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Hinterm Horizont – Teil 3.

Wir hatten das Äquivalent des Punktes überschritten, an dem sich damals die primitiven Seefahrer befunden haben. Der Punkt, wo die letzte Insel und Mastspitze in den Wellen versunken waren und es nur noch eine winzige Nussschale und die unbarmherzige See gab. In den Geschichtsbüchern stand, die Seefahrer hätten sich anhand der Sterne orientiert, mit ihrer Hilfe navigiert und ihren Weg gefunden. Mit jedem weiteren Reisetag sahen die Sterne anders aus und verschwammen für mich zu einem beinahe belanglosen Einerlei. Völlig unbrauchbar zur Navigation.

Andere Reisende hatten ein besseres Gespür dafür. Sie konnten Muster erkennen, einzelne Sternbilder, die sich wandelten, und größere Strukturen. Nebel und Galaxien, selbst das Band unserer eigenen Milchstraße. Dieses war sogar für mich deutlich genug, doch es war genauso unnahbar und entfernt, wie alles andere außerhalb des Schiffs. Es veränderte sich nicht. Nicht so jedenfalls, dass ich einen Unterschied hätte ausmachen können. Ebensogut hätte jemand die Sterne als Tapete auf die Fenster kleben und dahinter die große, unendliche Leere übrig lassen können.

Die wenige Millimeter dicke Bordwand war alles, was uns von der großen Leere trennte. Die einzige Materie für viele Tausende und Hunderttausende Kilometer. Ich verbrachte viel Zeit vor den Bullaugen. Irgendeiner dieser winzigen, hellen Punkte, irgendwo hinter dem Antrieb des Schiffs, war der Ursprung. Einer dieser unzählbaren Punkte war unsere Heimat gewesen und alles, was je ein Mensch kennengelernt haben konnte. Alles, was wir kannten umfasste nicht mehr, als einen Punkt, kaum größer als ein Nadelstich in einer Folie. Ein Staubkorn auf einem Spiegel. Und wir hatten noch nicht einmal unser komplettes Sonnensystem erfasst. Wozu auch? Es war unwirtlich, die Mühe nicht wert.

Was veranlasste uns dazu, alle uns bekannten Ufer hinter uns zu lassen und in die lebensfeindlichste Umgebung, die es für uns geben konnte, vorzudringen? Fernab von jeder Hilfe oder rettendem Hafen war nie jemand auch nur auf den Gedanken gekommen, dass wir scheitern konnten. Aber auch wenn wir uns auf dem größten Schiff befanden, was je von Menschenhand gebaut wurde, für den unendlichen Kosmos war es kaum der Rede wert. Es verschwand in der Bedeutungslosigkeit.

Jetzt waren wir die Seeleute, die hinter dem Horizont verschwunden waren, ohne zu ahnen, was auf der anderen Seite auf sie warten würde. Wir waren diejenigen, welche apathisch auf die endlosen Wellen hinaus starrten und uns unserer eigenen Bedeutungslosigkeit bewusst wurden. Uns blieb nichts weiter, als davon zu träumen, was wir hinter uns zurückgelassen hatte und was vor uns eventuell noch warten mochte. Nichts und niemand hatte uns auf diese Situation vorbereiten können. Es war schlicht von niemandem berücksichtigt worden. Und dabei war es bekannt, dass so etwas passieren konnte. Doch das erfuhren wir erst im Nachhinein. Den größten Schaden aber erlitt wohl unser Selbstbewusstsein. Mit brutaler Gewallt bekamen wir zu spüren, dass wir, all der Jahrhunderte von technischem Fortschritt und Entwicklung zum Trotz, immer noch nur die primitiven, lethargischen Seefahrer waren.

Die Kommunikation mit dem Sonnensystem wurde immer schwerer. Nachrichten benötigten bereits eine Woche und immense Energiemengen, als die Situation zu einem Problem wurde, und sie ließen immer länger auf sich warten. Und in der Zentrale auf der Erde ließ man sich Zeit mit den Antworten. Man wolle sichergehen, dass man uns keine Fehlinformation mitteilte, behaupteten sie. Sie wollten uns nicht mit halb garen Übergangslösungen aufhalten, sondern direkt die bestmögliche Methode liefern, behaupteten sie. Uns wäre es egal gewesen, solange es die Situation nur irgendwie verbessert hätte. Inzwischen machte sich das Phänomen wirklich bemerkbar. Es verging kaum noch ein Tag, an dem nicht irgendwer ausfiel, weil er seinen Tag damit verbrachte, aus dem Fenster in die Leere zu starren. Vermutlich hätten wir die betreffenden Personen zur Arbeit gezwungen, wenn nicht sowieso all unsere Aufgaben eine Beschäftigungstherapie darstellten. Die einzigen wirklich wichtigen Aufgaben waren die Überwachung der Roboter und der Schiffssysteme. Ein Ausfall fiel oft genug nicht einmal jemandem auf. Wie ein schlechter Witz erschien uns daher dann auch der Lösungsvorschlag aus dem Sonnensystem: Veranstalten sie eine oder zwei Filmvorführungen pro Woche, um sich von der Arbeit zu erholen. Das konnte doch nur ein schlechter Scherz sein, Zynismus.

Es gab kaum Arbeit, von der man sich hätte erholen müssen. Stattdessen saßen wir stundenlang vor den Fenstern und starrten in die Leere, die Glieder bis zur völligen Bewegungsunfähigkeit verkrampft vor Panik, angesichts der Leere rundherum. Wir hätten andere Orte aufsuchen können, aber dann hätten wir nicht den Stern finden können, der langsam größer wurde. Uns war bewusst, dass es noch Monate dauern würde, und doch suchten wir verzweifelt einen kleinen Punkt, der einmal unsere Heimat werden sollte. Ein rettendes Stück Treibgut, auf dem endlich wieder oben oben war und unten unten. Eine Insel, die von diesem hauchfeinem Schleier umgeben war, wie jenem, der auf der Erde alles Leben ermöglichte. Die Telemetrie hatte uns versprochen, dass es eine Atmosphäre dort geben müsse. Nur der Stern dazu blieb für uns unsichtbar, der Planet sowieso.

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Hinterm Horizont – Teil 2.

Feuer, das Rad, der Buchdruck, Eisenbahnen, Flugzeuge, Computer, das Internet, Raketenantrieb und viele andere „große“ Erfindungen lagen weit in der Vergangenheit. Unsere Urgroßeltern stammten noch aus einer Generation, in der man sich an vergangene, große Taten erinnerte. Sie erinnerten sich auch noch an ihren Spitznamen. „Generation Taugenichts“ waren sie gerufen worden und es hatte einen schrecklichen Beigeschmack gehabt. Ihre Kinder hatten damit angefangen, das Schimpfwort als einen Titel zu tragen. Das war ihr Protest gegen die alten Strukturen und er war von Erfolg gekrönt, wie so oft, wenn eine Gruppe ihre Beschimpfung in einen Anzug steckt und stolz auf die Bühne stellt.

Was folgte, war die große Stagnation. Wirtschaftlich, gesellschaftlich und intellektuell. Der Zeitpunkt, als wir satt, zufrieden und träge geworden waren. Allen ging es gut, mehr oder weniger. Jedenfalls so gut, wie noch nie zuvor in der Geschichte. Und dann, mitten in diese große Zufriedenheit hinein, brach die Revolution los. Plötzlich forderten Androiden ihre Rechte ein und Menschen wollten wieder arbeiten gehen und „ihrem Leben einen Sinn geben.“ Was für ein esoterischer Unfug. Dennoch sind auch wir aus dieser Bewegung hervorgegangen.

Die Erde entpuppte sich als zu klein für uns alle und die logische Konsequenz war, auszuwandern. Der Vorschlag zu diesem Projekt kam von den Androiden. Einige wollten eine eigene Kolonie auf den äußeren Planeten oder deren Monden gründen. Natürlich erhielt so etwas keine Genehmigung. Die Umweltbedingungen wären dort für Menschen kaum tragbar gewesen und was wäre ein Roboter ohne Aufseher? Die Androiden mussten doch einsehen, dass so etwas unmöglich war. Es musste eine andere Lösung her. So suchte und fand man die zweite Erde, den Planeten, zu dem wir aufbrachen.

Gleichzeitig konnte man den Beweis antreten, dass Roboter nicht immer nur logisch motiviert handeln. Die Androiden waren mit dem Kompromiss nicht glücklich und zeigten eindeutig emotionale Reaktionen. Sie bestanden weiterhin auf einer Kolonie im äußeren Sonnensystem. „Notfalls auch ohne Menschen vor Ort.“ Dabei war man ihnen doch bereits in so vielen Punkten so weit entgegen gekommen. Statt dankbar für ihre Möglichkeiten zu sein, forderten einige von ihnen gar ein Recht auf Selbstbestimmung! In der Regierung riefen solche Forderungen Unverständnis und Verstimmungen hervor. Dennoch, das Kolonieprojekt lief an, vorangetrieben allein durch Privatinitiativen. Hinter einigen vorgehaltenen Händen krochen Gerüchte hervor, das Projekt existiere nur aus Angst vor einer Revolte der Maschinen. Aber diese verstummten sehr schnell wieder.

Es wurde ein Schiff gebaut, Fracht und Passagiere zusammengestellt. Wir alle, die ausgewählt wurden, mussten eine lange Reihe von Tests und Vorbereitungen über uns ergehen lassen. Im Gegensatz zu den Androiden konnte man uns nicht einfach in den Ruhemodus schicken und in den Frachtcontainern verstauen. Mir ist es trotzdem ein Rätsel, wie es hilfreich gewesen sein soll, mit einem Drehwurm eine gerade Linie entlang zu gehen. So vieles aus dieser Vorbereitungszeit schien einfach nur dafür da zu sein, uns irgendwie zu beschäftigen oder zu foltern. Die genauen Auswahlkriterien sind auch nach dem Start nicht bekannt, aber ich kam an Bord und startete die vermutlich einzige wahre Reise meines Lebens. Ein Aufbruch in Gefilde, der nicht möglich zu sein schien.

Je länger der Start nun zurück liegt, umso mehr kann ich die Siedler im System verstehen, welche die Erde als solch prächtige Perle sahen. War sie aus der Nähe noch ein schmutziger, gräulicher Ball, mit jedem Tag der Reise wurde sie kleiner und schöner. Aus einiger Entfernung konnte man selbst den blauen Schimmer erkennen, welcher dem „Blauen Planeten“ seinen Namen gegeben haben musste. Ein bläulicher Punkt, mitten im immer heller werdenden Sternenkleid des Kosmos.

Wie hatte die Erde eigentlich geheißen, bevor die ersten Menschen ihre Raumsonden bis in die äußeren Ausläufer des Sonnensystems geschickt hatten? War es zunächst einmal der graue Planet gewesen, oder der grüne? Und wie weit hatte man damals reisen müssen, um das schmutzige Braun der Landoberfläche nicht mehr sehen zu können? Angeblich hatte die Erde damals anders ausgesehen. Das erzählt man uns bereits in der Grundschule, aber ich habe es noch nie glauben können. Bis zu diesen Momenten, als wir in die Richtung sahen, aus der wir kamen, und die Erde nur noch einer der vielen Sterne ist. Selbst unsere Sonne lässt sich nicht mehr davon unterscheiden. Egal, in welche Richtung man seine Blicke wendet, der Himmel sieht immer gleich aus.

Wir hatten das Äquivalent des Punktes überschritten, an dem sich damals die primitiven Seefahrer befunden haben. Der Punkt, wo die letzte Insel und Mastspitze in den Wellen versunken waren und es nur noch eine winzige Nussschale und die unbarmherzige See gab. In den Geschichtsbüchern stand, die Seefahrer hätten sich anhand der Sterne orientiert, mit ihrer Hilfe navigiert und ihren Weg gefunden. Mit jedem weiteren Reisetag sahen die Sterne anders aus und verschwammen für mich zu einem beinahe belanglosen Einerlei. Völlig unbrauchbar zur Navigation.

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Hinterm Horizont – Teil 1.

 

Man erzählt sich, die alten Seefahrer hatten damals, als sie auf ihren Windjammern loszogen, die Welt zu erkunden, ein kleines Problem. Immer dann, wenn das letzte Stückchen Land, die letzte Insel oder auch nur das letzte bisschen Treibgut hinter dem Horizont zurückblieb, überkam die Seeleute eine merkwürdige Stimmung. Wenn es nur noch das Schiff, sie selbst und die schier endlosen Weiten des Ozeans mit seinen bodenlosen Wellen gab, verfielen sie in eine Art der Depression oder Apathie.

Aber solche Dinge gehörten der Vergangenheit an. Inzwischen hatten sich die Welt und die Menschheit stark weiterentwickelt. Vieles, was einst undenkbar erschien, war nun Realität. Damals träumten die Menschen noch davon, ihren eigenen Planeten zu erkunden. Fremde Welten waren keinen Gedanken wert, und wenn es die Bälle des eigenen Systems wären. So vieles hatte sich seitdem verändert. So viel mehr hatte man in der Zwischenzeit gelernt. Zum Beispiel, dass es nicht nur das eigene Sonnensystem gab und auch nicht nur diese eine Erde. Die andere Erde war nur allem Anschein nach völlig tot, aber in direkter Nachbarschaft. Und die Menschheit hatte die Möglichkeit erlernt, genau diese zweite Erde zu erreichen.

Vor nur zehn Jahren war dies noch völlig unmöglich erschienen. Ein Schiff, welches lebende Menschen und ihre Ausrüstung im Verlauf nur eines Menschenlebens über zig Lichtjahre hinweg transportieren konnte. Ein Schiff, welches am Zielort landen konnte, und als Keimzelle für die Biosphäre einer ganzen Welt dienen konnte. Eine Samenkapsel, die eine raue, tote Insel in ein blühendes Paradies verwandeln sollte. Das waren wir.

Nicht nur für uns war es das ganz große Abenteuer. Die halbe Menschheit sah es als ein Jahrhundertprojekt, vielleicht sogar als Jahrtausendprojekt. Nie zuvor hatten Menschen das Sonnensystem verlassen, nie zuvor eine fremde Welt besiedelt, um eine zweite Erde zu erschaffen. Mond, Mars und die Monde der Gasriesen hatten ihre Basen bekommen, teilweise waren sie sogar dauerhaft besiedelt. Doch immer waren es nur kleine Stationen zur Erforschung und Organisation der Bergbauaktivitäten. Wer so weit draußen gewesen war, kam oft zurück und schwärmte von der wärmenden Sonne auf der Erde oder ihrer Schönheit, die sie erst aus der Ferne offenbarte.

Wir Menschen von Erde und Mond konnten das nie nachvollziehen. Die Sonne war einfach da und wir kannten sie nicht anders. Was die Schönheit der Erde betraf, so musste es wohl wirklich an der Perspektive liegen. Oder aber, die Kolonien dort draußen mussten wahrhaft trostlos sein. Dabei kamen doch von dort die Bilder mit den tollsten Aussichten. Ein immenser Jupiter, welcher sich über den Horizont erhob oder die Ringe des Saturn, wie sie den Himmel seiner Monde so beeindruckend dominieren konnten. Die teils roten und gleichzeitig blauen Sonnenuntergänge, wie sie sich auf dem Mars zeigten, dagegen konnte die Erde einfach mit nichts aufwarten.

Trostlose Großstädte, die wie raue Felswüsten ganze Landstriche prägten. Enorme Äcker und Felder, die sich schier endlos wie verkrustete Wunden über Hügel und Täler erstreckten und giftig grüne Ozeane, von Algenblüte und Hydrofarmen bedeckt. Wer es sich leisten konnte, verbrachte seine Zeit in einer der vielen bunten virtuellen Realitäten. Die anderen suchten wenigstens mit augmentierten Realitäten ihren Trost. Künstliche, aufregende Fassaden über einer schmutzigen und grauen Realität. Doch das alles konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass es alles nicht wirklich echt war.

Die VR und AR Programme sollten die Leute motiviert halten und wenigstens ihre Grundbedürfnisse befriedigen. Doch sie waren nie gut genug geworden, um wirklich allen Träumen und Hoffnungen gerecht zu werden. Sie mochten das menschliche Grundbedürfnis nach immer mehr Mehr drosseln, aber gänzlich unterdrücken oder gar befriedigen konnten sie es nie. Es war nicht länger der große Wunsch nach noch mehr kleinen Dingen. Was sich in der Gesellschaft mehr und mehr aufstaute, war die Sehnsucht nach dem nächsten ganz großen Wurf.

Feuer, das Rad, der Buchdruck, Eisenbahnen, Flugzeuge, Computer, das Internet, Raketenantrieb und viele andere „große“ Erfindungen lagen weit in der Vergangenheit. Unsere Urgroßeltern stammten noch aus einer Generation, in der man sich an vergangene, große Taten erinnerte. Sie erinnerten sich auch noch an ihren Spitznamen. „Generation Taugenichts“ waren sie gerufen worden und es hatte einen schrecklichen Beigeschmack gehabt. Ihre Kinder hatten damit angefangen, das Schimpfwort als einen Titel zu tragen. Das war ihr Protest gegen die alten Strukturen und er war von Erfolg gekrönt, wie so oft, wenn eine Gruppe ihre Beschimpfung in einen Anzug steckt und stolz auf die Bühne stellt.

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Trappist-1 – Sensationsmeldung aus dem Weltall

NASA hält eine Pressekonferenz und löst einen riesigen Wirbel aus. Für den Alltag hat die Meldung keinerlei Relevanz, aber sie greift einen der großen Träume der Menschheit auf: Was ist da draußen?!

Und weil mein Blog schließlich ein Testgelände ist, habe ich es zum Anlass genommen, mal zu üben. Für einen wissenschaftsjournalistischen Artikel hat es wohl nicht gereicht, dafür sind zu viel eigene Meinung und zu wenig Fakten drin. Aber vielleicht kann man es als Kommentar gelten lassen? Hoffentlich bin ich beim nächsten „Artikel“ besser. Lass mir gerne einen Kommentar mit deiner Kritik, Meinung und Anregungen da.

Trappist-1 und die große Hoffnung

 

Es ist wohl einer der ältesten Träume der Menschheit, zu den Sternen zu reisen. Geschichten hierzu sind älter als das Wissen darum, was die Sterne überhaupt sind, abgesehen von hellen Pünktchen am Nachthimmel. So ergibt natürlich auch die Suche nach neuen Welten viel Sinn, jetzt, da wir wissen, dass unser kleiner Planet nur einer von vielen ist.

Verbesserte Methoden und fein kalibrierte Instrumente sowie eine enorm wachsende Datengrundlage haben in den letzten Jahren zu ungeahnten Ergebnissen geführt. Jedes Jahr kommt gleich ein ganzer Katalog von neu nachgewiesenen Exoplaneten hinzu. Zunächst hauptsächlich die weiter außen liegenden, größeren Gasriesen, in den letzten Jahren aber auch verstärkt kleinere, innen liegende Gesteinsplaneten. Es ist also statistisch gesehen nur eine Frage der Zeit, bis sich darunter auch eine zweite Erde verbirgt.

Und genau das, so die Hoffnung, ist nun mit den nachgewiesenen Planeten im Trappist-1 System geschehen. Gleich sieben Planeten von etwa Erdgröße hat das internationale Forscherteam auf Initiative einer belgischen Forschergruppe unter Leitung der NASA hier entdeckt. Drei davon sogar in der habitablen Zone, dem Bereich also, in dem die Einstrahlung des Sterns so viel Energie auf die Oberfläche bringt, dass flüssiges Wasser vorkommen kann.

Im Fall von Trappist-1 ist diese Zone sehr viel enger um den Stern, als im Fall unserer Sonne, da er deutlich kleiner ist. Seine Planeten sind entsprechend dichter beieinander, haben kleinere Umlaufbahnen und, um darauf stabil zu bleiben, höhere Geschwindigkeiten. In etwa in der Größe unseres Mondes sollen sie am gegenseitigen Nachthimmel zu sehen sein. Und davon gleich eine ganze Reihe auf einmal! Die Vorstellung alleine regt die Fantasie an und verständlicherweise vielfach Hoffnungen und Fragen.

Haben wir hier in nicht einmal vierzig Lichtjahren Entfernung die Antwort auf die Frage, ob wir alleine im Universum sind? Liegt da eine zweite Erde direkt in unserer Nachbarschaft? Können wir es bis dorthin schaffen? Immerhin ist uns das Konzept von Generationenraumschiffen ja schon länger bekannt. Wie sehen diese Welten aus? Gibt es dort Wasser? Wie sieht es mit freiem Sauerstoff aus? (Was übrigens ein extrem deutliches Indiz für eine Lebensform wäre, die wir auch als solche erkennen würden.)

Einen Punkt vermisse ich aber dennoch in der Diskussion, den ich in den paar Artikeln, die ich hierzu überflogen habe, nirgends finden konnte. Die tektonische Energie.

Auf der Erde ist das zu vernachlässigen. Auch wenn unser Mond recht groß ist, die Energie, die durch seine „Gezeiten“ auf die Erde wirken, verstecken sich in der Energiebilanz der Erde unter den 0,02 % „Innere Energie“. Bei den Monden unserer Gasriesen Jupiter und Saturn sieht das schon anders aus. Dort reichen die Wechselwirkungen aus, um einen starken Vulkanismus anzuregen und eventuell den Kilometer mächtigen Eisschild Europas teilweise aufzuschmelzen.

Wie sieht das also in einem System aus, in dem gleich sieben Planeten von Erdgröße sich in einen Raum quetschen, der noch innerhalb des Merkurorbits liegt, und sich hier mit hohen Geschwindigkeiten begegnen? Bevor ich diese Reise antrete, würde ich das doch lieber einmal von jemandem durchrechnen lassen, der mit den Zahlen etwas anfangen kann.

Erdgröße allein muss auch noch kein Indiz sein. Unsere Venus ist nur minimal kleiner als die Erde, aber ein Vielfaches ungemütlicher. Mit einem effektiven Treibhauseffekt von über 90 % hat sie sich eine Hochdruckatmosphäre geschaffen, die keinerlei organisches Leben zulässt. Aber in dieser Sache werden von den Planeten um Trappist-1 schon bald die ersten Antworten erwartet, wenn auswertbare Spektraldaten vorliegen. Vielleicht erwartet uns dann ja die nächste Sensationsmeldung von den Sternen.

Die Namen der Planeten, so der Wunsch der belgischen Forscher, soll sich übrigens alle an belgischen Bieren orientieren, wie auch schon der Name des Systems. Es steht noch aus, ob diese Vorschläge akzeptiert werden.

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Bildquelle: NASA