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Worte

So viele Worte gingen ihm durch den Kopf in diesem Moment. Worte von Freunden, von Familie, von Menschen, die er noch nie vorher gesehen hatte. Wie sie ihm sagten, dass er so geschickt mit Worten sei, so kreativ. Wie sie einfache kleine Texte lobten und als bunte Wortgemälde beschrieben. Wie sie Rückschlüsse aus seinen Geschichten auf ihn selbst trafen, ihn als humorvoll und offenherzig beschrieben, teilweise ohne ihn je auch nur einmal persönlich gesprochen zu haben. In Kommentaren im Internet, in Nachrichten in Foren oder auch bei den ersten persönlichen Begegnungen. Worte voller ehrlicher Anerkennung.

Das alles ging ihm durch den Kopf, vermischt mit so vielen anderen Gedanken und Gefühlen, während er hier stand und schaute. Schaute auf die schöne Gestalt, welche mit schlenderndem Schritt um die Tische herum ging, auf der Suche nach einem freien Platz. Das Licht der Sonne, welches sich durch die staubigen Dachfenster kämpfte, ließ ihr Haar leuchten wie Feuer und fasste das weiche Gesicht in einen strahlenden kupfernen Rahmen ein. Beinahe schüchtern tanzten die Sonnenstrahlen auf ihren blassen Sommersprossen, welche sich um die feine Stupsnase schmiegten. Mit nichts als Bewunderung beobachtete er, wie ihre warmen Augen den Raum absuchten und doch nie den Weg bis zu ihm fanden. Und selbst wenn sie hinüber blickten, dann nahmen sie ihn doch niemals wahr, sondern wanderten einfach weiter.

Dabei hoffte er doch so sehr, dass ihr permanent so strahlender Blick nur einmal für kurze Zeit bei ihm hängen bleiben würde. Vielleicht würde ihm das endlich den Mut geben, zu ihr hinüber zu gehen und sie dazu zu bringen, die Kopfhörer abzunehmen. Doch was sollte er ihr sagen? Wie sollten ihm denn Worte über die Lippen kommen, wenn er bereits so von ihren zarten rosanen Selbigen gefangen genommen war? Wie sollte er die Luft dafür erübrigen, wenn ihm bereits jedes Mal der Atem stockte, wenn sie nur fröhlich in sich selbst hinein lächelte? Wenn er nur ihre Silhouette sah, begann alles in ihm zu kribbeln und von all den so sorgsam zurechtgelegten Worten in seinem Kopf blieb nur der Schwindel und weißes Rauschen.

Dann saß er wieder da, schwärmte heimlich vor sich hin, begutachtete sie aus der Ferne, verlor sich in ihren Augen und träumte. Träumte davon, durch ihr seidiges Haar zu streicheln, die weiche Haut unter seinen Händen zu spüren, ihre vollen Lippen zu küssen und den süßlichen Duft zu riechen, der sie immer umgab. Träumte davon, dass ihr liebevolles und offenes Lächeln ihm gelten würde und wie ihre Berührung wie ein Feuerwerk durch seinen ganzen Körper strahlten. Sehnsüchtig seufzte er jedes Mal wieder in sich hinein.

Wie man es auch drehte, es half alles nichts. Er musste sie ansprechen, und wenn er ihr nur sagte, dass er ihre Haare schön fand. Es würde der Sache nicht im Ansatz gerecht werden, aber verschrecken wollte er sie auch nicht, durfte er nicht, auf gar keinen Fall! Er nahm all seinen Mut zusammen, verfluchte sich selbst, dass er diesen Wahnsinn zugelassen hatte, und stand mit zitternden Knien auf um sich nach ihr umzusehen. Doch sie war bereits wieder fort. Wieder einmal hatte er die Chance verpasst und wieder einmal ärgerte er sich maßlos über sich selbst. Nächstes Mal, das versprach er sich, wie schon die letzten Male immer, nächstes Mal würde er sie wirklich ansprechen und fragen, ob sie sich nicht mal kennenlernen könnten. Oder er würde einen Zettel schreiben, damit sie ihre Kopfhörer nicht abnehmen musste … Irgendwann würde er sich trauen.

Clematis

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 157.

Weihnachten fällt aus

Weicher Kerzenschein tauchte das Wohnzimmer in ein schummriges aber warmes Licht. Kristina hatte im Herbst einige Kerzenleuchter auf einem Flohmarkt entdeckt, die sie jetzt im Wohnzimmer aufgestellt und montiert hatte. Das Licht glitzerte auf den zarten Schneeflocken, die vor dem Fenster vorbei wirbelten, um sich auf dem Balkon oder dem Fensterbrett niederzulassen. Das dichte Treiben verschwand schon nach nur wenigen Metern in schwarzer Finsternis und selbst die Straßenlaternen auf der anderen Seite der Wohnung hätten kaum mehr hindurch leuchten können.

Die Stimmung hätte nur durch den Einsatz von leiser Musik oder einem knisternden Kaminfeuer noch kitschiger sein können. Umso mehr entsetzte es Flo, als er realisierte, dass es ihm eigentlich sogar gefiel. War er jetzt wirklich alt geworden? War er so sesshaft, dass er keinerlei Bedürfnis nach Rebellion oder Auflehnung gegen das System mehr verspürte? Es war ruhig, leise, entspannend, fehlte ihm an nichts und Kristina hielt ihm einen Keks vor die Nase. Gemeinsam in eine Kuscheldecke gewickelt standen sie am Fenster und beobachteten den filigranen Tanz der Flocken. So ließ es sich doch gut leben.

„Du, Schatz, sag doch mal. Ich habe dich noch überhaupt nicht gefragt, was du dir zu Weihnachten wünschst.“

Damit hatte sie recht, und es war ihm nicht einmal aufgefallen. Weihnachten könnte so schön sein, wenn da nicht dieser Stress wäre, immer etwas finden zu müssen, um die Wirtschaft zu befeuern. Er seufzte.

„Stimmt, das hast du nicht. Aber immerhin habe ich dich das auch nicht gefragt. Bei mir ist es ganz leicht. Ich habe alles, was ich brauche. Abgesehen von einer Zukunft vielleicht, aber das kommt sicherlich noch.“

„Du hast doch eine Zukunft. Mit mir gemeinsam sogar, oder etwa nicht? Und irgendwas muss es doch geben, womit ich dir eine Freude machen kann?“

„Das tust du doch eh schon. Wieso willst du das denn ändern?“

„Das will ich ja nicht, aber zu Weihnachten macht man sich doch immer eine Freude.“

Und da war sie dann doch noch, seine Rebellion gegen das Althergebrachte. Es war so ein gemütlicher Abend gewesen und auf einmal platzte dieses Thema herein und stellte sich breitschultrig und provokant in den Raum. Wieso sollte er zulassen, dass es ihm jetzt die Stimmung vermieste?

„Pass auf, wie würde es denn für dich klingen, wenn wir Weihnachten dieses Jahr einfach mal ausfallen lassen? Wir sparen uns den ganzen Zirkus, legen uns stattdessen einfach schön in die Badewanne, essen etwas Leckeres und machen uns einfach einmal keinen Stress.“

Kristina sah ihn mit großen Augen an und wusste erst einmal nichts zu erwidern. Kein Weihnachten? Beziehungsweise ein Weihnachten, bei dem es einfach einmal nur um sie beide ging? Ein solcher Gedanke war ihr bislang nie wirklich gekommen und er verunsicherte sie gründlich.

„Und dann habe ich überhaupt nichts für dich und du am Ende wohl etwas für mich?“

„Du hast doch dann Zeit und deine Gesellschaft für mich. Reicht das denn nicht? Einfach nur wir beide. Wir können auch dann gemeinsam etwas Lustiges backen, wenn dir das lieber ist. Aber mach dir bitte keinen Stress mit irgendwelchen Geschenken.“

„Nur, wenn du es wirklich so meinst und dir dann auch keinen Stress machst.“ Die Antwort kam zögerlich aber ernst gemeint. Er lächelte zufrieden, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und der Kerzenschein ließ den Schnee besonders golden und friedlich glitzern.

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Und einen kleinen „Bonus“ gibt es noch dazu.

Wer etwa 10 Minuten Zeit erübrigen kann, den möchte ich bitten einmal eben hier zu klicken und seinen Senf abzugeben. Ihr würdet mir damit auf jeden Fall sehr helfen. Es ist dabei auch völlig unerheblich, ob Ihr euch schon einmal mit dem Thema befasst habt oder nicht. (Und ich hoffe, dass es endlich alles funktioniert.)

Momente XIII

Ein schüchterner Blick über den Rand der flauschigen Kuscheldecke, erst ins Gesicht, dann auf die dampfende Tasse Tee in den ihr entgegen gestreckten Händen. Ein offenes Lächeln, was direkt aus dem Herzen zu kommen scheint und jeden klaren Gedanken mit reichlich Brausepulver und Glitzer bestreut. Große Augen, Spiegel einer hellen und klaren Seele, strahlend wie reinstes Gletschereis aber mit der Wärme der Sommersonne. Zarte Hände, die sich nach der Tasse ausstrecken, und die Berührung von Haut auf Haut entzündet ein kleines Feuerwerk. Ein Gefühl von Wärme, Geborgenheit und Glück, vergessen geglaubt, verloren in den Untiefen ergrauter Vergangenheit. Doch nun ist es wieder da und stößt auf keine Gegenwehr. Im Gegenteil! Gemeinsam mit dem Tee wird es dankbar entgegen genommen und umarmt. Und wenn der Zweifel noch so sehr daran zerrt und nagt, so muss er sich doch erfolglos geschlagen geben.

Clematis

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 154.

Schönheitsideale

In all den Jahren, die Erik inzwischen an der Uni war, hatte er fast immer Gesellschaft beim Essen gehabt. Zunächst, weil er anfangs fast nie in der Mensa gewesen war und danach, weil er immer Gesellschaft gehabt hatte. Sei es durch Mia, Flo, Tina oder wen anders. Wenn es einen Ort gab, wo sich der ganze Studiengang, wenn nicht die ganze Uni traf, dann war es die Mensa. Und doch schlurfte Erik heute, wie schon die letzten Male, hungrig aber lustlos und vor allem alleine in Richtung der Fütterungseinrichtung. Mit müden Augen suchte er die Menge nach bekannten Gesichtern ab, fand aber nur solche, die hektisch in kleinen Grüppchen unterwegs waren oder nicht minder hektisch allein, aber in Richtung kleiner Grüppchen ihrer Freunde.
In der vagen Hoffnung, doch noch irgendwo Anschluss zu finden, bemühte er sich um eine Haltung, die nicht ganz so deutlich zeigte, wie erschöpft er sich eigentlich fühlte. Mit einer vollständig gespielten Offenheit versuchte er zwei Mädels zuzulächeln, die ihm gerade entgegen kamen. Es wäre gelogen zu behaupten, sie wären ihm schon von Weitem aufgefallen. Dafür war er aktuell viel zu kurzsichtig. Aber jetzt, wo sie schon näher herangekommen waren, fand er, die Wahl wäre definitiv auf die Richtigen gefallen. Leider sahen die beiden das etwas anders und blieben völlig in ihr Gespräch vertieft.
„…die dann erwarten, dass man immer perfekt hergerichtet ist und geschminkt und alles, aber sich selbst nicht vernünftig rasieren können.“
„Ja, das ist wirklich schrecklich. Vor allem scheuert das dann so. Ich mein, mal nicht geschminkt ist nicht so ein Drama. Dann macht man halt das Licht aus und schon passt es wieder. Aber nicht rasiert? Du würdest dich wundern, wie dünn deine Haut auf einmal ist.“
„Ja, aber ehrlich. Und dann auch noch Ansprüche stellen. Wie der Typ von letztens, der mit den dunklen Locken, der sich für den größten Stecher gehalten hat. Echt, ich hab nur kurz mit dem rum gemacht und hatte schon keinen Bock mehr, dafür aber das ganze Kinn zerkratzt. Stell dir vor, ich hätte den mitgenommen, dann könnte ich jetzt noch immer nicht mehr laufen.“
Erik strich sich geistesabwesend über sein eigenes stoppeliges Kinn. Er hatte sich die letzten Tage nicht unbedingt vorbildlich um sich selbst gekümmert aber beim Blick in den Spiegel war ihm heute Morgen aufgefallen, dass er sich eigentlich auch einmal einen Bart stehen lassen konnte. Das würde ihm jedenfalls das Rasieren ersparen. Nur den beiden Damen hier würde er damit dann keinen Gefallen mehr tun. Die Frage wäre sowieso gewesen, ob er das überhaupt gewollt hätte. Das Seltsame an Schönheitsidealen war doch, sie bezogen sich meistens auf das Äußere und vernachlässigten den Geist sträflichst. Dennoch war das Aussehen nun einmal die Visitenkarte, das Erste, was man in der Regel von seinem Gegenüber wahrnahm. Persönlichkeit war auf den ersten Blick hin unsichtbar, oft genug sogar im ersten Gespräch noch.
In einem Punkt aber musste er den beiden Mädels recht geben. Es war immer alles ein Geben und Nehmen. Besonders Beziehungen funktionierten immer nur als Duett. Ob es sich auf Arbeitsteilung im Haushalt bezog, auf das Erfüllen von zwischenmenschlichen Bedürfnissen oder offenbar wie hier auch auf die Körperpflege. Der Kompromiss war das Zauberwort.
Nur beim Essen wollte er heute keinen eingehen. Als er das Angebot der Mensa sah und die langen Schlangen an der Ausgabe, entschied er sich für ein einfaches Brötchen in der Cafeteria, und ging wieder. Das einzige Gericht, was ihn nicht schon vom Namen her abgestoßen hatte, sah so aus, als sei es schon einmal gegessen gewesen und das verdarb ihm einfach den Appetit.

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Hörsaalgetuschel – Ausgabe 152.

Marlene

„Vielleicht war das wirklich ein wenig leichtsinnig. Aber halt einfach auch viel zu verlockend. Ich meine, du hast sie ja selbst gesehen, das ist niemand, wo man freiwillig nein sagen würde.“

Erik saß neben Flo an der Bar und starrte abwesend über sein inzwischen eins-zu-vielte Bier hinweg. Seine sonst immer so akkurate Frisur war reichlich in Unordnung geraten und die Jacke war zerknittert. Mit einem schweren Seufzen kippte er den Rest des Bieres hinunter und bestellte das inzwischen viel-zu-vielte Bier. Flo grübelte inzwischen, ob ihm irgendeine hilfreiche Antwort einfallen wollte, aber seine Kreativität wollte trotz Bier zu dieser späten Stunde nicht mehr aus dem Bett kommen. Und dabei hatte es alles so vielversprechend angefangen.

Marlene war offensiv auf Erik zugegangen, hatte sich bei ihm gemeldet und Kontakt nicht nur einfach aufgebaut, sondern auch gehalten. Das Herz auf der Zunge und keine versteckten Karten in der Hinterhand, jedenfalls keine offensichtlichen. Das hatte ausgereicht um Erik zunächst einmal völlig zu verunsichern. Aber eine Falle finden konnte er auch nicht und so hatte er doch begonnen, sich ihr zu öffnen. Ein Date im Park, ein gemeinsamer Spaziergang am Fluss, ein Abend im Kino oder ein Nachmittag mit Eis. Flo war überzeugt, die beiden waren ein Paar und trauten sich nur noch nicht, es zuzugeben. Sie hatten sich definitiv gemeinsam die Zeit verschönert.

Und doch saßen sie nun hier, wieder in der alten heruntergekommenen Bar, und starrten trübselig in ihre Biere. Flo verstand die Welt nicht mehr.

„Erklär es mir noch einmal. Du sagst, es war soweit alles perfekt. Sie hat offenbar Gefühle für dich, ist in jeder Hinsicht perfekt, sieht toll aus, ist hoch intelligent, hat ähnliche Interessen wie du und ist eigentlich alles, was du dir wünschen könntest. Du hast ebenfalls Gefühle für sie und sie rennt nicht gleich vor dir weg, obwohl sie inzwischen ziemlich gut wüsste, worauf sie sich einlässt. Wieso blockierst du dann?“

„In fast jeder Hinsicht perfekt. Sonst gäbe es ja kein Problem. Sie hatte noch nie einen Freund. Außer ab und zu knutschen ist bei ihr noch nie etwas gelaufen, sie ist völlig unerfahren.“

„Im ernst? Das ist dein Problem? Dann lernt ihr es halt gemeinsam! Wie sonst soll sie denn an die Erfahrungen kommen? Aus dem Internet runterladen vielleicht?“

„Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich der Richtige dafür bin.“

„Wieso nicht? Sie scheint keine Zweifel daran zu haben.“

„Wieso will sie mich dann verkuppeln?“

Das war jetzt neu und ein absolut legitimer Punkt. Flo starrte Erik eine Weile nur an. Marlene hatte es sich zur Aufgabe gemacht den Mann unter die Haube zu bringen, den sie offensichtlich liebte? Wäre es ihre eigene gewesen, hätte es mehr als nur Verständnis dafür gehabt, aber so … ?

„Wir waren letztens in der Stadt unterwegs und es war ein ziemlich toller Nachmittag. Am Markt sind wir dann Mia begegnet und haben uns kurz unterhalten. Aber wirklich nur kurz, und das war schon mehr als lang genug. Ihr geht es übrigens soweit ganz gut, aber das weißt du vermutlich selbst schon. Danach meinte Marlene jedenfalls, was denn mit uns wäre, da müsse doch was laufen. Und wenn nicht, dass wir das doch nicht aus den Augen lassen sollten. Immerhin hätten wir so eine gute Chemie. Da wäre einfach etwas zwischen uns, was perfekt passt. Also, zwischen Mia und mir jetzt, nicht zwischen Marlene und mir. Hast du eine Ahnung wie absurd das ist, wenn dein Date versucht dich mit deiner Ex zu verkuppeln? Sag Bescheid, wenn du einen besseren Stimmungskiller gefunden hast.“

Das war der Moment, an dem Flo feststellte, dass er offenbar auch bereits beim zuvielten Bier angekommen war. Wäre er noch halbwegs nüchtern, wäre ihm nun sicherlich eine schlagfertige Antwort eingefallen, und sei es für das Thema von vor zehn Minuten. Jetzt rechnete er nicht mehr vor morgen früh damit. Ein Bild wanderte durch seinen Kopf, wie Kristina versuchte ihm Jenny schmackhaft zu machen und alles in ihm sträubte sich. Vielleicht musste er mit Marlene reden, wobei es wohl besser wäre, wenn Erik das selber tat. Wieso nicht gleich jetzt?

Market Theater

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 150.

Des Pudels Wurzel

Es war noch früh am Abend, doch die herbstliche Nacht war bereits hereingebrochen. Der Mond lies die Schatten der letzten Balkonpflanzen an der Wohnzimmerwand tanzen, unbemerkt von Flo oder Kristina, die einen Oxytocin-geladenen Abend auf der Couch verbrachten. Im silbernen Schimmer von Mond und Fernseher lag Flo in Kristinas Schoß gekuschelt, selig vor sich hin dösend und die Streicheleinheiten genießend. Es war für beide eine lange Woche gewesen und für den heutigen Freitagabend hatten sie nichts Besseres mehr vor. Es war noch nicht sehr lange her, dass Flo erschrocken festgestellt hatte, dass er seine früheren Partyexzesse nicht im geringsten vermisste.

Gerade, als ihnen beiden, selig aneinander gekuschelt, die Augen zufallen wollten, klingelte es an der Tür. Das weiche Licht des Mondes und der harte Widerschein des Fernsehers ließen auf der Uhr an der Wand die Zeiger glitzern. Nicht einmal halb 9 war es, also keine unmögliche Uhrzeit. Dennoch war Flo zerknirscht, als er sich vom Sofa rollen ließ. Um diese Zeit war Besuch, besonders unangekündigter, sehr ungewöhnlich. Aus Kristinas Freundeskreis gab es immer wieder spontane Besuche, aber aus der Uni tat kaum jemand die kurze Reise mit der Bahn, wenn es nicht geplant war.

Vor der Türe stand ein großer, aufwendig dekorierter Kuchen, gut verstaut in einem Tortenbutler in den Händen Mias. Mit einem schüchternen Lächeln winkte sie ihm zu.

Ich wollte mich nur mal für den ganzen Kuchen revanchieren, den du mir im Bachelor immer gebacken hast. Und außerdem musste ich das hier mal üben.“ Sie hielt ihm den Tortenbutler hin. „Bin demnächst auf einer Hochzeit eingeladen und habe leichtsinnigerweise versprochen, einen Kuchen mitzubringen. Ich habe ihn noch nicht probiert, aber so oder so, wollte ich dann die Meinung eines Experten haben. Da kommst ja nur du infrage. Und ich hatte irgendwie den Eindruck, es wäre ein guter Zeitpunkt für einen Überraschungsbesuch.

Noch immer überrascht bat Flo sie hinein. Seit sie mit Erik Schluss gemacht hatte, war Funkstille zwischen ihnen gewesen. Sie hatte sich nicht mehr gemeldet und auch auf seine Nachrichten nur noch eher sporadisch reagiert. Dennoch, er sah sie weiterhin als eine alte Freundin und natürlich war sie auch willkommen. Sein Angebot einer Tasse Tee konterte sie mit einer Flasche Wein im Rucksack.

Kurz darauf saßen sie zu dritt um den Küchentisch und kauten genüsslich auf dem Kuchen. Sie hatte es etwas gut mit dem Backpulver gemeint, aber ansonsten war er tatsächlich sehr gut geworden. Doch auch wenn sie ehrlich dankbar für Flos Verbesserungsvorschläge war, und sich um ein ungezwungenes Gespräch bemühte, sowohl Flo als auch Kristina spürten deutlich, dass sie nicht nur für Rezepte und Small Talk gekommen war. Bis zur Antwort auf dieses Rätsel sollte es beinahe die ganze Flasche Wein dauern.

„Hast du eigentlich noch einmal etwas von Erik gehört?“

Die Frage kam zögerlich, zaghaft, mit einem deutlich zärtlichen Unterton, und selbst wenn sie sich nach Kräften bemühte, ihre Augen konnten nicht lügen. Mia vermisste Erik, ehrlich und aus vollem Herzen. Dennoch, dahinter steckte doch mehr. Flo wurde misstrauisch.

„Natürlich. Letzte Woche waren wir noch abends weg, aber diese Woche habe ich ihn nicht mehr gesehen. Wieso fragst du?

Ach, nur so. Ich wollte nur sichergehen, dass es ihm gut geht. Ich höre ja überhaupt nichts mehr von ihm. Er hat auch einiges in der Wohnung gelassen, was eigentlich ihm gehört. Ich dachte, er meldet sich vielleicht noch deswegen.“

Erik hatte seine Sachen zu einem Zeitpunkt aus der Wohnung geholt, von dem er wusste, dass Mia nicht da war. Das wusste sie auch, und dennoch erwartete sie, dass er sich meldete? Irgendwo passte das sogar ins Bild. Und dennoch glitzerte die Sehnsucht in ihren Augen. Natürlich waren auch an ihr die zwei Jahre nicht spurlos vorbei gegangen. Für sie war Erik immer noch jemand ganz Besonderes, und es verletzte sie, dass er sie so einfach vergessen zu haben schien. Nur zugeben würde sie das natürlich niemals, dafür war ihr Stolz viel zu starrsinnig. Beinahe jedenfalls.

„Er hätte mir ja wenigstens seine neue Adresse sagen können.“

„Wieso hätte er das tun sollen? Du hast nicht nur einfach mit ihm Schluss gemacht, du hast ihn gleich ersetzt. War es nicht absehbar, dass er nicht der Typ für eine solche dreier Konstellation ist? Mich wundert ehrlich gesagt, wie lange er das durchgehalten hat. Im Augenblick würde ich ihm etwas Ruhe und Abstand lassen. Später kannst du dich immer noch bei ihm melden, aber es ist die Frage, ob er auch antworten will.“

„Wir waren doch eigentlich das perfekte Paar und jetzt will er nicht mehr mit mir reden. Ich habe es wirklich ziemlich verbockt, oder?“

Mia starrte mit leerem Blick aus dem Fenster und hing einer Erinnerung nach, von der Flo nicht sagen konnte, wie sie überhaupt darauf gekommen war. Das perfekte Paar war in seinen Augen dann doch etwas anders gewesen. Alle paar Monate hatte einer der beiden bei ihm gesessen und Rat benötigt. Und woher kamen jetzt diese Gedanken?

„Läuft es gerade mit Tina nicht so gut?“ schaltete sich Kristina in das Gespräch mit ein, und erntete dafür einen irritierten aber vielsagenden Blick von Mia.

„Doch, natürlich ist da alles super. Sie ist eine absolut tolle Frau! Ich kann nicht nachvollziehen, wie Erik sie jemals hat abweisen können. So süß, liebevoll, zärtlich und intelligent. Okay, gelegentlich ein kleiner Dickkopf, aber das bin ich ja auch. Nein, sie ist schon echt fantastisch.“

„… aber?“

„Wieso aber? Es gibt kein aber. Mit ihr ist es wirklich sehr schön. Sie bringt so viel Wärme mit in die Wohnung. Es ist schon echt kein Vergleich zu einem Mann.“

Für einen winzigen Augenblick umspielte ein spitzbübisches Lächeln Kristinas Mund, zu dezent, um in der weinseligen Stimmung weiter aufzufallen.

„Achso, dann ist das des Pudels Wurzel? Der Mann fehlt! Du hast Glück, wir haben noch Möhren im Kübel draußen. Wenn du möchtest, kannst du eine Dicke davon haben.“

Und während Erik prustend vom Stuhl fallend die weiße Wand mit einem feinen roten Weinschleier überzog, Mia sie mit entsetztem Blick und weit aufgerissenem Mund anstarrte, steckte sich das unschuldigste und engelsgleichste Mädchen der Welt eine Gabel voll Torte in den Mund und kaute genüsslich, als habe sie keine Ahnung, was sie gerade gesagt hatte.

Fremont Rakete

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 149.

Interessenten

„Hallo schöner Mann. Du hast dich so lange nicht gemeldet und ich dachte, wir könnten uns gemeinsam etwas die Zeit verschönern.“

Die Worte, der Absender und der frivol grinsende Smiley in dieser Chatnachricht sprachen eine Sprache, die Erik fast schon eine Spur zu deutlich war. Aber sie trugen auch etwas in sich, was in ihm ein fast schon vergessenes und wohliges Gefühl auslöste. Das Gefühl, begehrt und gewollt zu sein. So sehr er sich auch sträuben mochte und um Rationalität bemüht war, er musste sich eingestehen, dass es ihm gefiel und irgendwie auch gut tat. Außerdem war Marlene viel zu gut darin, ihm dieses Gefühl zu geben und dabei glaubhaft zu bleiben. So sehr er auch nach Anzeichen dafür suchte, dass sie nur ein Spiel spielte, er konnte nichts finden. Zeitweise hatte er sogar den Eindruck, sie könnte überhaupt nicht lügen, selbst wenn sie es versuchte. Stattdessen funkelte sie ihn mit ihren leuchtend grünen Augen an, und er hatte den Eindruck, durch sie direkt bis in ihre Seele blicken zu können. Und alles, was er sehen konnte, war, dass sie ihn wollte. Nicht einfach nur stumpf körperlich, das natürlich auch, aber viel mehr mit Haut, Haaren und Herz. Daran arbeitete sie mit einer Beharrlichkeit, die ihn fast um den Verstand brachte und beängstigte.

Und das alles war auch noch Flos schuld. Er war es gewesen, der vor drei Wochen die Mädels auf ihrem Junggesellinnenabschied angesprochen hatte und mit der Braut geflirtet hatte. Er war es gewesen, der die interessierten Blicke der Trauzeugin wahrgenommen hatte und Eriks Nummer gegen einen Schnaps eingetauscht hatte. Er war es gewesen, der die Gruppen zusammen gewürfelt hatte und ganz zufällig Erik neben Marlene geschoben hatte, wofür sie ihn unendlich dankbar angesehen hatte. Und beinahe hätte er auch seinen letzten Zug fahren lassen, da Erik nicht alleine bei den Mädels geblieben wäre. Am Ende des Abends war es nicht der Alkohol gewesen, der Erik fertiggemacht hatte, sondern nur seine Nerven.

Dennoch, er ließ es nicht einfach im Sande verlaufen, sondern blieb dabei und spielte mit. Er selbst war darüber vielleicht noch am meisten überrascht. Aber er antwortete auf ihre Nachrichten, beantwortete ihre Fragen, stellte seinerseits selbst welche und entdeckte so ein Interesse und eine gewisse Faszination für sie. Und das, obwohl er gerade erst eine Beziehung hinter sich hatte, die er als ernsthaft bezeichnen würde, und auch immer noch gelegentlich an Mia dachte.

Die Gefühle für sie waren aber leider inzwischen eher von Bitterkeit und mit einem Geschmack von Verrat durchzogen. Aber eines war ihm auch deutlich geworden. Die Zeit, die Mia mit Tina ohne ihn verbracht hatte, ohne ihm zu sagen, dass es vorbei war, zählte für ihn dennoch schon als Trennungsphase. Er hatte viel Zeit gehabt, sich darauf vorzubereiten und an den Gedanken zu gewöhnen. Nichts war plötzlich und auf einmal da gewesen, sondern von langer Hand her angekündigt. Der gemeinsame Alltag hatte bereits weit im Vorfeld so viel gefressen, hatte so vieles selbstverständlich werden lassen und so vieles auf dem Weg zurück gelassen. Kleine Worte der Zärtlichkeit, warme Blicke oder nur mal ein unerwarteter Kuss nebenher.

Und auf einmal waren da diese leuchtenden grünen Augen, welche direkt in sein Innerstes zu blicken schienen und nach eben diesen warmen Blicken oder Zärtlichkeiten suchten. Volle, offensichtlich wunderbar weiche Lippen, die um gemeinsame Zeiten baten, und seien es nur Minuten. Erik wusste nicht, wie lange sie alleine gewesen war, aber er merkte, sie würde einiges daran setzen, ihn von seinem Plan abzubringen, jetzt eine Weile alleine zu verbringen. Und wenn er ehrlich war, gefiel ihm der Gedanke auch.

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Das Kartenspiel

Wir haben gespielt, uns gegenseitig die Karten zugeworfen, aber nach verschiedenen und doch so ähnlichen Regeln.

Am Anfang fiel es nicht einmal auf, doch plötzlich passten die Karten nicht mehr. Wir waren frustriert und verärgert. Doch manche Karten sind in jedem Spiel die höchsten und du hast sie meisterhaft ausgespielt. Du hast den Tisch sauber abgeräumt und dich dann bitterlich triumphierend einem anderen Spiel mit neuen Spielern zugewandt. Ich war zurückgelassen, irritiert und verprellt. Das Spiel war gelaufen und vergangen, keine Chance auf Revanche oder weitere Anläufe.

Und auch wenn es nicht schön war, es war okay. Menschen spielen und irgendjemand würde sicherlich auch mir wieder Karten zuschieben. Doch die Karten, die hier so unerwartet wieder vor mir liegen kommen von dir und ich habe dein Spiel noch weniger durchschaut, als ich es zunächst glaubte.

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Herz voller Geschichten

Es gibt Tage, da quillt das Herz über vor Geschichten. Es will sich frei brüllen, ausschütten, allen Frust von der Seele tanzen und in freudigen, goldenen Erinnerungen baden. Es will von leuchtend roten Sonnenuntergängen träumen, während der leichte Wind der Nacht die Baumwipfel streichelt, will den Sand unter seinen Füßen spüren, der von weichen Wellen durchnässt wurde. Es will in den Augen geliebter Personen versinken können und das Salz auf ihrer Haut schmecken. Wie ein Sturmwind würde es auf dem Rücken von wahren Bestien reiten, oder im Bauch höllischer Maschinen, hinweg fegend über weite Ebenen oder durch enge Schluchten. Scharfe Klippen oder monumentale Prachtbauten würden vorüberschießen, viel zu schnell, als dass man sie wirklich erfassen könnte. Dann wieder würde es am Tisch einer Bauernfamilie im Mittelalter sitzen, während die schwarze Nacht draußen nur von scharfen Blitzen erhellt wird und ein Unwetter an den Fensterläden reißt, als würde es den ganzen Hof von der Erdkarte pusten wollen. Im Ofen prasselt ein warmes Feuer und im schummrigen Schein der Kerzen sitzt das Herz auf einem Holzschemel und erzählt eifrig lauschenden und weit aufgerissenen Augen und Ohren von fernen Ländern voller abenteuerlicher Tiere, fremder Düfte, atemberaubender Naturwunder, feiner Gewürze und Öle und unfassbarer Maschinen.

Das alles würde das Herz gerne machen, aber es ist niemals alleine in einem Körper. Eine Etage weiter wohnt der Geist, und wenn er Amok läuft, dann droht er das arme Herz mit all seinen Geschichten zu ersticken. Dann breitet sich sein grauer Nebel von Stumpfsinn und Müdigkeit bis in jede Finger-, Zehen- und Haarspitze aus. Dann reißt jeder zierliche Faden eines Gedankens und eines Traumes ab, wird durchschlagen von endlosen Zahlenkolonnen, dringlichen Aufgaben, lästigen Pflichten, unangenehmer Fristen oder erschlagender Verantwortung. Gnadenlos, wie ein Feuer, frisst sich der Geist in jede Faser seines Wirtes, denn er duldet keine Götter neben sich, ohne Pause, ohne Luft zu holen. Erst, wenn er sich schlafen legen möchte und zur Ruhe gezwungen wird, wagt sich das verkümmerte Herz hervor, nimmt den Geist vorsichtig an der Hand und sie begeben sich auf eine Reise voller ungeahnter Wunder. Denn auch wenn sich der Geist kaum traut es zuzugeben, ohne das Herz würde er die Nächte allein und unter erstickenden Tränen verbringen.

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 147.

Grüne Daumen

„Schatz, ich habe eine Idee für nächstes Jahr.“

Kristina verbrachte den Abend, wie sie es am liebsten tat. Den Kopf in Flos Schoß gelegt, mit einem Buch in der Hand und dem Blick die meiste Zeit über auf einen Punkt irgendwo im Nirgendwo über dem Sofa auf dem sie lag gerichtet. Flo setzte die Tasse mit frischem Kräutertee ab und kehrte aus seiner Gedankenwelt zurück. Der Fernseher lief schon lange nur noch fürs Hintergrundrauschen. In seinem Kopf tanzte seine Hausarbeit gerade einen wilden Tango und organisierte sie laufend neu. Entsprechend hatte er keine Ahnung, was seine Traumfrau meinen konnte, als er zu ihr hinab blickte.

„Wir holen uns einen Garten. Was hältst du davon?“

Was sollte er davon halten? Sie hatten doch bereits die Blumentöpfe auf dem Balkon? Wie sollte das denn funktionieren?

„Und wo stellen wir den hin? Auf den Balkon? Wie stellst du dir das denn vor und wer soll den tragen?“

„Wovon redest du denn? Wir holen doch den Garten nicht auf den Balkon. Aber einen kleinen Schrebergarten oder irgendwo hier eine kleine Parzelle. Dann haben wir vielleicht ein klein wenig mehr Platz auf dem Balkon und eine Möglichkeit, etwas Leckeres anzupflanzen. Tomaten zum Beispiel oder vielleicht auch Kürbisse. Klingt das nicht gut?“

„Kürbisse … hmm, was wäre mit Kartoffeln? Oder Möhren? Tomaten haben wir doch bereits auf dem Balkon und es klappt gut.“

Er sah zum Fenster hinaus auf den Balkon, der noch im letzten Dämmerlicht lag. Tomaten drängten sich wie ein Wald an der Seite, Erdbeeren und einige Küchenkräuter besiedelten die Blumenkästen. Er hatte sich nie besonders für Pflanzen interessiert. Das zählte zu den Seiten, die Kristina an ihm heraus poliert hatte. Es würde ihn ja stören, dass sie ihn formen konnte wie feuchten Ton, wenn er nicht das Gefühl hätte, dass sie immer seine besten Seiten hervor holte. Ganz abgesehen davon bemerkte er es immer erst, wenn es bereits viel zu spät war. Inzwischen trank er sogar weniger Alkohol, auch wenn ihm das niemals als etwas Negatives aufgefallen war. Sie mussten nicht groß diskutieren, er war bereits mit dem Kürbis überzeugt gewesen. Nur anmerken lassen wollte er es sich nicht.

„Und wir könnten auch Knoblauch oder Zwiebeln ausprobieren. Das wollte ich schon immer einmal, wegen der schönen Blüten. Genau so wie Rosen. Oder Bohnen? Es gibt so vieles, was ich mal ausprobieren möchte. Deine Kartoffeln und Möhren sollen sich übrigens auch noch gut vertragen, und wenn ich mir ansehe, wie gut du dich um die Pflanzen auf dem Balkon kümmerst, muss das doch was werden.“

Kristina schwärmte noch eine ganze Weile vor sich hin und versuchte ihn zu überzeugen, dass ein kleiner Garten genau das war, was ihnen noch fehlte. Es war bedauerlich, dass hinterm Haus nur ein gepflasterter Hof war. Das, was man da am besten anpflanzen konnte, waren Moos und Löwenzahn. Und selbst wenn ein Kohl hier überleben würde, mit dem Aroma vom Teer des alten Asphalts würde er sicherlich nicht genießbar sein können. Aber wer würde sich um den Garten kümmern? Kristina war es gewesen, die auf dem Balkon angefangen hatte, Pflanzen aufzustellen. Es hatte nicht lange gedauert, bis Flo sich darum kümmern musste, weil sie nicht dazu kam. Würde das bei einem Garten denn so viel anders laufen? Und würde ihn das überhaupt stören? Immerhin musste er zugeben, dass es ihm Spaß machte. Und dann auch noch eigene Kürbisse … Der nächste Herbst würde schmackhaft werden können.

Schlossgarten Brühl