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Gartenfräuleins Sicht der Dinge

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Liebe Leute, ich habe sie euch ja schon mehrfach vorgestellt (hier oder hier z.B.), aber unser Gartenfräulein Silvi hat natürlich ebenfalls einen Kommentar zum Abschluss der Landesgartenschau geschrieben. Noch dazu hat sie absolut fantastische Fotos gemacht, die wunderbar die Wirkung unserer Fläche einfangen. Das kann ich euch unmöglich vorenthalten und darum gibt es hier dann den Link zu ihrem Beitrag. Guckt ihn euch gerne an und lasst ihr einen lieben Gruß von mir da 😉

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So wie hier am Eröffnugnstag sieht es schon lange nicht mehr aus. Die Natur ist wirklich ein Künstler, wenn es darum geht.

 

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Das wars dann

Das wars dann also, das Ende. Es war schön, anstrengend, lehrreich, fordernd, erholsam und noch so vieles anderes gleichzeitig. So war es beispielsweise eines der größten Projekte, an denen ich bisher beteiligt war. Und jetzt ist es vorbei.

Die Landesgartenschau in Würzburg hat ihre Tore nach einem halben Jahr für die Besucher nun geschlossen. Es war eine viel diskutierte Ausstellung und wieder zeigt sich, wie viel Einfluss die Medien doch haben können. Im Frühjahr war die Kritik groß. Weite Rasenflächen, kaum blühende Blumen, fehlende Mülleimer und hohe Ticketpreise. Teilweise auch schlechte oder gleich ganz fehlende Beschilderung. Etliche der Kritikpunkte hätte man mit einer deutlicheren Kommunikation vielleicht entkräften können.

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Beliebter Pausenstopp oder Fotomotiv: Unser Stadtbalkon. Eine kleine Oase in der Oase.

Wer etwa Mitte April, kaum eine Woche nach dem letzten Schnee, bunte Blumenmeere erwartet, der hat nicht ganz verstanden, dass die Natur ihre Zeit braucht. Die Zwiebelchen sitzen hier in der kalten Erde und nicht in einem beheizten Gewächshaus. Ganz abgesehen davon, dass den Winter über ein regelrechter Kampf und jede Blume geführt wurde, denn die Krähen haben schnell herausgefunden, dass die Zwiebeln gut schmecken und leicht auszugraben sind. Am Ende sollte es gar der Habicht richten.

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Artischockenblüten

Die Beton- und Wiesenschau hat diesen Spitznamen ebenfalls gleich im Frühjahr bekommen. Zu einer Zeit, als viele Beete noch überhaupt nicht bepflanzt werden konnten und die gepflasterten Flächen daher um so deutlicher hervorstachen. Nur abgesehen davon, dass der versiegelte Anteil nicht einmal besonders hoch ist, sind die Stellen der Kritik auch kaum anders zu lösen. Immerhin ist das, was hier oben passiert ist, ein Stadtentwicklungsprojekt. Die Landesgartenschau ist nur eine Begleiterscheinung und eine Zwischenlösung. Ein ganzer Stadtteil entsteht hier um einen zentralen Park. Natürlich gehören zu diesem Stadtteil auch Straßen, Wege, Plätze und Parkflächen. Der lange Rundweg um die Dauerparkanlage ist bei der Gelegenheit dann auch in einem offenporigen Asphalt gebaut worden, der die Versickerung von Wasser ermöglicht. Sportflächen wie Basketballplätze sind ebenfalls nicht mit Rollrasen, sondern mit Beton gebaut. Verständlich schon allein deswegen, weil es ungemein pflegeleichter ist. Die Einrichtungen sollen schließlich noch lange erhalten bleiben.

Den Vorwurf der fehlenden Mülleimer damit zu beantworten, dass man ja nicht kommen würde, um Müll zu produzieren, war taktisch vermutlich eher unklug. Müll entsteht nun einmal einfach da, wo viele Menschen aktiv sind. Sinnvoller wäre es gewesen, darauf zu verweisen, wo man denn welche finden kann. Wahrscheinlich wäre es auch dann noch auf mehr Verständnis gestoßen, wenn man gesagt hätte, dass die Kosten hierfür auf lange Sicht das Budget sprengen würden. Immerhin ist die Dauerparkanlage für 10 Jahre festgesetzt. So aber haben sich viele Leute einfach verspottet gefühlt und uns das auch deutlich spüren lassen.

Bei solcher Berichterstattung waren etliche Besucher abgeschreckt. Viele deutlich negative Nachrichten haben sich schnell weit verbreitet und etliche Leute abgehalten, zu Besuch zu kommen. Einige haben sich dennoch nicht abschrecken lassen und spätestens in den letzten beiden Monaten waren die Besucherstimmen ganz andere. Besonders wenn man das Konzept der Stadtentwicklung um einen zentralen Park herum einmal erläutert hatte, konnten die meisten Leute es gut nachvollziehen und waren angetan. Immer wieder haben wir auch mit Menschen gesprochen, die regelrecht begeistert waren und die große Kritik überhaupt nicht verstehen konnten. Diese Offenheit, diese Weite, diese Vielfalt. Es ist eben in weiten Teilen auch einfach Geschmacksache, was jemandem gefällt und was nicht.

Am Ende sind dennoch nicht die erhofften eine Million Besucher da gewesen, sondern nur etwa 700.000. Darunter fanden sich bei Weitem nicht nur Kritiker, sondern auch viele Wiederholungstäter. Diverse Gesichter hat man immer wieder sehen können und eine Dauerkarte wurde wohl ganze 200 Mal am Eingang registriert. Es soll sich ja lohnen. Und nun ist es dann also vorbei. Wir können zusammenpacken, unsere Hochbeete und die gute Erde retten, die Möbel vielleicht sogar verscherbeln und uns wieder anderen Projekten zuwenden.

Oder etwa doch nicht?

Nachdem wir ein gutes Jahr Vorbereitungen mit viel Arbeit aber auch viel Spaß hinter uns gebracht hatten, war sich das Team sehr schnell einig. Es wäre schade, nach einem halben Jahr Landesgartenschau alles wieder abbrechen zu müssen und einen Schlussstrich zu ziehen. Also haben wir die entsprechenden Schritte eingeleitet, uns mit der Stadtverwaltung in Verbindung gesetzt und zu einer gemeinsamen Diskussion eingeladen, ob und wie es weitergehen kann. Überraschenderweise ging die Anfrage nicht einfach verloren, sondern wurde beantwortet. Das Gartenamt, welches im neuen Jahr die Fläche der Landesgartenschau übernimmt, kam zu Besuch und zeigte sich begeistert. Gerüchten zufolge hat auch der Oberbürgermeister sein Wohlwollen dem Projekt gegenüber geäußert.

Und tatsächlich zeigen die Bemühungen Erfolg. Inzwischen steht fest, dass unser Ausstellungsteil nicht abgebaut wird, sondern noch ein Jahr verlängert wird. Erst im nächsten Oktober wird die Fläche dann bebaut und wir müssen ausweichen. Auf lange Sicht aber soll das Projekt seinen Nachfolger nur wenige Hundert Meter entfernt finden, im neu entstehenden Quartierszentrum. Hier soll ein Bürgergarten den Anwohnern zum Gärtnern und den Kindern im entstehenden Kindergarten als Feldlabor dienen können. Die Planung für die Nutzung des Areals steht noch ganz am Anfang, aber alle Beteiligten waren sich einig. Das Projekt Stadtgartenschau wird als fester Bestandteil hier mit eingeplant und soll langfristig erhalten bleiben. In der ein oder anderen Form.

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Unsere Informationstafeln mit Grundriss und der versteckten Bitte, uns nicht alles auseinander zu nehmen. Wir bleiben noch etwas und würden unsere Pflanzen dafür gerne noch etwas behalten. (Einige Besucher haben sich davon leider nicht abhalten lassen)

StadtGartenSchau – Teil 11. – Gästemeinungen

Die Landesgartenschau in Würzburg ist bereits eine Weile eröffnet aber noch immer zieht sie viele Ressourcen aus meinem Pool ab. Eigentlich kribbelt es mir in den Fingern, mal wieder eine kleine Geschichte zu schreiben, oder aber wenigstens eine angefangene weiter zu schreiben. Leider habe ich weder die Ruhe noch die Inspiration dazu im Moment. Um aber nicht vollständig in der Versenkung zu verschwinden, möchte ich hier aber immerhin ein kleines Update zu unserem Projekt geben.

Denn inzwischen sind die frostigen Tage längst vorbei und an sommerlichen Wochenenden zieht es Menschen aus allen Himmelsrichtungen auf die Ausstellung. Dabei scheint es aber einige Missverständnisse zu geben. Vermutlich beginnt das bereits beim Namen, denn die Landesgartenschau ist weder eine Blümchenschau noch eine große Präsentation verschiedener Gärten. Es gibt zwar auch einige kleinere Themengärten in den Randlagen, aber primär ist die Ausstellung ein Stadtentwicklungsprojekt. Nach 100 Jahren militärischer Nutzung entsteht hier ein neuer Stadtteil und dieser wächst um einen großen Park herum. 5.000 neue Wohnungen, aber die Grünanlagen sind zuerst da. Das ist nur dank der Landesgartenschau möglich. Die Auflagen sind allerdings, dass die Dauerparkanlagen in dieser Form für die nächsten zehn Jahre unverändert bleiben. Entsprechend hat die Stadt sich für einen relativ pflegeleichten Kompromiss entschieden und Exoten auf die temporären Randflächen verlagert. Was hier passiert ist in der Verantwortung der jeweiligen Aussteller. In unserem Fall sind das die VHS, Stadtgärtner e.V. und der CampusGarten. Das Projekt selbst habe ich bereits Ende März vorgestellt *Link*.

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Schwer zu erraten, was das hier sein könnte. Unser Gästebuch läd dazu ein, eine Kritik zu unserer Fläche da zu lassen. Immerhin wollen wir auch einmal Feedback bekommen, ohne es durch unsere bloße Anwesenheit zu verfälschen.

Inzwischen zeigt sich, dass wir einige unserer Ziele erreicht haben. Es ist nicht nur das Feedback, welches wir im Gespräch mit den Gästen bekommen, und welches eigentlich fast immer positiv ist. Die Leute fühlen sich wohl, gucken sich in Ruhe um und kommen auch gerne wieder. Viele kommen auch mit Fragen, von denen wir bei Weitem nicht alle beantworten können. „Wieso wächst meine Pflanze zu Hause nicht?“ „Ich habe diesen oder jenen Schädling in den Pflanzen, wie werde ich den wieder los?“ „Mein Cousin hat so eine ähnliche Mauer gebaut, wie dort drüben bei den Wissensgärten steht, aber da ist ein Problem aufgetreten. Wieso?“ (Ich habe nicht einmal herausbekommen können, welche Mauer denn überhaupt gemeint ist.)

Wir können natürlich Tipps geben, aber meistens nichts, was die Besucher zufriedenstellt. Stattdessen gibt es sehr viele ungläubige Blicke, wenn wir erzählen, dass wir alle keine Gärtner sind, sondern diese Fläche ehrenamtlich und in unserer Freizeit gestalten. „Aber am Wochenende gibt es doch dann Zuschlag, oder? Da bekommen Sie dann doch 50% mehr!“ Das mag ja sein, aber 50% von 0 sind immer noch 0. Das kann sogar ich im Kopf ausrechnen.

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Es blüht und grünt an allen Ecken und Enden. Grund genug für viele, nachzufragen, wieso es bei uns so viel grüner ist als im heimischen Blumentopf. Eine Frage, die wir ebenfalls oft bekommen, ist die nach dem Saatgut. Viele Gäste sind offenbar zum Geld ausgeben da und tatsächlich enttäuscht, wenn wir ihnen nichts verkaufen können. Denn selbst wenn wir das Saatgut hätten, wir dürfen nichts verkaufen. Ganz grundsätzlich nicht.

Was aber mit zu den größten Komplimenten für mich zählt, sind die Leute, die ihren Tag so planen, dass sie sich abends auf unserer „Terrasse“ niederlassen, ihr Picknick auspacken oder sich einfach nur für eine ruhige Stunde mit ihrem Glas Wein auf die Palettensofas setzen und einen ruhigen Abend genießen. Sagen, wie gut es einem gefällt, ist das eine. Es auf diese Weise zu zeigen ist aber etwas ganz anderes.

Dabei scheinen viele Gäste etwas anderes von der Ausstellung als Ganzes erwartet zu haben. Mehr Abwechslung, mehr Thematisierung, mehr Angebote (die dann trotzdem oft nicht wahrgenommen werden), mehr Mülleimer (gut, das ist wirklich ein Problem), mehr Erklärungen und mehr Blumen. Und so kam es dann zu der Szene, dass eine ältere Dame mitten auf dem weitläufigen Gelände stand, ihren Blick streifen ließ, im Rücken den weichen Rasen des oberen Landebahnparks, vor sich die zu diesem Zeitpunkt bunt blühende Wildblumenwiese des unteren Landebahnparks, und schimpfte und wetterte darüber, dass es viel zu wenige Blumen hier gäbe. Was für eine grenzenlose Enttäuschung ist diese Landesgartenschau doch. Das konnte man im Osten einfach besser. Da hätte es das nicht gegeben. Und überhaupt dieses ganze Unkraut hier.

Für mich war das ein prägendes Erlebnis.

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Eine Wildblumenwiese. Sehr auffällig hier: Es gibt keine Blumen! Dafür aber jede menge Unkraut. Wenn das mal kein Zeichen von Nachlässigkeit ist, eine absolute Unverschämtheit. Und dann erst das ganze Ungeziefer! Bienen, Hummeln, Wespen, Schmetterlinge, Libellen… massenhaft schwirrt es hier. Scheußlich! *Vorsicht! Kann Spuren von Ironie enthalten.*

Wo wir schon bei Meinungen sind…

Ich weiß, einige von Euch haben mir bereits ihre Meinung kund getan, aber ich wäre Euch dennoch sehr dankbar, wenn Ihr die paar Minuten hättet, meine Umfrage auszufüllen und jeden damit zu nerven, den Ihr kennt 😉 Verbreitet sie gerne auf allen Wegen und nutzt sie auch gerne als Vorwand, sich mal wieder bei alten Freunden zu melden, von denen mal viel zu lange nichts mehr gehört hat.

*Link*

StadtGartenSchau – Teil 4. – Ein Automat

Beim letzten Mal ging es auf der Baustelle endlich mit der großen Formgebung los aber bereits beim zweiten Teil gab es einen kleinen Vermerk auf das heutige Thema. Es ist nur ganz kurz und noch nicht einmal fertig, aber ich finde die Idee dahinter so nett, also wird das hier nun zwischen geschoben. Nächstes Mal geht es dann wieder an die großen, maßgebenden Strukturen unserer Ausstellung.

 

Auf einer früheren Sitzung war bereits beschlossen worden, dass wir uns einen Automaten zulegen sollten, ähnlich einem Kaugummi- oder mechanischen Zigarettenautomaten. Mechanisch musste er sein, denn eine Stromversorgung war zu dem Zeitpunkt längst nicht gesichert. Die ersten Ideen waren, einen solchen Kasten selbst aus Holz anzufertigen, oder aber anfertigen zu lassen. Über die Konstruktion müsste man sich dann noch Gedanken machen. Über die Wirtschaftlichkeit auch. Es zeigte sich nämlich schnell, dass man bereits für vergleichsweise wenig Geld einen gebrauchten, alten Automaten kaufen konnte. Mechanisch, ohne Strom, erprobt und getestet, also fast genau, was wir wollten. Das einzige Problem war, dass man hier einen festen Betrag einwerfen musste, und die Spende damit schon wieder nur halb freiwillig sein würde.

Was soll es für die Spende geben? Ein Päckchen Saatgut! Bienenweide, angepasst an das trockene Klima mit den warmen Sommern Mainfrankens. Immerhin muss Gärtnern nicht nur schön aussehen sondern kann auch ein wertvoller Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz liefern. Als Referat Ökologie haben wir uns ökologische Intensivierung ja auch am CampusGarten bereits auf die Fahne geschrieben. Mit diversen Nisthilfen in Kräuterspirale und Trivarium bringen wir diesen Aspekt natürlich auch in der StadtGartenSchau mit ein.

Die Entscheidung fiel dennoch nicht schwer. Die feste Spende sollte es sein, und wir würden einen solchen Automaten kaufen. Man konnte ihn ja schließlich immer noch bunt anmalen und dekorieren. So würde er auch viel besser zu unserem Gedanken des Recyclings passen und dem ganzen einen urbanen Charme verleihen. Dieses Projekt gehörte zu denen, die am reibungslosesten liefen. Bereits kurz nachdem unser Saatgutsponsor bestätigt war und wir uns eine Methode überlegt hatten, wie man tatsächlich ans Saatgut gelangen konnte, traf in unserem Zwischenlager am CampusGarten ein alter Kondomautomat ein.

Mir gefällt besonders die Ironie dahinter. Natürlich, man kann einen solchen Kasten mit allem befüllen, aber ausgerechnet die Nutzung als Kondomautomat? Damit wäre es ja seine Aufgabe, die Verbreitung von Saatgut zu verhindern. Wir hatten das genaue Gegenteil vor und wollten mit ihm die Verbreitung von Saatgut erst möglich machen. Wie perfekt konnte es denn überhaupt passen?

 

PS.: Das „Reibungslos“ würde ich beinahe in Klammern setzen. Wir haben den Automaten zwar bereits und es ist alles geregelt, aber aufgestellt muss er noch werden. Aber wie schwer kann das schon sein? Muss ja auch nicht zur Eröffnung sein, immerhin sind wir ein Prozessgarten, der im Laufe der Zeit entsteht, wächst und gedeiht.

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In künstlerisch wertvoller Perspektive. Du guckst ihm gerade quasi unter den Rock, du Schlingel. 😉 Bei dem einheitlichen Blau soll es übrigens nicht bleiben, wie ja auch im Beitrag erwähnt.

StadtGartenSchau – Teil 3. – Formen entstehen …

In Teil 2 gab es einen Überblick, was unsere Ausgangslage war und wie unser Baumaterial aussah. Jetzt geht es einmal an die tatsächliche Formgebung, um nicht zu sagen: Es geht so wirklich los!

…und Rücken brechen. Nur gefühlt, keine Panik, aber die Arbeiten der nächsten Wochen waren körperlich sehr anspruchsvoll.

Die Landesgartenschaugesellschaft hat uns Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt. Natürlich nur auf Bestellung, aber immerhin das. Darunter befand sich Sand, Erde, etwas Holz und zwei ordentliche Haufen von gebrochenen Muschelkalkquadern. Den meisten Schotter haben wir direkt da verbaut bekommen, wo auch später einmal ungefähr die Wege lang laufen sollten. Immerhin gibt es auf diese Weise etwas Struktur und die Löcher und Hügel für unsere Strukturprojekte hatten wir ja immerhin auch bereits angelegt.

Auch die ersten Pläne waren soweit, dass man die Formen daraus ableiten konnte, auch wenn es noch viele Stellen gab, an denen nur große Fragezeichen eingetragen waren. Eines davon ging an mich. Nachdem ich im letzten Jahr im CampusGarten das Experiment mit meiner Milpa durchgeführt hatte und der Mais sich dabei als echter Blickfang erwiesen hatte, war es nicht schwer, grünes Licht für einen weiteren Anlauf dazu auf der Landesgartenschau zu bekommen. Die 2x2m wären doch garantiert leicht noch irgendwo unterzubringen. Aber auch hier wartete bereits eine kleine Überraschung für mich.

Ansonsten wurde der Flächenplan wesentlich von dem großen Mischkulturbeet am unteren Ende der Fläche, Werkzeugschuppen und Aufenthaltshütte am oberen Ende, einer großen Kräuterschnecke und einem großen Trivarium in der Mitte dominiert. Das Mischkulturbeet existierte zu diesem Zeitpunkt sogar bereits in der Form eines großen Holzkastens, der mit Erde und reichlich Kompost aufgefüllt war und unter einem Wald von Gründüngung unterzugehen schien. Auch sehr vielversprechend: Im Kompost hatten sich einige Kürbissamen versteckt gehalten, welche nun produktiv austrieben. An Nährstoffen scheint es schon einmal nicht zu mangeln.

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Ein nicht einmal mehr so früher Planungsstand. Teilweise hat er auch immer noch Bestand aber wer uns hiermit besuchen kommt wird sich nicht gut zurecht finden. Sehr vieles hat sich seitdem getan.

Es stand also an, dem ganzen eine Form zu geben. Für mich hieß das, entlang der Wege hier und da Buckel aus Ton abzutragen und Löcher mit Schotter und Sand aufzufüllen. Schotter hatten wir zu wenig und der Sand war wassergesättigt. Wenigstens in dieser Hinsicht passte er zum Ton darunter, denn im Gegensatz zum Ton war der nasse Sand sehr fließfähig und verformte sich unter Last so, dass man immer gut Reserve einplanen musste, damit die Steine auch blieben, wo sie hin sollten. Und während die Arbeiter in der Fußgängerzone noch einen schicken kleinen Kran zur Verfügung haben, um ihre Steine zu platzieren, lief bei uns alles von Hand.

Der geneigte Handwerker mag jetzt schmunzeln, dass dies für mich eine erwähnenswerte Tatsache ist, aber ich habe die letzten Jahre hauptsächlich an Schreibtischen verbracht und bin entsprechend nicht sonderlich trainiert. Quader mit vielleicht der Hälfte meines eigenen Gewichtes zu tragen ist da durchaus etwas anderes, als für einen Profi mit Kraft und Übung. Leichtsinnig wie ich bin, hab ich mich davon natürlich nicht abhalten lassen und mit dem Ergebnis bin ich dafür umso zufriedener. Auch wenn einem abends nicht nur der Rücken wirklich weh tut.

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Eine schön gleichmäßig geschwungene Kante, von der heute leider nur noch die Hälfte zu sehen ist. Und nebenbei auch eine der wenigen Stellen, wo nicht bunt das Material zusammen gewürfelt wurde. Ein Großteil unserer Baumaterialien sind tatsächlich Abfälle von anderen Projekten auf der Ausstellung.

Da wir von den teuren Bruchnatursteinen aber nicht so viele hatten, musste der Rest dann mit den Steinen abgegrenzt werden, die wir aus der Fläche selbst gezogen haben. Diese Steine sind deutlich kleiner, einfacher zu handhaben aber natürlich wild gebrochen und keine Quader. Es ist schwieriger, daraus eine vernünftige Wegeinfassung zu bauen aber auch das wäre okay gewesen, wenn wir damit gerechnet hätten, dass auf den geschotterten Weg nicht nur 5 sondern ganze 20 cm Schotter noch einmal aufgebracht werden würden. So ist das Ergebnis jetzt geringfügig unterwältigend und wir dürfen uns noch den ein oder anderen Trick überlegen, wie wir denn die Besucher davon abhalten, wild durch die Bepflanzung zu stampfen. Aber auch diese Aufgabe haben wir inzwischen meistern können.

Wie gut der nasse Sand zum bauen geeignet war zeigt sich auch am Teich, den wir unbedingt noch vor dem ersten Schnee bauen wollten. Die Terrassierung haben wir aus besagtem Sand angefertigt und noch bevor wir die Folie richtig fixiert hatten sackte es schon wieder in sich zusammen.

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Hier noch nicht absehbar: Wir hätten uns die Folie wohl auch sparen können. Der tonige Boden ist dermaßen dicht, dass Regenwasser auch so nicht ablaufen kann.

Und nächstes Mal gibt es einen Blick auf eine kleine Randattraktion mit hoffentlich dennoch großer Wirkung.

StadtGartenSchau – Teil 2. – Es geht los!

In Teil 1 habe ich die Vorgeschichte bereits erläutert und das Projekt vorgestellt. Hier beginnt nun die Umsetzung der Ideen. Der Wahnsinn selbst muss bereits irgendwo davor ausgebrochen sein.

 

2000m2 Wüste aus Lehm, durchzogen mit dicken Steinen, Unsere Hände, Werkzeug aus dem CampusGarten und aus dem Sortiment der Stadtgärtner und etwa so viel Zeit, wie ein Kind in der Produktion braucht. Das waren die Stadtbedingungen, mit denen wir an das Projekt StadtGartenSchau herangegangen sind. Die Vorgabe war, ein UrbanGardening Projekt zu erschaffen und unser Ansporn war, das auch zu schaffen, und dabei auch noch ökologisch wertvoll und nachhaltig zu sein.

Auf den Baustellen rund herum fielen bereits die ersten brauchbaren Reste ab, hauptsächlich Paletten, die wir zur Seite schafften, um später etwas hübsches daraus zu bauen. Ich würde euch ja gerne ein Foto aus diesem Bauabschnitt zeigen, aber ich habe keins. Es war einfach zu unspektakulär, auch wenn es im Nachhinein sehr hilfreich wäre um sich vorzustellen, wie es einmal war und wie es geworden ist.

Was einmal eine geneigte Ebene aus Lehm war, wurde schnell zu einer geneigten Ebene aus Lehm, auf der zwei große Haufen alter Paletten und dicker Steine lagen, die wir aus dem Lehm ziehen konnten. Die ersten Samstage zogen wir mit Spitzhacke und Brecheisen über die Fläche, denn Spaten und Schaufeln erwiesen sich schnell als völlig wirkungslos. Unterdessen entstand auch gleichzeitig der Plan in seiner ersten Version, denn bis dahin hatte niemand die Zeit gefunden, sich ernsthaft Gedanken zu machen, wie die Fläche denn überhaupt gestaltet werden sollte. Baubegleitende Planung muss schließlich nicht immer in einer Elbphielharmonie oder einem Berliner Flughafen enden.

Und das war dann auch der Anblick über die ersten Wochen. Viel Ton, schmutzige Steine und größtenteils kaputte Paletten. Hier und da auch ein paar Metallteile, Betonbruchstücke, Mauerziegel und ein Kanaldeckel. Wie um alles in der Welt sollte hieraus etwas ansehnliches werden?

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Der Boden nachdem man die großen Steine daraus entfernt hat. Und die kleinen auch. Nach einem Regenguss klebt der Ton richtig gemein an den Schuhen und man bekommt ihn auch nicht einfacher bewegt.

Die einfachste Lösung wäre vielleicht gewesen, einfach alles mit Hochbeeten voll zu stellen und Gemüse anzubauen. Wie langweilig! Bunte Hochbeete können ja auch etwas für sich haben, aber dafür baut man keine Landesgartenschau. Auch das Mischkulturbeet im unteren Bereich der Fläche war noch nichts, was man als hübsch bezeichnen konnte. Ein großer Holzrahmen, der mit Kompost gefüllt war und in dem wüst Gründüngung wucherte.

Doch dann kam die Erlösung: Der Minibagger!

Wir hatten zwar immer noch nur einen rudimentären Plan, was wo entstehen sollte, aber immerhin den hatten wir bereits. Und mit dem Bagger hatten wir erstmalig die Chance, tatsächlich formgebend arbeiten zu können. Leider klingt das erst einmal spektakulärer, als es dann am Ende war. Auch wenn die Maschine wirklich Spaß gemacht hat und auch einiges geschafft hat, war das Ergebnis am Ende in der Form von zwei Löchern und einem Hügel zu sehen. Hier und da waren einige Kratzer in der Oberfläche, aber nichts, was wirklich relevant erschien. Die Hauptarbeit schien es gewesen zu sein, die Haufen von Material von einer Stelle auf eine andere zu bewegen.

Der Herbst schritt zu dieser Zeit bereits weiter fort und es wurde immer früher dunkel. Während einer der letzten Grillabende bei den Stadtgärtnern oder auch im Haus des CampusGartens fanden die ersten Koordinationssitzungen statt, in denen neben dem Pflanz- und Bauplan auch das Programm abgesteckt wurde. Vorträge, Mitmachaktionen und Workshops wurden geplant, organisiert oder wieder verworfen. Es gab viel Organisationsarbeit, denn unser Budget war sehr schmal bemessen. Dennoch braucht es einfach gewisse Materialien und auch wenn die Landesgartenschau selbst unsere zwei Haufen inzwischen durch weitere ergänzt hatte, fehlte es noch immer an so einigem.

Auch diskutiert wurden die Fragen, was wir überhaupt dürfen und tun sollten. Beispielsweise gab es früh die Idee, Saatgut zu verteilen, welches die Leute mit in die Stadt nehmen oder zuhause ausbringen konnten. Nur ist das überhaupt in dieser Form legal? Und wie verteilen wir das? Ein Automat spuckt seine Schächtelchen immer nur gegen Geld aus, aber das Saatgut selbst konnten wir von einem Sponsor gratis beziehen. Dürfen wir dann überhaupt Geld dafür nehmen? Wir fühlten uns komisch dabei und es endete in einem Kompromiss. Der Automat sollte kommen und den Besuchern die Option geben, unser Projekt mit einer Spende zu würdigen. Als Dankeschön für diese Würdigung sollte es dann das Saatgutpacket geben.

Ein Projekt war zu diesem Zeitpunkt tatsächlich bereits durch. Der CampusGarten hatte seine Verbindungen spielen lassen und die Arbeit einiger Designstudenten aus Halle erstanden: eine mobile Gartenküche. Wetterfest, modular, beweglich, und mit allem, was eine Küche brauchte, den Kühlschrank einmal ausgenommen. Sie hatte bereits Position im Haus am CampusGarten bezogen und musste stolz jedem präsentiert werden. Immerhin war sie eine große Motivation und Inspiration. In einem halben Jahr würde man um diese Küche herum auf der Landesgartenschau sitzen können und die erste gemeinsame Ernte zu einem kleinen Festmahl verwandeln können.

Doch bis dahin würde es noch ein langer Weg sein.

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Eine mobile Küche. Drei Module in der Form von Rollcontainern (die Räder sind hinten) mit jeweiliger Funktion. Die Abdeckungen kann man zwischen die Container klemmen und so die Arbeitsfläche vergrößern. Durchdachtes Design kompetent umgesetzt und das auch noch stilsicher.

Wenn man nicht nein sagen kann

Wer meinem Blog schon ein Weilchen folgt, der kann sich erinnern, dass ich bei uns am CampusGarten mit viel Begeisterung (und immerhin mäßigem Geschick) tätig bin. Und gegebenenfalls habe ich sogar bereits erwähnt, dass wir in diesem Jahr ein ganz besonderes Projekt mit einem Auftritt auf der Landesgartenschau hier haben. Das ist dann wohl auch die Erklärung, wieso ich in letzter Zeit nicht mehr so besonders zuverlässig mit schönen Geschichten bin, denn dieses Projekt frisst echt viel Zeit.

Wenn ihr möchtet, berichte ich euch demnächst gerne einmal, wie aus einem einfachen Parkplatz ein präsentables UrbanGardening Projekt wird. (Spoileralarm: Mit viel Geduld und Ausdauer. Und viel Arbeit! Es war tatsächlich einfach nur ein Parkplatz, und damit man mit dem Asphalt nicht in Konflikt gerät hat uns die Planung einfach nur einen Haufen Ton, Lehm und Steine drauf gekippt und damit einen neuen Boden eingezogen.)

Inzwischen sind die ersten Pflanzen angesät und die Eröffnung Mitte April ist wirklich nicht mehr weit. Es wird nur nicht die ganze Zeit jemand da sein können, der den Besuchern erklärt, was sie sehen. Dafür braucht es dann Schilder. Für die einzelnen Teilgebiete auf der Fläche gab es also Vorschläge für Texte und Bilder. Ich war leichtsinnig genug, meinen Vorschlag mit einer handgezeichneten Skizze zu versehen. So habe ich erfahren, dass der Plan besteht, die Schilder mit wenig Text um eine von Hand erstellte Zeichnung zu erstellen, und dass der Arbeitskreis Beschilderung aus zwei Personen besteht, eine davon ich. Vielleicht wäre es besser gewesen, laut „Nein“ zu rufen. Immerhin habe ich seit Jahren nicht mehr gezeichnet und habe es generell nie wirklich gelernt oder intensiv betrieben.

Aber ich bin still geblieben und jetzt fließen viele Stunden in Bleistift- und Tuscheskizzen, die am Ende mit Buntstift verfeinert werden um auf Schilder gedruckt zu werden. Die fehlende Übung macht sich bemerkbar, denn es sind wirklich viele Stunden, aber Spaß macht es trotzdem. Hoffentlich kann man es am Ende auch sehen.

Für fertige Schilder müsst ihr euch noch etwas gedulden, aber ganz ohne Kostprobe will ich euch auch nicht abspeisen (stümperhaft bei zu wenig Licht von Ausdrucken abfotografiert). Daher hier eine kleine Auswahl. Es ist übrigens durchaus effektive Arbeitsteilung, dass wir gemeinsam an den Zeichnungen arbeiten und jeder den Teil übernimmt, den er am besten kann. Kleiner Tipp: Wenn eine Pflanze verhunzt aussieht, stehen die Chancen gut, dass sie von mir ist. Das ist wirklich nicht meine Spezialität…

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Naheliegend, aber alles, was auf den Schildern abgebildet ist, wird natürlich auch auf der Fläche zu sehen sein.

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Hier könnte dem ein oder anderen etwas bereits Bekanntes auffallen. Ich habe jedenfalls bereits darüber geschrieben.

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Gut, diese beiden habe ich nicht mit gezeichnet, aber ich finde sie so toll, die muss ich einfach dazu packen.

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Und damit ist der erste Ausflug auf unseren Beitrag zur Landesgartenschau 2018 auch schon wieder vorbei. Vielleicht gibt es ja demnächst ein paar mehr Berichte von dort. Wenn euch danach ist natürlich. Es wird jedenfalls ein reichlich voller Sommer, das steht jetzt schon zweifelsfrei fest. (Worauf habe ich mich da nur eingelassen? 😀 )