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RefÖko Wochenpost

Wie einige vielleicht wissen, engagiere ich mich hier an der Uni im Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit. In dem Rahmen fand unter anderem die Urban Gardening Ausstellung auf der Landesgartenschau statt, über die ich ja auch hier viel berichtet habe. Seit einiger Zeit schreibe ich auch einen Newsletter, die „Ökologische Wochenpost“, in deren Rahmen Protokolle, Termine und einige aktuelle und interessante Themen rund geschickt werden. Termine und Protokolle sind für diesen Blog uninteressant, aber es kam der Gedanke, ob die angesprochenen Themen vielleicht spannend sind?

Daher jetzt dieser Beitrag. Unten findet ihr die Themen aus der aktuellen Wochenpost. Lasst mich doch gerne wissen, ob ihr so etwas hier gerne öfter sehen möchtet, ob es zu ausführlich oder zu kurz ist. Findet es Anklang oder stört es eher? Tobt euch in den Kommentaren aus 😉

Liebe Leute,

mit Projekten wie den Biotopen am Campusgarten oder der Wildblumenwiese auf dem zentralen Campus versucht das Referat seinen Teil im Kampf gegen das Insektensterben zu leisten. Eine internationale Konferenz hat zu solchen Zwecken jetzt einen praktischen 9-Punkte Plan veröffentlicht. Aktionen sind wichtig, denn es ist hinreichend bekannt, dass unsere Agrarlandschaft auf Biodiversität angewiesen ist.

https://www.naturkundemuseum-bw.de/aktuell/nachricht/9-punkte-plan-praesentiert

https://www.leopoldina.org/politikberatung/arbeitsgruppen/biodiversitaet-in-der-agrarlandschaft/

 

„Viele dachten lange Zeit, Klimawandel betreffe nur Inseln im Pazifik. Dem ist aber nicht so. […] Ein Jahr wie dieses mit heftigen Stürmen zu Jahresbeginn und der anhaltenden Trockenheit wird immer weniger zum Ausreißer werden.“ Das sagt NRWs Umweltministerin Ursula Heinen-Esser im Rahmen eines Berichtes, der auch einmal mit handfesten Zahlen aufwarten kann. Es kommt nichts auf uns zu, es ist schon da!

https://www.agrar-presseportal.de/Nachrichten/Der-Klimawandel-ist-in-Nordrhein-Westfalen-sichtbar-und-spuerbar_article26474.html

 

Und auch Bayern hat seinen Koalitionsvertrag. Wir empfehlen besonders Kapitel III – nachhaltiges Bayern. Man möchte es fast für Satire halten. Mehr Innenverdichtung, aber auch mehr grüne Inseln in der Stadt. Verkehrswende aber Bayern bleibt Autoland. Inkonsequenz ist in.

https://www.csu.de/common/csu/content/csu/hauptnavigation/dokumente/2018/Koalitionsvertrag__Gesamtfassung_final_2018-11-02.pdf

 

Das ist zwar alles nur wenig optimistischer, als ich es euch letzte Woche versprochen habe, aber immerhin… Wir arbeiten dran 😉 Bis dahin gibt es noch einen kleinen Bonus. Trinkt Wasser! Es ist sehr gut!

https://www.youtube.com/watch?v=lfA8pT-1eKM&t=651s

Euer Referat Ökologie / der Öko-Onkel

StadtGartenSchau – Teil 7. – Was ist ein Trivarium?

Auf unserer Fläche sind einige Elemente entstanden, von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe. Was ist beispielsweise ein Schlüssellochbeet? Oder ein Lasagnebeet? Oder ein Trivarium? (Wir erinnern uns an Teil 3) Ein Alpinum kann man sich ja herleiten. Es wird etwas mit vielen Steinen und Gebirgspflanzen zu tun haben. Ein Schotterbeet ist zwar ähnlich, aber nicht so sehr auf Gebirgspflanzen ausgerichtet. Immerhin gibt es Schotterflächen in der Naturlandschaft auch oft an Flüssen oder bei Hangrutschungen und Steinschlägen (eigentlich muss man sagen „es gab sie“, denn in unserer Kulturlandschaft ist dieses Ökotop dank begradigter und kanalisierter Flüsse quasi ausgestorben. Dafür tauchen Schotterflächen heute eher in Städten auf, bei Baulücken und Brachflächen. Hier können sich eventuell Tiere und Pflanzen hin retten, die auf diese Nische angewiesen sind, wenn man ihnen eine Chance lässt.)

Aber was ist denn nun so ein Trivarium?

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Kurze Antwort: Das ist ein Trivarium. Die große Fläche im Vordergrund gehört dabei nicht einmal mehr dazu. Hier ist nämlich eine Mischkultur eingesät, die inzwischen eifrig sprießt. Die massiven Steine der Sonnenfalle haben die Funktion, solare Wärmestrahlung für die Nacht zu speichern.

Wie der Name es vermuten lässt, besteht es aus drei Elementen. Das Kernelement ist dabei die Sonnenfalle. Im Grunde eine Kräuterschnecke, die zu einem Halbmond nach Süden hin aufgedreht wurde. Geeignet ist sie für so ziemlich alles, was man auch in einer klassischen Kräuterspirale findet. Der Boden darin ist natürlich recht mager, denn Kräuter mögen es nicht besonders, wenn sie zu viele Nährstoffe haben. Wenn man so will, sind sie dem Menschen eigentlich sehr ähnlich. Wir kommen auch besser mit Mangel als mit Überschuss zurecht. Gibt es einmal zu wenig von etwas suchen wir, bis wir es gefunden haben. Entstandene Schäden sind erstaunlich einfach zu reparieren. Wenn es aber von allem oder von einzelnen Stoffen einen Überschuss gibt, dann kann das schnell daneben gehen. Organschäden bei Übergewichtigen oder Diabetes sind nur die bekanntesten Schäden und diese lassen sich nicht mehr so einfach heilen. Den Kräutern geht es ganz ähnlich. Lieber also etwas zu mager und sie werden halt nicht so groß. Da wir ja ökologische Intensivierung bewerben möchten haben wir natürlich auch einige Nisthilfen in der Sonnenfalle verbaut. Eine bunte Auswahl an Vögeln und Insekten hat also das Angebot, bei uns Unterschlupf zu finden und sich heimisch zu fühlen.

Die Sonnenfalle umschließt einen Krater, in dem sich Feuchtigkeit sammelt, der durch die Sonnenfalle vor Wind geschützt ist und wo die Wärmestrahlung hinein reflektiert wird. Im Grunde ist es vergleichbar mit einer Satellitenschüssel oder einem Parabolspiegel. Dort ist ebenfalls eine reflektierende Ebene so ausgerichtet, dass sich Strahlung in einem Punkt sammelt, nur dass der Punkt in diesem Fall die Senke in der Mitte ist. Hier gedeihen Pflanzen, die gut mit warmfeuchten Bedingungen zurecht kommen. Nach Norden hin sind sie vor kaltem Wind geschützt und zu so ziemlich jeder Tageszeit fällt Sonnenlicht hinein. Bedingt durch den tonigen Untergrund haben wir eigentlich sogar zwei Trivarien mit Teichen, denn der Krater läuft aktuell bei jedem Regenguss mit Wasser voll. Da Würzburg aber im Sommer auch Phasen hat, wo Monate komplett ohne einen Regentropfen keine Seltenheit sind, verzichten wir darauf, Reis hinein zu pflanzen und bleiben bei solchen, die bei Überflutung protestieren. Auch wenn mir die Idee mit dem Reis eigentlich ganz gut gefallen hat …

Das dritte Element ist das Sandarium, welches die gesamte Struktur zur Seite hin abgrenzt. Hier ist nicht nur die obere Schicht mit Sand abgedeckt sondern tatsächlich dick aufgetragen. Bisher hat sich auch noch kein Kind dazu hinreißen lassen, mit Förmchen bewaffnet in diesen Sandkasten zu springen. Ich bewundere die Disziplin. Die Pflanzen hier kommen mit extrem wenigen Nährstoffen und Wasser aus, wurzeln dafür aber um so tiefer. Wer davor steht merkt häufiger an, dass es recht karg aussieht und so viel Platz zwischen den einzelnen Pflanzen ist. Nicht weiter verwunderlich, immerhin kennen wir solche trockengefallenen Sandbänke aus unseren Kulturlandschaften überhaupt nicht mehr (Heidelandschaften einmal ausgenommen). Dennoch ist auch das geplant, denn solche Sandflächen wachsen selten wirklich zu. Stattdessen bieten sie viel Zwischenraum, deren Sandflächen wichtige Habitate für viele Insekten wie die verschiedene Wildbienen oder Wespen, die sich hier ihre Bruthöhlen graben.

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Ein Blick in den Sonnenuntergang ohne Sonnenuntergang, dafür mit Sandarium. Im Hintergrund sieht man den Halbmond der Sonnenfalle noch.

Es klang bereits durch, auf unserer Fläche sind gleich zwei große Trivarien zu bestaunen. Eines davon mit Kraterbeet, eines davon mit Teich im Zentrum. Der Teich ist als solcher geplant, mit Folie ausgekleidet und soll mit essbaren Pflanzen besetzt werden. Denn nur weil die meisten unserer Gemüsepflanzen und Kräuter eher auf großen Feldern angebaut werden heißt das nicht, dass es im Wasser nicht auch einige Leckereien geben kann. Wasserminze ist nur ein Beispiel, dankbarerweise sehr ähnlich wie Pfefferminze. Um den Pflanzen besseren Halt zu geben wurden Stufen in den Sand modelliert, als die Folie eingebaut wurde. Leider war der Sand zu nass und die Struktur ist wieder kollabiert.

Genau wie der Plan, das zweite Trivarium mit einem trockenen Krater anzulegen. Diese Senke ist so gedacht, dass sich dort etwas Wasser ansammeln kann, aber dank des tonigen Bodens ist hier schnell ein natürlicher Teich entstanden, den wir nun beständig leer schöpfen. Und auch wenn ich für eine Anpassung gestimmt habe, bleibt es nun also bei dem ursprünglichen Plan und dem Schaufeln. Ich bin gespannt, wie der Sommer wird.

Gefällt euch die Reihe bis hierhin? Erkläre ich zu viel oder zu wenig oder das falsche? Gibt es andere Projektteile, die ihr so ausführlich erläutert haben möchtet? Einige Highlights habe ich ja bereits vorgestellt aber natürlich war das nicht alles. Wenn gewünscht kann ich auch einmal Ausflüge zur „Konkurrenz“ machen und euch davon etwas erzählen. Lasst es mich doch einfach in den Kommentaren wissen. Im Idealfall sieht man es sich natürlich selbst an und schafft sich selbst einen Eindruck, aber ich hätte ein schlechtes Gewissen, dafür jemandem nun zu einer weiten Reise zu raten. 😀

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Der fertige Flächenplan, wie er auf unseren Flyern und auf den Infoschildern zur Ausstellung abgebildet. Kleine Besonderheit: Der Plan ist nicht genordet sondern gesüdet 😉

StadtGartenSchau – Teil 3. – Formen entstehen …

In Teil 2 gab es einen Überblick, was unsere Ausgangslage war und wie unser Baumaterial aussah. Jetzt geht es einmal an die tatsächliche Formgebung, um nicht zu sagen: Es geht so wirklich los!

…und Rücken brechen. Nur gefühlt, keine Panik, aber die Arbeiten der nächsten Wochen waren körperlich sehr anspruchsvoll.

Die Landesgartenschaugesellschaft hat uns Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt. Natürlich nur auf Bestellung, aber immerhin das. Darunter befand sich Sand, Erde, etwas Holz und zwei ordentliche Haufen von gebrochenen Muschelkalkquadern. Den meisten Schotter haben wir direkt da verbaut bekommen, wo auch später einmal ungefähr die Wege lang laufen sollten. Immerhin gibt es auf diese Weise etwas Struktur und die Löcher und Hügel für unsere Strukturprojekte hatten wir ja immerhin auch bereits angelegt.

Auch die ersten Pläne waren soweit, dass man die Formen daraus ableiten konnte, auch wenn es noch viele Stellen gab, an denen nur große Fragezeichen eingetragen waren. Eines davon ging an mich. Nachdem ich im letzten Jahr im CampusGarten das Experiment mit meiner Milpa durchgeführt hatte und der Mais sich dabei als echter Blickfang erwiesen hatte, war es nicht schwer, grünes Licht für einen weiteren Anlauf dazu auf der Landesgartenschau zu bekommen. Die 2x2m wären doch garantiert leicht noch irgendwo unterzubringen. Aber auch hier wartete bereits eine kleine Überraschung für mich.

Ansonsten wurde der Flächenplan wesentlich von dem großen Mischkulturbeet am unteren Ende der Fläche, Werkzeugschuppen und Aufenthaltshütte am oberen Ende, einer großen Kräuterschnecke und einem großen Trivarium in der Mitte dominiert. Das Mischkulturbeet existierte zu diesem Zeitpunkt sogar bereits in der Form eines großen Holzkastens, der mit Erde und reichlich Kompost aufgefüllt war und unter einem Wald von Gründüngung unterzugehen schien. Auch sehr vielversprechend: Im Kompost hatten sich einige Kürbissamen versteckt gehalten, welche nun produktiv austrieben. An Nährstoffen scheint es schon einmal nicht zu mangeln.

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Ein nicht einmal mehr so früher Planungsstand. Teilweise hat er auch immer noch Bestand aber wer uns hiermit besuchen kommt wird sich nicht gut zurecht finden. Sehr vieles hat sich seitdem getan.

Es stand also an, dem ganzen eine Form zu geben. Für mich hieß das, entlang der Wege hier und da Buckel aus Ton abzutragen und Löcher mit Schotter und Sand aufzufüllen. Schotter hatten wir zu wenig und der Sand war wassergesättigt. Wenigstens in dieser Hinsicht passte er zum Ton darunter, denn im Gegensatz zum Ton war der nasse Sand sehr fließfähig und verformte sich unter Last so, dass man immer gut Reserve einplanen musste, damit die Steine auch blieben, wo sie hin sollten. Und während die Arbeiter in der Fußgängerzone noch einen schicken kleinen Kran zur Verfügung haben, um ihre Steine zu platzieren, lief bei uns alles von Hand.

Der geneigte Handwerker mag jetzt schmunzeln, dass dies für mich eine erwähnenswerte Tatsache ist, aber ich habe die letzten Jahre hauptsächlich an Schreibtischen verbracht und bin entsprechend nicht sonderlich trainiert. Quader mit vielleicht der Hälfte meines eigenen Gewichtes zu tragen ist da durchaus etwas anderes, als für einen Profi mit Kraft und Übung. Leichtsinnig wie ich bin, hab ich mich davon natürlich nicht abhalten lassen und mit dem Ergebnis bin ich dafür umso zufriedener. Auch wenn einem abends nicht nur der Rücken wirklich weh tut.

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Eine schön gleichmäßig geschwungene Kante, von der heute leider nur noch die Hälfte zu sehen ist. Und nebenbei auch eine der wenigen Stellen, wo nicht bunt das Material zusammen gewürfelt wurde. Ein Großteil unserer Baumaterialien sind tatsächlich Abfälle von anderen Projekten auf der Ausstellung.

Da wir von den teuren Bruchnatursteinen aber nicht so viele hatten, musste der Rest dann mit den Steinen abgegrenzt werden, die wir aus der Fläche selbst gezogen haben. Diese Steine sind deutlich kleiner, einfacher zu handhaben aber natürlich wild gebrochen und keine Quader. Es ist schwieriger, daraus eine vernünftige Wegeinfassung zu bauen aber auch das wäre okay gewesen, wenn wir damit gerechnet hätten, dass auf den geschotterten Weg nicht nur 5 sondern ganze 20 cm Schotter noch einmal aufgebracht werden würden. So ist das Ergebnis jetzt geringfügig unterwältigend und wir dürfen uns noch den ein oder anderen Trick überlegen, wie wir denn die Besucher davon abhalten, wild durch die Bepflanzung zu stampfen. Aber auch diese Aufgabe haben wir inzwischen meistern können.

Wie gut der nasse Sand zum bauen geeignet war zeigt sich auch am Teich, den wir unbedingt noch vor dem ersten Schnee bauen wollten. Die Terrassierung haben wir aus besagtem Sand angefertigt und noch bevor wir die Folie richtig fixiert hatten sackte es schon wieder in sich zusammen.

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Hier noch nicht absehbar: Wir hätten uns die Folie wohl auch sparen können. Der tonige Boden ist dermaßen dicht, dass Regenwasser auch so nicht ablaufen kann.

Und nächstes Mal gibt es einen Blick auf eine kleine Randattraktion mit hoffentlich dennoch großer Wirkung.

Wenn man nicht nein sagen kann

Wer meinem Blog schon ein Weilchen folgt, der kann sich erinnern, dass ich bei uns am CampusGarten mit viel Begeisterung (und immerhin mäßigem Geschick) tätig bin. Und gegebenenfalls habe ich sogar bereits erwähnt, dass wir in diesem Jahr ein ganz besonderes Projekt mit einem Auftritt auf der Landesgartenschau hier haben. Das ist dann wohl auch die Erklärung, wieso ich in letzter Zeit nicht mehr so besonders zuverlässig mit schönen Geschichten bin, denn dieses Projekt frisst echt viel Zeit.

Wenn ihr möchtet, berichte ich euch demnächst gerne einmal, wie aus einem einfachen Parkplatz ein präsentables UrbanGardening Projekt wird. (Spoileralarm: Mit viel Geduld und Ausdauer. Und viel Arbeit! Es war tatsächlich einfach nur ein Parkplatz, und damit man mit dem Asphalt nicht in Konflikt gerät hat uns die Planung einfach nur einen Haufen Ton, Lehm und Steine drauf gekippt und damit einen neuen Boden eingezogen.)

Inzwischen sind die ersten Pflanzen angesät und die Eröffnung Mitte April ist wirklich nicht mehr weit. Es wird nur nicht die ganze Zeit jemand da sein können, der den Besuchern erklärt, was sie sehen. Dafür braucht es dann Schilder. Für die einzelnen Teilgebiete auf der Fläche gab es also Vorschläge für Texte und Bilder. Ich war leichtsinnig genug, meinen Vorschlag mit einer handgezeichneten Skizze zu versehen. So habe ich erfahren, dass der Plan besteht, die Schilder mit wenig Text um eine von Hand erstellte Zeichnung zu erstellen, und dass der Arbeitskreis Beschilderung aus zwei Personen besteht, eine davon ich. Vielleicht wäre es besser gewesen, laut „Nein“ zu rufen. Immerhin habe ich seit Jahren nicht mehr gezeichnet und habe es generell nie wirklich gelernt oder intensiv betrieben.

Aber ich bin still geblieben und jetzt fließen viele Stunden in Bleistift- und Tuscheskizzen, die am Ende mit Buntstift verfeinert werden um auf Schilder gedruckt zu werden. Die fehlende Übung macht sich bemerkbar, denn es sind wirklich viele Stunden, aber Spaß macht es trotzdem. Hoffentlich kann man es am Ende auch sehen.

Für fertige Schilder müsst ihr euch noch etwas gedulden, aber ganz ohne Kostprobe will ich euch auch nicht abspeisen (stümperhaft bei zu wenig Licht von Ausdrucken abfotografiert). Daher hier eine kleine Auswahl. Es ist übrigens durchaus effektive Arbeitsteilung, dass wir gemeinsam an den Zeichnungen arbeiten und jeder den Teil übernimmt, den er am besten kann. Kleiner Tipp: Wenn eine Pflanze verhunzt aussieht, stehen die Chancen gut, dass sie von mir ist. Das ist wirklich nicht meine Spezialität…

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Naheliegend, aber alles, was auf den Schildern abgebildet ist, wird natürlich auch auf der Fläche zu sehen sein.

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Hier könnte dem ein oder anderen etwas bereits Bekanntes auffallen. Ich habe jedenfalls bereits darüber geschrieben.

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Gut, diese beiden habe ich nicht mit gezeichnet, aber ich finde sie so toll, die muss ich einfach dazu packen.

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Und damit ist der erste Ausflug auf unseren Beitrag zur Landesgartenschau 2018 auch schon wieder vorbei. Vielleicht gibt es ja demnächst ein paar mehr Berichte von dort. Wenn euch danach ist natürlich. Es wird jedenfalls ein reichlich voller Sommer, das steht jetzt schon zweifelsfrei fest. (Worauf habe ich mich da nur eingelassen? 😀 )

Das Jena-Experiment

Die Natur ist geduldig. Manch einer behauptet, sie würde sich nicht gerne in die Karten gucken lassen, aber das stimmt nicht. Man braucht nur etwas Zeit und muss auch zuhören, nur das tut man nicht, wenn man eigentlich keine Antwort haben will.

Gerade in den aktuellen Tagen schwappen immer wieder ökologische Themen aus den Informationsteichen der „Ökos“ und „Weltverbesserer“ in die Nachrichten des „Durchschnittsbürgers“. Da gibt es Meldungen zum Thema Vogel- und Insektensterben, die gut dokumentierte Problematik um das Verschwinden der Bienen und nicht zuletzt natürlich Glyphosat, welches (kurzfristig agierenden) Landwirten augenscheinlich das Leben so sehr erleichtert. Alle diese Themen sind aber jeweils nur kleine Facetten des großen Themenkomplexes Biodiversität, und genau hierzu wurden jüngst die ersten Ergebnisse des Jena-Experiments veröffentlicht. Selbst CSU Minister dürften Veröffentlichungen der TU München als glaubwürdige Quelle akzeptieren müssen. Entsprechend werden sie es also niemals zu Gesicht bekommen.

15 Jahre lang wurde im Rahmen des Jena-Experiments Biodiversitätsforschung betrieben, in einem Verbund aus Forschungszentren und Universitäten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. 15 Jahre mit rund 80.000 Messungen auf über 500 Versuchsparzellen und dem Ergebnis, dass der Mensch die Natur nicht ersetzen kann.

Gerade in Zeiten, wo der Klimawandel uns immer mehr Extremereignisse beschert, sind die Flächen am widerstandsfähigsten und am ertragreichsten, die über die höchste Artenvielfalt in, auf und unter dem Boden aufweisen. Selbst intensive Bewirtschaftung wie häufige Mahd oder intensive Düngung erreichen diese Produktivität bestenfalls. Letzten Endes kommt nichts um ein stabiles und artenreiches Ökosystem herum. Die Nahrungsmittelproduktion ist im hohen Maße auf leistungsstarke Ackerböden in widerstandsfähigen und gesunden Ökosystemen angewiesen. Zu dem Ergebnis kommt auch ein von den europäischen Grünen in Auftrag gegebener und veröffentlichter Bericht (Beste, A. 2015: Down to Earth – Der Boden, von dem wir leben […]).

Der Mensch kann also die Natur nicht ersetzen oder vertreten, auch wenn er sich Mühe gibt. Auch hier gilt, je bunter, umso gesünder und stärker. Natürlich macht immer noch die Mischung die Musik, aber dennoch kann ein vielfältiges Ökosystem sich besser verteidigen, bietet Fressfeinden weniger Nahrung und mehr Gegenwehr und kann sich gegenseitig stärken und schützen. Jetzt müssen wir also nur noch sehen, was wir aus dieser Information machen …

Link zur zugehörigen Pressemeldung der TUM

Nur eine kleine Revolution in der Hochschulpolitik

Vielleicht erinnert sich noch jemand an die neue Revolution in der Hochschulpolitik? Damals habe ich noch wild spekuliert und mich ansonsten über die schönen Sonnenblumen gefreut. Inzwischen sind wir einen Schritt weiter, denn auch andere sind inzwischen darauf aufmerksam geworden, so auch die lokale Zeitung, welche hier schön großformatig und mit Foto davon berichtet. Und falls der Link nicht funktionieren sollte, habe ich Euch den Text einmal geklaut:

Cannabis-Pflanzen gedeihen auf Würzburger Uni-Campus

Sie ist eine wertvolle, uralte Kulturpflanze, angebaut schon vor tausenden Jahren. Weil aber weibliche Blüten zu Marihuana und ihr Harz zu Haschisch verarbeitet werden können, hat Hanf – wissenschaftlich Cannabis– hierzulande einen schweren Stand.

Umso erstaunlicher, dass auf dem neuen Würzburger Uni-Campus gar nicht wenige Cannabis-Pflanzen gedeihen. Eine Plantage für den studentischen Eigenverbrauch?

Beim Familienspaziergang Cannabis-Pflanzen entdeckt

Eigentlich will Felix Weinrich mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern nur einen gemütlichen Spaziergang durch das Gelände des neuen Campus Nord machen – die ehemaligen Leighton Barracks. Dort ist mächtig was los: Die Landesgartenschau wird angelegt, neue Wohnhäuser schießen aus dem Boden, und auch auf dem Unigelände wird ordentlich umgebaut.

Gymnasiallehrer Weinrich möchte seinen Kindern die vielen Bagger, Radlader und sonstigen Baufahrzeuge zeigen. Was die Familie aber dann entdeckt, ist eine Sache für Erwachsene: zierliche Cannabis-Pflanzen, direkt neben der Straße, auf dem freien Feld hinter der neuen Mensateria.

Hanf zwischen anderen Blühpflanzen

Die Gewächse sind eingestreut zwischen Sonnenblumen und anderen Blühpflanzen. Auf jeden Fall optisch eine feine Sache. Aber vielleicht noch mehr?

Beim Spaziergang dabei: Weinrichs Schwester und deren Mann, beides studierte Landschaftsökologen. Sie können den Cannabis sofort identifizieren. „Was uns wirklich erstaunte“, berichtet Deutsch- und Erdkundelehrer Weinrich, „war das Ausmaß der Verbreitung dort.“ Aus dem Rottenbauerer Grund kenne man eine wilde Bepflanzung, wo in selten Fällen auch Hanf wachse. „Aber nicht in dieser Menge!“

Strenge Auflagen für den Anbau von Hanf

Möglicherweise ein illegaler Drogenanbau mitten auf dem Uni-Campus? Recherchen der Redaktion führen zunächst zu Fachleuten aus Botanik und Pharmazie. Dr. Gerd Vogg, wissenschaftlicher Custos am Botanischen Garten, weiß um die Sensibilität des Themas: „Wenn wir für die Analytik in der Pharmazie einige Hanfpflanzen anbauen wollen, brauchen wir eigens eine Genehmigung der Bundesopiumstelle in Bonn.“

Dabei gibt es bei den Cannabisarten große Unterschiede: Um Haschisch und Marihuana erzeugen zu können, brauchen die Hanfpflanzen einen hohen Gehalt des Wirkstoffes Tetrahydrocannabinol (THC). Dieser beträgt beim kommerziell verwerteten Nutzhanf weniger als 0,2 Prozent.

Hanf als Nutzpflanze, für die Medizin – und für Drogen

Textilien, Öle, Dämmstoffe, Seile, Papier – die Palette legaler Hanfprodukte ist groß. Vor allem Sorten der Hanfart Cannabis sativa werden dafür eingesetzt, während der Indische Hanf (Cannabis indica) die entscheidende Rolle als Drogen- und Medizinpflanze spielt. Rein äußerlich, erklärt Vogg, seien die beiden Arten kaum zu unterscheiden.

Und was wächst am Hubland-Campus? Der Botaniker hätte – mit Blick auf die vielen Sonnenblumen auf dem Feld – eine plausible Erklärung: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine Saatgutmischung, die dort ausgestreut wurde. Auch in Mischungen von Vogelfutter finden Sie einzelne Hanfsamen.“ Also keine gezielte Cannabiszucht, sondern nur Begleiterscheinungen?

Studenten hatten „WEED“-Transparent aufgestellt

Einigen Studenten jedenfalls waren die hübschen Hanfgewächse aufgefallen. Zu ihrem Amüsement hatten sie vor wenigen Wochen an dem Feld ein Transparent aufgestellt mit der Aufschrift „WEED ’s to Entertain you“ (frei übersetzt: „Gras macht Spaß“). Ob auch „geerntet“ wurde, ist nicht bekannt.

Als der technische Betrieb der Uni das Banner bemerkte, holte man es ein und wies die Pressestelle der Hochschule auf das Cannabisfeld hin. Entsprechend ging man auch dort interessiert der Hanfherkunft nach.

Verbindung zur nahen Landesgartenschau 2018

So kann Pressesprecher Gunnar Bartsch mittlerweile aufklären: In direkter Nachbarschaft zur Landesgartenschau 2018 steht die Pflanzaktion mit ihr in Zusammenhang. Das Gelände, so Bartsch, solle möglichst ansprechend aussehen. Also überlegte man sich beim zuständigen Staatlichen Bauamt, wie die Brachfläche hinter der Mensateria ökologisch aufzuwerten ist.

Beraten ließ man sich von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim, mit der die Staatsbauer auch sonst eng kooperieren. Und die LWG-Experten empfahlen eine spezielle Wildpflanzenmischung, die sich auf dem Boden und in der Lage am Campus Nord angeblich gut entfaltet. Das Ergebnis gibt den Öko-Fachleuten Recht.

Wildpflanzenmischung der Veitshöchheimer Landesanstalt

Seit 2008 entwickelt die LWG zusammen mit Projektpartnern aus ganz Deutschland artenreiche mehrjährige Wildpflanzenmischungen mit 15 bis 25 Pflanzenarten für die Biogasproduktion. Energiepflanzen, die gleichzeitig Lebensräume für Wildtiere schaffen.

Die „starkwüchsige Veitshöchheimer Hanfmischung“ zaubert einen wahren Blütenreigen auf den Unicampus: Sonnenblumen, Schmuckkörbchen, Stockrose, Fenchel, Wegwarte, Herzgespann – und Faserhanf. Mangels THC-Gehalt ist allerdings bestenfalls der Anblick der Blütenpracht berauschend.

Quelle: http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Hanf-Landesgartenschau-2018-Marihuana-Pharmazie;art735,9780244
© Main-Post 2017

Es ist also nur eine kleine Revolution in der Hochschulpolitik. Statt der Haushaltskasse sollen nur die Optik und die Ökologie des Campus renoviert werden, und das sogar noch höchst offiziell und abgesegnet. Auch wenn mir das so weit bekannt war, oder wenigstens aber extrem naheliegend und leicht zu erschließen, irgendwie ist es dann doch fast ernüchternd. Mir hat meine Idee eigentlich ganz gut gefallen, auch wenn sie nach wie vor nicht legal wäre.

Was die Ernte angeht, sind wir übrigens einen Schritt weiter als die Zeitung. Ja, man weiß von kleinen Mengen, die geerntet wurden. Allerdings nicht zum Rauchen, sondern als Raumlufterfrischer und Duftspender. Und als optisches Zierelement. Wie der Artikel auch beschreibt, Faserhanf zu rauchen wäre auch reichlich unbefriedigend. In diesem Sinne …

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Ist inzwischen übrigens verblüht und sehr viel kahler

Beltane – Teil 7.

Beltane Titelbild

„[…] Aber irgendwann wird trotzdem auch über den rauen Felsen ein weicher Boden wachsen. Weiter im Norden hat es bereits angefangen. Dort an der Flussmündung soll doch eine weitere Stadt entstehen. Wie es aussieht, werden sie dann nicht mehr zwingend Gewächshäuser brauchen. Vielleicht kann man das Delta dann dafür nutzen.“

Mara ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, eine persönliche Führung für sich und die Kamera wahrzunehmen. Wenn überhaupt, dann würde sie wohl kaum in nächster Zeit wieder hier hinunterkommen. Mira Gruber führte sie durch die Stollen, zeigte ihr die Abbauroboter, Förderbänder, Steuerzentralen, Ver- und Entsorgungseinrichtungen. Rumpelnde Erzbrocken und Abraum auf dem Weg zu neuen Ufern. Menschen und Maschinen auf dem Weg zu ihren Arbeitsstätten. Ganz nebenbei erfuhr Mara auch noch etwas über die Bergbaugeschichte der Erde.

Sie verfolgten die Förderbänder durch lange Tunnel. Mara wünschte sich bald ein Fahrrad oder selbst ein Förderband, aber sie waren zum Laufen verdammt, und dennoch bereute sie keinen einzigen Schritt. Eine gefühlte Ewigkeit später tauchte Tageslicht vor ihnen auf. In riesigen Hallen war die weitere Verarbeitung des Erzes untergebracht. Enorme Hitze strahlte von den elektrischen Hochöfen und Schmelzen durch den gesamten Komplex und machte das Atmen schwer.

Die Führung war auch hier ausgezeichnet. Es war ein Transportwagen aufgetaucht, der die beiden Frauen durch die Fabriken chauffierte. Mira Gruber erklärte Mara Naravova die Produktionsketten mit viel Geduld. Sie beantwortete die Fragen, stellte ihr die Mitarbeiter vor und erläuterte die Maschinen. Mara nutzte die Gelegenheit um Interviews zu führen und Mira war geduldig genug, um ihr die Zeit zu gönnen. In der Zwischenzeit musste Mara sogar eine neue Speicherkarte einlegen. Jemand hatte vergessen, die Alte zu leeren.

So erfuhr sie von zahlreichen Familiengeschichten und Einzelschicksalen. Menschen die mal ein besseres, mal ein schlechteres Leben zurück gelassen hatten, um komplett neu zu starten. Die Motive waren dabei vielseitig. Und sie erhielt einen guten Einblick in die Köpfe der Kolonie und deren Alltag. Sie ertappte sich dabei, wie sie die ausgefeilte Produktion der besten Roboter und Maschinen nur beiläufig bemerkte. Viel Interessanter fand sie die Menschen dahinter und ihre Geschichten.

Tony Fords Großmutter hatte die Erde damals nach einem Mord fluchtartig verlassen müssen. Über einen Freund war sie auf die Passagierliste geschmuggelt worden und hatte erst auf der Reise ihren Mann, Tonys Großvater, kennengelernt. Sie war nach der Landung beim Bau des Aquädukts verunglückt und gestorben. Sein Großvater hatte ihren Verlust bis zuletzt nicht verarbeiten können. Er war es gewesen, der dem jungen Tony beigebracht hatte, Roboter zu bauen. So war er in den Werkstätten von Belenos gelandet, wo er die neuen Modelle perfektionierte. War ein Entwurf einmal fertig, konnte er von den Robotern selbst ausgeführt werden. So sehr er seine Roboter auch umwarb, auf die Frage, ob seine Roboter nicht auch selbstständig Modelle entwickeln könnten, reagierte er unterkühlt.

Anna Abboth hatte von ihrer Familie nicht so viel gelernt. Sämtliche ihrer Vorfahren der letzten fünf Generationen waren Ärzte gewesen. Sie war die Erste und bislang Einzige gewesen, die mit der Tradition gebrochen hatte und stattdessen Schweißer geworden war. Auf den Baustellen und in den Minen war sie als solche mehr als willkommen. Ihre beiden Brüder lehrten inzwischen Medizin an der Universität. Sie hielt dafür Unterricht für die Handwerker und lehrte sie alles, was es über Metallbearbeitung zu wissen gab.

Venera Wisnewski wollte über sich nicht mehr preisgeben, als dass sie Buchhaltung gelernt hatte. Dafür erzählte sie von ihrem Vater, Mikail. Er hatte als junger Mann die erste Fähre gebaut, die Belenos mit Beltane verband. Damals hatte die Kolonie noch keinen eigenen Hochofen besessen und sämtliches Metall des Raumschiffs wurde sehr sorgfältig verplant. Für die Fähre hatte er keines bekommen können. Allerdings war der erste Steinbruch eröffnet und das Zementwerk in Betrieb. Aus entsorgten Drähten, einem aussortierten Servomotor aber hauptsächlich Beton hatte er dann die Fähre gebaut. Sie war durch Unachtsamkeit mehrfach auf Grund gesetzt worden und leckgeschlagen, konnte aber jedes Mal repariert werden und ihren Dienst bis heute fortsetzen.

Thomas Extras Familie war schon immer in Bewegung gewesen. Seine Vorfahren waren aus allen Teilen der Welt gekommen und ebenso in alle Himmelsrichtungen wieder entschwunden. Als es an die Besiedlung des Sonnensystems ging, hatten sie sich zunächst zurück gehalten, aber am Ende hatten sie doch den Griff zu den Sternen gewagt. Auf jeder Kolonie der Menschheit fand sich inzwischen mindestens ein Mitglied der Familie Extra, natürlich also auch auf Beltane. Thomas hatte als junger Mann große Schwierigkeiten gehabt, seinen Platz in der Kolonie zu finden. Er hatte etliches ausprobiert aber wollte nirgendwo wirklich hineinpassen. Irgendwann hatte er angefangen, nach alten Plänen Modelle von historischen Flugzeugen zu bauen. Damit war seine Aufgabe gefunden. Er entwarf, baute und wartete die Flugzeuge von Beltane. Das es bisher nur einen Flugplatz gab, störte niemanden. Man suchte seine Aufgabe einfach in der Aufklärung und der Übung im Umgang mit der Produktion.

Chi Chin und Han Bey Fong waren beide Elektriker gewesen. Sie hatten auf dem Kolonieschiff angeheuert, um gemeinsam ihrer Heimat zu entfliehen. Eine Koreanerin und ein Japaner, das war eine völlig undenkbare Kombination. Das Kolonieschiff war die einzige Möglichkeit, welche die beiden sahen, zusammen sein zu können, ohne von den Nachbarn als Verräter behandelt zu werden. Ihre Tochter Shao war noch auf dem Schiff geboren worden und war bei der Landung, mit zwölf Jahren, fertig ausgebildet im Beruf ihrer Eltern. Heute war diese Beltanes dienstälteste Elektrikerin und betreute das Kraftwerk von Belenos.

So lernte Mara Stück für Stück alle Elemente der Welt kennen, in der sie lebte. Sie war sehr erstaunt, wie viele Gesichter der kleinen Gemeinde sie noch nie gesehen hatte. Eine junge Kolonie mit zwei Städten und keiner halben Million Einwohner. Sie hatte erwartet, jeden Bewohner bereits mindestens einmal getroffen zu haben. Besonders, da schon ihre übliche Arbeit in der Koloniezentrale viel Kontakt zu den Siedlern forderte.

Was sie neben der Herkunft der Siedler besonders fasziniert hatte, waren die Geschichten über die Eltern und Großeltern. Die Gründungstage der Kolonie mussten sehr bewegt gewesen sein und auch wenn es nur wenig Bildmaterial dazu geben würde, sie musste unbedingt die Archive besuchen. Für sie wurde die Kolonie erst durch eben diese Geschichten lebendig. Die Mauern und Fenster füllten sich mit Leben, genau wie die Straßen und Plätze. Das war für sie der Schatz der Kolonie. Nicht die Museen und Fabriken oder Parks und Alleen. Die Geschichten waren das Geheimnis.

Beltane – Teil 6.

Beltane Titelbild

Mara meinte, einen ausreichend guten Eindruck vom See und seinem Hüter bekommen zu haben. Die Bilder würden der Erde zeigen können, wie Wasser unter freiem Himmel auszusehen hatte. Vielleicht konnte man selbst dort wieder einiges renaturieren, wenn man sich Mühe gab. Beltane konnte die Richtung aufzeigen und sich so dabei einen Namen machen. Für sie war es Zeit, weiter zu kommen. Die Fähre war angekommen und brachte sie nach Belenos.

Die zweitgrößte Siedlung auf Beltane konnte und wollte ihren Zweck nicht verbergen. Wie ein Denkmal ragte aus den symmetrisch angeordneten Vierteln ein historisch wirkender Förderturm hinaus. Ein filigranes Gitter aus dünnen Stahlträgern wie es vor hunderten Jahren modern war, als die Menschheit Kohle aus der Erde holte, um Eisenbahnen und Dampfmaschinen der frühen Fabriken damit zu befeuern. Zwischen den sauberen Wohnblocks mit ihren flachen Dächern und den hohen Fabrikhallen war er ein überdeutlicher Anachronismus.

Die Straßen von Belenos waren breiter als die der Hauptstadt. Sie waren angelegt worden, um einmal große Mengen schwere Frachter tragen zu können. Man hatte abseits der Verkehrsflächen wenig Planungsraum für Parks und Gärten gelassen. Die Grünflächen waren auf die Dächer gewandert, welche untereinander häufig mit schlanken Fußgängerbrücken verbunden waren. Im Hintergrund der Stadt hob sich der Berg, wie eine natürliche Pyramide in den Himmel. Trotz der sommerlichen Temperaturen hatte sein Gipfel schon immer eine bepuderte Spitze, die oft genug im Nebel lag.

Mara hatte sich hier nie wohlgefühlt. Diese Stadt war ihr zu steril, zu geplant, zu industriell. Sie mochte das Organische, Gewachsene von Beltane und liebte die vielen kleinen versteckten Parks und Gärten, die häufig in den Hinterhöfen und Seitengassen zu finden waren. Sie erfreute sich am Summen der Bienen und Hummeln, wie sie durch die Blüten und Blumen krochen. Hier in Belenos, wo die Gärten auf den Dächern und die Fenster zur Straße meist verschlossen blieben, fehlte ihr dieses Zeichen von Leben. Vielleicht würde es eines Tages genug Brücken geben, als dass man die Stadt als Fußgänger überhaupt nicht mehr auf der Straßenebene betrat. Dann würde man statt durch Häuserschluchten nur noch durch Parks laufen, aber noch war es nicht soweit.

Die Kamera laufend vor sich her haltend betrat sie die Minen. Von hier kam das erste Eisenerz, welches in der Kolonie gefördert und verarbeitet worden war. Sobald sie das Gebäude betrat, fröstelte sie. Kalte Luft strömte aus dem Förderschacht und kühlte den gesamten Komplex ab. Für Mara reichte das völlig aus, um ihre Abneigung gegen Industriekomplexe zu verstärken. Aber sie war hier sowieso nicht zum Freizeitvergnügen, sondern weil sie einen Termin hatte. Sie wollte ihr Interview haben und wieder verschwinden. Leider würde sie dafür den Schacht hinab müssen.

Die Temperatur in Bergwerken ist unter anderem abhängig von ihrer Tiefe und der geologischen Aktivität der Position. Beltane war deutlich weniger aktiv als zum Beispiel die Erde. Während dort selbst auf den Kratonen schon in etwa viertausend Metern Tiefe sechzig Grad Celsius teilweise überschritt, waren noch an den Riftzonen von Beltane in dieser Tiefe keine dreißig Grad erreicht. Die Verwaltung war in den ersten Stollen untergebracht, keine hundert Meter tief. Die trockenen, kühlen Höhlen waren gut als Archiv geeignet aber wieso es hier Büros und Konferenzräume gab, verstand Mara nicht.

Sie hatte ihre Ausrüstung auf einem der viel zu großen Konferenztische aufgebaut und blätterte nervös durch ihr Notizbuch. Der Fels über ihrem Kopf hielt bereits beinahe so lange, wie die Kolonie existierte aber wer garantierte ihr, dass das auch so bleiben würde? Sie vermisste den Himmel, die Pflanzen und den Lärm. Auf dem Flur hatte sie eine Palme in einem Pflanzenkübel gesehen, ansonsten nichts Grünes. In dem mit dickem Teppich ausgelegten Konferenzraum hallten nicht einmal Schritte wider. Es war absolut still. Durch diese Stille schnitt die eigentlich so sanfte Stimme von Mira Gruber wie ein Messer.

„Der Stollen, aus dem dieser Raum hier geschlagen wurde, war der Erste, aus dem damals Erz abgebaut wurde. Noch bevor das Fundament für die Koloniezentrale in Beltane fertig war, hatten die Geologen mit der Suche nach Rohstoffquellen begonnen und waren hier fündig geworden. Die Lage bietet sich an. Es ist noch recht nah an der Landestelle, Energie und Rohstoffe waren ausreichend verfügbar und der See war bis zur Fertigstellung der Bahnlinie ideal für den Transport der Erzeugnisse per Floß. Außerdem befinden sich am Stadtrand die wichtigsten Steinbrüche. Die junge Kolonie brauchte Rohstoffe für ihr Wachstum, also begann man mit dem Abbau. Anfangs noch komplett von Hand, da die Kraftwerke noch nicht ausgeladen waren. Die Bergleute bauten hier ihre Zelte auf, da ihnen keine Container zugestanden wurden. Die Verwaltung wollte zuerst Beltane selbst aufbauen. Die Rohstoffe dafür aber kamen hier her und die Leute waren es schnell leid, täglich über den See zu fahren. Hier eine zweite Stadt zu gründen war die logische Konsequenz.“

Vor den beiden Frauen standen zwei dampfende Tassen mit herrlich duftendem Algentee, ein Teller mit Keksen in der Mitte des Tisches. Auch wenn ihr der Ort nicht behagte, es hatte auch seine Vorteile, Vertreter der Presse zu sein, fand Mara. Sie musterte die Frau ihr gegenüber, deren Vorname fast identisch mit ihrem eigenen war. Sie war nur wenige Jahre älter als sie selbst, das wusste sie. Außerdem einen guten Kopf kleiner, zierlich von Gestalt aber bestimmt in ihren Bewegungen. Sie war unter der Erde zu Hause, das merkte man und das strahlte sie auch aus.

Mara erfuhr, dass der Nachname Gruber, das Ergebnis von über fünfhundert Jahren bergmännischer Tätigkeit von Miras Familie war. Wenn es irgendwo eine Mine oder eine Grube gab, ein Mitglied der Familie Gruber war meist nicht weit. Eine Tradition, die sich über das Zeitalter von Kohle und Öl hinaus in den Weltraum bewahrt hatte. Mara konnte den Stolz der kleinen Frau angesichts ihrer Familiengeschichte gut nachvollziehen. Sie erfuhr, wie ihre Eltern und Großeltern dafür sorgten, dass Beltane mit Stahl und Beton versorgt wurde. Wie sie aus dem Nichts die Industrie der Kolonie begründeten, noch ehe ihnen die Roboter zugeteilt werden konnten. Sie hatten der Stadt ihren Stempel aufgedrückt wie sonst kaum jemand und von ihnen stammte auch der Entwurf, die Gärten ausschließlich auf den Hausdächern anzulegen. Für Jemanden, der sein Leben unter der Erde verbringt, mochte es logisch sein, dass sich ein Garten immer über einem befindet, ging es Mara durch den Kopf.

„Meine Großeltern sind in einem Grubenunfall ums Leben gekommen, als ich noch ein kleines Mädchen war, nur wenige Jahre nach der Landung. Das hat mich gelehrt, den Berg niemals zu unterschätzen. Egal, mit welcher Technik wir ihm zu Leibe rücken, wir bekommen nur das, was er uns geben will. Meine Eltern überwachen die Tunnelbaustellen für die Bahn, und solange habe ich die Leitung der Minen hier übertragen bekommen. Das Meiste unter Tage wird allerdings auch hier inzwischen robotisch erledigt. Wir bauen die Maschinen selbst und passen sie direkt den nötigen Anforderungen an. Auf diese Weise können wir der Kolonie laufend einen Überschuss liefern.

Unser Wachstum ist nicht dadurch begrenzt, dass wir kein Baumaterial liefern könnten. Meistens sind die Leute einfach mit dem zufrieden, was sie haben. Sie haben sich so sehr an ihre Container gewöhnt, dass sie sie als ihr Zuhause betrachten. Es sind die jungen Leute, die bauen wollen. Die Verwaltung, drüben in Beltane, ist aber sehr vorsichtig, was das Ausstellen neuer Baugenehmigungen angeht. Sie möchten möglichst viel von Beltanes uriger und rauer Schönheit bewahren, aber gleichzeitig lebendige, organische Städte bauen.

Ich glaube, sie stehen sich da häufig selbst im Weg. Wenn sie die Landschaft so dringend schützen wollten, dann müssten sie unterirdisch bauen, und das wollen sie nicht. Aber irgendwann wird trotzdem auch über den rauen Felsen ein weicher Boden wachsen. Weiter im Norden hat es bereits angefangen. Dort an der Flussmündung soll doch eine weitere Stadt entstehen. Wie es aussieht, werden sie dann nicht mehr zwingend Gewächshäuser brauchen. Vielleicht kann man das Delta dann dafür nutzen.“

Die neue Revolution in der Hochschulpolitik?

Jedes Semester zur Prüfungsphase sind vermehrt Beschwerden, über zu hohen Stress im Leben der Studierenden zu vernehmen. Bereits leicht vernachlässigte Zeitplanung sorgt für kritische Kumulation des Workload in kritischen Zeitphasen, was mit schweren psychischen Problemen einhergehen kann. Entstehende Prüfungsangst und Depressionen sind hier nur der Anfang.

Und jedes Mal werden die Rufe nach einer Reformation des Bildungssystems laut. In der fortschreitenden Internationalisierung des Arbeitsmarktes und damit dem wachsenden Konkurrenzdruck ist ein dankbarer Sündenbock leicht gefunden. Lösungsansätze bietet das jedoch nicht.

Ebenso drückt der Wegfall der Studiengebühren auf das Budget der Bildungseinrichtungen und verhindert eine Verbesserung von Lehre und, auch psychologischer, Betreuung der Studierenden. Möglicherweise bietet ein Experiment einer großen fränkischen Universität eine Möglichkeit, gleich mehrere dieser Probleme in einem Rutsch effektiv zu bekämpfen.

In einem Versuch, der zunächst nur auf drei Jahre ausgerichtet ist, wird hier eine Brachfläche für ein ökologisches Experiment genutzt, welches in Teilen gleichzeitig durch lukrative Verkäufe für frisches Kapital sorgen kann. Gleichzeitig kann durch den kontrollierten Anbau gewährleistet werden, dass den Studierenden nur hochwertige, saubere und wirksame Entspannungshilfen verkauft werden. Die ersten Ergebnisse der Studie stehen noch aus, zumal auch nicht alle politischen Hürden ausgeräumt werden konnten. Hier wird hoffnungsvoll auf die anstehende Bundestagswahl verwiesen.

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Meine sehr verehrten Damen und Herren. Treten Sie näher und genießen Sie das Suchbild!

Schokohelden

Es ist etwa eine Woche her, da fand sich in meinem Postfach eine Mail vom Organisator unseres Gartens, dem Referat Ökologie, die sich nicht auf den Garten bezogen hat. Anstatt selbst etwas anzupflanzen, solle ich doch anderen helfen, etwas anzubauen und Schokoheld werden. Was hat es denn damit auf sich?

Ich esse Süßigkeiten bevorzugt in unvernünftigen Mengen und natürlich schließt das auch Schokolade mit ein. Logisch also, dass ich den beiden Links folge und mir das einmal ansehen möchte. Der erste Eindruck? Jemand will mein Geld! Soweit nichts Besonderes und ich bin bereits auf dem besten Weg, das Interesse zu verlieren aber unsere Ökos müssen sich ja etwas dabei gedacht haben, also ist ein zweiter Blick vielleicht sinnvoll.

Worum geht es?

Link: perupuro.de – Worum geht es?

Ganz grob zusammengefasst: Es geht um ein StartUp, denen Bio nicht Bio genug und Fair Trade nicht Fair Trade genug ist. Also wollen sie die Welt verbessern, indem sie direkt zum Erzeuger gehen und dort die Wahre zu extra fairen Konditionen einkaufen. Und weil es ja auch extra Bio sein muss, kommt es gleichzeitig aus einer nachhaltigen Mischkultur (Agroforst). Aus den Bohnen werden dann eine Reihe von Produkten hergestellt… nur keine Schokolade. Und genau da setzt dann der zweite Link an, der mein Geld will.

Link: Startnext Kampagne von Perupuro – Schokoheld

„Wir haben eine Tonne Chuncho Edelkakao und wollen daraus unsere eigene Schokolade herstellen.“

Das ist das Vorhaben, von hier aus soll das Geschäft ausgebaut werden und dafür wird Geld benötigt, welches über Crowdfunding zusammenkommen soll. Einen Monat läuft die Kampagne noch, aber das Basisziel ist bereits erreicht.

Warum erzähle ich dennoch davon?

Weil das Konzept sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig ist und tatsächlich funktionieren könnte. Der ökologische Impakt soll im schlechtesten Falle Null sein, die Umwelt also nicht belasten, sondern ein gesundes Ökosystem fördern. Auch die Weiterverarbeitung soll durch nachhaltige und natürliche Ressourcen vonstatten gehen, um eine langfristige Produktion zu sichern.

Die Bauern sollen fair bezahlt werden und auf Kinderarbeit verzichten. Sie sollen von ihrem Lohn vernünftig leben können, denn wer arbeitet schon gerne nur fürs reine Überleben? Wir sind ja nicht bei Nestlé.

Das Ganze kostet natürlich deutlich mehr, als die Tafel vom Discounter für unter 5€/Kg. Aber beim Fleisch ist es doch auch gerade modern, auf bewussten Konsum zu achten und die Herkunft zu berücksichtigen. Vielleicht sichere ich damit nicht das Überleben des Landwirts im Nachbardorf, aber macht das wirklich so einen Unterschied? Die Welt ist klein genug, als dass uns das trotzdem etwas angeht. Es kann also nicht schaden, es sich wenigstens einmal anzusehen und darüber nachzudenken. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist, aber ganz viele davon sind genug um eine ordentliche Strecke zu laufen. Und irgendwo müssen wir schließlich anfangen. Das beste Konzept ist wertlos, wenn es niemanden gibt, der es unterstützt.