Hörsaalgetuschel – Ausgabe 112.

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr, auf dass es Glück, Gesundheit und die Erfüllung vieler kleiner Träume mit sich bringen möge. Ich hoffe, dass Ihr mir auch im neuen Jahr die Ehre erweist, Euch auf meinem bescheidenen Blog willkommen zu heißen und zu unterhalten. Viel Spaß beim Lesen!

Erik und Mia können sich inzwischen an ihrem neuen Bad erfreuen, aber der Weg dahin war das übliche und zu erwartende Abenteuer. Der vorweihnachtliche Stand war Ausgabe 110, mit unerwarteten Eröffnungen.

Die Badezimmerchroniken Teil 5

Mittwoch pünktlich um zehn Uhr klingelte es an der Türe, Mia war zur Stelle und ließ einen ganzen Schwall von Leuten hinein. Der Vermieter nebst Frau, der Klempner, ein Vertreter der Hausverwaltung und sein Assistent. Der Fliesenleger hatte offenbar keine Zeit gefunden, ebenso wenig der Schornsteinfeger, aber der kleine Flur war auch so bereits reichlich voll. Die ganze Versammlung quetschte sich vor die geöffnete Badezimmertüre, ohne hineinzugehen. In das Klo hatten sie jeweils nur einen flüchtigen Blick geworfen und Mia verstand nicht, was sie dabei hätten erkennen wollen, was ihnen weiterhelfen konnte. Das Problem war jedenfalls nicht, dass es schlecht geputzt wäre, und durch die Wände sehen konnte auch niemand.

„Das ist es, worüber wir ja bereits gesprochen haben. Die Wasserleitung ist zu. Wann wurde das Haus gebaut? In den 60ern, wenn ich mich nicht irre. Und bei dem harten Wasser hier ist es nicht verwunderlich, dass die jetzt dann zu sind. Das heißt, wir machen das Bad komplett und dabei den Anschluss für die Wohnung auch gleich neu. Dann ist es alles auf jeden Fall wieder so gut, wie wir es nur kriegen können.“

Der Klempner hatte sich etwas gedreht, um durch die Türe ins Bad zu treten. Eine Aktion, die im Grunde völlig überflüssig war, denn im Schnitt maß er in alle Richtungen gleich weit. Jetzt rotierte er im Bad und bemühte sich, nicht gleich alles mit seinem Bauch umzuwerfen. Der Vermieter sah sich nur kurz um. Offenbar hatte er schon ein gutes Bild davon im Kopf, wie es einmal aussehen sollte.

„Das heißt, die Trennwand kommt raus und wir haben einen großen Raum. Dann würde ich auch sagen, die große Badewanne kommt raus und wir setzen eine Dusche rein. So kann man den Platz besser nutzen. Welche Türe machen wir zu? Die vom Klo oder die vom Bad? Beide zu behalten wäre ja Blödsinn. Die vom Klo, würde ich sagen, oder was meinst du, Gertrud?“

„Na natürlich die vom Klo. Da kommen doch am besten die Anschlüsse für die Waschmaschine hin. Wo sind die denn jetzt? Sollten hier keine drinnen sein? Haben sie überhaupt eine Waschmaschine?“

Sie wandte sich direkt an Mia, die etwas überrumpelt danebenstand, vielleicht auch einfach nur etwas neben sich selbst. Ihre Waschmaschine stand im Keller, da es in der Wohnung keine Anschlüsse gegeben hatte und sie sich noch nicht darum gekümmert hatte. Nun würde sich das Problem von alleine geben. Dann hätte das ganze Palaver hier ja doch noch etwas Gutes. Der Badewanne würde sie jedenfalls kaum hinterher trauern. Der Klempner war inzwischen akklimatisiert und warmgelaufen.

„Ja das ist ja alles kein Problem dann. Die Warmwassertherme jedenfalls nehmen wir dann auch raus, an die Stelle kommt dann der neue Ofen. Ein Brennwertkessel mit Heizung, so ein Kombigerät. Das ist echt ein gutes Teil, damit haben Sie keine Probleme mehr und nichts, und es ist sehr sparsam. Dann kommen in die Zimmer jeweils Heizkörper. Zwei Zimmer, die Küche und hier im Bad, das sind dann vier Stück. Da reicht ein kleiner Ofen völlig aus. Das Waschbecken können wir dann hier hinsetzen, gegenüber von der Türe, der Heizkörper gleich daneben und Klo und Waschmaschine kommt da drüben an die Wand.“

Mit einigen ungeschickten Bleistiftstrichen skizzierte er den geplanten Grundriss auf die Raufasertapete im Bad. Der Vermieter vermaß derweil die beiden Räume mit seinem Maßstab und versuchte sich genau vorzustellen, was wo wie viel Platz einnehmen würde. Hier ein Einwand, dort ein Vorschlag und am Ende die Frage der Fragen.

„Wie lange meint Ihr denn, dass Ihr dafür braucht?“

„Ach, das geht ja schnell. Ich habe jetzt den Gregorius nicht mehr gesprochen, wie das bei ihm aussieht aber der hat ja auch das letzte Mal hier schon die Fliesen gemacht. Der kennt das Bad und arbeitet auch zügig. Ich sag mal, wenn es gut geplant läuft, dann sind wir in einer Woche komplett fertig mit Bad und Heizung. Einen Tag rausreißen, dann zwei Tage für die neuen Leitungen, noch einmal zwei Tage für den neuen Estrich und die Fliesen und samstags machen wir dann die Heizkörper und die Armaturen.“

Alle waren sich einig, bis auf Mias Magen. Sie verstand nicht viel von Baustellen aber nach dem, was sie wusste, würde das hier niemals in einer Woche durch sein. Offenbar teilte die Vermieterin Mias Sorge. Sie sah sich etwas skeptisch um.

„Eine Woche also? Nun, ich bin mal gespannt. Haben Sie für die Weile etwas, wo Sie unterkommen können? Weil hier wird ja dann nicht nur das Klo und das Wasser weg sein, es wird ja auch alles dreckig.“

„Ach, machen Sie sich um den Dreck keine Sorgen! Wir kleben die Türen mit Folie ab, da können Sie alles lassen, wie es ist, da kommt nichts durch. Wir müssen dann nur für die Heizungen da rein. Die setzen wir dann da unter die Fenster und die Leitungen kommen in die Fußleisten. Das macht ja keinen Dreck dann.“

Selbst wenn sie ihm glauben wollte, die Frage der Vermieterin war berechtigt. Hatten sie einen Ort, wo sie so lange hin konnten? Für eine Woche würde sich schon etwas finden, und wenn sie bei Flo im Wohnheim eine Luftmatratze hinlegen würden. Nur, was war, wenn sie länger brauchen würden?

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5 Gedanken zu „Hörsaalgetuschel – Ausgabe 112.

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