn die Finanzierung stimmt, geht es um eingriffe, die das Klima und unsere gesamte Umwelt auf Generationen hin bestimmen werden. Wie stellt man sicher, dass man nicht langfristig einen größeren Schaden als einen Nutzen erzeugt?

Das Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas war auch einmal nicht nur das „kleinere Übel“, sondern der große Wurf, der alles besser machen sollte. Auch wenn es bereits Veröffentlichungen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gibt, die eine Klimawirksamkeit der Verbrennung von Kohle auf globalem Maßstab festgestellt haben, dauerte es seine Zeit, bis die Erkenntnis allgemein etabliert war. Wobei es selbst heute noch Menschen gibt, in deren Augen die Naturgesetze offenbar keine Gültigkeit besitzen.

Kritiker befürchten, dass eine Einführung von Geoengineeringmaßnahmen zur Folge haben wird, dass dies von der Industrie als Freifahrtschein gesehen werden könnte, Emissionen ungehindert in die Atmosphäre einzubringen. Schließlich könnten sie ja jederzeit wieder herausgefiltert und anderweitig entsorgt werden können.

Ein weiteres Argument gegen beispielsweise die Verpressung von CO2 in geologische Speicher ist der „überragende Erfolg“ von vermeintlich sicheren Atommüllendlagern. Bislang konnte auf der Erde keine einzige geologisch zuverlässig stabile Situation ausgemacht werden, die als Endlager brauchbar wäre. Für das flüchtige CO2 werden noch größere Probleme erwartet. Eine Verkippung von mühsam produziertem Holz oder sonstiger Biomasse untertage ist schon allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht vorstellbar.

Dabei wäre genau das notwendig, denn die Rechnung ist eigentlich einfach. Material wurde aus einem stabilen fossilen Zustand in den atmosphärischen Kreislauf eingetragen und ist hier nun aktiv. Um den Effekt dauerhaft zu bekämpfen muss dieses Material wieder aus dem Stoffkreislauf entfernt und gebunden werden. Die Alternative ist ein verändertes System mit einem neuen Gleichgewicht, und auch wenn die Erde selbst damit kein Problem haben wird, es zeichnet sich doch ab, dass wenigstens der Übergang in dieses neue Gleichgewicht für uns Menschen nicht angenehm wird.

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Regelt das schon: Die Natur. Hier bei der Arbeit in einem alten Steinbruch und schwer beschäftigt, sich um sich selbst zu kümmern. Macht ja schließlich sonst keiner.

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8 Gedanken zu „Geoengineering – Moin Senf

  1. Stella, oh, Stella

    Ich halte alle diese Vorhaben für überflüssig, denn es gibt Erfindungen für saubere und nachhaltige Energie, die von den Ölmagnaten und anderen Grossfinanziers gekauft und unter den Teppich gekehrt wurden. Dabei liessen auch Erfinder ihr Leben. Tesla hat einen Weg gefunden Energie zu gewinnen, die nichts kostet. Aber das darf natürlich nicht sein, denn dann kann niemand sich eine goldene Nase verdienen. Dann lieber Spiegel im Weltraum und andere ehrgeizige Projekte, wo gross Profit gemacht werden kann. Wir werden an der Nase rumgeführt!

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  2. Stella, oh, Stella

    Durch Verbot von Energie aus Öl und Kohle und Fracking … dann würden die schnell hervorgekramt werden. Aber das ist wohl nicht sehr wahrscheinlich, wenn Politiker von den Öl-Magnaten finanziell unterstützt werden …
    Mit anderen Worten: einen brauchbaren Vorschlag habe ich nicht.

    Was mich aber wundert ist, dass es doch eine Möglichkeit gibt, Benzin-Autos auf Wasser umzustellen. Ich hatte einen Bekannten, der hatte selber sowas und vertrieb es auch. Aber wenn man im Internet schaut, taucht überhaupt nichts darüber auf.

    Ein Erfinder müsste diese Technik noch einmal erfinden und Naturschützer müssten dann eine starke Lobby bilden und diese Person mit zuverlässigen Bodyguards versorgen. Aber haben Naturschützer so viel Geld wie Ölmagnaten …

    Es ist eine ziemlich verflixte Situation, in der die Menschheit ist, besonders wegen der steigenden Korruption bei Politikern, die auch immer schamloser wird.

    Jetzt habe ich so viel geschrieben und doch nichts Nützliches gesagt, the story of my life …

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      1. Stella, oh, Stella

        Das hast du gut ausgedrückt. Ich habe mich nicht getraut, weil es bei bestimmten Worten in Übersee „ping“ macht, aber das hast du elegant umschifft … 😉
        Ich habe den Eindruck, dass die heutigen Teenager gründlich die Nase voll von der Generation haben, die jetzt an der Macht ist. Hoffen wir, dass sie es besser machen. Ich habe einen guten Eindruck von dieser neuen Generation.

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      2. dergrafvonborg Autor

        Und jetzt habe ich die alte Professorin wieder im Ohr, die sich „beklagte“, dass die Studis heute alles mit sich machen lassen und für nichts mehr auf die Straße gehen oder einstehen. Dabei gäbe es doch so viele Missstände. Mir ging da nur durch den Kopf, dass es ziemlich blödsinnig wäre, gegen solche alten Strukturen anzurennen. Stattdessen entsteht halt eine neue Parallelgesellschaft. Aber offenbar ist das unsichtbar.

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