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StadtGartenSchau – Teil 6. – Immobilien

Das Urban Gardening Projekt „StadtGartenSchau“ besteht aus drei Kooperationspartnern. CampusGarten und Stadtgärtner e.V. kümmern sich um den gärtnerischen Aspekt. Die Volkshochschule Würzburg wollte den interkulturellen Beitrag leisten, indem sie mit Flüchtlingen und aus recyceltem Material eine Hütte für Vorträge und Workshops bauen. Aber Recyclingmaterial und ohne festen Bauplan, da hätte der TÜV niemals eine Freigabe für erteilt, also musste am Ende doch ein fertiger Bausatz dafür herhalten. Und auch der Plan, während des laufenden Betriebs gemeinsam mit Geflüchteten zu arbeiten ist nicht so ganz aufgegangen.

Nach einigem Chaos steht nun aber dennoch eine Hütte, die vielen Studies den Neid in die Augen treibt, denn sie ist groß genug, als dass man eine komplette Wohnung darin einrichten könnte. Eine einfache Gartenlaube ist jedenfalls einige Qualitätsstufen darunter. Inzwischen liegt die erfolgreiche Eröffnung der Landesgartenschau hinter uns und es sind nicht mehr nur die Beteiligten, die Interesse daran zeigen. Verwirrung kommt nur dadurch zustande, dass an anderer Stelle auch viel beworben Tiny Houses ausgestellt werden. Es kommt regelmäßig vor, dass jemand bei uns steht und fragt, ob dies hier die besagten Minihäuser sind. Auch sind bereits erste Kaufanfragen gekommen.

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Richtfest! Der Rohbau war hier fertig, es fehlten noch Dach, Boden und Fenster / Türen. Außerdem ist noch ein Schutzanstrich hinzugekommen aber ansonsten hat sich wenig verändert.

Die Hütte ist aktuell jedenfalls ein größerer Blickfang als unser Werkzeugschuppen, und das völlig zu Recht. Aber das kann sich noch ändern, denn letzterer soll noch einige kleine Updates erfahren. Hier soll noch eine Dach- und Fassadenbegrünung entstehen. Der Rohbau dafür sieht zugegebenermaßen noch sehr rudimentär und nicht so ansehnlich aus. Die Aufhängungen und Abdichtung ist bereits vorhanden, der Aufbau fehlt noch.

Aber im Gegensatz zur VHS-Hütte ist dieser Schuppen tatsächlich ein vollständiger Eigenbau. Ein Stahlgerüst im soliden Fundament ist die Basis, auf die eine Holzverkleidung gebaut wurde. Sie ist nur leider zu klein für die Massen an Werkzeug und Baumaterial, die wir darin lagern, aber eigentlich sollte das ja eh bereits verarbeitet sein. In den nächsten Wochen gibt es hier sicherlich große Fortschritte.

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Hier zwei Wochen vor der Eröffnung und auch heute noch nicht ganz fertig. Man kann aber die Aufhängungen für die Vertikalbeete bereits erkennen und das Schutzvlies. Ein Bild von der fertigen Hütte liefer ich gerne nach, wenn es gewünscht ist.

Die mit Abstand am meisten fotografierte „Immobilie“ auf dem Gelände wird aber wohl die „einfachste“ sein. Unser Garten-Fräulein *link* wollte die Möglichkeiten eines einfachen Balkons in der Stadt aufzeigen. Da wir aber nur eine große Ebene hatten und keinen Balkon, haben wir eine kleine Terrasse gebaut, die einem Balkon wohl am nächsten kommen kann. Hier hat sie sich gründlich austoben können und mit viel Improvisation liebevolle Dekorationen erstellt.

Auch die Sitzmöbel auf dem Balkon werden mit viel Begeisterung angenommen. Irgendjemand sitzt dort immer und genießt eine kurze Pause von dem ganzen Trubel und dem vielen Laufen. Auch wenn der Platz noch so klein ist, man hat eine gute Aussicht auf die ganze Fläche von dort aus. Bis zum Sommer ist es hoffentlich noch etwas weiter zugewachsen, so dass es noch mehr den Charakter einer grünen Oase der Ruhe annehmen kann.

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Ein altes Bild, noch ohne bunte Blumen. Inzwischen ist der Balkon nämlich permanent belagert und immer steht irgendwer im Bild. Der Andrang überrascht mich. Auf dem Stuhl sieht man einen Bilderrahmen stehen. Darin wachsen verschiedene Sukkulenten hinter Hasendraht, also auch eine Form von vertikaler Begrünung.

Auf der Rückwand des Balkons ist übrigens auch unser Kondomautomat angebracht. Inzwischen mit dem Namen „Samenspender“ versehen zieht er viel Aufmerksamkeit an, aber leider auch etwas Spott, denn es zeigt sich, er wurde nicht ganz so geliefert wie bestellt. Eigentlich sollte er mit Döschen bis Zigarettenschachtelgröße beladen werden können, aber es zeigt sich, dass diese Kisten zu groß wären. Sie rutschen nicht nach, also müssen wir leider ohne ihn starten und erst kleinere Schachteln bestellen. Aber dann kann auch diese Aktion in Betrieb gehen.

Und zum Abschluss ist mir jetzt auch noch eingefallen, dass ich euch unser Gewächshaus völlig unterschlagen habe. Aber davon erzähle ich euch vielleicht ein anderes mal…

StadtGartenSchau – Teil 5. – Mobile Gärten

UrbanGardening ist häufig nur eine Zwischennutzung von Brachflächen für einen bestimmten Zeitraum, manches mal auch einen unbestimmten Zeitraum. Da man also nie weiß, wann man eine Fläche räumen muss, empfiehlt es sich, den Garten mobil zu halten. Aber auch nicht zu mobil, denn sonst findet man sein Kartoffelbeet eines schönen Morgens nicht mehr auf dem Parkplatz des Wohnblocks sondern drei Bushaltestellen weiter im Straßengraben. Das wäre doch schade darum.

Also gilt es einen Mittelweg zu finden, um im Zweifel mobil aber dennoch sicher zu sein. Der Klassiker sind Hochbeete. Ein paar Paletten, Winkel, Schrauben, gegebenenfalls etwas Hühnerdraht, und schon ist es fertig. Geeignet für jeden Untergrund vom frisch gepflügten Acker bis hin zu Asphalt. Der Besondere Clou hier: Auch Menschen mit Rücken-, Hüft- oder Knieleiden können hier problemlos gärtnern, denn der Boden ist angenehm auf Hüfthöhe. Da wir ein Prozessgarten sind, der von der Interaktion mit und der Beteiligung der Besucher lebt, bietet es sich an, gemeinsam mit ihnen Hochbeete zu bauen. Das haben wir auf dem Baustellenfest im Herbst auch gemacht. Zur Eröffnung wollten wir aber die Beete bereits stehen haben, da es ansonsten sehr leer darin aussehen würde. Immerhin wollen die Pflanzen ihre Zeit zum wachsen haben.

Bei der Befüllung ist zu beachten, dass nicht alles mit Erde aufgefüllt wird. Der untere Bereich wird mit grobem Holzschnitt und Ästen gefüllt, um eine Drainage zu schaffen. Nach oben hin wird das Material immer feiner bis eine Lage Kompost und eine Lage Erde kommen.

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Frisch befüllt und gesät. Einen Monat später zeigen sich bereits die ersten zarten Blättchen darin. Es verspricht toll zu werden!

Wem ein paar Paletten zu klein sind, für den haben wir die Luxusvariante: Einen Container. Das Prinzip bleibt aber genau das gleiche. Drainage und nach oben hin feiner werdende Erde. Allerdings wird es hier schon mühsamer für den Rücken, wenn man in die Mitte kommen möchte. Da muss man schon hinein klettern und da muss man sich ja doch wieder bücken.

Als eine der besonderen Attraktionen unserer Ausstellung hat sich aber die Geschichte eines Mannes entpuppt, der zwar einen Garten haben wollte, aber zu seiner Innenstadtwohnung nur einen Parkplatz bekam. Er hatte nicht bedacht, dass er den Parkplatz mit der Wohnung gemeinsam mieten musste, obwohl er selbst überhaupt kein Auto hatte. Zu allem Überfluss bekam er auch keine Genehmigung, etwas anderes als ein Auto dort abzustellen. Was ihm also blieb, war ein Auto dort abzustellen und das Beste daraus zu machen.

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Farbe taugt als Blickfang! Besser riechen tut es so auch, nur wirklich weit bringt es einen so natürlich nicht mehr. Wer würde ihm das aber übel nehmen?

Inzwischen steht dieser Hybrid zwischen Auto und Garten bei uns und ich habe mich schon mehr als einmal gefragt, wieso wir uns überhaupt so viel Mühe mit dem Garten machen. Es stehen eh alle nur um dieses Teil herum. Alle Lieferanten, alle Bauarbeiter und Pressevertreter. Vielleicht ändert sich das ja im Sommer, wenn unsere Pflanzen gut gewachsen sind. Auch wenn ich gestehen muss, dass der Anblick wirklich etwas hat. Und wer wäre ich denn, wenn ich mich nicht für eine kreative Idee begeistern könnte? Auch wenn es eben nicht so klang, ich bin froh darum, dass es da ist. Es ist bunt und unkonventionell und führt, genau wie unser Samenspender, einen Alltagsgegenstand einer neuen Bestimmung zu.

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Alles auf einem Blick. Container, Auto und im Hintergrund sogar ein Hochbeet. Hier übrigens schon voll bepflanzt, denn das Foto ist vom Eröffnungstag. Und ja, das da links hinter dem Container ist ein blauer Einkaufswagen, der auch mit Erde befüllt ist und auf muntere Pflänzchen wartet. Hier kann man sich die Drainage dann natürlich sparen.

StadtGartenSchau – Teil 4. – Ein Automat

Beim letzten Mal ging es auf der Baustelle endlich mit der großen Formgebung los aber bereits beim zweiten Teil gab es einen kleinen Vermerk auf das heutige Thema. Es ist nur ganz kurz und noch nicht einmal fertig, aber ich finde die Idee dahinter so nett, also wird das hier nun zwischen geschoben. Nächstes Mal geht es dann wieder an die großen, maßgebenden Strukturen unserer Ausstellung.

 

Auf einer früheren Sitzung war bereits beschlossen worden, dass wir uns einen Automaten zulegen sollten, ähnlich einem Kaugummi- oder mechanischen Zigarettenautomaten. Mechanisch musste er sein, denn eine Stromversorgung war zu dem Zeitpunkt längst nicht gesichert. Die ersten Ideen waren, einen solchen Kasten selbst aus Holz anzufertigen, oder aber anfertigen zu lassen. Über die Konstruktion müsste man sich dann noch Gedanken machen. Über die Wirtschaftlichkeit auch. Es zeigte sich nämlich schnell, dass man bereits für vergleichsweise wenig Geld einen gebrauchten, alten Automaten kaufen konnte. Mechanisch, ohne Strom, erprobt und getestet, also fast genau, was wir wollten. Das einzige Problem war, dass man hier einen festen Betrag einwerfen musste, und die Spende damit schon wieder nur halb freiwillig sein würde.

Was soll es für die Spende geben? Ein Päckchen Saatgut! Bienenweide, angepasst an das trockene Klima mit den warmen Sommern Mainfrankens. Immerhin muss Gärtnern nicht nur schön aussehen sondern kann auch ein wertvoller Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz liefern. Als Referat Ökologie haben wir uns ökologische Intensivierung ja auch am CampusGarten bereits auf die Fahne geschrieben. Mit diversen Nisthilfen in Kräuterspirale und Trivarium bringen wir diesen Aspekt natürlich auch in der StadtGartenSchau mit ein.

Die Entscheidung fiel dennoch nicht schwer. Die feste Spende sollte es sein, und wir würden einen solchen Automaten kaufen. Man konnte ihn ja schließlich immer noch bunt anmalen und dekorieren. So würde er auch viel besser zu unserem Gedanken des Recyclings passen und dem ganzen einen urbanen Charme verleihen. Dieses Projekt gehörte zu denen, die am reibungslosesten liefen. Bereits kurz nachdem unser Saatgutsponsor bestätigt war und wir uns eine Methode überlegt hatten, wie man tatsächlich ans Saatgut gelangen konnte, traf in unserem Zwischenlager am CampusGarten ein alter Kondomautomat ein.

Mir gefällt besonders die Ironie dahinter. Natürlich, man kann einen solchen Kasten mit allem befüllen, aber ausgerechnet die Nutzung als Kondomautomat? Damit wäre es ja seine Aufgabe, die Verbreitung von Saatgut zu verhindern. Wir hatten das genaue Gegenteil vor und wollten mit ihm die Verbreitung von Saatgut erst möglich machen. Wie perfekt konnte es denn überhaupt passen?

 

PS.: Das „Reibungslos“ würde ich beinahe in Klammern setzen. Wir haben den Automaten zwar bereits und es ist alles geregelt, aber aufgestellt muss er noch werden. Aber wie schwer kann das schon sein? Muss ja auch nicht zur Eröffnung sein, immerhin sind wir ein Prozessgarten, der im Laufe der Zeit entsteht, wächst und gedeiht.

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In künstlerisch wertvoller Perspektive. Du guckst ihm gerade quasi unter den Rock, du Schlingel. 😉 Bei dem einheitlichen Blau soll es übrigens nicht bleiben, wie ja auch im Beitrag erwähnt.

StadtGartenSchau – Teil 3. – Formen entstehen …

In Teil 2 gab es einen Überblick, was unsere Ausgangslage war und wie unser Baumaterial aussah. Jetzt geht es einmal an die tatsächliche Formgebung, um nicht zu sagen: Es geht so wirklich los!

…und Rücken brechen. Nur gefühlt, keine Panik, aber die Arbeiten der nächsten Wochen waren körperlich sehr anspruchsvoll.

Die Landesgartenschaugesellschaft hat uns Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt. Natürlich nur auf Bestellung, aber immerhin das. Darunter befand sich Sand, Erde, etwas Holz und zwei ordentliche Haufen von gebrochenen Muschelkalkquadern. Den meisten Schotter haben wir direkt da verbaut bekommen, wo auch später einmal ungefähr die Wege lang laufen sollten. Immerhin gibt es auf diese Weise etwas Struktur und die Löcher und Hügel für unsere Strukturprojekte hatten wir ja immerhin auch bereits angelegt.

Auch die ersten Pläne waren soweit, dass man die Formen daraus ableiten konnte, auch wenn es noch viele Stellen gab, an denen nur große Fragezeichen eingetragen waren. Eines davon ging an mich. Nachdem ich im letzten Jahr im CampusGarten das Experiment mit meiner Milpa durchgeführt hatte und der Mais sich dabei als echter Blickfang erwiesen hatte, war es nicht schwer, grünes Licht für einen weiteren Anlauf dazu auf der Landesgartenschau zu bekommen. Die 2x2m wären doch garantiert leicht noch irgendwo unterzubringen. Aber auch hier wartete bereits eine kleine Überraschung für mich.

Ansonsten wurde der Flächenplan wesentlich von dem großen Mischkulturbeet am unteren Ende der Fläche, Werkzeugschuppen und Aufenthaltshütte am oberen Ende, einer großen Kräuterschnecke und einem großen Trivarium in der Mitte dominiert. Das Mischkulturbeet existierte zu diesem Zeitpunkt sogar bereits in der Form eines großen Holzkastens, der mit Erde und reichlich Kompost aufgefüllt war und unter einem Wald von Gründüngung unterzugehen schien. Auch sehr vielversprechend: Im Kompost hatten sich einige Kürbissamen versteckt gehalten, welche nun produktiv austrieben. An Nährstoffen scheint es schon einmal nicht zu mangeln.

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Ein nicht einmal mehr so früher Planungsstand. Teilweise hat er auch immer noch Bestand aber wer uns hiermit besuchen kommt wird sich nicht gut zurecht finden. Sehr vieles hat sich seitdem getan.

Es stand also an, dem ganzen eine Form zu geben. Für mich hieß das, entlang der Wege hier und da Buckel aus Ton abzutragen und Löcher mit Schotter und Sand aufzufüllen. Schotter hatten wir zu wenig und der Sand war wassergesättigt. Wenigstens in dieser Hinsicht passte er zum Ton darunter, denn im Gegensatz zum Ton war der nasse Sand sehr fließfähig und verformte sich unter Last so, dass man immer gut Reserve einplanen musste, damit die Steine auch blieben, wo sie hin sollten. Und während die Arbeiter in der Fußgängerzone noch einen schicken kleinen Kran zur Verfügung haben, um ihre Steine zu platzieren, lief bei uns alles von Hand.

Der geneigte Handwerker mag jetzt schmunzeln, dass dies für mich eine erwähnenswerte Tatsache ist, aber ich habe die letzten Jahre hauptsächlich an Schreibtischen verbracht und bin entsprechend nicht sonderlich trainiert. Quader mit vielleicht der Hälfte meines eigenen Gewichtes zu tragen ist da durchaus etwas anderes, als für einen Profi mit Kraft und Übung. Leichtsinnig wie ich bin, hab ich mich davon natürlich nicht abhalten lassen und mit dem Ergebnis bin ich dafür umso zufriedener. Auch wenn einem abends nicht nur der Rücken wirklich weh tut.

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Eine schön gleichmäßig geschwungene Kante, von der heute leider nur noch die Hälfte zu sehen ist. Und nebenbei auch eine der wenigen Stellen, wo nicht bunt das Material zusammen gewürfelt wurde. Ein Großteil unserer Baumaterialien sind tatsächlich Abfälle von anderen Projekten auf der Ausstellung.

Da wir von den teuren Bruchnatursteinen aber nicht so viele hatten, musste der Rest dann mit den Steinen abgegrenzt werden, die wir aus der Fläche selbst gezogen haben. Diese Steine sind deutlich kleiner, einfacher zu handhaben aber natürlich wild gebrochen und keine Quader. Es ist schwieriger, daraus eine vernünftige Wegeinfassung zu bauen aber auch das wäre okay gewesen, wenn wir damit gerechnet hätten, dass auf den geschotterten Weg nicht nur 5 sondern ganze 20 cm Schotter noch einmal aufgebracht werden würden. So ist das Ergebnis jetzt geringfügig unterwältigend und wir dürfen uns noch den ein oder anderen Trick überlegen, wie wir denn die Besucher davon abhalten, wild durch die Bepflanzung zu stampfen. Aber auch diese Aufgabe haben wir inzwischen meistern können.

Wie gut der nasse Sand zum bauen geeignet war zeigt sich auch am Teich, den wir unbedingt noch vor dem ersten Schnee bauen wollten. Die Terrassierung haben wir aus besagtem Sand angefertigt und noch bevor wir die Folie richtig fixiert hatten sackte es schon wieder in sich zusammen.

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Hier noch nicht absehbar: Wir hätten uns die Folie wohl auch sparen können. Der tonige Boden ist dermaßen dicht, dass Regenwasser auch so nicht ablaufen kann.

Und nächstes Mal gibt es einen Blick auf eine kleine Randattraktion mit hoffentlich dennoch großer Wirkung.

StadtGartenSchau – Teil 2. – Es geht los!

In Teil 1 habe ich die Vorgeschichte bereits erläutert und das Projekt vorgestellt. Hier beginnt nun die Umsetzung der Ideen. Der Wahnsinn selbst muss bereits irgendwo davor ausgebrochen sein.

 

2000m2 Wüste aus Lehm, durchzogen mit dicken Steinen, Unsere Hände, Werkzeug aus dem CampusGarten und aus dem Sortiment der Stadtgärtner und etwa so viel Zeit, wie ein Kind in der Produktion braucht. Das waren die Stadtbedingungen, mit denen wir an das Projekt StadtGartenSchau herangegangen sind. Die Vorgabe war, ein UrbanGardening Projekt zu erschaffen und unser Ansporn war, das auch zu schaffen, und dabei auch noch ökologisch wertvoll und nachhaltig zu sein.

Auf den Baustellen rund herum fielen bereits die ersten brauchbaren Reste ab, hauptsächlich Paletten, die wir zur Seite schafften, um später etwas hübsches daraus zu bauen. Ich würde euch ja gerne ein Foto aus diesem Bauabschnitt zeigen, aber ich habe keins. Es war einfach zu unspektakulär, auch wenn es im Nachhinein sehr hilfreich wäre um sich vorzustellen, wie es einmal war und wie es geworden ist.

Was einmal eine geneigte Ebene aus Lehm war, wurde schnell zu einer geneigten Ebene aus Lehm, auf der zwei große Haufen alter Paletten und dicker Steine lagen, die wir aus dem Lehm ziehen konnten. Die ersten Samstage zogen wir mit Spitzhacke und Brecheisen über die Fläche, denn Spaten und Schaufeln erwiesen sich schnell als völlig wirkungslos. Unterdessen entstand auch gleichzeitig der Plan in seiner ersten Version, denn bis dahin hatte niemand die Zeit gefunden, sich ernsthaft Gedanken zu machen, wie die Fläche denn überhaupt gestaltet werden sollte. Baubegleitende Planung muss schließlich nicht immer in einer Elbphielharmonie oder einem Berliner Flughafen enden.

Und das war dann auch der Anblick über die ersten Wochen. Viel Ton, schmutzige Steine und größtenteils kaputte Paletten. Hier und da auch ein paar Metallteile, Betonbruchstücke, Mauerziegel und ein Kanaldeckel. Wie um alles in der Welt sollte hieraus etwas ansehnliches werden?

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Der Boden nachdem man die großen Steine daraus entfernt hat. Und die kleinen auch. Nach einem Regenguss klebt der Ton richtig gemein an den Schuhen und man bekommt ihn auch nicht einfacher bewegt.

Die einfachste Lösung wäre vielleicht gewesen, einfach alles mit Hochbeeten voll zu stellen und Gemüse anzubauen. Wie langweilig! Bunte Hochbeete können ja auch etwas für sich haben, aber dafür baut man keine Landesgartenschau. Auch das Mischkulturbeet im unteren Bereich der Fläche war noch nichts, was man als hübsch bezeichnen konnte. Ein großer Holzrahmen, der mit Kompost gefüllt war und in dem wüst Gründüngung wucherte.

Doch dann kam die Erlösung: Der Minibagger!

Wir hatten zwar immer noch nur einen rudimentären Plan, was wo entstehen sollte, aber immerhin den hatten wir bereits. Und mit dem Bagger hatten wir erstmalig die Chance, tatsächlich formgebend arbeiten zu können. Leider klingt das erst einmal spektakulärer, als es dann am Ende war. Auch wenn die Maschine wirklich Spaß gemacht hat und auch einiges geschafft hat, war das Ergebnis am Ende in der Form von zwei Löchern und einem Hügel zu sehen. Hier und da waren einige Kratzer in der Oberfläche, aber nichts, was wirklich relevant erschien. Die Hauptarbeit schien es gewesen zu sein, die Haufen von Material von einer Stelle auf eine andere zu bewegen.

Der Herbst schritt zu dieser Zeit bereits weiter fort und es wurde immer früher dunkel. Während einer der letzten Grillabende bei den Stadtgärtnern oder auch im Haus des CampusGartens fanden die ersten Koordinationssitzungen statt, in denen neben dem Pflanz- und Bauplan auch das Programm abgesteckt wurde. Vorträge, Mitmachaktionen und Workshops wurden geplant, organisiert oder wieder verworfen. Es gab viel Organisationsarbeit, denn unser Budget war sehr schmal bemessen. Dennoch braucht es einfach gewisse Materialien und auch wenn die Landesgartenschau selbst unsere zwei Haufen inzwischen durch weitere ergänzt hatte, fehlte es noch immer an so einigem.

Auch diskutiert wurden die Fragen, was wir überhaupt dürfen und tun sollten. Beispielsweise gab es früh die Idee, Saatgut zu verteilen, welches die Leute mit in die Stadt nehmen oder zuhause ausbringen konnten. Nur ist das überhaupt in dieser Form legal? Und wie verteilen wir das? Ein Automat spuckt seine Schächtelchen immer nur gegen Geld aus, aber das Saatgut selbst konnten wir von einem Sponsor gratis beziehen. Dürfen wir dann überhaupt Geld dafür nehmen? Wir fühlten uns komisch dabei und es endete in einem Kompromiss. Der Automat sollte kommen und den Besuchern die Option geben, unser Projekt mit einer Spende zu würdigen. Als Dankeschön für diese Würdigung sollte es dann das Saatgutpacket geben.

Ein Projekt war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich bereits durch. Der CampusGarten hatte seine Verbindungen spielen lassen und die Arbeit einiger Designstudenten aus Halle erstanden: eine mobile Gartenküche. Wetterfest, modular, beweglich, und mit allem, was eine Küche brauchte, den Kühlschrank einmal ausgenommen. Sie hatte bereits Position im Haus am CampusGarten bezogen und musste stolz jedem präsentiert werden. Immerhin war sie eine große Motivation und Inspiration. In einem halben Jahr würde man um diese Küche herum auf der Landesgartenschau sitzen können und die erste gemeinsame Ernte zu einem kleinen Festmahl verwandeln können.

Doch bis dahin würde es noch ein langer Weg sein.

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Eine mobile Küche. Drei Module in der Form von Rollcontainern (die Räder sind hinten) mit jeweiliger Funktion. Die Abdeckungen kann man zwischen die Container klemmen und so die Arbeitsfläche vergrößern. Durchdachtes Design kompetent umgesetzt und das auch noch stilsicher.

StadtGartenSchau – Teil 1. – Hintergrund

Anfang März hatte ich ja bereits angekündigt, etwas mehr Informationen zu unserem kleinen Projekt am CampusGarten zu posten. Die Überlegung war, es als kleine Serie zu gestalten, die regelmäßig erscheint. Aber sind wir doch mal ehrlich, wirklich regelmäßig wird es nicht sein. Was wäre das nur für ein Grund, nicht trotzdem einfach einmal anzufangen? Wer braucht schon einen Plan?

Teil 1. Hintergrund

Vor 10 Jahren, 2008, zogen die US Streitkräfte aus der letzten von vier Kasernen in Würzburg, den Leighton Barracks am Würzburger Hubland ab. Damit endete eine fast 100 Jahre andauernde militärische Nutzung der Fläche dort. Bereits im ersten Weltkrieg wurde hier eine sporadische Flugausbildung der Luftwaffe betrieben, aber erst 1936 wurde ein dauerhafter Fliegerhorst der Reichs-Luftwaffe errichtet. 1945 ging die Basis dann nahtlos an die US-Truppen über.

Jetzt, 10 Jahre nach dem Abzug, beginnt die Nachfolgenutzung. Anlass dazu ist die Landesgartenschau 2018. In Bayern ist es so geregelt, dass Landesgartenschauen nicht auf „grüner Wiese“ angelegt werden dürfen, sondern in Verbindung mit Konversionsflächen stehen müssen. Und hier gibt es viel Fläche, die zu konversieren war. Viele alte Gebäude mussten abgerissen oder sehr aufwändig saniert werden. In der Geschichte der Gebäude gab es immer wieder Baustoffe, die so heute verboten sind, wie Teer, Bleifarbe oder Asbest, aber auch eine gute Auswahl an Stoffen, die eigentlich nicht einmal Baustoffe sein sollten aber trotzdem gefunden wurden, wie Mineralölrückstände, Phosphorbomben noch aus dem Krieg oder DDT, als Insektenschutz in den Gebäuden.

Wenigstens seit 2014 wird auf dem Gelände rück- und neugebaut. Ein Vergnügen, was alle Beteiligten viel Geld, Zeit und offenbar auch Nerven kostet. Dafür soll hier im Anschluss ein komplett neuer Stadtteil entstanden sein mit dringend benötigtem Wohnraum. Aber vorher soll noch die Landesgartenschau hier stattfinden und viele Touristen in die Stadt ziehen.

Und hier kommen wir dann auch ins Spiel. Im letzten Jahr wurde nämlich eine Kooperation zwischen dem CampusGarten, bei dem ich mich überraschend in der Organisation und Leitung wiedergefunden habe (ich habe immer noch keine Ahnung, wie das passieren konnte), und dem Stadtgärtner e.V. Würzburg begonnen. Gemeinsam mit der VHS sollten wir eine UrbanGardening Fläche erstellen, immerhin sind wir ja die Profis darin, aber für jeweils eine einzelne Organisation wäre das viel zu viel Arbeit gewesen. Ich kann nicht sagen, ob es daran lag, dass eventuell etwas Fläche einfach übrig war, die es zu füllen galt, oder weil UrbanGardening aktuell ein Trendthema ist und die Organisation der LGS ihre Zielgruppe auf mehr als die klassischen Rentner ausdehnen wollte.

Aber wir sagten zu und bekamen 2000m2 Parkplatzfläche zugewiesen. Wenige Wochen später war die große graue Asphaltfläche dann unter etlichen LKW-Ladungen „Erde“ begraben. Dieses planierte Gemisch aus stark tonigem Lehm und dicken Steinen sollte unser Spielplatz sein, in Sichtweite zum alten CampusGarten, der nebenher weiter wuchs und gedieh.

Mit Köpfen voller Ideen aber keinem rechten Plan begann unser kleines Abenteuer und es wurde ein regelrechter Marathon.

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Eine „historische“ Ansicht des Geländes, hier von 2001. Weiter geht Google Earth nicht zurück und für die älteren Ansichten habe ich keine Lizenzen. Rot umrandet (ich hoffe, ihr habt gute Augen) ist die Fläche, die uns zugewiesen wurde. Direkt angrenzend an die alte Mall und das westliche Ende der Landebahn. Hier war sie bereits stillgelegt, teilweise als Straße, teilweise als Helipad genutzt. Übrigens auch eine spannende Fundgrube für die Baustoffbeprobung. Ich empfehle gute Handschuhe. (Keine Sorge, inzwischen ist alles gründlich saniert, dem Steuerzahler sei Dank!) Der blaue Bereich ist der Standort von unserem CampusGarten. Inzwischen sieht das ganze Areal etwas anders aus und wir sind zu allen Seiten von Baustellen umgeben. Nach hinten Raus soll dennoch Grünfläche bestehen bleiben.

Wenn man nicht nein sagen kann

Wer meinem Blog schon ein Weilchen folgt, der kann sich erinnern, dass ich bei uns am CampusGarten mit viel Begeisterung (und immerhin mäßigem Geschick) tätig bin. Und gegebenenfalls habe ich sogar bereits erwähnt, dass wir in diesem Jahr ein ganz besonderes Projekt mit einem Auftritt auf der Landesgartenschau hier haben. Das ist dann wohl auch die Erklärung, wieso ich in letzter Zeit nicht mehr so besonders zuverlässig mit schönen Geschichten bin, denn dieses Projekt frisst echt viel Zeit.

Wenn ihr möchtet, berichte ich euch demnächst gerne einmal, wie aus einem einfachen Parkplatz ein präsentables UrbanGardening Projekt wird. (Spoileralarm: Mit viel Geduld und Ausdauer. Und viel Arbeit! Es war tatsächlich einfach nur ein Parkplatz, und damit man mit dem Asphalt nicht in Konflikt gerät hat uns die Planung einfach nur einen Haufen Ton, Lehm und Steine drauf gekippt und damit einen neuen Boden eingezogen.)

Inzwischen sind die ersten Pflanzen angesät und die Eröffnung Mitte April ist wirklich nicht mehr weit. Es wird nur nicht die ganze Zeit jemand da sein können, der den Besuchern erklärt, was sie sehen. Dafür braucht es dann Schilder. Für die einzelnen Teilgebiete auf der Fläche gab es also Vorschläge für Texte und Bilder. Ich war leichtsinnig genug, meinen Vorschlag mit einer handgezeichneten Skizze zu versehen. So habe ich erfahren, dass der Plan besteht, die Schilder mit wenig Text um eine von Hand erstellte Zeichnung zu erstellen, und dass der Arbeitskreis Beschilderung aus zwei Personen besteht, eine davon ich. Vielleicht wäre es besser gewesen, laut „Nein“ zu rufen. Immerhin habe ich seit Jahren nicht mehr gezeichnet und habe es generell nie wirklich gelernt oder intensiv betrieben.

Aber ich bin still geblieben und jetzt fließen viele Stunden in Bleistift- und Tuscheskizzen, die am Ende mit Buntstift verfeinert werden um auf Schilder gedruckt zu werden. Die fehlende Übung macht sich bemerkbar, denn es sind wirklich viele Stunden, aber Spaß macht es trotzdem. Hoffentlich kann man es am Ende auch sehen.

Für fertige Schilder müsst ihr euch noch etwas gedulden, aber ganz ohne Kostprobe will ich euch auch nicht abspeisen (stümperhaft bei zu wenig Licht von Ausdrucken abfotografiert). Daher hier eine kleine Auswahl. Es ist übrigens durchaus effektive Arbeitsteilung, dass wir gemeinsam an den Zeichnungen arbeiten und jeder den Teil übernimmt, den er am besten kann. Kleiner Tipp: Wenn eine Pflanze verhunzt aussieht, stehen die Chancen gut, dass sie von mir ist. Das ist wirklich nicht meine Spezialität…

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Naheliegend, aber alles, was auf den Schildern abgebildet ist, wird natürlich auch auf der Fläche zu sehen sein.

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Hier könnte dem ein oder anderen etwas bereits Bekanntes auffallen. Ich habe jedenfalls bereits darüber geschrieben.

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Gut, diese beiden habe ich nicht mit gezeichnet, aber ich finde sie so toll, die muss ich einfach dazu packen.

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Und damit ist der erste Ausflug auf unseren Beitrag zur Landesgartenschau 2018 auch schon wieder vorbei. Vielleicht gibt es ja demnächst ein paar mehr Berichte von dort. Wenn euch danach ist natürlich. Es wird jedenfalls ein reichlich voller Sommer, das steht jetzt schon zweifelsfrei fest. (Worauf habe ich mich da nur eingelassen? 😀 )

Pflanzexperiment: Milpa, „Update“ 4. – Fazit

Es ist zwar sonnig aber kalt, die Herbststürme sind da und mit ihnen endet dann auch mein kleines Experiment mit der Milpa. Bohnen, Kürbisse, Tomaten und Mais sind geerntet und die Pflanzenreste sehen bereits reichlich traurig aus. Der Mais hat die letzten Stürme nicht so gut überstanden und sich schon einmal schlafen gelegt, aber außer ein paar der Tomaten hat er dabei niemanden belästigt.

Das erklärte Ziel war es, so viele Samen herauszubekommen, dass ich nächstes Jahr problemlos weiter züchten kann. Nun, das Ziel ist erreicht. Der limitierende Faktor sind dabei die Bohnen, von denen ich ja immerhin auch die Hälfte frühzeitig geerntet und gegessen habe. Dennoch reichte ihre Ernte für noch drei Nachzuchten dieser Größe (>48 Bohnen). Mais und Kürbisse kommen da beide mit Leichtigkeit drüber.

Die Bohnen, in kleinere Stücke gebrochen und einfach in Salzwasser gekocht, waren übrigens sehr lecker. Das waren die Momente, wo ich mich gefragt habe, wieso ich eigentlich so selten Bohnen koche. Ich hoffe bereits auf eine gute Ernte nächstes Jahr.

Bei dem Kürbis hatte ich etwas Sorgen. Nicht nur, dass er sich sehr zurückgehalten hat (aus den 6 Pflanzen sind 4 Kürbisse gewachsen), ich hatte im Vorfeld auch bei Lieschen Müller gelesen, dass er sehr geschmacklos sein soll. Vielleicht lag es daran, dass die Pflanzen nicht so viele Früchte zur Verfügung hatten, um sich aufzuteilen, aber sie haben dem Namen „Sweet Dumpling“ alle Ehre gemacht und waren definitiv nicht sparsam im Geschmack.

Und süß weiter geht es gleich beim Zuckermais. Frisch geerntet und direkt vom Kolben genagt kann man ihn schon fast als Süßigkeit zählen. Lecker und irgendwie auch erfrischend. Wenn er dann etwas reifer wird, schmeckt er deutlich weniger süß, sondern eher nach Stärke. Dann funktioniert Kochen und er wird wieder weicher und schmackhafter, aber dennoch kein Vergleich zu Frischem. Nur leider waren einige der Kolben nicht so voll, wie man es sich wünschen würde, sondern nur eher vereinzelt bestückt. An der Befruchtung muss also noch gearbeitet werden.

Die Tomaten waren zwar nicht geplant, aber es war definitiv eine gute Entscheidung, sie doch stehen zu lassen. Auch wenn sie einen regelrechten Wald gebildet haben und möglicherweise Kürbis oder Bohnen ihren Platz etwas streitig gemacht haben, ihr Ertrag ist bis zuletzt noch solide, auch wenn sie vielleicht nicht die größte Geschmackssensation sind. Lecker sind sie trotzdem.

Alles in allem ziehe ich also ein recht positives Fazit. Wenn ich das Beet für nächstes Jahr mit frischem Kompost und eventuell auch etwas Dünger weiter aufbauen kann, dann steigt vielleicht auch der Ertrag der Kürbisse. Außerdem muss ich mir mit dem Mehltau etwas einfallen lassen. Der hat garantiert seinen Teil dazu beigetragen. Aber wenn das die einzigen Hürden sind, dann steht einer zweiten Generation nichts mehr im Wege. Einer meiner Saatgutsätze wurde übrigens gleich reserviert und soll sich im Sommer 2018 auf der UrbanGardening Fläche der Landesgartenschau hier präsentieren. Ich bin wirklich gespannt, was noch alles passiert. Bis dahin frohes Gärtnern allerseits!

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Ein Teil meiner bescheidenen Ernte. Der Teil um genau zu sein, den ich noch nicht verputzt habe, und der Rest hier wird sicherlich auch nicht schlecht werden.

Momente XI

Ein Sonnenstrahl bricht durch die Blätter des Kirschbaumes, der bereits seit Monaten schon keine Früchte mehr trägt. Er bricht sich in den Staubkörnern, die in der stickigen Sommerluft schweben, und fällt schlussendlich genau in das Zentrum einer strahlenden Sonnenblumenblüte. Stumm und regungslos steht sie dort, wie auf Leinwand gebannt, und die einzige Bewegung rührt von der Hummel her, welche durch ihr Zentrum krabbelt. Ihr Gewicht reicht aus, um die große Blume ganz leicht in Schwingung zu versetzen, ihre Blütenblätter zum Zittern zu bringen. Die ganze Aufführung tanzt im Takt der Lieder, welche die Vögel in den Bäumen trällern. Eben noch schien es alles reglos zu sein, doch nimmt man sich etwas Zeit und Ruhe, regt sich das Stillleben. Die kleine Maus in der Bruchsteinmauer hat bis eben auch tatsächlich stillgehalten. Jetzt aber huscht sie nervös über den Rindenmulch Weg und verschwindet unter dem Schlehenbusch. Der Hase auf der großen Wiese oder die Bienen in ihrem Stock daneben zeigen sich davon unbeeindruckt. Besonders bei den Bienen fällt der Effekt des Stilllebens auf, denn es hat bis jetzt gedauert, um zu bemerken, dass viele der Staubkörner, welche so fidel in der stehenden Luft tanzen, eifrige Bienen sind, die ihre letzten Pollenernten des Jahres nach Hause bringen. Und bald werden die Sonnenstrahlen nicht mehr zwischen Blättern, sondern kahlen Zweigen tanzen. Nur die bauchigen Wolken bleiben bestehen und treiben gemächlich dahin.

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Hörsaalgetuschel – Ausgabe 147.

Grüne Daumen

„Schatz, ich habe eine Idee für nächstes Jahr.“

Kristina verbrachte den Abend, wie sie es am liebsten tat. Den Kopf in Flos Schoß gelegt, mit einem Buch in der Hand und dem Blick die meiste Zeit über auf einen Punkt irgendwo im Nirgendwo über dem Sofa auf dem sie lag gerichtet. Flo setzte die Tasse mit frischem Kräutertee ab und kehrte aus seiner Gedankenwelt zurück. Der Fernseher lief schon lange nur noch fürs Hintergrundrauschen. In seinem Kopf tanzte seine Hausarbeit gerade einen wilden Tango und organisierte sie laufend neu. Entsprechend hatte er keine Ahnung, was seine Traumfrau meinen konnte, als er zu ihr hinab blickte.

„Wir holen uns einen Garten. Was hältst du davon?“

Was sollte er davon halten? Sie hatten doch bereits die Blumentöpfe auf dem Balkon? Wie sollte das denn funktionieren?

„Und wo stellen wir den hin? Auf den Balkon? Wie stellst du dir das denn vor und wer soll den tragen?“

„Wovon redest du denn? Wir holen doch den Garten nicht auf den Balkon. Aber einen kleinen Schrebergarten oder irgendwo hier eine kleine Parzelle. Dann haben wir vielleicht ein klein wenig mehr Platz auf dem Balkon und eine Möglichkeit, etwas Leckeres anzupflanzen. Tomaten zum Beispiel oder vielleicht auch Kürbisse. Klingt das nicht gut?“

„Kürbisse … hmm, was wäre mit Kartoffeln? Oder Möhren? Tomaten haben wir doch bereits auf dem Balkon und es klappt gut.“

Er sah zum Fenster hinaus auf den Balkon, der noch im letzten Dämmerlicht lag. Tomaten drängten sich wie ein Wald an der Seite, Erdbeeren und einige Küchenkräuter besiedelten die Blumenkästen. Er hatte sich nie besonders für Pflanzen interessiert. Das zählte zu den Seiten, die Kristina an ihm heraus poliert hatte. Es würde ihn ja stören, dass sie ihn formen konnte wie feuchten Ton, wenn er nicht das Gefühl hätte, dass sie immer seine besten Seiten hervor holte. Ganz abgesehen davon bemerkte er es immer erst, wenn es bereits viel zu spät war. Inzwischen trank er sogar weniger Alkohol, auch wenn ihm das niemals als etwas Negatives aufgefallen war. Sie mussten nicht groß diskutieren, er war bereits mit dem Kürbis überzeugt gewesen. Nur anmerken lassen wollte er es sich nicht.

„Und wir könnten auch Knoblauch oder Zwiebeln ausprobieren. Das wollte ich schon immer einmal, wegen der schönen Blüten. Genau so wie Rosen. Oder Bohnen? Es gibt so vieles, was ich mal ausprobieren möchte. Deine Kartoffeln und Möhren sollen sich übrigens auch noch gut vertragen, und wenn ich mir ansehe, wie gut du dich um die Pflanzen auf dem Balkon kümmerst, muss das doch was werden.“

Kristina schwärmte noch eine ganze Weile vor sich hin und versuchte ihn zu überzeugen, dass ein kleiner Garten genau das war, was ihnen noch fehlte. Es war bedauerlich, dass hinterm Haus nur ein gepflasterter Hof war. Das, was man da am besten anpflanzen konnte, waren Moos und Löwenzahn. Und selbst wenn ein Kohl hier überleben würde, mit dem Aroma vom Teer des alten Asphalts würde er sicherlich nicht genießbar sein können. Aber wer würde sich um den Garten kümmern? Kristina war es gewesen, die auf dem Balkon angefangen hatte, Pflanzen aufzustellen. Es hatte nicht lange gedauert, bis Flo sich darum kümmern musste, weil sie nicht dazu kam. Würde das bei einem Garten denn so viel anders laufen? Und würde ihn das überhaupt stören? Immerhin musste er zugeben, dass es ihm Spaß machte. Und dann auch noch eigene Kürbisse … Der nächste Herbst würde schmackhaft werden können.

Schlossgarten Brühl