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StadtGartenSchau – Teil 13. – Hügelbeete

Es hat auf mich immer eher wie eine unscheinbare Randerscheinung gewirkt. Ein Projekt, was etwas Fläche füllt und dennoch produktiv ist, dabei gleichzeitig aber einfach und unkompliziert. Für jedermann zu realisieren und daher perfekt für unsere Ausstellung, die ja inspirieren soll, Ideen anbietet und aufzeigt, dass es nicht immer viel braucht, um etwas Schönes zu erschaffen.

Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass unsere Hügelbeete doch so viel Aufmerksamkeit bekommen und dabei so viele Fragen aufwerfen. Jedes Mal, wenn ich bisher auf der Fläche war, steht jemand mit großen Fragezeichen in den Augen vor diesen so unscheinbaren Konstrukten. Es ist beinahe ein Wunder, dass noch niemand von den Besuchern nach einem Grabstein daran gefragt hat, immerhin scheint es Hügelgrabcharakter zu besitzen, trotz Informationsschild.

Wie gießt man denn so etwas? Wieso fließt die Erde nicht einfach auseinander? Das ist doch sicherlich schrecklich trocken alles? Ist das überhaupt sinnvoll so? Das sind nur einige der Fragen, die an uns herangetragen werden.

Auch wenn es vielleicht nicht gleich so wirkt, fließt das Wasser nicht einfach ungehindert hinab und lässt die Pflanzen vertrocknen. Die Oberfläche des Hügelbeetes ist deutlich weniger dicht und dafür offenporiger als ein ebenes Beet. Dies erleichtert die Aufnahme von Wasser. Zusätzlich bremsen die Pflanzen den Wasserstrom aus und lassen es so einfacher einsickern. Die feinen Wurzeln können den Boden gut durchdringen und festhalten.

Vor nassen Füßen muss man dennoch keine Angst haben, denn der Kern des Hügelbeets besteht aus einer Drainage aus grobem Pflanzenschnitt. Wie auch bei einem Hochbeet (der Aufbau ist im Grunde identisch, nur ohne die Seitenwände) wird das Material nach oben/außen hin immer feiner, bis eine Lage Kompost und feine Erde kommen. Das Material im Inneren verrottet langsam und setzt so neue Nährstoffe frei, die von den Pflanzen aufgenommen werden können. Außerdem verleiht dieser Aufbau der Struktur ihre Stabilität.

Gießen muss man das Hügelbeet dennoch gründlich, denn besonders die Oberfläche wird schnell trocken sein. Bedingt durch die Ausrichtung von Norden nach Süden, bekommt jede Seite eine gute Dosis Sonnenschein ab und trocknet so schneller aus. Außerdem ist die Kuppe stärker dem Wind ausgesetzt, was besonders am Anfang den Wasserverbrauch beansprucht. Um den Pflanzen genügend Licht zukommen zu lassen, werden hohe Pflanzen auf der Kuppe gepflanzt, niedrigere Pflanzen eher auf der Seite, wo sie weniger Zeit im Schatten verbringen. Durch die bessere Ausrichtung zur Sonne stehen wie Pflanzen hier auch insgesamt etwas wärmer.

Wie auch das Hochbeet ist das Hügelbeet als Interimslösung geeignet und nicht so abhängig vom natürlichen Boden. Auf versiegelter Fläche wird es allerdings nicht funktionieren, da hier überschüssiges Regen- oder Gießwasser nicht versickern kann und das Beet wegspült. Dafür hat man die Möglichkeit den verbauten Bodentyp entsprechenden Ansprüchen anzupassen. Ich habe diese Beetform auch erst auf unserer Ausstellung kennengelernt und keine Erfahrungen damit. Wir werden sehen, wie gut sich dieses Projekt entwickelt. Dem ersten Eindruck nach ist es recht trocken, aber wir werden ja sehen, wie es sich verhält, wenn die Pflanzen einmal richtig Fuß gefasst haben.

(Und weil dieser Text schon etwas älter ist, und ich ihn zwischenzeitlich etwas vergessen habe, kann ich auch schon Zwischenergebnisse liefern. Ich würde für mich kein Hügelbeet anlegen. Der Boden schwimmt entweder weg oder vertrocknet. Klar, man hat mehr Oberfläche, aber bis die Tomaten so tief wurzeln, dass man sie nicht mehr alle 2 Stunden gießen muss, vergeht leider etwas Zeit. Mit einer automatischen Tröpfchenbewässerung wäre das vielleicht einfacher, aber das wäre dann auch wieder eine technische Lösung mit höherem Wartungsaufwand. Die Idee ist zwar gut, aber überzeugt hat es mich nicht.)

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Aus dieser Perspektive zum Glück nicht so sichtbar: Die niedrige Abgrenzung ist kaum ein Hindernis für Schnecken. Wir bieten zwar Nischen und Nistplätze für viele Tiere, aber leider sind bisher keine Fressfeinde von Schnecken da. Dafür natürlich die Schnecken und sie lieben den Kohl.

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Nur eine kleine Revolution in der Hochschulpolitik

Vielleicht erinnert sich noch jemand an die neue Revolution in der Hochschulpolitik? Damals habe ich noch wild spekuliert und mich ansonsten über die schönen Sonnenblumen gefreut. Inzwischen sind wir einen Schritt weiter, denn auch andere sind inzwischen darauf aufmerksam geworden, so auch die lokale Zeitung, welche hier schön großformatig und mit Foto davon berichtet. Und falls der Link nicht funktionieren sollte, habe ich Euch den Text einmal geklaut:

Cannabis-Pflanzen gedeihen auf Würzburger Uni-Campus

Sie ist eine wertvolle, uralte Kulturpflanze, angebaut schon vor tausenden Jahren. Weil aber weibliche Blüten zu Marihuana und ihr Harz zu Haschisch verarbeitet werden können, hat Hanf – wissenschaftlich Cannabis– hierzulande einen schweren Stand.

Umso erstaunlicher, dass auf dem neuen Würzburger Uni-Campus gar nicht wenige Cannabis-Pflanzen gedeihen. Eine Plantage für den studentischen Eigenverbrauch?

Beim Familienspaziergang Cannabis-Pflanzen entdeckt

Eigentlich will Felix Weinrich mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern nur einen gemütlichen Spaziergang durch das Gelände des neuen Campus Nord machen – die ehemaligen Leighton Barracks. Dort ist mächtig was los: Die Landesgartenschau wird angelegt, neue Wohnhäuser schießen aus dem Boden, und auch auf dem Unigelände wird ordentlich umgebaut.

Gymnasiallehrer Weinrich möchte seinen Kindern die vielen Bagger, Radlader und sonstigen Baufahrzeuge zeigen. Was die Familie aber dann entdeckt, ist eine Sache für Erwachsene: zierliche Cannabis-Pflanzen, direkt neben der Straße, auf dem freien Feld hinter der neuen Mensateria.

Hanf zwischen anderen Blühpflanzen

Die Gewächse sind eingestreut zwischen Sonnenblumen und anderen Blühpflanzen. Auf jeden Fall optisch eine feine Sache. Aber vielleicht noch mehr?

Beim Spaziergang dabei: Weinrichs Schwester und deren Mann, beides studierte Landschaftsökologen. Sie können den Cannabis sofort identifizieren. „Was uns wirklich erstaunte“, berichtet Deutsch- und Erdkundelehrer Weinrich, „war das Ausmaß der Verbreitung dort.“ Aus dem Rottenbauerer Grund kenne man eine wilde Bepflanzung, wo in selten Fällen auch Hanf wachse. „Aber nicht in dieser Menge!“

Strenge Auflagen für den Anbau von Hanf

Möglicherweise ein illegaler Drogenanbau mitten auf dem Uni-Campus? Recherchen der Redaktion führen zunächst zu Fachleuten aus Botanik und Pharmazie. Dr. Gerd Vogg, wissenschaftlicher Custos am Botanischen Garten, weiß um die Sensibilität des Themas: „Wenn wir für die Analytik in der Pharmazie einige Hanfpflanzen anbauen wollen, brauchen wir eigens eine Genehmigung der Bundesopiumstelle in Bonn.“

Dabei gibt es bei den Cannabisarten große Unterschiede: Um Haschisch und Marihuana erzeugen zu können, brauchen die Hanfpflanzen einen hohen Gehalt des Wirkstoffes Tetrahydrocannabinol (THC). Dieser beträgt beim kommerziell verwerteten Nutzhanf weniger als 0,2 Prozent.

Hanf als Nutzpflanze, für die Medizin – und für Drogen

Textilien, Öle, Dämmstoffe, Seile, Papier – die Palette legaler Hanfprodukte ist groß. Vor allem Sorten der Hanfart Cannabis sativa werden dafür eingesetzt, während der Indische Hanf (Cannabis indica) die entscheidende Rolle als Drogen- und Medizinpflanze spielt. Rein äußerlich, erklärt Vogg, seien die beiden Arten kaum zu unterscheiden.

Und was wächst am Hubland-Campus? Der Botaniker hätte – mit Blick auf die vielen Sonnenblumen auf dem Feld – eine plausible Erklärung: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine Saatgutmischung, die dort ausgestreut wurde. Auch in Mischungen von Vogelfutter finden Sie einzelne Hanfsamen.“ Also keine gezielte Cannabiszucht, sondern nur Begleiterscheinungen?

Studenten hatten „WEED“-Transparent aufgestellt

Einigen Studenten jedenfalls waren die hübschen Hanfgewächse aufgefallen. Zu ihrem Amüsement hatten sie vor wenigen Wochen an dem Feld ein Transparent aufgestellt mit der Aufschrift „WEED ’s to Entertain you“ (frei übersetzt: „Gras macht Spaß“). Ob auch „geerntet“ wurde, ist nicht bekannt.

Als der technische Betrieb der Uni das Banner bemerkte, holte man es ein und wies die Pressestelle der Hochschule auf das Cannabisfeld hin. Entsprechend ging man auch dort interessiert der Hanfherkunft nach.

Verbindung zur nahen Landesgartenschau 2018

So kann Pressesprecher Gunnar Bartsch mittlerweile aufklären: In direkter Nachbarschaft zur Landesgartenschau 2018 steht die Pflanzaktion mit ihr in Zusammenhang. Das Gelände, so Bartsch, solle möglichst ansprechend aussehen. Also überlegte man sich beim zuständigen Staatlichen Bauamt, wie die Brachfläche hinter der Mensateria ökologisch aufzuwerten ist.

Beraten ließ man sich von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim, mit der die Staatsbauer auch sonst eng kooperieren. Und die LWG-Experten empfahlen eine spezielle Wildpflanzenmischung, die sich auf dem Boden und in der Lage am Campus Nord angeblich gut entfaltet. Das Ergebnis gibt den Öko-Fachleuten Recht.

Wildpflanzenmischung der Veitshöchheimer Landesanstalt

Seit 2008 entwickelt die LWG zusammen mit Projektpartnern aus ganz Deutschland artenreiche mehrjährige Wildpflanzenmischungen mit 15 bis 25 Pflanzenarten für die Biogasproduktion. Energiepflanzen, die gleichzeitig Lebensräume für Wildtiere schaffen.

Die „starkwüchsige Veitshöchheimer Hanfmischung“ zaubert einen wahren Blütenreigen auf den Unicampus: Sonnenblumen, Schmuckkörbchen, Stockrose, Fenchel, Wegwarte, Herzgespann – und Faserhanf. Mangels THC-Gehalt ist allerdings bestenfalls der Anblick der Blütenpracht berauschend.

Quelle: http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Hanf-Landesgartenschau-2018-Marihuana-Pharmazie;art735,9780244
© Main-Post 2017

Es ist also nur eine kleine Revolution in der Hochschulpolitik. Statt der Haushaltskasse sollen nur die Optik und die Ökologie des Campus renoviert werden, und das sogar noch höchst offiziell und abgesegnet. Auch wenn mir das so weit bekannt war, oder wenigstens aber extrem naheliegend und leicht zu erschließen, irgendwie ist es dann doch fast ernüchternd. Mir hat meine Idee eigentlich ganz gut gefallen, auch wenn sie nach wie vor nicht legal wäre.

Was die Ernte angeht, sind wir übrigens einen Schritt weiter als die Zeitung. Ja, man weiß von kleinen Mengen, die geerntet wurden. Allerdings nicht zum Rauchen, sondern als Raumlufterfrischer und Duftspender. Und als optisches Zierelement. Wie der Artikel auch beschreibt, Faserhanf zu rauchen wäre auch reichlich unbefriedigend. In diesem Sinne …

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Ist inzwischen übrigens verblüht und sehr viel kahler

Pflanzexperiment: Milpa, „Update“ 4. – Fazit

Es ist zwar sonnig aber kalt, die Herbststürme sind da und mit ihnen endet dann auch mein kleines Experiment mit der Milpa. Bohnen, Kürbisse, Tomaten und Mais sind geerntet und die Pflanzenreste sehen bereits reichlich traurig aus. Der Mais hat die letzten Stürme nicht so gut überstanden und sich schon einmal schlafen gelegt, aber außer ein paar der Tomaten hat er dabei niemanden belästigt.

Das erklärte Ziel war es, so viele Samen herauszubekommen, dass ich nächstes Jahr problemlos weiter züchten kann. Nun, das Ziel ist erreicht. Der limitierende Faktor sind dabei die Bohnen, von denen ich ja immerhin auch die Hälfte frühzeitig geerntet und gegessen habe. Dennoch reichte ihre Ernte für noch drei Nachzuchten dieser Größe (>48 Bohnen). Mais und Kürbisse kommen da beide mit Leichtigkeit drüber.

Die Bohnen, in kleinere Stücke gebrochen und einfach in Salzwasser gekocht, waren übrigens sehr lecker. Das waren die Momente, wo ich mich gefragt habe, wieso ich eigentlich so selten Bohnen koche. Ich hoffe bereits auf eine gute Ernte nächstes Jahr.

Bei dem Kürbis hatte ich etwas Sorgen. Nicht nur, dass er sich sehr zurückgehalten hat (aus den 6 Pflanzen sind 4 Kürbisse gewachsen), ich hatte im Vorfeld auch bei Lieschen Müller gelesen, dass er sehr geschmacklos sein soll. Vielleicht lag es daran, dass die Pflanzen nicht so viele Früchte zur Verfügung hatten, um sich aufzuteilen, aber sie haben dem Namen „Sweet Dumpling“ alle Ehre gemacht und waren definitiv nicht sparsam im Geschmack.

Und süß weiter geht es gleich beim Zuckermais. Frisch geerntet und direkt vom Kolben genagt kann man ihn schon fast als Süßigkeit zählen. Lecker und irgendwie auch erfrischend. Wenn er dann etwas reifer wird, schmeckt er deutlich weniger süß, sondern eher nach Stärke. Dann funktioniert Kochen und er wird wieder weicher und schmackhafter, aber dennoch kein Vergleich zu Frischem. Nur leider waren einige der Kolben nicht so voll, wie man es sich wünschen würde, sondern nur eher vereinzelt bestückt. An der Befruchtung muss also noch gearbeitet werden.

Die Tomaten waren zwar nicht geplant, aber es war definitiv eine gute Entscheidung, sie doch stehen zu lassen. Auch wenn sie einen regelrechten Wald gebildet haben und möglicherweise Kürbis oder Bohnen ihren Platz etwas streitig gemacht haben, ihr Ertrag ist bis zuletzt noch solide, auch wenn sie vielleicht nicht die größte Geschmackssensation sind. Lecker sind sie trotzdem.

Alles in allem ziehe ich also ein recht positives Fazit. Wenn ich das Beet für nächstes Jahr mit frischem Kompost und eventuell auch etwas Dünger weiter aufbauen kann, dann steigt vielleicht auch der Ertrag der Kürbisse. Außerdem muss ich mir mit dem Mehltau etwas einfallen lassen. Der hat garantiert seinen Teil dazu beigetragen. Aber wenn das die einzigen Hürden sind, dann steht einer zweiten Generation nichts mehr im Wege. Einer meiner Saatgutsätze wurde übrigens gleich reserviert und soll sich im Sommer 2018 auf der UrbanGardening Fläche der Landesgartenschau hier präsentieren. Ich bin wirklich gespannt, was noch alles passiert. Bis dahin frohes Gärtnern allerseits!

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Ein Teil meiner bescheidenen Ernte. Der Teil um genau zu sein, den ich noch nicht verputzt habe, und der Rest hier wird sicherlich auch nicht schlecht werden.

Pflanzexperiment: Milpa, Update 3.

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Der Herbst hat ganz klar Einzug gehalten im Beet, oder es war der Mehltau. Die Kürbisse haben sich jedenfalls ihrer Blätter weitgehend entledigt und bieten einen ganz neuen Blick auf die Pflanzen. Zugegeben, es sieht in der Tat etwas verwildert aus. Immerhin vier kleine Kürbisse kann ich zählen und es sieht so aus, als würden sie nicht wirklich größer werden. Die Sorte, Sweet Dumpling, soll zwar generell nicht sehr groß werden, diese Exemplare scheinen sich aber an meiner Faust als Größe orientieren zu wollen. Vielleicht sagt ihnen die Erde nur einfach nicht sehr zu. Mir ist bewusst, dass Kürbisse einen eher fruchtbaren Boden lieben und Exemplare auf kleinen Komposthaufen in anderen Beeten haben sich auch deutlich ergiebiger gezeigt. Einen Vorteil habe ich mit den sehr kleinen Kürbissen dann doch: Es ist wahrscheinlicher, dass sie auch im Beet bleiben und keine Beine bekommen. Geschmackstest folgt.
Die ersten Bohnen hängen in schrumpligen gelben Schoten herab, die Blätter verfärben sich von Grün zu Goldgelb. Von den Schoten hängt nur noch etwa die Hälfte. Ich habe mich an mein Ziel vom Anfang erinnert, wenigstens eine Ladung Saatgut fürs nächste Jahr zu ernten, und durchgezählt. Es war durchaus sicher, die Hälfte der Bohnen im grünen Zustand zu ernten und zu kochen. Immerhin waren sie fingerdick und sehr schmackhaft mit Kartoffeln. Das geerntete Saatgut reicht übrigens nicht nur für eine, sondern gleich für drei Beete dieses Formats. Der Fortbestand ist also gesichert und vielleicht gehen nächstes Jahr auch ein paar mehr Pflänzchen auf. Dieses Jahr waren es nur etwa 5 von 16.
Überall zwischen den Maisstängeln leuchten die kleinen gelben Punkten von den Tomaten, die sich überall breitgemacht haben. Hier und da sind es auch mal Rote, die auch etwas dicker sind, aber maximal das Format von Cherrytomaten. Die Gelben kommen zwar nur auf etwa zwei Zentimeter Durchmesser, sind aber trotzdem sehr lecker und auf jeden Fall reichlich, dafür, dass sie nicht einmal den Raum für sich selbst haben. Ein gutes Kilo habe ich sicherlich bereits ernten können und es ist immer noch etwas da.
Der Mais, optisches Highlight, weithin sichtbar und selbst in unserem bunten Garten ein kleiner Exot. Leider ist auch er nicht super ertragreich. Etwa einen Kolben pro Pflanze könnte ich ernten. Könnte, wenn da nicht die Sache mit den Zweibeinern wäre. Denn offenbar schmeckt der Futtermais auf den Feldern rund herum nicht gut genug, also stehe ich plötzlich vor meinem Beet und stelle fest, dass von den Maiskolben nicht mehr viele übrig sind. Einen hatte ich bereits vorher geerntet und probiert. Da waren die Körner noch so weich, dass ich sie einfach so frisch abnagen konnte und sie waren wirklich lecker. Grund genug also, die Restlichen so lange hängen zu lassen, bis sie reif sind und ich die Samen sammeln kann. Schade, dass meine Artgenossen mir das nicht gönnen wollen.
Das war voraussichtlich der letzte Zwischenbericht zu meinem kleinen Milpaprojekt. Aber keine Panik, ich möchte gerne noch ein paar Worte zum Abschluss schreiben, ein Fazit, wenn es dann so weit ist, dass ich alles abgeerntet habe und das Beet aufgeräumt ist. Aber eines kann ich glaube ich jetzt schon sagen. Nächstes Jahr soll es einen weiteren Versuch geben.

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Die neue Revolution in der Hochschulpolitik?

Jedes Semester zur Prüfungsphase sind vermehrt Beschwerden, über zu hohen Stress im Leben der Studierenden zu vernehmen. Bereits leicht vernachlässigte Zeitplanung sorgt für kritische Kumulation des Workload in kritischen Zeitphasen, was mit schweren psychischen Problemen einhergehen kann. Entstehende Prüfungsangst und Depressionen sind hier nur der Anfang.

Und jedes Mal werden die Rufe nach einer Reformation des Bildungssystems laut. In der fortschreitenden Internationalisierung des Arbeitsmarktes und damit dem wachsenden Konkurrenzdruck ist ein dankbarer Sündenbock leicht gefunden. Lösungsansätze bietet das jedoch nicht.

Ebenso drückt der Wegfall der Studiengebühren auf das Budget der Bildungseinrichtungen und verhindert eine Verbesserung von Lehre und, auch psychologischer, Betreuung der Studierenden. Möglicherweise bietet ein Experiment einer großen fränkischen Universität eine Möglichkeit, gleich mehrere dieser Probleme in einem Rutsch effektiv zu bekämpfen.

In einem Versuch, der zunächst nur auf drei Jahre ausgerichtet ist, wird hier eine Brachfläche für ein ökologisches Experiment genutzt, welches in Teilen gleichzeitig durch lukrative Verkäufe für frisches Kapital sorgen kann. Gleichzeitig kann durch den kontrollierten Anbau gewährleistet werden, dass den Studierenden nur hochwertige, saubere und wirksame Entspannungshilfen verkauft werden. Die ersten Ergebnisse der Studie stehen noch aus, zumal auch nicht alle politischen Hürden ausgeräumt werden konnten. Hier wird hoffnungsvoll auf die anstehende Bundestagswahl verwiesen.

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Meine sehr verehrten Damen und Herren. Treten Sie näher und genießen Sie das Suchbild!

Schokohelden

Es ist etwa eine Woche her, da fand sich in meinem Postfach eine Mail vom Organisator unseres Gartens, dem Referat Ökologie, die sich nicht auf den Garten bezogen hat. Anstatt selbst etwas anzupflanzen, solle ich doch anderen helfen, etwas anzubauen und Schokoheld werden. Was hat es denn damit auf sich?

Ich esse Süßigkeiten bevorzugt in unvernünftigen Mengen und natürlich schließt das auch Schokolade mit ein. Logisch also, dass ich den beiden Links folge und mir das einmal ansehen möchte. Der erste Eindruck? Jemand will mein Geld! Soweit nichts Besonderes und ich bin bereits auf dem besten Weg, das Interesse zu verlieren aber unsere Ökos müssen sich ja etwas dabei gedacht haben, also ist ein zweiter Blick vielleicht sinnvoll.

Worum geht es?

Link: perupuro.de – Worum geht es?

Ganz grob zusammengefasst: Es geht um ein StartUp, denen Bio nicht Bio genug und Fair Trade nicht Fair Trade genug ist. Also wollen sie die Welt verbessern, indem sie direkt zum Erzeuger gehen und dort die Wahre zu extra fairen Konditionen einkaufen. Und weil es ja auch extra Bio sein muss, kommt es gleichzeitig aus einer nachhaltigen Mischkultur (Agroforst). Aus den Bohnen werden dann eine Reihe von Produkten hergestellt… nur keine Schokolade. Und genau da setzt dann der zweite Link an, der mein Geld will.

Link: Startnext Kampagne von Perupuro – Schokoheld

„Wir haben eine Tonne Chuncho Edelkakao und wollen daraus unsere eigene Schokolade herstellen.“

Das ist das Vorhaben, von hier aus soll das Geschäft ausgebaut werden und dafür wird Geld benötigt, welches über Crowdfunding zusammenkommen soll. Einen Monat läuft die Kampagne noch, aber das Basisziel ist bereits erreicht.

Warum erzähle ich dennoch davon?

Weil das Konzept sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig ist und tatsächlich funktionieren könnte. Der ökologische Impakt soll im schlechtesten Falle Null sein, die Umwelt also nicht belasten, sondern ein gesundes Ökosystem fördern. Auch die Weiterverarbeitung soll durch nachhaltige und natürliche Ressourcen vonstatten gehen, um eine langfristige Produktion zu sichern.

Die Bauern sollen fair bezahlt werden und auf Kinderarbeit verzichten. Sie sollen von ihrem Lohn vernünftig leben können, denn wer arbeitet schon gerne nur fürs reine Überleben? Wir sind ja nicht bei Nestlé.

Das Ganze kostet natürlich deutlich mehr, als die Tafel vom Discounter für unter 5€/Kg. Aber beim Fleisch ist es doch auch gerade modern, auf bewussten Konsum zu achten und die Herkunft zu berücksichtigen. Vielleicht sichere ich damit nicht das Überleben des Landwirts im Nachbardorf, aber macht das wirklich so einen Unterschied? Die Welt ist klein genug, als dass uns das trotzdem etwas angeht. Es kann also nicht schaden, es sich wenigstens einmal anzusehen und darüber nachzudenken. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist, aber ganz viele davon sind genug um eine ordentliche Strecke zu laufen. Und irgendwo müssen wir schließlich anfangen. Das beste Konzept ist wertlos, wenn es niemanden gibt, der es unterstützt.

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 143.

Laborkurse

Zwei Wochen war es her, dass Flo überraschend eine Mail in seinem Postfach entdeckte, mit der er nicht gerechnet hatte. Offenbar hatte er sich vor etwas mehr als einem halben Jahr für einen Laborkurs angemeldet, aber versäumt, diesen in seinen Kalender einzutragen. In der Konsequenz war er zunächst einmal sehr verwirrt und unsicher, was er tun sollte. Am Kurs teilnehmen oder doch lieber davon zurücktreten? Passte er in seine Zeitplanung oder sprengte das alle Fristen und Termine für ihn? So oder so hatte er ihn völlig vergessen.

„Ich bin durchaus sehr spontan, wenn man mir nur rechtzeitig Bescheid gibt“, hatte er immer gesagt, wenn es um Spontanität ging. Das hier fiel definitiv nicht unter seine Ansicht von rechtzeitig. Aber so oder so war es dann wieder ein Fach mehr, was ihn näher an den Abschluss brachte. Langsam aber sicher füllte sich die Liste und irgendwann würde der Tag kommen, an dem er seinen letzten Kurs tatsächlich abschließen würde. Wenn er ehrlich mit sich selbst war, dann gruselte er sich gehörig vor diesem Moment, denn er konnte immer noch nicht abschätzen, was danach folgen würde.

Aber jetzt stand erst einmal das Labor an. Passenderweise in genau der Woche, in der die Temperaturen wieder kräftig steigen sollten. Die Vorstellung, in einem Raum ohne Klimaanlage, dafür aber mit Brennern und Trockenschränken sowie großer Fensterfront zu stehen, während die Laborordnung neben festem Schuhwerk auch lange Hosen und Kittel vorschrieb, war wenig verlockend.

So wenig verlockend, dass Erik am Montag früh auf dem Sofa lag und überlegte, einfach liegen zu bleiben. Auch wenn es schon eine ganze Weile so lief, erschien es Flo immer noch wie Ironie, dass ausgerechnet er jemand anderen überreden musste, zur Uni zu gehen. Für ihn war immer noch die Zeit präsent, in der er selbst eher nachlässig mit den Veranstaltungen und seiner Anwesenheit dort gewesen war. Generell schien Erik aktuell etwas nachzulassen. Immer wieder saß er da, starrte regungslos auf seinen Bildschirm, und wenn in seinem Kopf etwas vor sich ging, dann blieb es darin verborgen. Immer wieder schien er völlig in seiner eigenen Welt gefangen, abgeschottet von seiner Umwelt. Vielleicht lag es mit daran, dass Mia zwar zur Kenntnis genommen hatte, dass er aktuell bei Flo auf dem Sofa wohnte, aber wohl beschlossen hatte, sich später damit auseinanderzusetzen.

Letztendlich schaffte Flo es, Erik zum Aufstehen zu bewegen und mit ins Labor zu schleifen. Immerhin wäre es auch unfair den anderen Anmeldungen gegenüber gewesen. Die Anzahl der Kursplätze war mit gerade einmal sechs Stück sehr knapp ausgelegt aber in den vergangenen Jahren hatte das immer vollends ausgereicht. In diesem Jahr hatte allerdings ein bestimmter Doktorand den Lehrstuhl verlassen, was zur Folge hatte, dass die Nachfrage deutlich anstieg, ebenso wie der Ruf des Instituts. Flo und Erik hatten immerhin beide einen der begehrten Plätze bekommen und hatten es beide wieder vergessen, bis sie von der Erinnerungsmail darauf aufmerksam gemacht worden waren.

Eine Bahn- und eine Busfahrt später standen sie dann pünktlich vor dem Labor und wurden vom Laborleiter und seinen HiWis begrüßt. Drei Betreuer für sechs Studenten, und alle hatten eines gemeinsam. Sie trugen zwar geschlossene Schuhe, aber kurze Hosen, T-Shirts und keine Laborkittel. „Heute werden wir sowieso noch nicht mit aggressiven Chemikalien arbeiten. Ihr werdet bestenfalls etwas staubig.“ Aber auch an den folgenden Tagen konnte der Umgang mit Säuren sie nicht von ihrer Uniform abhalten.

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