Szenen an der Supermarktkasse

Ich stehe an der Supermarktkasse und träume vor mich hin, wie ich es viel zu oft tue. Der neue Azubi an der Kasse ist noch nicht besonders geübt und entsprechend geht es gemütlich voran. Die Dame hinter mir möchte gerade damit beginnen, ihre Einkäufe aufs Band zu räumen, als ihr auffällt, dass etwas fehlt. Man sieht ihr an, dass diese Abweichung vom geplanten Ablauf Stress für sie bedeutet. Ihre Stimme rangiert irgendwo zwischen schüchtern, beschämt und gehetzt, als sie sich an mich wendet.

„Entschuldigung aber könnten Sie ganz kurz auf meinen Wagen aufpassen?“

Ich bin etwas überrascht denn es ist nicht viel los und hinter ihr steht niemand an. Aber selbstverständlich nicke ich zustimmend. „Klar!“ Es gibt keinen Grund, wieso nicht. Der ältere Herr vor mir dreht sich um, mustert mich schmunzelnd und muss kichern.

„Sie wirken trotz Bart offenbar vertrauenswürdig.“

Mir ist mein Bart nie als kontroverses Thema vorgekommen. Er ist seit vielen Jahren ein treuer Begleiter. Kein langer Hipsterbart oder aufwändig zurecht rasiert. Einfach nur ein kurzer unkomplizierter Vollbart, lang genug um nicht mehr stachelig zu sein. Frei von jeder politischen Aussagekraft und ohne Ähnlichkeiten zu berühmten Vorbildern in Märchen und Geschichten. Für den Räuberhauptmann hat es nie gereicht.

„Trotz oder gerade deswegen?“ wandert es mir durch den Kopf und zeitgleich über die Lippen. Im Kopf des Mannes scheint das etwas auszulösen, jedenfalls beginnt er zu erzählen, dass Bärte in seiner Jugend ausgesprochen verpönt waren aber das ja so lange her sei und jeder tun sollte, was ihn denn glücklich macht. Ich kann sein Alter schwer schätzen. Ist er noch im Bereich der 70 oder schon über die 80? Ich weiß nicht, wann seine Jugend war, aber spontan fällt mir keine Epoche ein, in der es nicht wenigstens in einzelnen Gesellschaftsschichten angesehen oder akzeptiert gewesen wäre, einen Bart zu tragen. Die Mode schwankt natürlich auch in diesem Bereich stark.

Erst im Nachhinein fällt mir auf, dass er mich trotz der immer breiter werdenden grauen Strähnen im Bart mit seiner Formulierung auch der Jugend zugerechnet haben könnte. Möglicherweise lässt der Bart mich also nicht nur vertrauenswürdiger, sondern auch noch jünger wirken. Ist nicht in der Regel das Gegenteil der Fall? Was auf mich zutrifft kann ich nicht sagen. Die letzten Fotos, auf denen ich ohne Bart zu sehen bin sind bereits alt und vermutlich hat sich auch mein Gesicht im Laufe der Zeit ein wenig gewandelt, genau wie so vieles anderes.

Inzwischen ist auch die Dame gefunden, was sie gesucht hat, und ist wieder zu ihrem Einkaufswagen zurückgekehrt. Mit einem dankbaren Blick stellt sie fest, dass noch alles ist, wie sie es zurückgelassen hat, und beginnt nun doch noch damit, das Band zu beladen. Der Azubi bekommt unterdessen Unterstützung von einer Kollegin, die bereits ein paar Jahre länger hier arbeitet. Auch wenn sie immer gut gelaunt und freundlich ist, sie ist gleichzeitig weltmeisterhaft schnell. Der alte Mann vor mir kennt sie offenbar auch, denn er seufzt etwas wehleidig, fügt sich dann aber seinem Schicksal.

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Geoengineering – Moin Senf

Nachdem es hier in letzter Zeit eigentlich nur noch um den Garten ging wird es allerhöchste Zeit für eine kleine Abwechselung. Mir begegnen in letzter Zeit vermehrt wieder Artikel zum Thema Geoengineering, und ich frage mich wieso? Warum ich bei diesen Berichten immer etwas skeptisch bin möchte ich euch in einem kleinen Beitrag gerne erläutern.

Habt ihr euch schon einmal mit dem Thema befasst? Wie ist eure Meinung dazu? Diskutiert gerne mit und vielleicht kann mich ja sogar jemand umstimmen.

Riesige Spiegelflächen im Orbit, die einfallendes Sonnenlicht in den Weltraum reflektieren, künstlich angelegte Wälder in den Wüsten dieser Welt, in der oberen Atmosphäre verstreute Aerosole, welche künstlich Wolken und damit Regen entstehen lassen sollen oder Ozeane voller Algenplantagen, in denen CO2 gebunden werden sollen. Alle diese Maßnahmen zählen zum Themenkomplex des Geoengineerings. Darunter versteht man die Beeinflussung des Weltklimas durch groß angelegte technische Maßnahmen. Der Mensch hat den Klimawandel maßgeblich verursacht, also soll er ihn auch wieder beseitigen, ist dabei die Devise. Die meisten Entwürfe setzen dabei beim Entfernen großer Mengen CO2 aus der Atmosphäre an.

Der Gedanke ist naheliegend. Immerhin ist es auch aus Sicht des Weltklimarates (IPCC) nicht mehr möglich, das 2-Grad-Ziel nur durch Klimaschutzmaßnahmen einzuhalten. Emissionen einsparen allein reicht also nicht mehr aus, um unser Wohlfühlklima zu retten. Aktiv werden müssen wir so oder so, es stellt sich nur die Frage, wie wirkungsvoll wir sein können.

Aber genau wie das vor einigen Jahren sehr emotional diskutierte Verfahren des Abscheidens und Untertageverbringen von CO2 bergen diese Methoden nicht kalkulierbare Risiken. Auch wenn die Klimaforschung weiterhin große Fortschritte erzielt, verstehen wir immer noch viel zu wenig über die Prozesse unseres Klimasystems, um die Folgen solcher Eingriffe zuverlässig abschätzen zu können.

Ganz abgesehen davon ist die wirtschaftliche Komponente nicht zu verachten, denn ob es nun um die Bewässerung und Düngung von Bäumen in der Wüste, die Bewirtschaftung von schwimmenden Farmen im Ozean, die Installation von Spiegeln im Weltall, CO2-Abscheidern oder das Ausbringen von Aerosolen in der Stratosphäre geht, in jedem Fall kostet es Geld. Wer will das bezahlen? Wer KANN das bezahlen? Die Kosten für solche Eingriffe liegen wenigstens im Milliardenbereich.

Und selbst wenn die Finanzierung stimmt, geht es um eingriffe, die das Klima und unsere gesamte Umwelt auf Generationen hin bestimmen werden. Wie stellt man sicher, dass man nicht langfristig einen größeren Schaden als einen Nutzen erzeugt?

Das Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas war auch einmal nicht nur das „kleinere Übel“, sondern der große Wurf, der alles besser machen sollte. Auch wenn es bereits Veröffentlichungen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gibt, die eine Klimawirksamkeit der Verbrennung von Kohle auf globalem Maßstab festgestellt haben, dauerte es seine Zeit, bis die Erkenntnis allgemein etabliert war. Wobei es selbst heute noch Menschen gibt, in deren Augen die Naturgesetze offenbar keine Gültigkeit besitzen.

Kritiker befürchten, dass eine Einführung von Geoengineeringmaßnahmen zur Folge haben wird, dass dies von der Industrie als Freifahrtschein gesehen werden könnte, Emissionen ungehindert in die Atmosphäre einzubringen. Schließlich könnten sie ja jederzeit wieder herausgefiltert und anderweitig entsorgt werden können.

Ein weiteres Argument gegen beispielsweise die Verpressung von CO2 in geologische Speicher ist der „überragende Erfolg“ von vermeintlich sicheren Atommüllendlagern. Bislang konnte auf der Erde keine einzige geologisch zuverlässig stabile Situation ausgemacht werden, die als Endlager brauchbar wäre. Für das flüchtige CO2 werden noch größere Probleme erwartet. Eine Verkippung von mühsam produziertem Holz oder sonstiger Biomasse untertage ist schon allein aus wirtschaftlichen Gründen nicht vorstellbar.

Dabei wäre genau das notwendig, denn die Rechnung ist eigentlich einfach. Material wurde aus einem stabilen fossilen Zustand in den atmosphärischen Kreislauf eingetragen und ist hier nun aktiv. Um den Effekt dauerhaft zu bekämpfen muss dieses Material wieder aus dem Stoffkreislauf entfernt und gebunden werden. Die Alternative ist ein verändertes System mit einem neuen Gleichgewicht, und auch wenn die Erde selbst damit kein Problem haben wird, es zeichnet sich doch ab, dass wenigstens der Übergang in dieses neue Gleichgewicht für uns Menschen nicht angenehm wird.

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Regelt das schon: Die Natur. Hier bei der Arbeit in einem alten Steinbruch und schwer beschäftigt, sich um sich selbst zu kümmern. Macht ja schließlich sonst keiner.

StadtGartenSchau – Teil 10. – Smoothieworkshop

Ein langer Tag geht heute zu Ende. Er begann bereits vor einigen Wochen mit einem Missverständnis. Bei uns landete eine Anfrage, ob wir nicht einen Workshop mit Unterhaltungsprogramm gestalten und durchführen würden. Wir waren zwar nicht das Ziel der Anfrage und ich weiß auch nicht genau, was der Inhalt war, aber das immer hilfreiche und niemals müde Team der StadtGartenSchau sprang natürlich dennoch ein.

Und heute war es dann soweit, dass ein lokal ansässiges Unternehmen seine internationale Managerriege zu uns schickte um zu lernen, wie man Green Smoothies macht oder aus leeren Tetrapacks einen Blumentopf bastelt. Abgerundet wurde das ganze natürlich mit einer kurzen Führung über unsere Ausstellungsfläche. Es wäre mir lieb gewesen, wenn ich im Vorfeld eine Warnung bekommen hätte, dass ich ebenfalls einige Worte sagen sollte. Besonders, da die Gruppe international war und die Sprache entsprechend englisch war. Auch wenn ich die Sprache halbwegs gut beherrsche wäre es gut gewesen, sich bereits vorher einmal Gedanken machen zu können, was man denn sagen möchte. Angekündigt war mir, dass ich als moralische Unterstützung und Vertreter der Abteilung CampusGarten anwesend sein solle. Denn wie sonst soll sich meine Anwesenheit bei Smoothies erklären lassen?

Wir haben unseren Auftritt natürlich dennoch gemeistert. Unsere Gäste waren erstaunlich interessiert an allem, begutachteten das Blumenauto, den bepflanzten Einkaufswagen, Insektenhotel und essbaren Teich mit neugierigen Augen. Besonders die Palettenmöbel schienen eine gewisse Faszination auszulösen und den Bastler und Tüftler in den Besuchern zu kitzeln. Die ein oder andere Inspiration wird heute sicherlich den Weg in die Köpfe und mit auf den Heimweg gefunden haben.

Sowohl Smoothieworkshop und Bastelstunde wurden ebenfalls gut angenommen. Der ein oder andere Schreibtisch der Region ist also demnächst mit der eigenen kleinen Basilikumpflanze dekoriert, ideal um das Mittagessen noch etwas aufzuwerten. Und auch die trinkbaren Mahlzeiten sind offenkundig auf Gegenliebe gestoßen, auch wenn sie weder Steak noch Schnitzel beinhalteten. Dafür gab es frisch geernteten Salat und Spinat, gut verflüssigt mit Trauben, Äpfeln oder Zitrusfrüchten.

Und immer wieder zwischendurch und am Rand die neugierigen Fragen, was denn nun alles zur Gartenschau gehört, ob es alles nur die Wiesenflächen sind, was danach mit dem Gelände passiert, wo die 5.000 neuen Wohnungen denn alle entstehen sollen und immer wieder auch die leicht provozierend oder auch ungläubig gestellte Frage, ob da nicht mehr wäre als die riesigen Rasenflächen mit den einzelnen Blumenbeeten am Rand. Aber das darf man natürlich nicht an die große Glocke hängen, immerhin wollen wir ja Werbung machen, damit möglichst viele Besucher kommen und sich bei uns inspirieren lassen, ihren eigenen Garten ökologisch und klimatisch verträglich umzugestalten.

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Präsentation von Smoothiezutaten und Herstellungsprozess. Damit ist dann übrigens auch unsere VHS-Hütte offiziell eingeweiht. Das war die erste Veranstaltung darin.

Randszene in der Managerriege vor dem essbaren Teich, inzwischen sogar mit Pflanzen: „Wir brauchen dich mal, wir haben da einen Antrag, den wir stellen möchten. Was hältst du davon, wenn wir unseren Chemieteich zu so etwas hier umbauen? Das wäre doch mal was, oder?“

StadtGartenSchau – Teil 9. – „Eigen-“ werbung

Das zweite Wochenende seit der Eröffnung ist im vollen Gange und tausende Besucher strömen bei bestem Wetter auf die Ausstellungsflächen. Strahlend blauer Himmel, sommerliche Temperaturen und immerhin ein lauer Wind. Für die ersten Besucher wird das Wetter bereits zur Herausforderung und auch die Ersthelfer müssen nicht über Langeweile klagen. Dafür geht nun doch noch das Meer aus Tulpen auf, was sich viele Leute bereits zur Eröffnung gewünscht haben.

Davon gibt es aber heute kein Bild. Dafür etwas Werbung für den Blog einer Freundin von unserer UrbanGardening Fläche. Die gute Silvi hat nämlich auch einmal ein kleines Resümee geschrieben und wunderbar bebildert. Das kann ich euch doch völlig bedenkenlos ans Herz legen und viel Spaß beim Lesen wünschen.

Ein Klick auf ihr Logo bringt euch direkt auf ihren Blog:

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Und das hier schreibt das werte Garten-fräulein über unser Projekt:

Die Stadtgartenschau auf der Landesgartenschau Würzburg

Ps.: Ein kleiner Nebeneffekt von dem Wetter ist auch, dass die Pflanzen schneller wachsen, als die Hasen sie uns abfressen können. Besonders bei Salat und Getreide macht sich das bemerkbar.

StadtGartenSchau – Teil 8. – Eröffnung

Eine Woche liegt die Eröffnung jetzt bereits zurück und so langsam bügeln sich die ersten Kinderkrankheiten aus. Wir haben nicht an alles denken können, manches war auch nicht perfekt organisiert, und die ersten geplanten Aktionen liegen auch bereits hinter uns. Die Fläche wächst und entwickelt sich Stück für Stück. Und das wichtigste, es gibt Feedback und Reaktionen. Aber nun erst einmal zurück auf Anfang.

Letzte Woche Donnerstag war der große Tag, an dem sich erstmalig die Pforten für die Besucher öffnen sollten. Bis spät in die Nacht hinein wurde noch an den zahlreichen Baustellen gearbeitet, am Donnerstag selbst noch bis 9 Uhr morgens asphaltiert. An allen Ecken und Enden der Protest, man habe ja so lange nicht arbeiten können, weil alles noch gefroren war und der späte Frost einem die Arbeit erschwert habe. Das mag stimmen, denn wir waren für eine lange Zeit im Winter tatsächlich die Einzigen, die unerbittlich weiter gemacht haben. Mit Spitzhacke und Spaten sind wir los gezogen, weil der Sand zu dicht gefroren war, um mit der Schaufel allein etwas zu erreichen. Aber wir haben es geschafft. Was wir schaffen konnten und wollten haben wir erreicht.

Am großen Tag war dann dafür erwartungsgemäß sehr viel los. Neben einer Armee aus Pressevertretern schob sich eine wenigstens genau so große Armee aus Uniformen umher. Immerhin hat sich der, ganz in der Tradition seiner Vorgänger, durch die Demokratie leicht behinderte Prinzregent der Provinz im Südosten des Reiches angekündigt. Schließlich hat die königliche Schatzkammer das Unterfangen durchaus großzügig unterstützt. Beinahe schon im Hintergrund verschwindet da die anwesende lokale Politprominenz und andere geladene hohe Tiere.

Der Vorteil an Metaphern ist, dass sie nicht wörtlich zu nehmen sind. So ragen hohe Tiere nicht, wie etwa eine Giraffe oder ein Elefant, über die Masse hinaus, sondern können sich gut getarnt und unerkannt darin bewegen, wenn sie es denn wollen und jemand anwesend ist, der die größere Aufmerksamkeit auf sich lenken kann. Zur festlichen Eröffnung aber versammelt sich natürlich alles am gleichen medialen Wasserloch, sprich der Hauptbühne.

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Wirklich zuhören möchte niemand, aber es gehört halt dazu. Und eigentlich ist es ja auch egal, wer da vorne nun eigentlich steht, solange man am Ende brav applaudieren kann und sich über ein paar nette Worte freut. Dafür entschädigt ein wirklich fantastisches Wetter für eventuell entstandene Unannehmlichkeiten.

Und wie bei alle Eröffnungszeremonien wird natürlich auch bei einer Landesgartenschau keine Ausnahme gemacht. Viele große Worte des Lobes und der Dankbarkeit an beteiligte, einige mal mehr und mal weniger nette Anekdoten aus gut 100 Jahren Geschichte des Geländes. Ab und an gibt es Musik und natürlich muss auch der Prinzregent seine Bewunderung für die Arbeit ausdrücken, von deren Qualität er sich auf einem intensiven Rundgang in den 5 Minuten seit seiner Ankunft natürlich restlos überzeugen konnte sowie seine innige Verbundenheit zur Region und der hiesigen Faschingstradition. Es ist ein Zirkus der niemals still steht.

Eine Randerscheinung, die in den großen Reden beinahe untergegangen wäre, war die Vorstellung des Geländes. Die großen Themenbereiche wurden jeweils kurz vorgestellt im Sinne von wo sie zu finden sind, und was sie ausstellen. Die Gärten von morgen zeigen, wie wir in Zukunft leben können. Der Wiesenpark läd zum verweilen und die Sonne genießen ein. Der alte Park ist ein Relikt aus den Zeiten, als hier noch eine amerikanische Kaserne stand. Und völlig unscheinbar, mitten darin versteckt aber dennoch deutlich ausführlicher, der Hinweis auf ein einzelnes Projekt. Eine UrbanGardening Fläche, wo junge Leute aus der Uni und der Stadt gemeinsam auf achtzehnhundert Quadratmetern eine Vielzahl an Inspirationen und Anregungen geschaffen haben. Im allgemeinen abschweifenden Geplauder geht der Hinweis beinahe unter, löst aber dennoch Verwunderung aus. Beispielsweise bei mir, der nicht damit gerechnet hätte, so hervorgehoben zu werden.

Und schon tummeln sich einige tausend Menschen auf der ganzen Ausstellung und können das Ende der Zeremonie nicht einmal abwarten. Schnell zeigt sich, in welchen Bereichen sich die Menge eher verteilt und wo es die Leute hin zieht. Und auch, was die Leute sehen wollen. Es ist egal, dass vor nicht einmal zwei Wochen noch Schnee gelegen hat, denn heute scheint die Sonne und die Leute wollen Blumen sehen. Dabei ist nicht von Bedeutung, ob sie aus dem Gewächshaus kommen, durch Magie gezeugt wurden oder schon im Schnee blühen würden. Die vereinzelt am Rande blühenden Tulpen werden geringschätzig begutachtet und auch das zarte Grün frisch gekeimter Pflänzchen ist nicht, was erhofft wurde. Da hilft alles nichts, es gibt offene Enttäuschung.

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Noch sind viele Flächen wenig grün und dafür um so kahler, aber das ändert sich bereits kräftig. Die Natur nutzt die Wärme und die Sonne mit aller Macht.

Aber natürlich gibt es auch Leute, die verstehen, wie die Natur funktioniert und die ausreichend Fantasie mitbringen, um aus dem zarten Grün der jungen Keimlinge einige Wochen in die Zukunft zu projizieren. Es gibt jene, die gerade Linien und scharfe Kanten bevorzugen und solche, für die es kaum etwas tolleres gibt als organische Formen und vielfältig lebendiges Stück Grünanlage. Denn auch wenn wir noch keinen Wald aus Grünpflanzen vorweisen können, die Tiere lassen sich davon nicht bremsen.

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Ein paar bunte Blumen können wir dann doch noch anbieten und diese werden auch wohlwollend wahr- oder angenommen. Aber das gilt eigentlich für alles.

Überall summt und schwirrt es. Die meisten Besucher bekommen es kaum mit, so eilig sind die Bienen unterwegs. Auch die Vögel zeigen bereits Interesse an unserer Ausstellung. Gestern Abend waren wir noch alle überrascht und begeistert, dass sich eine Meise bereits einen der Nistkästen näher angesehen hat, heute morgen findet sich bereits das erste Material zum Nestbau im Eingangsloch und jetzt steht bereits der erste Besucher da, nimmt voller Neugier den Kasten von der Wand und öffnet ihn. Vor lauter Fassungslosigkeit hat niemand schnell genug reagieren können um ihn davon abzuhalten.

Auch die Insektenhotels werden teilweise etwas zu neugierig begutachtet. Es ist ja immerhin eine GartenSCHAU, da will man wohl auch etwas ansehen können. Und wir haben nicht damit gerechnet, dass die Ausstellung ja auch so interpretiert werden könnte. Es braucht also dringend einige zusätzliche Schilder. Gleiches gilt für die Getreidefelder und Bienenweiden, die einfach noch nicht so weit gekeimt sind. Überall finden sich bereits die ersten Fußabdrücke abseits der Wege. Dabei sind wir davon ausgegangen, wahrlich genug davon angelegt zu haben.

Während in der Hütte noch nichts zu sehen ist, sie aber trotzdem viel Aufmerksamkeit anzieht, entwickelt sich unser Samenspender zu einem regelrechten Star. Vielfach fotografiert und bestaunt sorgt er für viele Lacher. Und das obwohl (oder gerade weil?) er mit einem kleinen Schild als „Defekt“ ausgewiesen ist. Er würde ja eigentlich funktionieren, wenn denn nur die Schachteln hinein passen würden. Aber da Kondompackungen wohl kleiner sind als Zigarettenschachteln und wir nur dieses Format zur Verfügung haben, wird es noch etwas dauern, bis auch hier der normale Betrieb einsetzen kann. Aber wir bleiben zuversichtlich.

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Ein Gruß aus der Welt der sozialen Medien. Unser Automat war eines der wenigen Motive, die es an diesem Tag bis dorthin geschafft haben. Auch irgendwo eine Leistung…

Schon allein deswegen, weil jeder bei uns irgendetwas findet, was ihm oder ihr gefällt. Während der allgemein unfertige Zustand der Landesgartenschau bemängelt wird, ernten wir viel Lob für die kreative Arbeit und sogar Verständnis dafür, dass nicht bereits alles blüht oder gepflanzt wurde. Bei Salat und Bohnen sind die Leute offenbar nachsichtiger als bei Tulpen und Rosen. Natürlich gibt es auch jene, die gerne anmerken wollen, was ihnen missfällt, aber der Gesamteindruck bleibt positiv und viele Besucher versprechen, ihre Dauerkarten darauf zu verwenden, uns regelmäßig heimzusuchen und die Veränderungen zu beobachten.

Es wird definitiv ein spannendes halbes Jahr …

StadtGartenSchau – Teil 7. – Was ist ein Trivarium?

Auf unserer Fläche sind einige Elemente entstanden, von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe. Was ist beispielsweise ein Schlüssellochbeet? Oder ein Lasagnebeet? Oder ein Trivarium? (Wir erinnern uns an Teil 3) Ein Alpinum kann man sich ja herleiten. Es wird etwas mit vielen Steinen und Gebirgspflanzen zu tun haben. Ein Schotterbeet ist zwar ähnlich, aber nicht so sehr auf Gebirgspflanzen ausgerichtet. Immerhin gibt es Schotterflächen in der Naturlandschaft auch oft an Flüssen oder bei Hangrutschungen und Steinschlägen (eigentlich muss man sagen „es gab sie“, denn in unserer Kulturlandschaft ist dieses Ökotop dank begradigter und kanalisierter Flüsse quasi ausgestorben. Dafür tauchen Schotterflächen heute eher in Städten auf, bei Baulücken und Brachflächen. Hier können sich eventuell Tiere und Pflanzen hin retten, die auf diese Nische angewiesen sind, wenn man ihnen eine Chance lässt.)

Aber was ist denn nun so ein Trivarium?

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Kurze Antwort: Das ist ein Trivarium. Die große Fläche im Vordergrund gehört dabei nicht einmal mehr dazu. Hier ist nämlich eine Mischkultur eingesät, die inzwischen eifrig sprießt. Die massiven Steine der Sonnenfalle haben die Funktion, solare Wärmestrahlung für die Nacht zu speichern.

Wie der Name es vermuten lässt, besteht es aus drei Elementen. Das Kernelement ist dabei die Sonnenfalle. Im Grunde eine Kräuterschnecke, die zu einem Halbmond nach Süden hin aufgedreht wurde. Geeignet ist sie für so ziemlich alles, was man auch in einer klassischen Kräuterspirale findet. Der Boden darin ist natürlich recht mager, denn Kräuter mögen es nicht besonders, wenn sie zu viele Nährstoffe haben. Wenn man so will, sind sie dem Menschen eigentlich sehr ähnlich. Wir kommen auch besser mit Mangel als mit Überschuss zurecht. Gibt es einmal zu wenig von etwas suchen wir, bis wir es gefunden haben. Entstandene Schäden sind erstaunlich einfach zu reparieren. Wenn es aber von allem oder von einzelnen Stoffen einen Überschuss gibt, dann kann das schnell daneben gehen. Organschäden bei Übergewichtigen oder Diabetes sind nur die bekanntesten Schäden und diese lassen sich nicht mehr so einfach heilen. Den Kräutern geht es ganz ähnlich. Lieber also etwas zu mager und sie werden halt nicht so groß. Da wir ja ökologische Intensivierung bewerben möchten haben wir natürlich auch einige Nisthilfen in der Sonnenfalle verbaut. Eine bunte Auswahl an Vögeln und Insekten hat also das Angebot, bei uns Unterschlupf zu finden und sich heimisch zu fühlen.

Die Sonnenfalle umschließt einen Krater, in dem sich Feuchtigkeit sammelt, der durch die Sonnenfalle vor Wind geschützt ist und wo die Wärmestrahlung hinein reflektiert wird. Im Grunde ist es vergleichbar mit einer Satellitenschüssel oder einem Parabolspiegel. Dort ist ebenfalls eine reflektierende Ebene so ausgerichtet, dass sich Strahlung in einem Punkt sammelt, nur dass der Punkt in diesem Fall die Senke in der Mitte ist. Hier gedeihen Pflanzen, die gut mit warmfeuchten Bedingungen zurecht kommen. Nach Norden hin sind sie vor kaltem Wind geschützt und zu so ziemlich jeder Tageszeit fällt Sonnenlicht hinein. Bedingt durch den tonigen Untergrund haben wir eigentlich sogar zwei Trivarien mit Teichen, denn der Krater läuft aktuell bei jedem Regenguss mit Wasser voll. Da Würzburg aber im Sommer auch Phasen hat, wo Monate komplett ohne einen Regentropfen keine Seltenheit sind, verzichten wir darauf, Reis hinein zu pflanzen und bleiben bei solchen, die bei Überflutung protestieren. Auch wenn mir die Idee mit dem Reis eigentlich ganz gut gefallen hat …

Das dritte Element ist das Sandarium, welches die gesamte Struktur zur Seite hin abgrenzt. Hier ist nicht nur die obere Schicht mit Sand abgedeckt sondern tatsächlich dick aufgetragen. Bisher hat sich auch noch kein Kind dazu hinreißen lassen, mit Förmchen bewaffnet in diesen Sandkasten zu springen. Ich bewundere die Disziplin. Die Pflanzen hier kommen mit extrem wenigen Nährstoffen und Wasser aus, wurzeln dafür aber um so tiefer. Wer davor steht merkt häufiger an, dass es recht karg aussieht und so viel Platz zwischen den einzelnen Pflanzen ist. Nicht weiter verwunderlich, immerhin kennen wir solche trockengefallenen Sandbänke aus unseren Kulturlandschaften überhaupt nicht mehr (Heidelandschaften einmal ausgenommen). Dennoch ist auch das geplant, denn solche Sandflächen wachsen selten wirklich zu. Stattdessen bieten sie viel Zwischenraum, deren Sandflächen wichtige Habitate für viele Insekten wie die verschiedene Wildbienen oder Wespen, die sich hier ihre Bruthöhlen graben.

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Ein Blick in den Sonnenuntergang ohne Sonnenuntergang, dafür mit Sandarium. Im Hintergrund sieht man den Halbmond der Sonnenfalle noch.

Es klang bereits durch, auf unserer Fläche sind gleich zwei große Trivarien zu bestaunen. Eines davon mit Kraterbeet, eines davon mit Teich im Zentrum. Der Teich ist als solcher geplant, mit Folie ausgekleidet und soll mit essbaren Pflanzen besetzt werden. Denn nur weil die meisten unserer Gemüsepflanzen und Kräuter eher auf großen Feldern angebaut werden heißt das nicht, dass es im Wasser nicht auch einige Leckereien geben kann. Wasserminze ist nur ein Beispiel, dankbarerweise sehr ähnlich wie Pfefferminze. Um den Pflanzen besseren Halt zu geben wurden Stufen in den Sand modelliert, als die Folie eingebaut wurde. Leider war der Sand zu nass und die Struktur ist wieder kollabiert.

Genau wie der Plan, das zweite Trivarium mit einem trockenen Krater anzulegen. Diese Senke ist so gedacht, dass sich dort etwas Wasser ansammeln kann, aber dank des tonigen Bodens ist hier schnell ein natürlicher Teich entstanden, den wir nun beständig leer schöpfen. Und auch wenn ich für eine Anpassung gestimmt habe, bleibt es nun also bei dem ursprünglichen Plan und dem Schaufeln. Ich bin gespannt, wie der Sommer wird.

Gefällt euch die Reihe bis hierhin? Erkläre ich zu viel oder zu wenig oder das falsche? Gibt es andere Projektteile, die ihr so ausführlich erläutert haben möchtet? Einige Highlights habe ich ja bereits vorgestellt aber natürlich war das nicht alles. Wenn gewünscht kann ich auch einmal Ausflüge zur „Konkurrenz“ machen und euch davon etwas erzählen. Lasst es mich doch einfach in den Kommentaren wissen. Im Idealfall sieht man es sich natürlich selbst an und schafft sich selbst einen Eindruck, aber ich hätte ein schlechtes Gewissen, dafür jemandem nun zu einer weiten Reise zu raten. 😀

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Der fertige Flächenplan, wie er auf unseren Flyern und auf den Infoschildern zur Ausstellung abgebildet. Kleine Besonderheit: Der Plan ist nicht genordet sondern gesüdet 😉

StadtGartenSchau – Teil 6. – Immobilien

Das Urban Gardening Projekt „StadtGartenSchau“ besteht aus drei Kooperationspartnern. CampusGarten und Stadtgärtner e.V. kümmern sich um den gärtnerischen Aspekt. Die Volkshochschule Würzburg wollte den interkulturellen Beitrag leisten, indem sie mit Flüchtlingen und aus recyceltem Material eine Hütte für Vorträge und Workshops bauen. Aber Recyclingmaterial und ohne festen Bauplan, da hätte der TÜV niemals eine Freigabe für erteilt, also musste am Ende doch ein fertiger Bausatz dafür herhalten. Und auch der Plan, während des laufenden Betriebs gemeinsam mit Geflüchteten zu arbeiten ist nicht so ganz aufgegangen.

Nach einigem Chaos steht nun aber dennoch eine Hütte, die vielen Studies den Neid in die Augen treibt, denn sie ist groß genug, als dass man eine komplette Wohnung darin einrichten könnte. Eine einfache Gartenlaube ist jedenfalls einige Qualitätsstufen darunter. Inzwischen liegt die erfolgreiche Eröffnung der Landesgartenschau hinter uns und es sind nicht mehr nur die Beteiligten, die Interesse daran zeigen. Verwirrung kommt nur dadurch zustande, dass an anderer Stelle auch viel beworben Tiny Houses ausgestellt werden. Es kommt regelmäßig vor, dass jemand bei uns steht und fragt, ob dies hier die besagten Minihäuser sind. Auch sind bereits erste Kaufanfragen gekommen.

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Richtfest! Der Rohbau war hier fertig, es fehlten noch Dach, Boden und Fenster / Türen. Außerdem ist noch ein Schutzanstrich hinzugekommen aber ansonsten hat sich wenig verändert.

Die Hütte ist aktuell jedenfalls ein größerer Blickfang als unser Werkzeugschuppen, und das völlig zu Recht. Aber das kann sich noch ändern, denn letzterer soll noch einige kleine Updates erfahren. Hier soll noch eine Dach- und Fassadenbegrünung entstehen. Der Rohbau dafür sieht zugegebenermaßen noch sehr rudimentär und nicht so ansehnlich aus. Die Aufhängungen und Abdichtung ist bereits vorhanden, der Aufbau fehlt noch.

Aber im Gegensatz zur VHS-Hütte ist dieser Schuppen tatsächlich ein vollständiger Eigenbau. Ein Stahlgerüst im soliden Fundament ist die Basis, auf die eine Holzverkleidung gebaut wurde. Sie ist nur leider zu klein für die Massen an Werkzeug und Baumaterial, die wir darin lagern, aber eigentlich sollte das ja eh bereits verarbeitet sein. In den nächsten Wochen gibt es hier sicherlich große Fortschritte.

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Hier zwei Wochen vor der Eröffnung und auch heute noch nicht ganz fertig. Man kann aber die Aufhängungen für die Vertikalbeete bereits erkennen und das Schutzvlies. Ein Bild von der fertigen Hütte liefer ich gerne nach, wenn es gewünscht ist.

Die mit Abstand am meisten fotografierte „Immobilie“ auf dem Gelände wird aber wohl die „einfachste“ sein. Unser Garten-Fräulein *link* wollte die Möglichkeiten eines einfachen Balkons in der Stadt aufzeigen. Da wir aber nur eine große Ebene hatten und keinen Balkon, haben wir eine kleine Terrasse gebaut, die einem Balkon wohl am nächsten kommen kann. Hier hat sie sich gründlich austoben können und mit viel Improvisation liebevolle Dekorationen erstellt.

Auch die Sitzmöbel auf dem Balkon werden mit viel Begeisterung angenommen. Irgendjemand sitzt dort immer und genießt eine kurze Pause von dem ganzen Trubel und dem vielen Laufen. Auch wenn der Platz noch so klein ist, man hat eine gute Aussicht auf die ganze Fläche von dort aus. Bis zum Sommer ist es hoffentlich noch etwas weiter zugewachsen, so dass es noch mehr den Charakter einer grünen Oase der Ruhe annehmen kann.

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Ein altes Bild, noch ohne bunte Blumen. Inzwischen ist der Balkon nämlich permanent belagert und immer steht irgendwer im Bild. Der Andrang überrascht mich. Auf dem Stuhl sieht man einen Bilderrahmen stehen. Darin wachsen verschiedene Sukkulenten hinter Hasendraht, also auch eine Form von vertikaler Begrünung.

Auf der Rückwand des Balkons ist übrigens auch unser Kondomautomat angebracht. Inzwischen mit dem Namen „Samenspender“ versehen zieht er viel Aufmerksamkeit an, aber leider auch etwas Spott, denn es zeigt sich, er wurde nicht ganz so geliefert wie bestellt. Eigentlich sollte er mit Döschen bis Zigarettenschachtelgröße beladen werden können, aber es zeigt sich, dass diese Kisten zu groß wären. Sie rutschen nicht nach, also müssen wir leider ohne ihn starten und erst kleinere Schachteln bestellen. Aber dann kann auch diese Aktion in Betrieb gehen.

Und zum Abschluss ist mir jetzt auch noch eingefallen, dass ich euch unser Gewächshaus völlig unterschlagen habe. Aber davon erzähle ich euch vielleicht ein anderes mal…