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Hörsaalgetuschel – Ausgabe 153.

Arbeitskreise

In einem nicht weiter genutzten aber geräumigen Büro am Campus trafen sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit eine Gruppe von Studierenden, um den Tag ausklingen zu lassen und über einen bunten Blumenstrauß an Themen zu diskutieren oder gemeinsam einen Film auf dem im Raum verbliebenen Beamer anzusehen. Ein besonderes Hobby des kleinen Filmclubs war es, Filme zunächst ohne Ton anzusehen und zu versuchen zu erraten, worum es überhaupt ging. Alternativ gab es Filme in Sprachen, die keiner der Anwesenden beherrschte.

Einer dieser Studenten war Flo. Nadja hatte ihn irgendwann mit hierhin gebracht und seitdem gehörte er irgendwie dazu, ohne dass es jemand explizit erwähnt hätte. Mal war er dabei, mal hatte er keine Zeit, mal brachte er den Tee mit, die Kekse, die Schokolade, oder jemand anders war dran. Die Interessengemeinschaft mochte nicht organisiert sein, aber sie funktionierte irgendwie.

Da ein Großteil der Gruppe ebenfalls Mitglied im Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit der Universität war, fielen viele Filme, Diskussionsthemen und Aktionen in diesen Bereich. Flo sah keinen Grund, wieso er sich nicht daran beteiligen sollte. Er war zwar kein Mitglied im Referat, aber wenn er schon einmal da war, dürfte es doch niemanden stören. Er war halt da, und das war okay so, also konnte er sich auch nützlich machen. Und da er nicht einmal Mitglied war, gab es auch keinerlei Verpflichtungen für ihn. So jedenfalls sah er das.

Doch es sollte der Tag kommen, an dem die Diskussion über die Pflege der Streuobstbäume an der Uni eine Richtung einschlug, der er nicht mehr ganz folgen konnte.

„Wir hatten das ja bereits abgesprochen. Nächste Woche bekommen wir vom technischen Betrieb die Hebebühne, dann können wir die Reste von den Bäumen noch abernten, bevor sie Frostschäden bekommen. Es haben sich nur kaum Freiwillige auf die Mail hin gemeldet. Wenn ihr also vielleicht noch ein paar Leute finden könntet, dann wäre das super.“

Nadja sah erwartungsvoll aber eindringlich in die Runde, stieß auf vielfaches Nicken, aber von Flo kam nur ein verständnisloser Blick.

„Wann wurde das denn besprochen? Ich habe davon bisher nichts mitbekommen. Dienstag und Mittwoch kann ich natürlich helfen, da hat Kristina sowieso Spätschicht, aber welche Mail meintest du?“

„Doch, natürlich weißt du darüber Bescheid. Ich habe doch extra dafür eine Mail herumgeschickt. Hast du die nicht bekommen?“

„In welchem Verteiler hast du die denn verschickt? Referat Öko oder Filmclub?“

„Na Ref Öko.“

„Dann ist es klar, da bin ich doch überhaupt nicht drin!“

„Wieso bist du da nicht drin? Ich trag dich da gleich mal mit ein. Aber wieso bist du da nicht drin? Ich dachte, die Liste wäre vollständig.“

„Das kann ja sein, aber ich bin doch überhaupt nicht im Ref Öko. Ich bin doch immer nur als Gast dabei.“

„So ein Quatsch, natürlich bist du im Ref Öko. Du bist doch immer da und machst mit, mehr als die meisten anderen Mitglieder. Und schließlich sind wir alle davon ausgegangen, dass du eh längst in der Liste stehst. Du bist jetzt also dabei und gut ist.“

Und so war es gekommen, dass Flo ein gutes Jahr lang in einem studentischen Arbeitskreis involviert war, ohne davon etwas zu wissen. Es war faszinierend, wie planlos und unkoordiniert er durch sein Leben ging. Gelegentlich fragte er sich, wie er es überhaupt durch sein Studium schaffte. Aber irgendwie ging es immer gut, selbst wenn jetzt etwas mehr Arbeit auf ihn zukommen konnte.

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Die neue Revolution in der Hochschulpolitik?

Jedes Semester zur Prüfungsphase sind vermehrt Beschwerden, über zu hohen Stress im Leben der Studierenden zu vernehmen. Bereits leicht vernachlässigte Zeitplanung sorgt für kritische Kumulation des Workload in kritischen Zeitphasen, was mit schweren psychischen Problemen einhergehen kann. Entstehende Prüfungsangst und Depressionen sind hier nur der Anfang.

Und jedes Mal werden die Rufe nach einer Reformation des Bildungssystems laut. In der fortschreitenden Internationalisierung des Arbeitsmarktes und damit dem wachsenden Konkurrenzdruck ist ein dankbarer Sündenbock leicht gefunden. Lösungsansätze bietet das jedoch nicht.

Ebenso drückt der Wegfall der Studiengebühren auf das Budget der Bildungseinrichtungen und verhindert eine Verbesserung von Lehre und, auch psychologischer, Betreuung der Studierenden. Möglicherweise bietet ein Experiment einer großen fränkischen Universität eine Möglichkeit, gleich mehrere dieser Probleme in einem Rutsch effektiv zu bekämpfen.

In einem Versuch, der zunächst nur auf drei Jahre ausgerichtet ist, wird hier eine Brachfläche für ein ökologisches Experiment genutzt, welches in Teilen gleichzeitig durch lukrative Verkäufe für frisches Kapital sorgen kann. Gleichzeitig kann durch den kontrollierten Anbau gewährleistet werden, dass den Studierenden nur hochwertige, saubere und wirksame Entspannungshilfen verkauft werden. Die ersten Ergebnisse der Studie stehen noch aus, zumal auch nicht alle politischen Hürden ausgeräumt werden konnten. Hier wird hoffnungsvoll auf die anstehende Bundestagswahl verwiesen.

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Meine sehr verehrten Damen und Herren. Treten Sie näher und genießen Sie das Suchbild!

Schokohelden

Es ist etwa eine Woche her, da fand sich in meinem Postfach eine Mail vom Organisator unseres Gartens, dem Referat Ökologie, die sich nicht auf den Garten bezogen hat. Anstatt selbst etwas anzupflanzen, solle ich doch anderen helfen, etwas anzubauen und Schokoheld werden. Was hat es denn damit auf sich?

Ich esse Süßigkeiten bevorzugt in unvernünftigen Mengen und natürlich schließt das auch Schokolade mit ein. Logisch also, dass ich den beiden Links folge und mir das einmal ansehen möchte. Der erste Eindruck? Jemand will mein Geld! Soweit nichts Besonderes und ich bin bereits auf dem besten Weg, das Interesse zu verlieren aber unsere Ökos müssen sich ja etwas dabei gedacht haben, also ist ein zweiter Blick vielleicht sinnvoll.

Worum geht es?

Link: perupuro.de – Worum geht es?

Ganz grob zusammengefasst: Es geht um ein StartUp, denen Bio nicht Bio genug und Fair Trade nicht Fair Trade genug ist. Also wollen sie die Welt verbessern, indem sie direkt zum Erzeuger gehen und dort die Wahre zu extra fairen Konditionen einkaufen. Und weil es ja auch extra Bio sein muss, kommt es gleichzeitig aus einer nachhaltigen Mischkultur (Agroforst). Aus den Bohnen werden dann eine Reihe von Produkten hergestellt… nur keine Schokolade. Und genau da setzt dann der zweite Link an, der mein Geld will.

Link: Startnext Kampagne von Perupuro – Schokoheld

„Wir haben eine Tonne Chuncho Edelkakao und wollen daraus unsere eigene Schokolade herstellen.“

Das ist das Vorhaben, von hier aus soll das Geschäft ausgebaut werden und dafür wird Geld benötigt, welches über Crowdfunding zusammenkommen soll. Einen Monat läuft die Kampagne noch, aber das Basisziel ist bereits erreicht.

Warum erzähle ich dennoch davon?

Weil das Konzept sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig ist und tatsächlich funktionieren könnte. Der ökologische Impakt soll im schlechtesten Falle Null sein, die Umwelt also nicht belasten, sondern ein gesundes Ökosystem fördern. Auch die Weiterverarbeitung soll durch nachhaltige und natürliche Ressourcen vonstatten gehen, um eine langfristige Produktion zu sichern.

Die Bauern sollen fair bezahlt werden und auf Kinderarbeit verzichten. Sie sollen von ihrem Lohn vernünftig leben können, denn wer arbeitet schon gerne nur fürs reine Überleben? Wir sind ja nicht bei Nestlé.

Das Ganze kostet natürlich deutlich mehr, als die Tafel vom Discounter für unter 5€/Kg. Aber beim Fleisch ist es doch auch gerade modern, auf bewussten Konsum zu achten und die Herkunft zu berücksichtigen. Vielleicht sichere ich damit nicht das Überleben des Landwirts im Nachbardorf, aber macht das wirklich so einen Unterschied? Die Welt ist klein genug, als dass uns das trotzdem etwas angeht. Es kann also nicht schaden, es sich wenigstens einmal anzusehen und darüber nachzudenken. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist, aber ganz viele davon sind genug um eine ordentliche Strecke zu laufen. Und irgendwo müssen wir schließlich anfangen. Das beste Konzept ist wertlos, wenn es niemanden gibt, der es unterstützt.