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Eine Bitte um etwas Zeit und Meinung

Heute trete ich einmal nicht mit einer Geschichte, sondern mit einer Bitte an euch heran. Könnt ihr etwa zehn Minuten für die Wissenschaft opfern?

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit möchte ich untersuchen, inwiefern Stadtklima ein Thema im Bewusstsein der Bürger ist. Dafür habe ich eine Umfrage erstellt und hoffe, dass sie von einem möglichst breiten Publikum beantwortet wird. Da nur nach Meinung und Kenntnisstand gefragt wird gibt es auch keine falschen Antworten.

Das Ergebnis der Umfrage soll es Städten ermöglichen, ihre Anpassungsstrategien so zu planen, dass möglichst wenig Steuergelder verschwendet werden und die umzusetzenden Klimaschutzmaßnahmen auch im Interesse der Bürger sind.

Ich möchte euch also bitten, einmal einen Blick auf die Umfrage zu werfen. Perfekt wäre es natürlich, wenn ihr den Link eifrig verteilt, damit möglichst viele Antworten zusammen kommen. Es ist natürlich alles anonym und ihr würdet mir wirklich sehr damit helfen.

Vielen Dank für eure Mithilfe!

*Link* Hier geht es zur Umfrage (externe Seite) *Link*

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Hörsaalgetuschel -Ausgabe 93

Lange Nacht

Die ausdauernde Sommersonne war schon vor langer Zeit untergegangen. Es konnte nicht mehr ewig dauern, bis auf der anderen Seite der dicken Gardinen die ersten Anzeichen der Morgendämmerung auftauchten und die hoch treibenden Federwölkchen sanft rot färbte. Mia lag auf dem Rücken, die Hände vor dem Bauch verschränkt und starrte an die dunkle Decke über ihr. Wenigstens war das der Ort, an den ihre Augen gucken würden, wenn das Gehirn ihre Informationen nicht aktuell ignorierte. Mia war mit sich selbst beschäftigt, der Blick nach innen gekehrt.

Sie hatte ihre Zeit genutzt, seit die Vorlesungen zu Ende waren. Die ganze Woche hatte sie am Schreibtisch verbracht und war wieder und wieder ihre Abschlussarbeit durchgegangen. Fast hatte sie ein schlechtes Gewissen, weil sie noch daran arbeitete. Es fühlte sich ja kaum noch wie ihre eigene Arbeit an, nachdem Erik sie restauriert und in eine elegante Form gegossen hatte. Er hatte wirklich ganze Arbeit bei der Formatierung geleistet. Übersichtlich, sauber, einfach zu lesen, professionell und nicht zu sehr gestreckt. Sie war verblüfft gewesen und reichlich neidisch auf diese Fähigkeiten. So verblüfft, dass sie beinahe vergaß, sich zu wundern, wieso er ihr ihre Arbeit geben konnte. Warum hatte er sich diese Arbeit gemacht? Mit seinem eigenem Studium kam er nicht aus dem Quark aber ihre Abschlussarbeit erledigte er mal eben nebenher?

Sie hatte zügig wieder in das Thema gefunden und die restlichen Kapitel geschrieben. Dennoch war sie nicht glücklich damit. Sie konnte nicht sagen, welcher Teil ihrer eigenen Feder, und welcher aus Eriks entsprungen war. Eigentlich sollte sie das nicht stören, versuchte sie sich einzureden. Solange sie es niemandem auf die Nase band, würde es ihr Geheimnis bleiben. Selbst Erik konnte sie sagen, sie habe alles noch einmal umgeschrieben. Er konnte sich wahrscheinlich kaum noch daran erinnern, was der Inhalt, geschweige denn der Wortlaut der Arbeit war. So etwas war ihm nie wichtig gewesen. Er ging so leichtfertig mit dem Vergessen um.

Und sie selbst bemühte sich verzweifelt, so wenig wie möglich zu vergessen. Die Arbeit rannte in ihrem Kopf auf und ab, dass an Schlaf nicht zu denken war. Selbst die Augen schienen nicht müde zu sein, nach all den langen Stunden am Rechner. So sehr sie sich auch bemühte und so sehr die Arbeit doch wieder Produkt ihrer eigenen Anstrengungen war, sie war nicht zufrieden. Von morgens früh bis abends spät bemühte sie sich, nur unterbrochen von der obligatorischen Pause am Nachmittag, wenn „Alles nur aus Liebe“ lief. Erik versuchte sich um sie zu kümmern, wenn er denn da war.

Einen Teil des Tages verbrachte er selbst in der Bibliothek und lernte mit Flo für die anstehenden Klausuren. Vermutlich war auch Tina dabei, aber das war Mia inzwischen nicht mehr wichtig. Dieses blondierte Schmalspurweib würde ihr ihren Freund nicht streitig machen, wenn sie nicht restlos dumm war. Der eigentliche Grund hinter ihrer Ruhe hatte sie zunächst kräftig erschreckt und ihr sehr viel Selbstbeherrschung abverlangt, ihn sich selbst einzugestehen: Sie vertraute Erik.

Wenn sie jetzt so darüber nachdachte, klang es fast banal. Vertrauen, die notwendige Basis jeder Beziehung. Es hatte fast zwei Jahre Beziehung gebraucht, bis sie sah, dass sie ihm vertraute. Im Umkehrschluss hieß das, dass sie ihm vorher nicht vertraut hatte? Wie war da überhaupt eine Beziehung möglich gewesen? War überhaupt eine Beziehung möglich gewesen? Sie hatte begonnen, sich selbst und ihre Beziehung mit Erik zu reflektieren. Während am Horizont der erste helle Streifen mit dem dunklen Nachthimmel rang, fielen ihr immer mehr und mehr Details, kleine und große Gesten und Worte ein und auf. Wie sehr Erik sich immer wieder bemüht hatte. Die allgegenwärtige Abschlussarbeit drang in ihr Gedankengebäude ein und mischte sich unter die Erinnerungen.

Auf einmal fühlte sie sich wieder wie ein kleines Kind. Das kleine Mädchen, welches unter dem Baum im Garten stand und, so sehr sie sich auch bemühte, es nicht einmal schaffte, auf den unteren Ast zu kommen. Sie hatte aufgeben müssen, weil sie nicht groß und nicht stark genug war. Jetzt war sie groß und stark genug. Aber war sie auch gut genug? Sie hatte nicht das Gefühl. Nicht bei ihrer Arbeit, nicht in ihrer Beziehung. Sie gab sich so viel Mühe und hatte trotzdem immer nur das Gefühl, nutzlos zu sein, ein Taugenichts. Es verdarb ihr die Laune und machte sie reizbar und mürrisch und was noch viel schlimmer war, herrisch. Sie hatte bisher nicht einmal realisiert, wie sie mit ihrer Umwelt umgesprungen war und wie sie sich verändert hatte. Jetzt tat es ihr entsetzlich leid.

Noch vor zwei Wochen war sie der Überzeugung gewesen, ihr ganzes Leben umkrempeln zu müssen. Sie hatte alleine nach einer Wohnung gesucht, in einer fremden Stadt, einer fremden Umgebung für einen Job, von dem sie nicht überzeugt war, aber den sie hätte haben können. Jetzt lag sie wieder neben Erik in ihrem gemeinsamen Bett und es fühlte sich einfach so viel richtiger an. Er sah so friedlich aus, wie er schlief, strahlte so viel Ruhe aus. Er war ihr Anker in diesem turbulenten Leben und wusste nicht einmal etwas davon. Er war die Konstante, die Regelmäßigkeit und er stand immer hinter ihr, so schwer sie es ihm auch machte. Wieso hatte sie ihm das noch nie gesagt?

Für eine Weile beobachtete sie ihn einfach, wie er dort lag und schlief, streichelte ihm vorsichtig über den Kopf und die Schultern. Irgendwas veranlasste sie dazu, ihn wach zu rütteln. Er war darüber überhaupt nicht glücklich, öffnete nur ein Auge so weit wie eben nötig und brummte sie mürrisch an. Sie erwiderte es mit einem Lächeln, gab ihm einen Kuss und sagte es nun doch einmal.

„Danke, dass du immer für mich da bist. Für alles einfach.“

Dann war sie eingeschlafen und hinterließ einen reichlich verwirrten und irgendwie beunruhigten Erik.

Clematis

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 91

Damals…

Ein Hoch auf den ÖPNV und seine Freuden. Wie sehr es Flo doch liebte auf den Bus zu warten. Er hatte nicht mitgezählt aber inzwischen musste jeder einzelne Bus der gesamten Stadt an der Haltestelle vorbei gekommen sein, außer dem, der zur Uni hoch fahren sollte. Ein kurzer Blick auf die Uhr und ein langer Blick auf den Fahrplan. Vor zwanzig Minuten hätte er da sein sollen aber das war ja nur der Bus, der auf dem Plan stand und Fahrpläne waren entweder vorsichtige Vorschläge oder dekorative Elemente, die einem das Auffinden einer Bushaltestelle erleichtern sollten. Wahrscheinlich wäre er schneller gewesen, wenn er gelaufen wäre. Später ist man immer schlauer aber das war nun schon das vierte mal in zwei Wochen, dass Flo darauf herein gefallen war. Jetzt noch los zu laufen würde ihm auch nichts mehr bringen und der andere Bus zwei Blocks weiter war um diese Zeit auch längst durch. Für einen Augenblick erwog er, einfach nach hause zu gehen und sich einen schönen Tag zu machen aber dann würde er seine fällige Hausübung nicht abgeben können und das konnte und wollte er sich nicht leisten.

Er atmete tief durch, zwang sich zur Ruhe und trat nervös von einem aufs andere Bein. Um ihn herum bot sich das einheitliche Bild von Menschen, die mit stoischem Gesichtsausdruck, jeder für sich auf den Bus warteten und dabei den Blick auf Smartphones gefesselt. Auf Flo wirkten sie immer etwas wie Wachsfiguren oder Schaufensterpuppen. Die meisten hatten sich mit Kopfhörern abgeschottet und bekamen von der Umwelt nur noch das Nötigste mit. Er selbst hatte sich genau so gern mit Musik abgeschottet und sein Blick reichte entweder bis zur Nasenspitze oder bis zur Kreuzung, von wo aus der Bus kommen sollte. Die Wachsfiguren schienen geduldiger als er selbst zu sein. Offensichtlich wussten sie etwas, was er nicht wusste. Den genauen Zeitpunkt zum Beispiel, an dem der Bus kommen würde.

Wäre Flo gelaufen, er wäre jetzt ungefähr an der Uni angekommen. Stattdessen kam jetzt erst der Bus, überfüllt und mit einem offensichtlich übermüdeten Busfahrer, der überlegte, ob er nicht einfach vorbei fahren sollte. Glücklicherweise entschied er sich nicht nur zum Halten sondern auch noch dazu, die Türen auch zu öffnen. Wieder etwas nicht so selbstverständliches in dieser Stadt, so verrückt es auch klang. Flo seufzte und quetschte sich in das Getümmel. Verbrauchte Luft schlug ihm entgegen und er machte seine Musik lauter, um wenigstens nicht viel hören zu müssen. Er bemühte sich, möglichst wenig von den Menschen um ihn herum mitzubekommen. Es war ihm nicht nach Zoo zumute.

Je nach Laune würde er eine solche Situation nutzen, um seine Mitmenschen zu beobachten und zu beurteilen. Er war realistisch genug, zu sehen, dass auch er sich immer wieder nicht musterhaft verhielt. Mal war er angetrunken unterwegs, mal waren seine Haare nicht ordentlich frisiert oder der Bart nicht ganz sauber gestutzt. Vielleicht hatte er auch einmal einen Fleck auf dem Hemd. Doch wenn er sich im Bus umsah, dann hatte er den Eindruck, vielen Leuten wäre einfach alles egal. War es Ignoranz oder Überheblichkeit? So oder so war es ihm heute egal. Er war unterwegs, seine Mission zu erfüllen und das wars.

Vor dem Fenster herrschte strahlender Sonnenschein und ein traumhaftes Wetter. Es war eigentlich viel zu gut, um Bus zu fahren. Bislang war es überhaupt das Beste am ganzen Tag. Dicht gefolgt von der Endhaltestelle, an der der Bus nun klappernd zum Stehen kam. Die Türen öffneten sich und die lebende Ladung purzelte und taumelte auf den Bürgersteig davor, ehe sie sich verteilte. Auch Flo hangelte sich aus dem Bus und versuchte dabei, mit so wenigen seiner Mitreisenden, wie möglich, zu kollidieren. Eine Herde Yetis stapfte vorbei. Vielleicht waren es auch nur Hirngespinste.

Flo überprüfte seinen Rucksack. Er war noch da und der Inhalt genau so. Diesmal hatte er rechtzeitig an alles Wichtige gedacht, im Gegensatz zu diversen anderen Malen. Inzwischen konnte er es sich einfach nicht mehr leisten, schludrig zu sein. Bei dem Gedanken an frühere Semester wurde er beinahe etwas wehleidig. Damals war alles noch etwas leichter gewesen. Damals…

Bodensee 2

Backtracking zum Vergleichen: Hörsaalgetuschel – Ausgabe 2

Falls Du es noch nicht gelesen hast und neugierig bist 😉 Alles hat irgendwo einmal angefangen.

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 87

Entscheidungen

„So eine verdammte Scheiße! Das klappt alles vorne und hinten nicht! Wieso tu ich mir das eigentlich noch an?“
Mia war restlos frustriert, schmiss ihre Bücher durch den Raum und zerriss die Blätter. In einem Regen aus Konfetti und Tränen warf sie sich auf das Bett. Erik kam aus der Küche herüber, die Schürze um den Bauch gebunden und einen Pfannenwender in der Hand. Er neigte den Kopf von einer auf die andere Seite, lehnte kurz unschlüssig im Türrahmen, legte dann den fettigen Pfannenwender auf eine freie Stelle des Nachttischs und setzte sich zu Mia ins Bett. Er überlegte kurz, ob er sie in den Arm nehmen oder streicheln sollte, zog dann aber sicherheitshalber den Arm wieder zurück. Es war besser, zunächst einmal einen Überblick über die Situation zu bekommen.
„Was ist denn los? Läuft deine Arbeit so schlecht oder macht der Rechner Ärger?“
Sie grub sich tief in Decken und Kissen ein, brummte irgendetwas in die Matratze, was Erik nicht verstehen konnte, und wurde von bitterlichen Weinkrämpfen geschüttelt. Es dauerte eine Weile, bis er aus den Lauten schlau wurde, welche aus dem Kissen drangen.
„Alles ist los. Nichts funktioniert. Das Programm macht nur Mist, meine Quellen widersprechen sich gegenseitig, die Grafiken werden nicht sauber in das Dokument geladen. Alles ist scheiße! Ich lass es bleiben. Es hat doch alles keinen Sinn, ich werde das nie schaffen. Ich habe zu wenig Zeit, als dass ich es auch noch in dieser Zeit schaffen könnte. Und selbst wenn es klappt, dann kommt eine miese Note raus und ich kann das ganze Studium vergessen. Ich brauch doch eine gute Note.“
Erik wusste, was Mia unter guten und schlechten Noten verstand. Schlecht war das, was in seiner Liste die beste Note war. Gut war entsprechend die beste mögliche Note, welche ihr gerade gut genug war. Sein Bedürfnis, sie zu trösten, war schlagartig geschrumpft. Er fühlte sich schlecht, hatte miese Laune bekommen und war entmutigt. Wenn Mia sich schon Sorgen um ihre Jobchancen machte, was sollte dann erst auf einen eher schlechten Studenten wie ihn warten? Glanz und Glorie jedenfalls nicht, soviel war sicher. Dennoch, er konnte sie nicht einfach liegen lassen, auch wenn sie inzwischen so tief im Bett vergraben war, dass sie den Lattenrost von unten sehen musste.
„So schlimm kann es doch gar nicht sein. Gestern Abend warst du doch schon halb fertig und du hast die Arbeit vor gerade einmal einer Woche angemeldet. Du hast noch mehr als sechs Wochen. Kannst du es nicht irgendwie nutzen, dass die Autoren sich widersprechen?“
„Halb fertig mit den Nerven und einem großen Haufen Scheiße. Ich kann es genau so gut alles wieder löschen, es macht keinen Unterschied. Die Arbeit ist schlecht und daran kann ich auch nichts mehr ändern.“
Es folgte eine längere Pause in dem dumpfen Brummen aus der Matratze. Erik suchte fieberhaft nach einem Strohhalm, irgendetwas, womit er seine Freundin aufbauen konnte und sie wieder aus der Decke zu locken. Er hatte seine Hand tröstend auf den bebenden Haufen aus Decken und Kissen gelegt. Er hob und senkte sich inzwischen ruhiger, es half also wenigstens ein wenig. Tiefes Durchatmen und ein ausgedehnter Seufzer drang aus dem Kissen, dann erschien ein aufgequollenes, rotes Gesicht.
„Es hilft nichts. Ich lass es bleiben. Ich habe eine Stelle gefunden, an der ich auch ohne den Abschluss arbeiten kann. Die haben mir beim Vorstellungsgespräch über Skype schon zugesagt, ich muss nur noch unterschreiben.“
„Was für eine Stelle? Welches Vorstellungsgespräch? Wieso willst du denn jetzt plötzlich alles hinschmeißen? Du hast dir solche Mühe gegeben bis hierhin zu kommen und willst jetzt so kurz vor Schluss nicht wirklich hinschmeißen.“
„Doch, Erik. Ich lass es bleiben. Es ergibt keinen Sinn, hier weiter zu machen. Der Abschluss würde nichts wert sein.“
„Dein Abschluss ist besser als meiner, selbst wenn ich meine Punkte mit Flo zusammen schmeißen würde.“
„Ihr habt aber beide auch andere Qualifikationen. Da müsst ihr euch weniger Sorgen drum machen als ich.“
Mia war aufgestanden und druckte ein Dokument aus. Drei Seiten spuckte der Drucker aus, Erik erkannte das Logo darauf nicht, Mia unterschrieb auf der letzten. Er hatte ein seltsam mulmiges Gefühl bei der Sache. Mia aber war unbeirrbar.
„Was ist das überhaupt für eine Firma? Und wo sitzen die? Ich hab den Ortsnamen noch nie gehört.“
„Vor fünf Jahren waren die noch ein kleines StartUp, inzwischen sind sie relativ etabliert im Bau und der Wartung von Hausbooten. Die sitzen in Brandenburg, an den Seen dort.“
„Nicht gerade um die Ecke. Ich dachte eigentlich, wir wohnen hier jetzt eine Weile zusammen aber offenbar willst du nach dem Abschluss gerne wieder ausziehen? Hausboote also. Wenn ich mit einigem gerechnet habe, damit nicht.“
Mia kaute eine Weile verlegen auf ihrer Lippe und zeigte dann mit dem Finger nur zaghaft auf ein Datum im frisch unterschriebenen Vertrag. Ihre Augen waren nicht länger verzweifelt oder aufgequollen. Sie strahlten Zuversicht und Entschlossenheit aus. Dafür fühlte sich Erik, als wäre er geradewegs von einem Güterzug in voller Fahrt getroffen worden.
„Verstehst du nicht? Ich kann diesen Abschluss nicht machen. Ich fange in drei Wochen da oben an. Ich werd mir wohl da eine kleine Wohnung suchen.“
„Du hast Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit wir beide zusammen ziehen können und nach nicht einmal einem Monat lässt du mich alleine hier sitzen und verschwindest in den Osten? Du brichst dein Studium ab, welches du als Jahrgangsbeste abschließen würdest, selbst wenn deine Abschlussarbeit total daneben gehen würde…“

Laterne

Ihm fehlten einfach die Worte. Er hätte noch eine Frage auf dem Herzen gehabt. Aber was ist mit uns? Er traute sich nicht einmal, sie auszusprechen, wollte die Antwort nicht hören. Der Mund war ausgedorrt und trocken, ihm war schwindelig, die Augen tränten und die Nase biss ihm. Ein feiner Nebel waberte aus der Küche heran und er erinnerte sich. Die Pfanne hatte er noch vom Herd geschoben, ehe er rüber gekommen war. Der Reis aber stand seit sicher einer viertel Stunde unbeaufsichtigt auf dem Herd und brannte bei voller Hitze an.