StadtGartenSchau – Teil 12. – von Sorgenkindern und kleinen Juwelen

Im Laufe eines größeren Projekts entwickeln sich wohl für jeden immer Elemente heraus, die einem mal besser oder schlechter gefallen. Das ist auch bei einer UrbanGardening Ausstellung nicht großartig anders. Eine kleine Besonderheit, die auch bei den Gästen immer wieder auf Unglauben stößt, ist unsere Organisationsstruktur. Jeder ist für alles zuständig und es gibt keinen Organisationsplan. Gegossen wird, wenn es halt notwendig ist, und von denjenigen, die halt gerade Zeit haben. Abgesprochen wird per WhatsApp Gruppenchat und Samstag treffen sich alle zum gemeinsamen Gärtnern. Exklusivflächen gibt es eigentlich keine.

Das heißt nicht, dass es nicht Experten für bestimmte Teile geben würde. Connie kennt sich am besten in der Mischkulturfläche aus, Angelika weiß, was wo in den mobilen Beeten steht und Pascal hat den besten Durchblick im essbaren Teich. Nachdem ich im letzten Jahr im CampusGarten bereits Erfahrungen mit der Milpa gesammelt habe *Link*, wurde auch für die StadtGartenSchau eine angelegt.

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Eine noch junge und hoffnungsfrohe Milpa. Hier sind die vorgezogenen Pflanzen gerade erst ausgepflanzt worden und die Staunässe hat sich noch nicht wirklich zeigen können. Auf den ersten Blick hat sich seitdem wenig verändert. Die Zäune sind zwar improvisiert, aber leider wirklich notwendig. Andernfalls stiefeln uns die Besucher munter durch die Beete.

Und diese ist definitiv eher ein Sorgenkind. Das Problem ist vermutlich der Boden. Auch wenn wir viel durchlässigen Kompost hier eingearbeitet haben, ist die Basis dennoch der mit dicken Steinen durchzogene Lehm. Dieser dichtet den Boden gegenüber dem unterlagernden Muschelkalk wunderbar ab und verhindert, dass Wasser in irgendeiner Form wieder abfließen kann. Mais verträgt durchaus eine solide Menge an Wasser, aber mit Staunässe kommt er nicht gut zurecht. Der vorgezogene Mais wirkt kümmerlich, dünn und blass, die Kürbisse trauen sich ebenfalls nicht zu wachsen und die Bohnen bekommen ungesunde braune Flecken auf den Blättern.

Wir versuchen, das Wasser über Sickergruben abzuschöpfen und die Oberfläche des Bodens aufzureißen, damit wenigstens ein bisschen Luft den Weg zu den Wurzeln findet. Vielleicht wird es gelingen, aber es sieht nicht so aus, als würde sich dieser Teil noch vernünftig erholen. Aber aufgeben ist keine Option!

Um so schöner entwickeln sich Kräuterspirale und essbarer Teich. Bereits seit einem Monat blühen die verschiedenen Sorten Thymian um die Wette und bietet weiche leuchtende lilane Flecken in einem Meer aus sattem Grün und kantigem Gestein. Nicht nur die Besucher freuen sich, auch die Insekten haben diese kleinen Juwelen für sich entdeckt. Überboten nur noch von der Gründüngung durch Phacelia summt und schwirrt es hier unablässig. Der Teich ist zwar frei von Fischen, aber für die Libellen ist das kein Hindernis.

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Chinampa im Abendlicht. Nach einigen Wochen Hitze und Trockenheit sind die Pflanzkörbe weitgehend trocken gefallen. Eine Libelle lässt sich davon zumindest nicht stören. Wer findet heraus, wo sie sich im Bild versteckt?

Ein Beweis, dass Schilder nicht immer vertrauenswürdig sind, findet sich bei den Naschlilien. Die Taglilien zeigen zaghafte Blüten und kitzeln zwiespältige Reaktionen heraus. Wenn wir abends einzelne Blütenblätter pflücken, überwiegt meistens das Bedauern um die schöne Blume. Das Geschmackserlebnis macht es aber meistens wieder wett, denn kaum jemand rechnet damit, dass diese Blüten so schmackhaft sind. „Wonach schmecken die denn?“ Nun, nach Lilien. Und jede Farbe oder Sorte hat ihren eigenen feinen Geschmack.

Eher eine zufällige Entwicklung ist der große Bremser. Bedingt durch die sehr zentrale Lage laufen viele Gäste einfach nur bei uns vorbei, um irgendwo anders hinzukommen. Der große Bremser aber schafft es, viele von ihnen dennoch für einen Moment zum Innehalten zu bewegen. Das kann doch nicht sein, habe ich das jetzt wirklich richtig gesehen? Ja, haben Sie. Und nein, wo wir schon dabei sind, es lohnt sich nicht, hier zu ernten. Der Hanf ist weitestgehend frei von THC oder CBD, ansonsten hätten wir niemals die Genehmigung bekommen. Die war ohnehin teuer genug, und ja, man braucht auch für Faserhanf eine Genehmigung. Selbst dann, wenn nichts drin ist. Und auf einmal registrieren viele, dass Hanfleinen oder Seile ja nicht nur auf vielen Kunsthandwerkermärkten auftauchen, sondern doch auch bei Oma im Schrank lagen. Es ist eine alte Kulturpflanze, die nicht nur schön aussieht, sondern Europa über Jahrhunderte mit geprägt hat. Es braucht nur diesen kleinen Stupser, und altes Wissen sprudelt wieder hervor.

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Fotokulisse für Unmengen an Selfies. Es bietet sich ja auch an, so schön dicht und hoch wie der Faserhanf hier steht. Ein großer Spaß für Jung und Alt, selbst wenn er nur für Textilien und nicht so sehr zum Rauchen geeignet ist.

Auf die gleiche Weise tut es das in der Mischkulturfläche. Besonders die Alten bekommen beim Anblick der Kartoffelkäfer nostalgische Gefühle. Leider, in diesem Fall, denn wir führen einen erbitterten Kampf gegen die Kartoffelkäfer. Genau wie viele Rentner in ihrer Kindheit müssen wir die alle absammeln. Nur haben wir keine Hühner, um sie zu verfüttern. Wir gewinnen den Kampf trotzdem… hoffentlich.

Denkt gerne auch an mein anderes kleines Sorgenkind und helft mir, meine Umfrage etwas weiter zu treiben. Ich bin dankbar um jede Antwort 🙂

*Link*

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5 Gedanken zu „StadtGartenSchau – Teil 12. – von Sorgenkindern und kleinen Juwelen

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