StadtGartenSchau – Teil 11. – Gästemeinungen

Die Landesgartenschau in Würzburg ist bereits eine Weile eröffnet aber noch immer zieht sie viele Ressourcen aus meinem Pool ab. Eigentlich kribbelt es mir in den Fingern, mal wieder eine kleine Geschichte zu schreiben, oder aber wenigstens eine angefangene weiter zu schreiben. Leider habe ich weder die Ruhe noch die Inspiration dazu im Moment. Um aber nicht vollständig in der Versenkung zu verschwinden, möchte ich hier aber immerhin ein kleines Update zu unserem Projekt geben.

Denn inzwischen sind die frostigen Tage längst vorbei und an sommerlichen Wochenenden zieht es Menschen aus allen Himmelsrichtungen auf die Ausstellung. Dabei scheint es aber einige Missverständnisse zu geben. Vermutlich beginnt das bereits beim Namen, denn die Landesgartenschau ist weder eine Blümchenschau noch eine große Präsentation verschiedener Gärten. Es gibt zwar auch einige kleinere Themengärten in den Randlagen, aber primär ist die Ausstellung ein Stadtentwicklungsprojekt. Nach 100 Jahren militärischer Nutzung entsteht hier ein neuer Stadtteil und dieser wächst um einen großen Park herum. 5.000 neue Wohnungen, aber die Grünanlagen sind zuerst da. Das ist nur dank der Landesgartenschau möglich. Die Auflagen sind allerdings, dass die Dauerparkanlagen in dieser Form für die nächsten zehn Jahre unverändert bleiben. Entsprechend hat die Stadt sich für einen relativ pflegeleichten Kompromiss entschieden und Exoten auf die temporären Randflächen verlagert. Was hier passiert ist in der Verantwortung der jeweiligen Aussteller. In unserem Fall sind das die VHS, Stadtgärtner e.V. und der CampusGarten. Das Projekt selbst habe ich bereits Ende März vorgestellt *Link*.

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Schwer zu erraten, was das hier sein könnte. Unser Gästebuch läd dazu ein, eine Kritik zu unserer Fläche da zu lassen. Immerhin wollen wir auch einmal Feedback bekommen, ohne es durch unsere bloße Anwesenheit zu verfälschen.

Inzwischen zeigt sich, dass wir einige unserer Ziele erreicht haben. Es ist nicht nur das Feedback, welches wir im Gespräch mit den Gästen bekommen, und welches eigentlich fast immer positiv ist. Die Leute fühlen sich wohl, gucken sich in Ruhe um und kommen auch gerne wieder. Viele kommen auch mit Fragen, von denen wir bei Weitem nicht alle beantworten können. „Wieso wächst meine Pflanze zu Hause nicht?“ „Ich habe diesen oder jenen Schädling in den Pflanzen, wie werde ich den wieder los?“ „Mein Cousin hat so eine ähnliche Mauer gebaut, wie dort drüben bei den Wissensgärten steht, aber da ist ein Problem aufgetreten. Wieso?“ (Ich habe nicht einmal herausbekommen können, welche Mauer denn überhaupt gemeint ist.)

Wir können natürlich Tipps geben, aber meistens nichts, was die Besucher zufriedenstellt. Stattdessen gibt es sehr viele ungläubige Blicke, wenn wir erzählen, dass wir alle keine Gärtner sind, sondern diese Fläche ehrenamtlich und in unserer Freizeit gestalten. „Aber am Wochenende gibt es doch dann Zuschlag, oder? Da bekommen Sie dann doch 50% mehr!“ Das mag ja sein, aber 50% von 0 sind immer noch 0. Das kann sogar ich im Kopf ausrechnen.

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Es blüht und grünt an allen Ecken und Enden. Grund genug für viele, nachzufragen, wieso es bei uns so viel grüner ist als im heimischen Blumentopf. Eine Frage, die wir ebenfalls oft bekommen, ist die nach dem Saatgut. Viele Gäste sind offenbar zum Geld ausgeben da und tatsächlich enttäuscht, wenn wir ihnen nichts verkaufen können. Denn selbst wenn wir das Saatgut hätten, wir dürfen nichts verkaufen. Ganz grundsätzlich nicht.

Was aber mit zu den größten Komplimenten für mich zählt, sind die Leute, die ihren Tag so planen, dass sie sich abends auf unserer „Terrasse“ niederlassen, ihr Picknick auspacken oder sich einfach nur für eine ruhige Stunde mit ihrem Glas Wein auf die Palettensofas setzen und einen ruhigen Abend genießen. Sagen, wie gut es einem gefällt, ist das eine. Es auf diese Weise zu zeigen ist aber etwas ganz anderes.

Dabei scheinen viele Gäste etwas anderes von der Ausstellung als Ganzes erwartet zu haben. Mehr Abwechslung, mehr Thematisierung, mehr Angebote (die dann trotzdem oft nicht wahrgenommen werden), mehr Mülleimer (gut, das ist wirklich ein Problem), mehr Erklärungen und mehr Blumen. Und so kam es dann zu der Szene, dass eine ältere Dame mitten auf dem weitläufigen Gelände stand, ihren Blick streifen ließ, im Rücken den weichen Rasen des oberen Landebahnparks, vor sich die zu diesem Zeitpunkt bunt blühende Wildblumenwiese des unteren Landebahnparks, und schimpfte und wetterte darüber, dass es viel zu wenige Blumen hier gäbe. Was für eine grenzenlose Enttäuschung ist diese Landesgartenschau doch. Das konnte man im Osten einfach besser. Da hätte es das nicht gegeben. Und überhaupt dieses ganze Unkraut hier.

Für mich war das ein prägendes Erlebnis.

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Eine Wildblumenwiese. Sehr auffällig hier: Es gibt keine Blumen! Dafür aber jede menge Unkraut. Wenn das mal kein Zeichen von Nachlässigkeit ist, eine absolute Unverschämtheit. Und dann erst das ganze Ungeziefer! Bienen, Hummeln, Wespen, Schmetterlinge, Libellen… massenhaft schwirrt es hier. Scheußlich! *Vorsicht! Kann Spuren von Ironie enthalten.*

Wo wir schon bei Meinungen sind…

Ich weiß, einige von Euch haben mir bereits ihre Meinung kund getan, aber ich wäre Euch dennoch sehr dankbar, wenn Ihr die paar Minuten hättet, meine Umfrage auszufüllen und jeden damit zu nerven, den Ihr kennt 😉 Verbreitet sie gerne auf allen Wegen und nutzt sie auch gerne als Vorwand, sich mal wieder bei alten Freunden zu melden, von denen mal viel zu lange nichts mehr gehört hat.

*Link*

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6 Gedanken zu „StadtGartenSchau – Teil 11. – Gästemeinungen

  1. puzzleblume

    Achja, „dieses ganze Unkraut“ hat besonders bei den Älteren aus ländlichen Regionen neben dem was die noch als in den Garten gehörend verinnerlicht haben, leider gar keine Chance auf einen gnädigen Blick, da kann eine Wilde Karde oder Wasserdost noch so hübsch sein, sie ist nichts wert, da gelten nur Schaublüten wie Gladiolen oder Rosen.
    Es würde ja bedeuten, generationenlang vererbte Regeln infrage zu stellen, und je traditioneller jemand aufgewachsen ist, desto grösser, weil persönlicher ist diese fragliche Blockade. Es ist ja nicht Angelesenes, sondern von Oma und Opa Ererbtes.

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      1. puzzleblume

        Vielleicht, weil man von dem einen Bereich unangenehm betroffen sein konnte, von dem anderen aber in Form von Kirschen und Kompott mehr profitieren durfte als man unter etwas Nachteiligem zu leiden hatte.

        Gefällt 1 Person

  2. Stella, oh, Stella

    Also mein Grossvater war da irgendwie anders drauf (1900 geboren). Der hat seine Beete sogar nur mit Gründünger gedüngt und mit Kompost.

    In meinen Gärten stehen auch so genannte Gartenpflanzen in Harmonie zusammen mit Wildpflanzen, und zwischen den Rosen darf auch was wachsen, da muss nicht die Erde kahl sein.

    Die Blumenwiese ist wunderschön!

    Gefällt 2 Personen

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    1. dergrafvonborg Autor

      Blanke Erde hat ja zusätzlich noch den Nachteil, dass alles austrocknet und verbrennt. Das kann wirklich viel ausmachen und sieht auch noch besser aus.
      Bei der Blumenwiese sind inzwischen die schönsten Blüten leider durch. Ich bin aber gespannt, ob noch jemand nach kommt. Die Chancen stehen gut 🙂

      Gefällt 2 Personen

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