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Das wars dann

Das wars dann also, das Ende. Es war schön, anstrengend, lehrreich, fordernd, erholsam und noch so vieles anderes gleichzeitig. So war es beispielsweise eines der größten Projekte, an denen ich bisher beteiligt war. Und jetzt ist es vorbei.

Die Landesgartenschau in Würzburg hat ihre Tore nach einem halben Jahr für die Besucher nun geschlossen. Es war eine viel diskutierte Ausstellung und wieder zeigt sich, wie viel Einfluss die Medien doch haben können. Im Frühjahr war die Kritik groß. Weite Rasenflächen, kaum blühende Blumen, fehlende Mülleimer und hohe Ticketpreise. Teilweise auch schlechte oder gleich ganz fehlende Beschilderung. Etliche der Kritikpunkte hätte man mit einer deutlicheren Kommunikation vielleicht entkräften können.

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Beliebter Pausenstopp oder Fotomotiv: Unser Stadtbalkon. Eine kleine Oase in der Oase.

Wer etwa Mitte April, kaum eine Woche nach dem letzten Schnee, bunte Blumenmeere erwartet, der hat nicht ganz verstanden, dass die Natur ihre Zeit braucht. Die Zwiebelchen sitzen hier in der kalten Erde und nicht in einem beheizten Gewächshaus. Ganz abgesehen davon, dass den Winter über ein regelrechter Kampf und jede Blume geführt wurde, denn die Krähen haben schnell herausgefunden, dass die Zwiebeln gut schmecken und leicht auszugraben sind. Am Ende sollte es gar der Habicht richten.

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Artischockenblüten

Die Beton- und Wiesenschau hat diesen Spitznamen ebenfalls gleich im Frühjahr bekommen. Zu einer Zeit, als viele Beete noch überhaupt nicht bepflanzt werden konnten und die gepflasterten Flächen daher um so deutlicher hervorstachen. Nur abgesehen davon, dass der versiegelte Anteil nicht einmal besonders hoch ist, sind die Stellen der Kritik auch kaum anders zu lösen. Immerhin ist das, was hier oben passiert ist, ein Stadtentwicklungsprojekt. Die Landesgartenschau ist nur eine Begleiterscheinung und eine Zwischenlösung. Ein ganzer Stadtteil entsteht hier um einen zentralen Park. Natürlich gehören zu diesem Stadtteil auch Straßen, Wege, Plätze und Parkflächen. Der lange Rundweg um die Dauerparkanlage ist bei der Gelegenheit dann auch in einem offenporigen Asphalt gebaut worden, der die Versickerung von Wasser ermöglicht. Sportflächen wie Basketballplätze sind ebenfalls nicht mit Rollrasen, sondern mit Beton gebaut. Verständlich schon allein deswegen, weil es ungemein pflegeleichter ist. Die Einrichtungen sollen schließlich noch lange erhalten bleiben.

Den Vorwurf der fehlenden Mülleimer damit zu beantworten, dass man ja nicht kommen würde, um Müll zu produzieren, war taktisch vermutlich eher unklug. Müll entsteht nun einmal einfach da, wo viele Menschen aktiv sind. Sinnvoller wäre es gewesen, darauf zu verweisen, wo man denn welche finden kann. Wahrscheinlich wäre es auch dann noch auf mehr Verständnis gestoßen, wenn man gesagt hätte, dass die Kosten hierfür auf lange Sicht das Budget sprengen würden. Immerhin ist die Dauerparkanlage für 10 Jahre festgesetzt. So aber haben sich viele Leute einfach verspottet gefühlt und uns das auch deutlich spüren lassen.

Bei solcher Berichterstattung waren etliche Besucher abgeschreckt. Viele deutlich negative Nachrichten haben sich schnell weit verbreitet und etliche Leute abgehalten, zu Besuch zu kommen. Einige haben sich dennoch nicht abschrecken lassen und spätestens in den letzten beiden Monaten waren die Besucherstimmen ganz andere. Besonders wenn man das Konzept der Stadtentwicklung um einen zentralen Park herum einmal erläutert hatte, konnten die meisten Leute es gut nachvollziehen und waren angetan. Immer wieder haben wir auch mit Menschen gesprochen, die regelrecht begeistert waren und die große Kritik überhaupt nicht verstehen konnten. Diese Offenheit, diese Weite, diese Vielfalt. Es ist eben in weiten Teilen auch einfach Geschmacksache, was jemandem gefällt und was nicht.

Am Ende sind dennoch nicht die erhofften eine Million Besucher da gewesen, sondern nur etwa 700.000. Darunter fanden sich bei Weitem nicht nur Kritiker, sondern auch viele Wiederholungstäter. Diverse Gesichter hat man immer wieder sehen können und eine Dauerkarte wurde wohl ganze 200 Mal am Eingang registriert. Es soll sich ja lohnen. Und nun ist es dann also vorbei. Wir können zusammenpacken, unsere Hochbeete und die gute Erde retten, die Möbel vielleicht sogar verscherbeln und uns wieder anderen Projekten zuwenden.

Oder etwa doch nicht?

Nachdem wir ein gutes Jahr Vorbereitungen mit viel Arbeit aber auch viel Spaß hinter uns gebracht hatten, war sich das Team sehr schnell einig. Es wäre schade, nach einem halben Jahr Landesgartenschau alles wieder abbrechen zu müssen und einen Schlussstrich zu ziehen. Also haben wir die entsprechenden Schritte eingeleitet, uns mit der Stadtverwaltung in Verbindung gesetzt und zu einer gemeinsamen Diskussion eingeladen, ob und wie es weitergehen kann. Überraschenderweise ging die Anfrage nicht einfach verloren, sondern wurde beantwortet. Das Gartenamt, welches im neuen Jahr die Fläche der Landesgartenschau übernimmt, kam zu Besuch und zeigte sich begeistert. Gerüchten zufolge hat auch der Oberbürgermeister sein Wohlwollen dem Projekt gegenüber geäußert.

Und tatsächlich zeigen die Bemühungen Erfolg. Inzwischen steht fest, dass unser Ausstellungsteil nicht abgebaut wird, sondern noch ein Jahr verlängert wird. Erst im nächsten Oktober wird die Fläche dann bebaut und wir müssen ausweichen. Auf lange Sicht aber soll das Projekt seinen Nachfolger nur wenige Hundert Meter entfernt finden, im neu entstehenden Quartierszentrum. Hier soll ein Bürgergarten den Anwohnern zum Gärtnern und den Kindern im entstehenden Kindergarten als Feldlabor dienen können. Die Planung für die Nutzung des Areals steht noch ganz am Anfang, aber alle Beteiligten waren sich einig. Das Projekt Stadtgartenschau wird als fester Bestandteil hier mit eingeplant und soll langfristig erhalten bleiben. In der ein oder anderen Form.

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Unsere Informationstafeln mit Grundriss und der versteckten Bitte, uns nicht alles auseinander zu nehmen. Wir bleiben noch etwas und würden unsere Pflanzen dafür gerne noch etwas behalten. (Einige Besucher haben sich davon leider nicht abhalten lassen)

Hunger – Teil 9. – Ende

In den unmittelbar folgenden Wochen hatte sich auf der Farm eine leichte Verbesserung der Situation eingestellt. Die Pflanzen erholten sich ein wenig, wurden wieder grüner, kräftiger und fruchtbarer. Das geerntete Gemüse reichte zwar noch immer bei weitem nicht, bestand aber immerhin aus mehr als Wasser und Ballaststoffen. Die Rationierung dagegen rief ungeahnt heftige Reaktionen hervor. Die Leute sahen nicht ein, wieso das Mittagessen eingestellt und das Frühstück nur noch in abgespeckter Form ausgegeben wurde. Das das Abendessen wie gehabt beibehalten wurde war kein Trost.

Zunächst war da nur der Hunger. Immer und überall gab es nichts als knurrende Mägen. Die Leute wurden zunehmend gereizter und die Laune verschlechterte sich. Am Ende musste die Sicherheit sogar eine Ausgangssperre verhängen. In der Allee patrouillierten verstärkt mies gelaunte Sicherheitsleute die jeden an fuhren, der ihnen in die Quere kam. Die Tage zogen sich zäh dahin, Wochen erschienen den Kolonisten wie Monate. Sie hatten noch einen langen Weg vor sich und das Bremsmanöver war noch nicht einmal gestartet worden. Trotzdem gingen die meisten tapfer weiter ihrer Arbeit nach. So gut sie eben noch dazu in der Lage waren. Die Zahl der Unfälle stieg merklich an.

Auf der Krankenstation wurde noch ein zweiter Aspekt deutlich mit dem in der Überflussgesellschaft niemand gerechnet hatte und an den niemand gedacht hatte. Mangelerscheinungen. Frau Doktor Verdun fand zwar in der medizinischen Bibliothek eine alte Anleitung, wie man Ersatzpräparate anfertigte doch dazu war es bereits zu spät. Die ersten Siedler verloren bereits ihre Zähne durch Skorbut. Die Ärztin dokumentierte alles peinlich genau und mit der Faszination des Abartigen. Fassungslos starrte sie auf die Bilder von den Geschwüren, die sich so schwer taten zu verheilen. Und immer fehlte es an irgend etwas. Nachfolgende Kolonieschiffe mussten unbedingt besser ausgestattet sein. Das vermerkte sie an jeder nur möglichen Stelle in ihrer Dokumentation.

Nach monatelangem Dröhnen war heute der große Tag. Das große Triebwerk war zum schweigen gekommen und nach einigen wohl berechneten Schüben fand sich das riesige Kolonieschiff im Orbit um seine neue Heimat wieder. Trotz der blauen, staubigen Kugel vor den Fenstern war die Stimmung an Bord eher angespannt. In den letzten Monaten standen die Siedler extrem unter Spannung. Sie waren gereizt, griesgrämig, streitlustig und vor allen dingen hungrig. Es gab Tage, an denen kam Marissa selbst kaum aus dem Bett. Aus dem Spiegel starrte ihr eine alt wirkende und doch junge Frau entgegen. Ihr eingefallenes Gesicht und die leeren Augen machten ihr Angst. Sie wollte sich selbst auf keinen Fall im Traum begegnen.

Marissa hatte ihr Bestes gegeben. Sie hatte die Lampen ausgetauscht, ersetzt, ergänzt und auf jede ihr mögliche Weise verändert. Die Pflanzen hatten es ihr nur dürftig gedankt aber immerhin ein wenig. Die Brücke hatte recht ungehalten auf die strenge Rationierung reagiert. Es war den Offizieren nicht zu verdeutlichen, dass man eine hydroponische Kultur nicht so einfach reparieren konnte wie einen Kühlschrank oder einen Reaktor. Für die Farmer war die Zeit besonders frustrierend. Egal was sie versuchten und wie viel sie arbeiteten, es wurde ihnen mit Verachtung gedankt. Mehr als einmal war der Mob drauf und dran, sie, oder wahlweise auch sich gegenseitig zu zerfleischen.

Die Ironie dabei war, das synthetische Fleisch wollte niemand anfassen. Es hatte Marissa und Doktorin Verdun einige Fehlschläge gekostet aber am Ende hatten sie doch noch diesen Rettungsanker aufbauen können. Fleisch aus dem Reagenzglas um die Hungersnot an Bord zu bekämpfen. Es war fast geschmacklos und von glibberiger Konsistenz, dafür aber ausreichend nahrhaft. An den Gedanken etwas zu essen, was von einem Tier oder Mensch hätte stammen können, konnte sich nur offensichtlich niemand gewöhnen. Sonst so kostbare Nahrung ließ man vergammeln. Dann sollten sie doch vor Hunger verrecken, dachte Marissa mehr als einmal in ihrer Verbitterung.

Die Verweigerung gegenüber dem Fleisch sorgte für eine erhöhte Nachfrage nach Notrationen. Vor zwei Wochen war der letzte Container davon an Bord geholt worden. Bisher waren sie um Todesopfer herum gekommen aber wenn dieser Container aufgebraucht war, dann konnte Marissa nicht sagen, woher sie noch Nahrung holen konnte. Wenigstens konnte der Mob ihnen bald nicht mehr gefährlich werden. Der Hunger verbrannte alle Kraftreserven, so dass die Besatzung bald eher wie wandelnde Leichen wirkte.

Mit Ellenbogen und mürrischen Gesichtern hatten die Siedler das Schiff zur Landung vorbereitet. In der allgemeinen Depression hatte niemand mehr ein besseres Leben auf dieser neuen Welt erwartet. Trotz allem arbeiteten sie gewissenhaft und präzise, nur eben etwas langsamer. Das vermeintliche Problem mit dem Triebwerksreaktor hatte sich als reine Vorsichtsmaßnahme entpuppt. Der Reaktor war in makellosem Zustand und bescherte dem Schiff eine glatte und problemlose Landung in einem weiten Tal. Die Gegend bot alles, was man sich Wünschen konnte. Fließendes Wasser, Bodenschätze und fruchtbare Erde. Sogar eine dünne Sauerstoffsättigung und ein hoher CO2 Anteil war vorhanden, genau wie die Sonden angekündigt hatten. Am Anfang würde den Meisten etwas schwindelig sein, aber sie würden sich gut daran gewöhnen können. Das Schiff war auf einem weitläufigen Hügel gelandet. Nah am See aber weit genug darüber, um auch bei einem starken Hochwasser trocken zu bleiben.

Eine der ersten Aktionen nach der Landung war es gewesen, die Farm zu öffnen und einige der Regale an die frische Luft zu holen. Es hatte einige Wochen gedauert aber trotz der fremden Bedingungen hatten sich die Pflanzen wieder erholt. Nach einem halben Jahr hatte Marissa ihre Farm komplett aus dem Schiff ausgelagert. Die Erträge genügten ihren Ansprüchen und sie war zuversichtlich, dass sie das nächste Jahr überstehen würden. Das mussten sie auch, denn mit der Landung hatten sie auch das letzte Paket der Notrationen vertilgt. Sie hoffte nur, es würden nicht zu viele Kinder geboren werden.

Marc und Jeb hatten ihren Handel mit den Tabakblättern nicht bereut. Am ersten Abend nach der Landung saßen sie selig wie die Kinder auf einem nahen Hügel und rauchten glücklich ihre selbst gedrehten Zigarren. Die einzigen, die es in der ganzen Kolonie geben sollte. Für die beiden war die Reise damit erfolgreich beendet.

Fortsetzung folgt nicht mehr. Das wars. Ich hoffe mein kleiner Ausflug zu den Sternen hat dir gefallen und du hattest viel Spaß beim Lesen. Falls du es noch nicht getan hast, lass mir doch gerne einen Kommentar mit deiner Meinung da. Ich freue mich über Reaktionen und Rückmeldungen. Bis zur nächsten Geschichte!

Planeten