Archiv für den Monat Januar 2017

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 116.

Die Badezimmerchroniken Teil 9

Flo hatte bereits alle seine persönlichen Gegenstände aus seinem Zimmer ausgeräumt. Er war selbst erstaunt gewesen, dass er mit nur einer Fahrt ausgekommen war. Erik und Mia hatten ihm natürlich bereitwillig geholfen. Jeder hatte einen vollen Rucksack und einen Koffer gehabt, dann noch zwei Reisetaschen, die sie zwischen sich aufteilen konnten. Und das war alles, sein kompletter Besitz. Die Möbel gehörten dem Wohnheim und einen Teil der Küchenutensilien hatte Kristina am Wochenende bereits im Auto mitgenommen.

Jetzt saßen Erik und Mia in dem kleinen Wohnheimzimmer und es fühlte sich überhaupt nicht mehr wie das an, in dem sie so viele Stunden mit ihrem Freund verbracht hatten. Einzig zwei leere Bierflaschen unterm Bett wiesen darauf hin, wer hier einmal gewohnt hatte. Der frische Wind, welcher durch das geöffnete Fenster zog, nahm sogar das bisschen Geruch mit sich, welches noch vorhanden hätte sein können.

Es würde nicht für lange sein, hofften sie beide. Das Bett war mit kaum einem Meter für zwei Personen reichlich schmal, selbst wenn sie sich so gerne hatten. Am Wochenende würden sie dann noch einmal weg sein, bei Flo und Kristina in der neuen Wohnung übernachten und dabei helfen, die Wohnung neu zu streichen. Danach war ihnen bereits wieder zugesagt, dass sie in ihre eigene Wohnung zurück konnten. Und solange würden sie eh die meiste Zeit in der Uni verbringen können. Es war nicht so, dass ihnen langweilig werden würde. Erst gegen ende der Woche würde Erik noch einmal den Handwerkern im Weg herumstehen.

Als er an der Wohnung ankam, stand zunächst aber ihm mal etwas im Weg herum. Bereits im Hausflur musste er sich um Eimer voller Sand, große Platten von Dämmmaterial und Zementsäcke herum schlängeln. Der Flur war dreckig wie noch nie und Erik traute sich kaum, durch die weit offenstehende Wohnungstüre zu linsen. Seine Nachbarn taten ihm unwillkürlich entsetzlich leid. Niemand von denen konnte etwas für dieses Chaos. Er fühlte sich schuldig und schlich regelrecht in den Flur. Der Weg zur Küche war durch Gipskartonplatten versperrt und der Weg gerade aus führte auf eine geschlossene Wand zu.

Wo einst die Türe vom Klo war, sah er jetzt auf weiße Leichtbetonsteine, deren Reste noch im ganzen Flur verteilt lagen. Eine dicke Staubschicht hatte sich über alles gelegt und ein flüchtiger Blick ins Schlafzimmer verriet ihm, dass sich dieser Staub auch durch jede Ritze gequetscht hatte. Ganz abgesehen davon, die versprochenen Planen waren nie zum Einsatz gekommen. Alles war ungehindert eingestaubt. Aber die Heizkörper hingen bereits, auch wenn sie noch nicht angeschlossen waren.

Erik erinnerte sich an die Worte des Trockenbauers, als er zur ersten Begehung aufgetaucht war. „Sanierung im bewohnten Zustand? Na solchen Irrsinn hat man auch nicht alle Tage.“ Sein Kollege schien damit kein großes Problem zu haben. Erik fand ihn gerade bei der Mittagspause vor. Auf einem umgedrehten Eimer saß er in dem schummrig beleuchteten Badezimmer, die Flasche Limonade neben sich, Bildzeitung in der Hand und Zigarette im Mund. Wenn schon Dreck dann auch richtig und auf allen Ebenen. Er schluckte kräftig und sah sich um.

Von den ursprünglichen Plänen war nicht mehr viel übrig geblieben und auch der Fortschritt war nicht so weit, wie er es gehofft hatte. Die Gerüste für Spülkasten und Waschbecken standen, die Anschlüsse und Leitungen ragten aus ihren Kanälen und Schächten aber es war noch viel zu erledigen. Er überschlug im Kopf seine eiligen und laienhaften Schätzungen, wie lange Estrich, Verputzen und Fliesen benötigen würden, dann noch der Rest der Installation … die drei Wochen würde es nicht mehr einhalten können. Beinahe hoffte er, dass es wenigstens bei den vier Wochen bleiben würde. Und alles nur, weil eine Leitung verstopft gewesen war. Er raufte sich die Haare, atmete tief durch und zwang sich zur Ruhe. Am Ende würde es wenigstens gut aussehen, hoffentlich.

Herrsching IV

Ohne Zusammenhang zum Text, denn mir ist vor geraumer Zeit das Bildmaterial zu Badezimmerbaustellen ausgegangen, was tauglich gewesen wäre. Aber ich hoffe, das Bild gefällt euch trotzdem.

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Exitus III

Es ist jetzt schon wieder eine ganze Weile her. Am 12. Dezember hat Offenschreiben ihr Schreib mit mir 21 veröffentlicht. Damals hatte ich mitgemacht und Mit Exitus I den Anfang dazu veröffentlicht. In der Woche darauf folgte Exitus II und damit mein Problem, dass ich nicht wirklich wusste, wie es weiter gehen soll. Ich hatte den Eindruck, mich in eine Sackgasse geschrieben zu haben. Seitdem habe ich einige Kommentare bekommen, die mich motiviert haben, weiter zu schreiben und neue Ideen mit sich gebracht haben. Vielen lieben Dank dafür! Ich hoffe, die Fortsetzung entwickelt sich in eine Richtung, die Euch gefällt. Viel Spaß!

So vergingen Tage, Woche und Monate. Ich verbrachte die Nachmittage und Abende in der Küche und vormittags las ich meistens etwas. In der Zwischenzeit hatte ich einen stolzen Bart bekommen, der mir eine gute Tarnung verschaffte, sodass ich mich zwar nur mit Bedacht, aber dennoch vergleichsweise frei bewegen konnte. Tom der Streuner hatte immer wieder beobachtet, wie einzelne Polizeidrohnen nach mir gesucht hatten. Und er hatte die Reaktion der Leute beobachtet, denn wenn Tom eines konnte, dann war es beobachten.

Eines Tages hatte er Glück und stieß auf einen Kollegen, mit dem ich viele Jahre lang zusammengearbeitet hatte. Wenigstens so verwirrt wie mein Kollege war wohl der Roboter, als er die Antwort bekam, ich wäre bereits ein halbes Jahr verstorben. Er schien diese Basisinformation überhaupt nicht übermittelt bekommen zu haben. Als Reaktion fragte er meinen Kollegen gar, ob er ihn zu mir bringen könne, ich müsse noch leben, schließlich gäbe es die Suchmeldung.

Zeitweise fühlte ich mich sicher genug, als dass ich beim gemeinsamen Essen über die Ausführungen der Anderen über die Suche nach mir herzlich lachen konnte. Die meiste Zeit über aber erzeugte es einfach nur ein entsetzlich beklemmendes und unangenehmes Gefühl in mir und erinnerte mich daran, mich gut im Schatten verborgen zu halten. Lena bekam wöchentlich Anfragen aus der Polizeibehörde, ob sie einen Hinweis auf meine Existenz bekommen habe. Sie blieb bei ihrer Geschichte und würde es auch bleiben. Solange sie keine genauen Informationen zu dem Fall bekam, würde sie mich nie gesehen haben. Ich war hier in Sicherheit und gut aufgehoben. Trotzdem fühlte es sich an, als würde sich eine Schlinge um meinen Hals immer weiter zuziehen. Bald traute ich mich überhaupt nicht mehr auf die Straße.

Als ich eines Nachts aus der Küche hinunter kam und durch die Bar in Richtung Wohnzimmer ging, winkte mich Jay zu sich an die Bar. Er hatte offenbar nicht nur seinen Gästen aus-, sondern auch sich selbst einiges eingeschenkt, aber er wirkte absolut klar und sehr ernst.

„Da war jemand hier, der dich kennt. Ein Marten, oder so ähnlich. Ziemlich trocken gefallener Seebär, armer Kerl. War ziemlich aufgebracht und nervös und hat Dinge ausgeplaudert, die man besser für sich hält, wenn du verstehst. Er zweifelt an seinem Verstand und meint, er sieht Gespenster. Hat dich offenbar auf der Straße gesehen, zwei drei Mal schon. Und er ist von der Polizei befragt worden. Die sind wohl gleich aufmerksam geworden, weil er bei dem Bild von dir nervös wurde. Tom hat sich jetzt erst einmal an ihn dran gehängt und passt auf, aber du solltest vielleicht den Ball vorerst was flach halten.“

Man möchte meinen, ich würde mich allmählich an seltsame Nachrichten gewöhnen, aber das war nicht der Fall. Es war nicht so, als würde ich von der Information einfach auf dem falschen Fuß erwischt werden oder mich fühlen, wie vom Bus überrollt. Es war eher so, als hätte jemand einen großen Frachter oder ein Kreuzfahrtschiff genommen und aus heiterem Himmel auf mich geworfen, ein fröhliches „hier, fang!“ auf den Lippen.

Marten war hier gewesen, direkt in meinem Hausflur. Er hatte mich gesehen und offenbar sogar erkannt. Niemand konnte wissen, was er der Polizei wirklich alles erzählt hatte und was er überhaupt wusste, mit wem er geredet hatte und über was. Aber so oder so hatte es gereicht, als dass er sich in der Bar beim alten Jay gründlich abgeschossen hatte. Tom hatte ihn nach Hause begleitet und versucht, noch einiges in Erfahrung zu bringen aber vergeblich. Selbst sturzbetrunken und unter Schock hielt Marten gut dicht. Es war ein schwacher Trost aber immerhin ein kleiner Lichtblick in diesem Chaos. Nur um die kommende Woche ruhig zu schlafen, dafür reichte es nicht aus. Die nächste Zeit versuchte ich Arbeiten im Unterschlupf zu verrichten, und nicht mehr hinauf zu gehen.

Tom hatte Marten inzwischen drei Wochen lang beschattet und er schien großen Spaß dabei zu haben. Niemand von den Untoten wusste, was er vor seinem Tod für einen Beruf ausgeübt hatte, aber es würde mich nicht wundern, wenn es etwas in dieser Richtung war. Er war zu professionell und geschickt, um nicht etliche Jahrzehnte Erfahrung in dem Tätigkeitsfeld zu haben. Dennoch bekam er keine neuen Informationen heraus. Marten war still und sehr vorsichtig geworden, hatte sich in sich selbst zurückgezogen und sprach kaum noch mit jemandem. Irgendwann beschloss Lena dann, dass er kein primäres Ziel mehr war.

Am Tag darauf kam Lukas aus der Bibliothek zurück, in der er sich zwei mal die Woche den Tag vertrieb. Es war gerade wieder so etwas wie ein Alltag in unserer kleinen Gemeinschaft eingekehrt. Lena hatte sogar begonnen, alles für einen Neuankömmling vorzubereiten, obwohl niemand eine Ahnung haben konnte, wie sie zu dieser Ahnung kam. Und in diese beruhigte, ausgeglichene und etwas vorfreudige Stimmung trat ein etwas blasser und deutlich ernster Lukas.

„Wusstet ihr, dass es jemanden gibt, der uns einmal untersucht hat?“

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Hörsaalgetuschel – Ausgabe 115.

Die Badezimmerchroniken Teil 8

Da überraschte „Oh“, was Erik am Vortag von den Bauarbeitern mitbekommen hatte, bezog sich auf das, was sie unter den Fliesen im Bad fanden. Es war das rohe Mauerwerk, auf welches, mit Hilfe von gründlich Mörtel, die Fliesen geklebt worden waren. Die Handwerker waren zu dem Entschluss gekommen, die Fliesen von der Wand zu schlagen und alles Weitere dem Putzer zu überlassen. Sie waren für das Leitungsnetz zuständig, nicht für ästhetische Feinheiten und Details.

Beim Abriss hatten sie ganze Arbeit geleistet. Die Wand war restlos verschwunden, ebenso der Fußboden mit Estrich. Selbst der Türrahmen der Toilettentüre war ausgebaut und entsorgt worden. Die Position der Trennwand war nur noch anhand der Tapetenfetzen auf der Rückwand und dem Schlitz in der abgehängten Schilfrohrdecke zu erkennen. Nicht einmal die Rohre an der Wand ließen noch klar erkennen, dass hier einmal ein Badezimmer gewesen war. Durch dicke Löcher in den Ecken konnte man in die angrenzenden Räume gucken. Vor Eriks inneren Augen quollen dicke Staubwolken dort hindurch und verteilten sich in der ganzen Wohnung. Als wären die zugigen Türen noch nicht ausreichend dafür gewesen.

Etwas ratlos sah Erik sich in seiner Wohnung um. Er war mit Mia vorbei gekommen, um den Kühlschrank und das Küchenregal so weit leer zu räumen, dass sie sie umstellen konnten, um Platz zu schaffen, für die neue Heizung. Die Handwerker hatten sie mit engagierter Begeisterung empfangen und ihnen in einer willkommenen Arbeitspause direkt ausführlich Bericht erstattet, was gerade wo getan wurde und was als Nächstes anstand.

Sie würden den Kleiderschrank verrücken müssen, weil die Heizungsrohre dahinter in der Fußleiste untergebracht werden sollten. Dafür müsste der Schrank möglichst leicht sein, aber sie sollten sich keine Sorgen machen. Bett und alles Andere würden sie mit Planen staubdicht abdecken. Die Planen lägen schon im Auto. Erik dachte wieder an die „abgeklebten“ Türen.

Und noch eine andere Türe ging ihm durch den Kopf. Er hatte das Spiegelschränkchen aus dem Bad unter dem Küchentisch wieder gefunden, schön außerhalb des Arbeitsbereichs. Und alles wäre ja auch in bester Ordnung gewesen, wenn nicht die linke Türe fehlen und nirgends zu sehen gewesen wäre. Was für ein ausgesprochen lästiger Umstand. Er hatte zwar das Schränkchen nicht übermäßig gemocht, aber es war immer sehr praktisch gewesen und entsprechend hatte er sich arrangiert. Das würde aber sicher nicht anhalten, wenn die Türe nicht wieder auftauchte.

Unterdessen erklärte ihm der Klempner mit vor Aufregung rotem Kopf zum inzwischen sicher siebten mal, wie die aktuellen Pläne für den Umbau aussahen. Mia warf ihm einen bedeutungsschweren Blick zu und sie beide wussten genau, am Ende würde es eh wieder alles anders sein.

Der einst so zuversichtlich präsentierte Zeitplan von einer Woche war gänzlich über den Haufen geworfen. Es war inzwischen Donnerstag und der Abbruch des alten Bades war noch nicht einmal komplett abgeschlossen. Die Trennwand war zwar raus und die alten Leitungen auch, aber ihre Reste waren noch im Flur verteilt. Dafür waren bereits die ersten Schlitze für kommende Leitungen in den Wänden zu sehen. Und die Rolle Toilettenpapier hing immer noch da, wo sie immer gehangen hatte.

Aber wenigstens würde diese Woche noch ausreichen, um die Abbrucharbeiten vollenden zu können. Nächste Woche würden die Rohre für Wasser und Heizung verlegt, die neue Heizung installiert werde können und eventuell auch bereits die Wände verputzt sein. Zwei Wochen hatten die Klempner noch zu Beginn angesetzt. Zwei Wochen und drei Tage genau genommen. Mia sah sich um und traute sich nicht, eine neue Prognose abzugeben. Erik war etwas mutiger, er hoffte auf drei Wochen. Die Klempner hatten bei ihrem Rederausch in der Pause noch auf ihrem bisherigen Zeitplan bestanden. Wenn Mia jetzt darüber nachdachte, musste sie etwas kichern. Diese Prognosen hatten in letzter Zeit eine recht schwache Trefferquote.

Herrsching III

Mit Kinderaugen

Dieser Text gehört zu „Schreib mit Mir – Teil 22“ von Offenschreiben… und ich war mir noch nicht sicher, wie öffentlich zugänglich ich den machen wollte. Aber andererseits, wieso eigentlich nicht? Ihr seid alle hoffentlich alt genug, um das zu ertragen 😉 Es sollte jedenfalls eine Gruselgeschichte aus den Augen eines vierjährigen Kindes sein und da Kinderaugen ja so manches anders wahrnehmen…

Mit Kinderaugen

Ben konnte nicht schlafen. Eigentlich war er müde, von einem langen Tag im Kindergarten und auf dem Spielplatz, aber wie er sich auch drehte, es war alles unbequem. Er musste ganz dringend pinkeln und das hieß, er musste aufstehen. Immerhin war er jetzt schon groß und trug keine Windeln mehr. Große Kinder brauchten nämlich keine Windeln, sie gingen aufs Klo, wie die Erwachsenen. Aber das Klo war auf der anderen Seite des Flurs und außerdem war es gruselig. Nachts war alles dort dunkel und in den Schatten konnte sich wer weiß was verstecken.

Aber es half nichts, große Kinder machten schließlich nicht mehr ins Bett. Er öffnete das Törchen im Geländer von seinem Abenteuerhochbett und kletterte die Leiter hinunter. Das kleine Nachtlicht leuchtete in der Ecke neben der Türe, nicht stark, aber immerhin hell genug, als dass er alles in seinem Zimmer gut erkennen konnte. Außerdem leuchteten die Klebesterne an der Decke schön. Seine Mama hatte ihm die Sternbilder erklärt und sie hatten auch draußen schon nach ihnen gesucht. Aber da hatte er sie nicht finden können, so sehr Mama sich auch bemüht hatte, sie ihm zu zeigen. Mama war toll, sie wusste einfach alles.

Jetzt war das Licht der Sterne hell genug, dass er um die Bauklötze auf dem Boden herumlaufen konnte. Eigentlich hatte er sie noch wegräumen sollen, aber da hatte er lieber mit seinem Spielzeugauto gespielt. Das stand jetzt auf der Wickelkommode, die als großes Kind ja nicht mehr brauchte. Um an die Türklinke zu kommen, musste er sich trotzdem noch reichlich strecken. Für Kinderzimmer sollte es besondere Türen geben, mit einer kleinen Türklinke für die Kinder. Es wäre doch viel einfacher dann, wenn man nur die kleine Kindertüre aufmachen müsste. Und viel lustiger sowieso. Dann hätte er vielleicht auch nicht solche Angst vor dem großen, finsteren Flur, der vor ihm lag.

Papa hatte an der Kellertreppe eine Taschenlampe hängen. Damit konnte man, wenn der Strom oder die Lampen kaputt waren, trotzdem noch leuchten und etwas sehen. Auch in den dunklen Ecken im Keller, in denen es überhaupt keine Lampen gab und wo immer nur Gerümpel stand. So eine Taschenlampe könnte er jetzt sehr gut gebrauchen. Er sollte sich vielleicht eine wünschen. Aber jetzt müsste es auch so gehen. Er trat auf den Teppich im Flur, er fühlte sich weich und warm und dunkel an. Vielleicht wie Spinnenfell? Gruselig jedenfalls.

Ein schmaler Lichtstreifen fiel aus dem Elternschlafzimmer in den Flur. Mama und Papa waren also noch wach, und das, obwohl es sicher schon neun Uhr war! Erwachsen sein musste toll sein. Man konnte richtig lange wach bleiben. Jetzt kam ihm das gelegen, vielleicht würde er Hilfe brauchen. Und außerdem konnten sie ihn dann ja auch wieder ins Bett bringen und vielleicht sogar noch eine weitere kurze Gutenacht-Geschichte vorlesen. Dann würde er sicherlich besser schlafen können.

Mit frischem Mut stapfte er durch den Flur und ignorierte die bedrohlichen Schatten an den Wänden. Gleich würde er die angelehnte Türe aufmachen können. Was war das eigentlich für ein merkwürdiges Rascheln und Knarzen aus dem Elternschlafzimmer? Er spähte durch den schmalen Schlitz, ehe er die Türe öffnen wollte, und konnte Mama und Papa sehen. Aber da stimmte doch etwas nicht. War das wirklich Mama?

Das konnte nicht Mama sein! Das musste ein Monster sein, ein Vampir! Wie die, aus den Geschichten, die Tamara aus dem Nachbarhaus ihm immer heimlich erzählte, und die ihm immer so Angst machten. Jedenfalls saß Mama, oder besser, der Mama-Vampir, auf Papa, und saugte ihm am Hals. Genau so, wie die Vampire in den Geschichten, wenn sie Blut tranken. Das war etwas ganz Böses, hatte Tamara ihm erzählt. Nur waren in ihren Geschichten die Leute meistens nicht nackt.

Der Mama-Vampir und Papa aber waren nackt. Außerdem musste der Vampir sehr stark sein, denn er saß auf Papa und Papa konnte ihn nicht herunterwerfen. Dabei war Papa doch der stärkste Mann der Welt! Aber den Mama-Vampir schien es überhaupt nicht zu stören, dass Papa ihm gegen die Brüste drückte. Er saugte nur kräftig und schien dabei auch noch zu tanzen. Papa war sicher schon ganz leer getrunken. Er zitterte nur noch heftig, hatte die Augen zu und den Mund auf gerissen aber konnte nicht einmal mehr rufen. Was war da los? War der Mama-Vampir bald mit ihm fertig? Was war dann mit Papa?

Plötzlich musste Ben nicht mehr auf die Toilette. Stattdessen wollte er sich ganz eilig wieder in seinem Bett verstecken. Ganz tief unter der Decke, wo ihn kein Monster finden konnte. Er drehte sich um und huschte zurück in Richtung Kinderzimmer, sehr gut darauf achtend, nicht in die Pfütze auf dem Flurteppich zu treten und dabei am Ende noch ein Geräusch von sich zu geben. Es war nicht angenehm, mit der nassen Schlafanzughose im Bett zu liegen, aber alles war besser als der Flur.

Wieso hatte Papa denn nie etwas von dem Mama-Vampir bemerkt? Er wusste doch sonst immer auf alles die richtige Antwort? Oder hatte er es etwa gewusst und machte das freiwillig? Schließlich aß Mama auch beim Abendessen immer viel weniger als er. Waren am Ende alle Frauen Vampire und die Männer aßen immer mehr, damit sie ihre Frauen nachts füttern konnten? Plötzlich war Ben überhaupt nicht mehr wild darauf, eines Tages einmal erwachsen zu sein. Er würde auf morgen warten müssen, um eine Antwort zu bekommen. Wenn Papa ihn wie immer wecken würde, wäre wohl alles halbwegs in Ordnung. Aber wenn nicht, dann würde er sich ganz hinten im Kleiderschrank verstecken, wo kein Monster und kein Mama-Vampir ihn jemals finden konnte. Und ganz sicher würde er niemals heiraten wollen.

Hörsaalgetuschel – Ausgabe 114.

Die Badezimmerchroniken Teil 7

Staub, Sand, Dreck. Es knirschte unter Eriks Schuhen, als er den einst vertrauten, jetzt jedoch leeren und dreckigen Wohnungsflur betrat. Er zwang sich zu einer Art innerer Ruhe und versuchte, tief Luft zu holen. Selbst die war voller Staub und Dreck und roch muffig. Wie nasser Sand oder modrige Gebäude. Vielleicht war es doch ganz gut, wenn ein Teil des alten Gemäuers einmal etwas aufgefrischt werden würden. Er zwang sich, tief durchzuatmen, und zückte den Fotoapparat. Es würde keine fünf Minuten anhalten, wenn er seinem inneren Zwang nachgab, und die Wohnung putzte. Eine Dokumentation des Arbeitsstandes wäre sinnvoller.

Kaum hatte er den letzten Winkel fotografiert klopfte es an der Wohnungstüre. Der Schornsteinfeger kam herein, stellte sich vor und sah sich neugierig um. Als hätten sie es gerochen, kamen die Klempner aus dem Keller, wo sie die Anschlüsse der Wohnung zum wenigstens fünften Mal inspiziert hatten. Wahrscheinlich würden sie trotzdem die falschen Anschlüsse besorgen. Zur abgesprochenen Zeit, kaum eine Minute später, tauchte auch der Vermieter auf, diesmal nicht in Begleitung seiner Frau, sondern der Hausverwaltung. Er schien ausgesprochen guter Dinge und bedankte sich ausgiebig bei Erik, dass er es noch hatte einrichten können.

„Schließlich geht es Sie ja auch etwas an, immerhin wohnen Sie ja hier.“ eröffnete er seinen Monolog. Er ging nahtlos dazu über, den ganzen Tross durch die Wohnung zu führen. Die Trennwand zwischen Bad und Klo war inzwischen Geschichte. Lediglich die verbogenen Rohre hingen haltlos in der Luft, wo sie einst die Waschbecken versorgen sollten. Die Badewanne hatte er bereits vor der Haustüre liegen sehen. Der Vermieter erklärte eifrig, was alles geplant war, der Schornsteinfeger hörte weiterhin aufmerksam und neugierig zu, der Vertreter der Hausverwaltung war halt anwesend.

„Dort die Warmwassertherme werden wir dann durch eine Zentralheizung ersetzen, um von dort aus die Zimmer vernünftig beheizen zu können. Das Gerät wird dann nur ein kleines bisschen größer sein, aber dann muss man nur einmal hier durch die Wand und einmal da drüben, dann kann man die Leitungen bis jeweils unter die Fenster ziehen und dort die Heizkörper anbringen.“

Der Schornsteinfeger wirkte amüsiert und unterbrach die Erklärung kurzzeitig.

„Das klingt ja alles recht gut durchdacht und auch schön und gut, aber leider ist das nicht möglich.“

„Wieso ist das nicht möglich?“ Der Vermieter wirkte, als wäre er soeben aus einem Traum aufgewacht, indem er aus allen Wolken fiel. Der Klempner sah sich offenbar in seiner Kompetenz angezweifelt und stemmte vorsorglich die Fäuste in die Seiten, was ihn gefühlt breiter als den Flur machte, in dem er stand.

„Weil das Kaminrohr, an das Sie dort gerne anschließen möchten, einen Faserzementkern hat. Das Rohr ist aus Asbest, und das wollen wir da raus haben. Bestand kann dran bleiben, solange es benötigt wird, aber Neuinstallationen können wir da leider nicht durchführen. Sie müssen sich wohl oder übel für das Kaminrohr dort drüben (er deutete in Richtung Wohnzimmer), oder das in der Küche entscheiden.“

Der Vermieter blickte auf die geschlossene Wohnzimmertüre. Erik bemerkte jetzt erst, dass, obwohl die Abbrucharbeiten bereits in vollem Gang waren und entgegen der Versprechen des Klempners, die Türe nicht mit Folie abgeklebt war. „Nein, das geht ja auf keinen Fall. Der Raum ist ja bewohnt, dort können wir keine Heizung einbauen.“

„Dann bleibt ja nur noch die Küche. Das hat jetzt natürlich den Vorteil, dass man nicht lange überlegen muss. Es gibt eh nur eine Möglichkeit, das dort einzurichten.“ Der ganze Tross schleifte sich in die kleine Küche. Es war deutlich, welche Stelle der Schornsteinfeger meinte und genau so deutlich war es, dass damit die saubere Küchenzeile einen kleinen Schönheitsfehler bekommen würde. Der Kühlschrank musste weg. Die einzige Möglichkeit hierfür war, ihn auf die gegenüberliegende Wand zu versetzen, nur stand dort das Küchenregal. Erik würde es umsetzen müssen und dafür würde er Tisch und Stühle von ihrem angestammten Platz vertreiben müssen. Wenigstens gefühlt würde es deutlich enger in seiner Küche werden. Begeisterung fühlte sich deutlich anders an. Eigentlich wollte er doch nur wieder Wasser im Bad haben und plötzlich dehnte sich die Baustelle bis in die Küche aus.

Wo er jetzt aber schon einmal da war, nutzte er die Zeit, um im Arbeitszimmer etwas zu sortieren, nachdem der Besuch wieder abgezogen war. Aus dem Badezimmer nebenan war wieder das gleichmäßige Hämmern der Abrissarbeiten zu hören. Der Sockel der Badewanne würde in kurzer Zeit nicht mehr zu erkennen sein. Dann wäre der Weg frei, um den Estrich herauszubrechen und die Fliesen von den Wänden zu schlagen.

Der Klang der Schläge im Badezimmer veränderte sich. Es gab eine kurze Pause, einen weiteren Schlag, Gepolter auf dem rohen Betonboden und ein verwirrt ausgerufenes „Oh“. Eriks Kontingent für unliebsame Überraschungen an einem Tag war bereits erschöpft. Er wollte nicht wissen, worauf die Bauarbeiter gestoßen waren und ehe er gezwungen war, es herauszufinden, griff er alles, was er benötigte, und ergriff die Flucht.

2016-10-06-15-07-18

Masken

Erneut befinden wir uns auf dem Blog von Offenschreiben und finden dort den Beitrag Schreib mit mir 23. Beim Lesen der Vorgaben wandert ein loses Bild durch meinen Kopf, nur ein flüchtiger Geist, ein Gespenst, als wäre es eigentlich nicht da. Vielleicht lohnt es den Versuch, das einfach mal fest zu halten. Schon der Titel ist doch der reinste kreative Erguss, findet Ihr nicht? Viel Spaß!

Masken

Der Stadtkern ist immer laut und immer bunt. Kristallene Türme reckten sich wie Nadeln in den Himmel, gläserne Schluchten fielen unter den Brücken in die Tiefe. Ganz unten irgendwo wälzte sich eine ewige Lawine aus Blech über die Straßen. Auf den tristen Bürgersteigen dort drängten sich Menschen aller Couleur, die gedeckten Farben der Arbeiterklassen aber überwogen. Außerdem war es wohl der einzige Ort, an dem man das Braun der Abwassertechniker auf der Straße finden konnte.

Hier in der Nähe des Hochbahnknotens war eine homogene Mischung aller Klassen vertreten. Die bunten Masken, reich verziert mit Symbolen von Status, Rang, Zunft und Namen. Immer auch abgestimmt auf das gesamte Auftreten einer Person. Unter einem Baum saß eine Bestatterin und wartete auf etwas. Rabenfedern schmückten die Augen- und Wangenpartien der Maske, die Einarbeitungen in Silber wiesen auf einen wirtschaftlich gut laufenden Betrieb hin. Ein blau gekleideter Beamter der Wasserversorgung ging an ihr vorbei, seine Maske schien zu fließen und war ganz offenbar selbst gebaut. In seinem Beruf hätte er sich eine teurere Maske leisten können müssen aber offenbar hatte er hohe Ausgaben. Die bunte Kleidung und Maske eines Unterhalters sprachen eine andere Sprache. Er war kaum zu übersehen und es war klar, dass jeder ihn sofort erkennen sollte.

Durch die Menge schlenderte ein Hund. Er wurde verfolgt von einer Katze, welche zwar ein Halsband trug, aber ansonsten herrenlos zu sein schien. Niemand beachtete das seltsame Duo. Tiere trugen keine Masken, für die Menschen der Stadt waren sie damit absolut unsichtbar. Sie betraten den Steg und folgten ihm eine Ebene hinauf in einen Garten. Hier zwischen den Blumenkästen hatten sie eine hervorragende Aussicht auf einen goldenen Sonnenuntergang. Der Hund begrüßte freudig einen Freund, eine Hand kraulte die Katze. Ein Student in einer improvisierten aber bunt blinkenden Maske rümpfte die Nase angesichts des Punks, niemand sonst bemerkte etwas Ungewöhnliches.

Die Katze genoss es, gekrault zu werden und rekelte sich auf dem unsichtbaren Schoß in der Abendsonne. Der Hund lehnte derweil mit einem seligen Gesichtsausdruck an den Knien des Punks. Er trug einen selbst genähten grauen Mantel, dem keine Profession zuzuordnen war und keine Maske. Damit hatte er sich aus der Gesellschaft ausgeklinkt, war zu einem Tier geworden, unsichtbar und ohne Rechte. Genau so gut hätte er komplett nackt sein können und dennoch verbarg er alles über sich. Als wäre er unfähig, zu sprechen oder zu schreiben. Wie Hund und Katze auf seinem Schoß.

Zahllose Menschen passierten die kleine Gruppe. Hinter den wenigsten Masken war ein Wahrnehmen oder gar eine Reaktion zu erkennen. Die Leute, welche sich eine Reaktion gönnten, wirkten zumeist angewidert. Nur eine Dame, deren Designermaske mit Gold und kostbaren Steinen besetzt war, und deren Beruf Wirtschaftsvertreterin zu sein schien, wirkte im ersten Anlauf zwar abgeschreckt, drehte sich aber mit einem neidischen Gesichtsausdruck um, als sie bereits vorbei war.

Die Sonne verschwand hinter einer schlichten Fassade aus Glas und verchromtem Stahl. Die Katze rekelte sich erneut und sprang auf. Auch der Punk erhob sich und griff nach der Tasche, welche die ganze Zeit neben ihm gelegen hatte. Er vergewisserte sich, dass sie Maske darin unversehrt und gut versteckt war. Schlichtes Platin, ohne irgendwelche großartigen Verzierungen. Ein Rohling, wenn man so wollte, aber geschickt gearbeitet und wahrscheinlich sündhaft teuer. Vorsichtshalber breitete er noch ein Taschentuch darüber aus, drehte sich dann um und verschwand gemeinsam mit Hund und Katze in einer dunklen Nische, irgendwo in der Fassade am Rande des Gartens. Die Welt bekam von alledem nichts mit und würde niemals erfahren, wer ihr hier einen solch bescheidenen Besuch abgestattet hatte.

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Hörsaalgetuschel – Ausgabe 113

Die Badezimmerchroniken Teil 6

Handwerker, Vermieter und Hausverwaltung waren sich alle einig geworden und jeder versprach, sich um alles zu kümmern. Mia und Erik würden sich mit nichts wirklich befassen müssen. Selbst die Terminfindung schien leicht von der Hand zu gehen.

„Na lange können wir damit nicht warten, die Mieter brauchen ja schließlich Wasser. Das ist doch kein Zustand so!“

Irgendwo waren die beiden geneigt, dieser Aussage so zuzustimmen aber sowohl Mia als auch Erik hatten die Befürchtung, dass wenigstens eine Partei überstürzt und undurchdacht an die Sache herangehen wollte.

Dafür hatte es mit der Unterkunft keine Probleme gegeben. Flo war gerade dabei, die letzten drei Jahre seines Lebens in Kisten zu verpacken und das kleine Wohnheimzimmer leer zu machen. Aktuell verbrachte er eh einiges an Zeit mit Kristina in der neuen Wohnung, die gerade renoviert und eingerichtet wurde. Für diese Zeit stellte er sein Zimmer gerne und ohne zu zögern zur Verfügung. Er hatte es sogar noch angeboten, bevor sie danach fragen konnten.

Und dann kamen die Handwerker. Montags morgens, pünktlich um neun Uhr standen sie vor der Türe, genau, wie es verabredet war. Erik räumte gerade die letzten Sachen in seine Reisetasche, mit der er in Flos Zimmer umziehen wollte. Mia war noch damit beschäftigt, die Küche aufzuräumen. Putzen wäre wohl eh vergebene Liebesmüh.

Schweres Abbruchgerät donnerte im Flur und der Klempner erklärte seinem Kollegen, was alles zu tun sei. Alles raus und dann dies und jenes und dort dann noch das. Erik hörte das Gespräch nur gedämpft durch die geschlossene Zimmertüre, aber die Frage nach dem Zeitplan war deutlich zu verstehen.

„Puh, schwierig. Ich würde sagen, zwei Wochen, dann ist das durch.“

„Ja, aber dann brauch ich noch drei Tage für die Heizung.“

Das war sie also, die Prognose von einer Woche. Sie hatten doch alle gewusst, dass daran etwas faul war. Zwei Wochen klangen dagegen schon viel realistischer. Leider, wie er sich eingestehen musste. Er sah in seine Reisetasche und bemerkte, dass er vorsorglich mehr eingepackt hatte, als für die prognostizierte Woche notwendig war. Nicht, dass es relevant gewesen wäre. Seine ganzen Unterlagen waren noch in der Wohnung, genau so Mias. Sie würden sowieso alle zwei Tage vorbei sehen müssen, mindestens.

Knirschen und Kratzen hallte durch die Wohnung, als im Bad alles Demontierbare abgebaut wurde. Mia kam herein und griff nach dem Fotoapparat. Sie wollte noch eilig den aktuellen Stand einmal festhalten, wer konnte schon wissen, wofür das noch gut sein mochte. Zwei Minuten später war sie zurück und unterhielt sich gedämpft mit Erik.

„Zwei Wochen also? Ich bin ja mal gespannt. Immerhin ist das hier ein Altbau, wer weiß also, was sie unter der Tapete oder hinter den Fliesen finden? Worauf haben wir uns da nur eingelassen? Es lief doch nur das Wasser nicht.“

Sie setzte sich resigniert auf die Bettkante und ließ sich hinten überkippen. Erik konnte gut nachvollziehen, wie sie sich fühlte. Ihm ging es keine Spur besser und so legte er sich dazu und kuschelte sich an sie.

Es fühlte sich an, als würde das ganze Haus beben, als die beiden ihre Taschen griffen, um das Haus zu verlassen. Die Zwischenwand ächzte und gab Stückchen für Stückchen nach. Das kleine Badezimmer sah jetzt schon nicht mehr wiedererkennbar aus.

„Kann vielleicht einer von Ihnen morgen gegen vierzehn Uhr hier sein? Der Schornsteinfeger hat sich für dann angekündigt und Ihr Vermieter hat gebeten, dass ich Sie darüber informiere, er wollte dann auch da sein. Die Hausverwaltung kommt dann auch noch einmal hinzu.“

Erik nickte. Das war noch, bevor er in der Uni sein müsste. Ein kleiner Umweg aber kein Problem, und er könnte den nächsten Arbeitsstand fotografieren, wenn er daran dachte. Er nahm es sich wenigstens vor, doch als es so weit war, hatte er es längst wieder vergessen.