It‘s the end of the world as we know it

It‘s the end of the world as we know it

 

Es ist so weit, die Apokalypse ist offiziell angekündigt. Das System ist zusammengebrochen und hat sich abgemeldet. Okay, nur das duale System. Jahre der Umwelterziehung fallen einer Krise zum Opfer, die sich den meisten Menschen in erster Linie durch Massenhysterie um ausverkauftes Klopapier bemerkbar macht. Die lokalen Stadtreiniger kürzen alles zusammen und leeren ab sofort nur noch den Restmüll. Wer keinen eigenen Kompost auf dem Balkon hat, möge ihn bitte im Restmüll entsorgen, auch die Papiertonnen werden auf unbestimmte Zeit nicht mehr abgefahren, Wertstoff- und Recyclinghöfe bleiben ebenso geschlossen.

Die Krise hat Deutschland fest im Griff. Schulen und Kindergärten sind genau so geschlossen wie die Konsumtempel. Bei bestem Frühlingswetter sollen die Menschen motiviert sein, sich in ihre vier Wände zurückzuziehen, nur die nötigsten Ausflüge zum Supermarkt oder Arzt zu unternehmen, nach Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten, um keine Kollegen zu infizieren und grundlegende Hygieneregeln wie Händewaschen zu beachten. Treffen mit Freunden? Lieber nicht, und wenn nötig, bitte nur in kleinen Gruppen und mit ausreichend Abstand.

Flatten the curve! Streckt die Neuinfektionen über eine möglichst lange Zeit, damit das Gesundheitssystem es auch auffangen und bearbeiten kann. Und über allem schwebt, bzw. fällt inzwischen das Damoklesschwert der Ausgangssperre als letztes Mittel der Politik, der Situation noch, wenn schon nicht Herr, dann wenigstens aber doch Lehrling zu werden.

Die Leute lassen sich davon kaum abhalten. Solange die Cafés geöffnet sind, sitzen sie auch voll. Nur langsam nimmt der Abstand zwischen den Passanten zu und nur langsam nimmt die Zahl derer ab, die sich dazu entschließen, das Wetter mit Freunden, Verwandten und Bekannten im Park zu verbringen. Immerhin ist doch fast perfektes Wetter zum Grillen. Was fällt Mutter Natur auch ein, da einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen? Es wirkt beinahe trotzig, wie etliche Leute sich nun in Gruppen in der Sonne sammeln.

Einige halten sich trotzdem an die Aufforderung, zuhause zu bleiben. Wenigstens haben sie ihre eigene Interpretation dessen, was gefordert wird. Mit Hamsterkäufen und allem was dazu gehört. Auf dem Heimweg von der Arbeit kann man die Ströme von Menschen beobachten, die Massen an Lebensmitteln aus den Supermärkten schleppen. Bei den meisten ist der Blick eher nach innen gekehrt. Nur die, die noch eine Packung Klopapier ergattert haben, gucken irgendwie eher beschämt.

Aus der Fußgängerzone schallt das Rattern der Skateboards. Eine Gruppe Jugendlicher nutzt die Schulsperrung, um dieses Hobby noch einmal aufleben zu lassen. Noch ist die Ausgangssperre schließlich nicht in Kraft getreten. Viele Passanten machen dennoch lieber einen Bogen um die kleine Gruppe, die sich um Bluetooth Box und Palette Energydrinks in Dosen versammelt hat. Ein altes Ehepaar schüttelt verständnislos die Köpfe darüber, bevor sie sich zu ihren Freunden ins Café setzen. Zwei Radfahrer rauschen vorbei. Sie sind offensichtlich nicht auf dem Heimweg von der Arbeit oder zum Einkaufen, sondern nur auf Spazierfahrt unterwegs.

Eine Querstraße weiter staut sich der Verkehr hinter einem Lastwagen, der gerade seine Baustelle beliefert. Die Arbeiter können auf Mindestabstände hier keine Rücksicht nehmen und auch der Innenausbau ist im Homeoffice kaum zu realisieren. Spaß an der Arbeit sieht bei den meisten anders aus. Einzig der König der Baustelle in seinem Kran und der LKW Fahrer gucken, als würden sie das Wetter genießen können. Wobei der Kranfahrer sich auch über sein Pausenbrot freuen könnte, welches er gerade mit einem Bier hinunter spült. Natürlich alkoholfrei! Nicht, dass ich das von hier unten erkennen könnte, aber ich unterstelle es ihm. Denn Arbeitssicherheit gilt immer noch, da wird im Kran bitte nicht gesoffen.

Von dort oben kann er sicherlich auch in den Innenhof im übernächsten Block gucken. Die Abendsonne scheint jedenfalls eifrig hinein, spiegelt sich in einigen Fenstern und wird von den zahlreichen offenen Balkontüren geschluckt. Die ersten Blumenkästen sind bunt geschmückt, Balkonmöbel werden raus gestellt und irgendwo tönt R.E.M. aus einer Wohnung. It‘s the end of the world as we know it hallt durch den offenen Hof auf die Straße, auf einzelnen Balkonen wird getanzt. Es hat etwas von Urlaubsstimmung. In der oberen Etage wirft jemand eine Bierflasche über die Ecke auf den benachbarten Balkon. Sein Freund versucht sie mit einem Kissenbezug zu fangen. Man hört das Reißen des Stoffs, bevor die Flasche dumpf auf dem Balkon zerschellt. Ich höre nur noch das Fluchen, als ich um die Ecke verschwinde.

It‘s the end of the world as we know it and I feel fine begleitet mich auf den Metern bis zum letzten Supermarkt vor der eigenen Haustüre, und irgendwie scheint es das passende Motto der Krise zu sein. Eines ist hier sofort deutlich: Es gibt noch Toilettenpapier! Wein in Tetrapacks, Konservendosen und Klopapier, das dominiert hier das Bild der Einkaufstüten. Die Prioritäten sind klar gesetzt.

Die Kassiererin sitzt hinter einem improvisierten Spritzschutz aus Bilderrahmen und Folien, an der Türe begrüßt mich der Hinweis, bitte mindestens 1,5 m Abstand zu anderen Kunden zu halten und mit Karte zu zahlen. Alles, was mir noch fehlt, sind Kartoffeln und Paprika. Dafür sollte es doch heute noch reichen. Selbst in der Ausgangssperre darf man sich schließlich mit frischen Lebensmitteln versorgen. Vielen scheint das nicht so ganz bewusst zu sein.

Was mich am Ende am meisten beunruhigt, ist, dass ich meine Umgebung nicht verstehen kann. Da sind einerseits die völlig Sorglosen, denen alles egal zu sein scheint, die sich über die Grippewelle vermutlich sogar etwas freuen.Und auf der anderen Seite die Hamsterkäufer und Hysteriker, die sich mit Vorräten für Jahre eindecken, um zwei bis drei Wochen in ihrer Wohnung verschwinden zu können. Wo ist das gesunde Mittelmaß geblieben? Achtsamkeit und Rücksicht auf seine Mitmenschen, Einhaltung der Basishygiene, Gelassenheit und ruhiges Abwarten.

Tut es wirklich so weh, einmal nicht mit den Kollegen im Büro zu kuscheln, auf die dritte Party in dieser Woche zu gehen und sich mit fremden Menschen in viel zu kleine Straßencafés zu quetschen um teuren Kaffee zu schlürfen? Ist es wirklich unzumutbar, darauf hinzuweisen, medizinische Notfallausrüstung auch für medizinische Notfälle verfügbar zu halten und nicht literweise Desinfektionsmittel zu horten? Offenbar ist das zu viel verlangt! Und wenigstens fürs Erste haben R.E.M. recht und es ist wirklich das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Aber das war noch nie etwas Neues. Es ändert sich immer wieder alles und ein neues „Normal“ stellt sich ein. Wenigstens bis im Sommer die nächste Hitzewelle kommt und den nächsten Ausnahmefall mit bringt. Und gegen Hitze hilft Klopapier genau so gut, wie gegen Grippe. Wenigstens ist Hitze nichts ansteckendes, ihre Opfer dafür umso abstrakter.

Bleibt gesund!!

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Ein Auto ist auch nur ein Mensch

Technik entwickelt sich immer weiter. In unserem Alltag können wir das besonders schön an Smartphones, unserer Stromrechnung und im Auto sehen. Besonders der letzte Punkt ist für mich markant, denn ich fahre kaum Auto, und wenn, dann sind es meist Modelle, die höchst rudimentär sind oder so alt, dass jede unterstützende Technik inzwischen defekt und abgeschaltet ist. Luxus ist bereits eine Klimaanlage und eine Musikanlage, die sich per Bluetooth mit dem Smartphone koppeln lässt. Tempomat ist nur dann eine Option, wenn man lange Strecken auf leeren Autobahnen zurücklegt. Schließlich fährt jeder sein eigenes Tempo und man muss ihn laufend raus nehmen, um nicht mit langsameren Fahrzeugen auf freier Strecke zu kollidieren. Und wenn man ihn nach einer längeren Baustelle dann doch wieder aktivieren will, macht er einfach irgendetwas, was im Zweifel hoch gefährlich sein kann. Mir ist diese Technik einfach suspekt. Sie kann zu viel, um sie völlig zu ignorieren, aber auch viel zu wenig, um irgendwie nützlich zu sein.

Wäre da nicht die Sache mit dem technischen Fortschritt. Denn wie ein kleines Kind, hat auch die Technik inzwischen dazu gelernt und ist etwas reifer geworden. Man mag es ja kaum für möglich halten! Und ich komme tatsächlich einmal in die Verlegenheit, in einem neuen Auto zu sitzen, was diese neue Technik sogar besitzt. Eine Armada von Radarsensoren um das ganze Fahrzeug herum beobachtet den Verkehr und bremst eigenständig, wenn der Weg nach vorne nicht frei ist. Und wenn man schon einmal dabei ist, macht man auch die Augen auf, und erkennt die Fahrspur. Und das Auto lernt sogar, damit umzugehen.

Wie ein stolzes Kind seinen Eltern etwas präsentiert, so will jetzt auch das Auto mit den neuen Fähigkeiten angeben. Ein Auto ist schließlich auch nur ein Mensch. Mit Charakter und Persönlichkeit und so. Ein Kind lernt Fahrradfahren, erst etwas wackelig, dann immer sicherer, und guck mal! Schon ganz alleine, ohne Hilfe! Nein, nicht loslassen!! Die Sicherheit der elterlichen Hand im Rücken braucht es noch. Aber guck mal, ich kann das schon alleine! Du sollst nicht Helfen… aber auch nicht loslassen. Und das Auto?

Das hat selber Fahren gelernt. Guck, so schnell darf ich, also fahre ich so schnell, aber nur wenn vorne alles frei ist. Sonst fahre ich aber immerhin so schnell, wie der vor mir. Und guck mal, ich kann sogar die Straße sehen und weiß, wo es lang geht. Neben mir fährt jemand anders, also bleibe ich hier auf der Spur. Guck, ich kann sogar alleine lenken, sogar fast so gut wie Du! Sieh zu, ich zeig es dir. Lass mich das machen… Hey! Nicht das Lenkrad loslassen! Aber guck, siehst du? Ich kann das schon eigentlich alleine!

So oder so ähnlich erschien mir das Auto auf unserem gemeinsamen Weg über die Autobahn. Wie ein stolzes und zugleich etwas bockiges Kind, was etwas tolles Neues gelernt hat, und es jetzt unbedingt präsentieren muss. Es will Verantwortung und weiß, dass es die Aufgabe auch eigentlich schon bewältigen kann, aber traut sich noch nicht so ganz. Vielleicht darf es auch nicht (was wahrscheinlicher ist, da wir ja immerhin in Deutschland sind. Die rechtliche Situation für autonome Fahrzeuge ist bislang weit davon entfernt, klar zu sein).

Noch befindet es sich in einem Zwischenbereich, wo das Kind zwar noch wackelig fährt, aber doch schon fast ganz ohne festgehalten zu werden. Es nimmt einem Arbeit ab, verleitet aber gleichzeitig dazu, sich ablenken zu lassen, um dann vom Bordcomputer angemeckert zu werden, gefälligst wieder die Kontrolle zu übernehmen. Es kann zu viel, um es nicht zu nutzen, aber leider auch noch zu wenig, als dass man ihm die Zügel komplett in die Hand geben könnte. Eines kann man jedenfalls sagen: Die Technik reift rasant und wir können gespannt sein, was noch alles auf uns zu kommt.

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The sun is setting on the british empire

Es ist jetzt schon einige Wochen her, da habe ich ein paar Gedanken zum Thema Brexit aufgeschrieben… mal wieder. Das Thema ist bekanntlich immer noch nicht durch und wird auch nicht so bald durch sein. Den Text jedenfalls habe ich abgespeichert und gut ignoriert, denn wieso braucht es noch eine Meinung dazu? Jetzt hat mir Youtube aus unergründlichen Gründen ein Video vorgeschlagen, welches erstaunlich ähnliche Aussagen trifft. Ich bin also offenbar mit meiner Wahrnehmung nicht allein. Und da hier bereits viel zu lange wieder Funkstille ist, dachte ich mir, wieso eigentlich nicht? Immerhin ist bald Europawahl und wo sich Gysi, die Briten und ich offenbar einig sind, ist, dass die EU etwas Auffrischung braucht. Sie ist zu wichtig geworden um so weiter machen zu können wie bisher, aber das ist eigentlich schon wieder ein anderes Thema. Gerade deshalb ist es wichtig, sich VOR DER WAHL zu informieren, wer denn was möchte und was das bedeutet. Wir haben jetzt vorgemacht bekommen, wie es ansonsten aussehen kann.

 

The sun is setting on the british empire

Die Tagesschau berichtet über den Brexit, wieder einmal. Inzwischen ist das Thema ein beispielloser Stammgast in den Nachrichtensendungen und das Kabarett zeigt sich etwas gelangweilt und nutzt schon längst nicht mehr jede Vorlage. Dafür sind es auch einfach zu viele. Nachdem das (neue) Austrittsdatum näher rückt und es einfach keine Entscheidung geben will, wie geordnet oder ungeordnet der Ausstieg denn vonstatten gehen soll, wird nun der Protest der Bevölkerung noch einmal laut.

Gut eine Million Menschen versammeln sich in Londons Straßen und verlangen Gehör. Sie fordern, dass angesichts der unbefriedigenden Verhandlungen, ein zweites Referendum durchgeführt wird. Dieses soll Klarheit bringen und die Inselnation vor einer großen Katastrophe bewahren. Das erste Referendum war schließlich nicht richtig. Man wusste ja nicht, worüber man abstimmt. Die Brexit Befürworter hatten doch versprochen, dass alles ganz unkompliziert werden würde. Man würde aus der EU aussteigen, sich also nicht mehr an der Finanzierung beteiligen, aber weiterhin alle Vorteile genießen können. Man hätte Millionen über Millionen Pfund übrig, die man plötzlich für das Gesundheitswesen oder Kultur ausgeben könnte. Woher genau dieses Geld kommen würde und wie genau die Beziehung zur EU dann aussehen sollte, darüber konnte schon damals niemand Antworten geben. Dennoch hat sich davon die Mehrheit nicht abhalten lassen und dafür gestimmt, die EU zu verlassen.

Dummerweise haben viele Briten dabei offenbar vergessen, dass zu den Verhandlungen immer zwei Partner gehören. Schon als die Initiatoren des ersten Referendums in den ersten Wochen danach ihre Posten verließen, fühlten sich die ersten Wähler geringfügig getäuscht und belogen. Dieser Zustand hat sich bis heute offenbar nur wenig verbessert. Also soll wieder gewählt werden, in der vagen Hoffnung, dass man diesmal nicht belogen wird. Immerhin kann man ja jetzt besser abschätzen, was einen erwartet. Es gibt zwar kaum neue Informationen, aber dem geneigten Wähler kann inzwischen sogar zugemutet werden, sich damit zu befassen. Immerhin befinden wir uns in wahrhaft denkwürdigen Zeiten.

Auch bei dieser Demonstration zeigt sich wieder dieses merkwürdige Bild. Da werden Personen interviewt, die beim ersten Mal mit „Leave“ gestimmt haben und jetzt beschlossen haben, dass ihnen das doch nicht so lieb ist. Und wieso sollte ein neues Referendum so viel ernst zu nehmender sein? Was, wenn das Ergebnis wieder nicht gefällt? Folgt dann ein Drittes? Ein Viertes? Die Partner in der EU sind natürlich skeptisch. Abgesehen davon, dass diese Sorglosigkeit bei dermaßen weitreichenden Abstimmungen ein Schlag ins Gesicht der Demokratie ist, zeigt sie noch ein ganz anderes Problem.

Es gibt offenbar Menschen, die es als völlig logisch und selbstverständlich hingenommen haben, dass sie einen der größten Wirtschaftsräume dieser Welt verlassen können, und dafür selbstverständlich alle Bedingungen selbst diktieren würden. Immerhin ist man ja nicht irgendwer. Man ist das britische Empire, und die Sonne geht niemals unter, über dem britischen Empire. Völlig unerheblich ist dabei, dass dieses Empire längst nicht mehr existiert. Man regiert nicht mehr die Welt, sondern eine kleine Insel. Und diese böse EU, die so viel Geld kostet, will sich auch nicht von der Insel aus regieren lassen. Gut, das Königreich wollte nie wirklich ein Teil davon sein, hat schon immer weniger in den gemeinsamen Finanztopf eingezahlt und auf ziemlich jede Vorschrift oder Regelung eine britische Sonderregel gesetzt. Eine statistisch signifikante Anzahl von Juristen in ganz Europa dürfte vor Erleichterung hörbar geseufzt haben, als der Brexit beschlossen wurde, macht es doch ihre Arbeit ungemein leichter.

Doch so langsam dämmert es auch einigen Köpfen, deren Sturheit nur als Ignoranz und Überheblichkeit gesehen werden kann, dass die Sonne nicht mehr auf ihr Empire scheint. Die Welt dreht sich einfach weiter und sie wartet nicht. Auch der geduldigste Diplomat hat irgendwann keine Lust mehr. Und was passiert dann? Wer zuckt zuerst mit den Schultern und zieht eine Grenze, wo nie wieder eine hätte liegen sollen? Ich bin versucht zu sagen, dass es ihnen einmal guttun könnte, zu gehen und sich bewusst zu werden, welche Vorteile sie denn hatten. Vermutlich würden sie bald zurückkommen. Nur das ist leider nicht, wie es funktioniert. Es wird kein Happy End wie im Film geben können. Das lassen die Rahmenbedingungen nicht zu. So sehr ich mir auch eine europäische Familienzusammenführung wünschen würde, ich habe aktuell sogar Zweifel, dass die EU die dringend benötigte Selbstreflexion angesichts dieser Katastrophe einleiten wird.

Einen schwachen Trost gibt es dennoch. Die hitzköpfige Tochter, die in einer schweren pubertären Phase mit viel Lärm und Getöse ausgezogen ist, versucht wie immer einen drauf zu setzen. Unter dem orangenen Präsidenten verbrennen die USA diplomatische Brücken, deren Wiederaufbau Jahrzehnte dauern könnte. Aber nur, weil jemand anders eine noch größere Dummheit begeht, wird die eigene auch nicht mehr besser. Es wird Zeit, erwachsen zu werden und einzusehen, dass wir die Probleme dieser Welt nur gemeinsam lösen können. Sie sind mindestens genau so drängend wie die bedrohlichen Blitze und Pilzwölkchen vergangener Tage.

Um etwas besser zu verstehen, wieso die Verhandlungen um den Brexit-Deal extra kompliziert sind, empfehle ich folgendes kleines Video. Es zeigt sehr schön die Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität.

„Rettet die Bienen!“ – Ein Volksbegehren aus Lobbysicht

In Bayern laufen im Moment die Gemüter heiß, denn ein von der ÖDP geführtes Interessenbündnis hat ein Volksbegehren zu einem Gesetzesvorschlag gestartet. Unter dem (zugegeben etwas plakativen) Titel „Rettet die Bienen“ soll für mehr Naturschutz gestimmt werden. Ausbau und Förderung der ökologischen Landwirtschaft, Verdichtung des Biotopnetzwerks, Schaffung von mehr Lebensraum für Insekten, Reptilien, Säugetiere und Vögel… Viele Punkte, die aus ökologischer Perspektive absolut zu befürworten und notwendig sind.

Natürlich lassen Gegenstimmen nicht lange auf sich warten. Mit viel Lärm und Schaum vor dem Mund treten die vermeintlichen Verteidiger der Landwirte Bayerns auf. Grund genug für mich, mal wieder aus der Deckung zu treten und meine Zeit damit zu vertun, einen genaueren Blick auf diese Gegenstimmen zu werfen. Immerhin versuchen wir mit unserer Arbeit im Referat ebenfalls viele der vorgeschlagenen Maßnahmen im kleinen Rahmen umzusetzen. Den Text dazu findet ihr hier:

 

Das laufende Volksbegehren Artenvielfalt erregt die Gemüter. Die Kritik ist laut und vielfach natürlich auch wichtig.

Befasst euch damit, bevor ihr irgendetwas unterschreibt!

An vorderster Front natürlich der Bauernverband. Sie erklären allerdings nicht, wieso EU-Fördergelder nicht mehr ausgezahlt werden sollten, wenn die daran gekoppelten Maßnahmen in lokaler Gesetzgebung verankert sind.

Sie berücksichtigen auch nicht, dass Landwirtschaft und Stadtplanung auf verschiedenen Verwaltungsebenen spielen und es bereits einige Städte gibt, die im Zuge des Volksbegehrens ein Verbot von steinernen Vorgärten erwägen.

Sie führen natürlich an, dass sich Landwirte in Bayern bereits vielfach für den Naturschutz einsetzen und ignorieren gekonnt, dass bereits wenige schwarze Schafe hier erheblichen Schaden im Naturraum anrichten können. Eine Verpflichtung steht außerdem keinesfalls im Gegensatz zur Förderung. Es ebnet eher den Weg für zusätzliche Förderungen auf Landesebene, statt privatwirtschaftliche Interessensbezuschussung.

Sie berücksichtigen auch nicht, dass es zwar eine steigende Anzahl von Honigbienenvölkern gibt, die Gesamtmasse der Insekten aber weiterhin dennoch stark abnimmt. Der Gesetzesentwurf, der hier zur Diskussion vorgelegt werden soll, deckt sehr viel mehr ab als nur die Bienen.

Stattdessen wird vermeintliches Bauernbashing aufgeführt und die Verantwortung der Landwirtschaft am Artensterben heruntergespielt. Ich hätte erwartet, dass sie sich mehr Mühe geben, statt sich nur als Lobby der Agrochemie zu profilieren. Immerhin werben sie doch mit ihrem komplexen Verständnis des Naturraums.

Stellungnahme des Bauernverbandes zum Volksbegehren

Besonders von jüngeren Landwirten hört man häufiger den Vorwurf, wieso denn dieses Thema erst jetzt so groß wird. Man tut doch bereits so viel und der Pestizideinsatz war früher um Welten sorgloser. Wieso gab es dann früher noch kein großes Insektensterben?

Das gab es! Populationsgrößen sind übrigens verzögerungsbehaftet. Schrumpfen durch Gifte kommt verspätet und auch die Wirkungsweise aktueller Schutzprogramme zeigt sich erst mit der Zeit (Stichwort: extinction dept). Und der Grund, weswegen viele der früheren Insektizide verboten sind, ist ihre Gefährlichkeit. DDT etwa wurde verboten, weil sein Erfolg gegen die Insekten gleichzeitig ein großes Vogelsterben mit sich brachte. Insekten hingegen werden noch nicht so lange direkt beobachtet. Eine der längsten Datenreihen besitzt die Krefelder Studie von Hallmann et al. (ihr habt davon gehört. garantiert!). Indirekter lässt sich eine Abnahme der Insektenpopulation deutlich weiter zurückverfolgen.

Ein anderer Punkt ist die Veränderung in der Landwirtschaft. Der Druck auf die Fläche steigt an, es gibt keine Freiräume mehr. Gleichzeitig entstehen immer mehr große Industriehöfe, die kleineren Felder von kleinen und mittleren Höfen verschwinden. Damit ebenso die Hecken und schwächer bewirtschafteten Ackerrandstreifen. Weidehaltung wird durch Großställe ersetzt. Damit schwindet auch der Lebensraum, trotz steigender Sorgfalt bei der Schädlingsbekämpfung.

Man tut einiges aber es gibt enorme Altlasten zu beseitigen.

Auf alle diese Argumente geht auch die Radioreportage des BR noch einmal detailliert ein und liefert die Hintergründe gleich mit. Sehr empfehlenswert, sich diese Zeit einmal zu nehmen.

Podcast vom BR zum Thema

Informiert euch gerne und gründlich zum Thema und guckt euch auch an, wie ihr selbst aktiv sein könnt. Aber vergesst vor lauter Information nicht, auch eure Unterschrift abzugeben 😉 Es mag nicht alles perfekt im Gesetzesentwurf sein (immerhin ist es ein Entwurf), aber es ist der beste Ansatz, den wir zur Zeit haben und ein wichtiges Signal für die Politik.

Den Gesetzesentwurf und wo unterschrieben werden kann findet ihr auch unter

www.volksbegehren-artenvielfalt.de

Was ist eure Meinung? Hat der Bauernverband doch recht? Wird der Artenschutz sowieso überbewertet und ist nur ein weiterer Baustein hin zur „Ökodiktatur“?

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RefÖko Wochenpost

Wie einige vielleicht wissen, engagiere ich mich hier an der Uni im Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit. In dem Rahmen fand unter anderem die Urban Gardening Ausstellung auf der Landesgartenschau statt, über die ich ja auch hier viel berichtet habe. Seit einiger Zeit schreibe ich auch einen Newsletter, die „Ökologische Wochenpost“, in deren Rahmen Protokolle, Termine und einige aktuelle und interessante Themen rund geschickt werden. Termine und Protokolle sind für diesen Blog uninteressant, aber es kam der Gedanke, ob die angesprochenen Themen vielleicht spannend sind?

Daher jetzt dieser Beitrag. Unten findet ihr die Themen aus der aktuellen Wochenpost. Lasst mich doch gerne wissen, ob ihr so etwas hier gerne öfter sehen möchtet, ob es zu ausführlich oder zu kurz ist. Findet es Anklang oder stört es eher? Tobt euch in den Kommentaren aus 😉

Liebe Leute,

mit Projekten wie den Biotopen am Campusgarten oder der Wildblumenwiese auf dem zentralen Campus versucht das Referat seinen Teil im Kampf gegen das Insektensterben zu leisten. Eine internationale Konferenz hat zu solchen Zwecken jetzt einen praktischen 9-Punkte Plan veröffentlicht. Aktionen sind wichtig, denn es ist hinreichend bekannt, dass unsere Agrarlandschaft auf Biodiversität angewiesen ist.

https://www.naturkundemuseum-bw.de/aktuell/nachricht/9-punkte-plan-praesentiert

https://www.leopoldina.org/politikberatung/arbeitsgruppen/biodiversitaet-in-der-agrarlandschaft/

 

„Viele dachten lange Zeit, Klimawandel betreffe nur Inseln im Pazifik. Dem ist aber nicht so. […] Ein Jahr wie dieses mit heftigen Stürmen zu Jahresbeginn und der anhaltenden Trockenheit wird immer weniger zum Ausreißer werden.“ Das sagt NRWs Umweltministerin Ursula Heinen-Esser im Rahmen eines Berichtes, der auch einmal mit handfesten Zahlen aufwarten kann. Es kommt nichts auf uns zu, es ist schon da!

https://www.agrar-presseportal.de/Nachrichten/Der-Klimawandel-ist-in-Nordrhein-Westfalen-sichtbar-und-spuerbar_article26474.html

 

Und auch Bayern hat seinen Koalitionsvertrag. Wir empfehlen besonders Kapitel III – nachhaltiges Bayern. Man möchte es fast für Satire halten. Mehr Innenverdichtung, aber auch mehr grüne Inseln in der Stadt. Verkehrswende aber Bayern bleibt Autoland. Inkonsequenz ist in.

https://www.csu.de/common/csu/content/csu/hauptnavigation/dokumente/2018/Koalitionsvertrag__Gesamtfassung_final_2018-11-02.pdf

 

Das ist zwar alles nur wenig optimistischer, als ich es euch letzte Woche versprochen habe, aber immerhin… Wir arbeiten dran 😉 Bis dahin gibt es noch einen kleinen Bonus. Trinkt Wasser! Es ist sehr gut!

https://www.youtube.com/watch?v=lfA8pT-1eKM&t=651s

Euer Referat Ökologie / der Öko-Onkel

Althergebrachte Selbstverständlichkeiten

Astrid Lindgren zählt zu den Helden meiner Kindheit. Ihre Bücher wie Michel, Ferien auf Saltkrokan, die Brüder Löwenherz oder Ronja haben mich über Jahre begleitet und geprägt, wie vermutlich sonst kaum etwas. Es war meine Welt und sie war groß genug, als dass alles Wichtige darin Platz finden konnte. Das mag engstirnig sein und nur eine sehr schmale Sicht auf die Dinge bieten, aber mir erschien es immer vielseitig genug.

Immer wieder habe ich aber auch Berichte gelesen, wo sich die Autoren damit befasst haben, was Astrid Lindgren denn so besonders gemacht hat, was so anders bei ihr war. Dass sie zu den Wenigen gezählt hat, die starke und unabhängige Mädchenfiguren geschrieben hat oder Jungs, die auch einmal Angst haben und Trost brauchen. Dass die Welten, welche sie geschaffen hat, immer rund und voller Leben waren, so dass man selbst hinein tauchen kann und darin wandert. Dass Tragödien, kleine und große, passieren aber nie das Ende der Welt sind, sondern vielleicht nur ein Aufbruch in ein neues Abenteuer. Diese Berichte klangen immer durchaus gut und gaben meine Ansichten durchaus wider. Der Fairness halber muss ich aber sagen, dass mir vielfach überhaupt nicht bewusst war, dass es überhaupt andere Welten gab. Das war einfach, wie man so etwas machte und wie es war.

Dass sie mit ihrer Haltung zu Pionieren einer ganzen Ideologie zählte, war mir nie bewusst. Umso faszinierender sind dann Berichte wie dieser hier, die einen Einblick darin bieten, was früher einmal als alternativlose Selbstverständlichkeit galt und heute offenbar in vielen Teilen der Welt immer noch Realität ist. Es bringt einen zum Grübeln. Was macht das eine oder das andere mit Menschen? Was verändert es auf kurze, mittlere und lange Sicht? Wie hilft es dabei mit, eine Gesellschaft zu formen und wie sieht diese Gesellschaft dann aus? Schnell zeigt sich, die Welt ist komplex und selbst solche vermeintlichen Kleinigkeiten können einen enormen Effekt haben. Ich für meinen Teil bin froh, in dem Umständen aufgewachsen zu sein, die mir meine Eltern mitgegeben haben.

>>Link zum angesprochenen Artikel<<

Wie war denn nun eigentlich Moskau?

Ich bin euch da noch eine Kleinigkeit schuldig… diese hier, um genau zu sein. Immerhin war das der Abschluss der glorreichen Exkursion.

„Wie war denn nun eigentlich Moskau?“ werde ich immer wieder gefragt. Nun, mein Eindruck von der Stadt ist recht unausgereift, denn so vieles habe ich überhaupt nicht gesehen. Wir haben uns den Rat der Gastgeber zu Herzen genommen und uns hauptsächlich mit der Metro bewegt.

Auch wenn die Moskauer Metro – ähnlich übrigens wie die Sankt Petersburger Metro – sehr sehenswert ist, man sieht naturgemäß eher weniger von der Stadt. Dafür wurde an den Stationen nicht mit Naturstein, Mosaiken und Bronzestatuen gespart. Sie sollten Paläste für das Volk sein und sind gleichzeitig so angelegt, dass sie für die Bevölkerung im Notfall als Atomschutzbunker herhalten können. Dabei liegen die Stationen deutlich flacher als beispielsweise die Metro in Sankt Petersburg mit ihren teilweise über 100 m tiefen Stationen.

Aber die Stadt? Vermutlich hätte man mit dem Bus oder Taxi nicht viel mehr gesehen, denn auf den Straßen herrscht im Allgemeinen ein ziemliches Chaos. Das mag auch dem Fahrstil einiger Individuen geschuldet sein. Wie die Leute hier ohne Metro an ihr Ziel kommen, ist mir etwas schleierhaft. Dafür ist die Metro umso attraktiver. Für eine Fahrt, egal wohin, haben wir etwa 30 Cent gezahlt und die Züge fahren in einer sehr dichten Taktung. Man wartet selten mehr als eine Minute.

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Das Hauptgebäude der Universität in Moskau. Es sieht sehr viel kleiner aus, als es tatsächlich ist.

Was ich gesehen habe, hat auf mich irgendwie den Eindruck von Strukturlosigkeit hinterlassen. Es gibt Gebäude, soweit man gucken kann. Aber ob jetzt vom Zug aus, als wir in die Stadt eingefahren sind, aus dem Hotelzimmer oder vom Balkon der Universität aus, ich könnte ein Viertel nicht vom nächsten unterscheiden. Auch was die Skyline angeht. Es gibt nicht wirklich eine Bestimmte! Klar, da gibt es die sieben Schwestern, die gelegentlich auch Stalin-Hochhäuser genannt werden und schöne Beispiele der Zuckerbäcker-Architektur sind. Es gibt den Fernsehturm, der sich durch seine Höhe auszeichnet, den ich persönlich ansonsten aber eher wenig elegant finde. Er ist halt funktional und soll weit gucken können. Es gibt mit Moskau City sogar einen CBD (Central Business District) mit modernen Hochhäusern, glitzernden Glasfassaden und etwas mehr Etagen, als die umliegenden Plattenbauwohntürme. In der Masse der Stadt gehen sie aber schlicht und ergreifend unter und sind nur hier und da kleine Flecken. Daran können auch die Waldstücke nichts mehr ändern, die jeder für sich schon die Ausmaße einer mittleren Stadt erreichen, hier aber einfach nur Parks sind. Wohin man auch guckt, im Großen und Ganzen sieht der Horizont überall gleich aus.

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Ausblick vom Balkon der Universität auf der 25 Etage. Die Etagen in diesem Teil messen übrigens gute 8 m. Man gönnt sich ja sonst nix. Gesamthöhe von diesem Palast: 235 (für 36 Etagen).

Plattenbau, der in der Ferne im Dunst verschwindet. Das ist auch ein Punkt, bei dem die Stadt für mich eher einen bitteren Geschmack hinterlassen hat. Es gibt keinen Horizont. Irgendwo verschwinden die Silhouetten der Betonklötzchen einfach im allgemeinen Grau des Hintergrunds, der irgendwo in Richtung Zenit zum schmuddeligen Blau des Himmels wird. Besonders deutlich ist das morgens, wenn die Luft noch kühl ist und die Dunstglocke niedrig über der Stadt hängt. Man kann es riechen, schmecken und sehen. Es riecht nach Abgasen von Diesel, Benzin und Kohle, schmeckt säuerlich ungesund und – wie bereits erwähnt – ist deutlich zu jeder Tageszeit am Horizont sichtbar.

Natürlich ist es eine Metropole, eine Weltstadt, die Hauptstadt Russlands, eine Stadt mit über 11 Mio. Einwohnern. Es gibt Wahrzeichen wie den Kreml, den Roten Platz, der eigentlich immer wegen irgendwelcher Events gesperrt ist, das Bolschoi Theater und neben der Basilius Kathedrale noch einen ganzen Blumenstrauß an Kirchen und Kathedralen. Mit dem GUM findet sich direkt am roten Platz ganz nebenbei noch das erste und älteste „Kaufhaus“ der Welt. Direkt um die Ecke wurde ein großer Park mit Konzerthaus und Ausleger über die Moskwa neu angelegt und ist durchaus sehenswert. Das alles konzentriert sich aber in einem recht kleinen Bereich im Zentrum.

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Ein Fernsehturm im Dunst. Was das Foto natürlich nicht einfangen kann, sind Geruch und Geschmack der Luft. Von beidem hat sie reichlich.

Es ist nicht so, dass die Stadt nichts zu bieten hätte. Es gibt sicherlich viele schöne Ecken und Orte, die einen näheren Blick wert sind. Ich habe halt einfach nicht so viele davon sehen können und der Schreck über die miserable Luftqualität hat vieles überlagert. Dabei sind die Moskauer so stolz auf die rot-weiß geringelten Schornsteine, die überall in der Stadt stehen. Sie gehören zu den zahlreichen Blockheizkraftwerken die „extrem umweltfreundlich und schadstofffrei“ aus Erdgas Strom und Wärme erzeugen. Der hohe Wirkungsgrad ist unbestritten, auch wenn bei den 30 Grad, die bei unserem Besuch herrschten, die Wärme kaum Absatz finden dürfte. Aber immerhin ein Anfang, denn Treibstoffe für den Verkehr unterliegen keinerlei Kontrollen oder Beschränkungen.

Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, waren sich alle einig. Wenn es um Umweltfragen geht, dann hat Russland noch extremen Aufholbedarf. Müllentsorgung gibt es nur auf der Deponie, Recycling ist nicht existent, Energie ist billig und entsprechend sorglos kann man damit umgehen. Effizienz ist hier einfach nicht so sehr gefragt. Aber besonders bei der jüngeren Generation wächst das Bewusstsein dafür und Kritik an der Regierung wird lauter, wenn wieder einmal Nachhaltigkeitsprojekte sabotiert werden. Mit Kritik hält man sich im Allgemeinen nicht zurück. Es gibt also Hoffnung, dass auch hier die Sache noch nicht verloren ist.

Warum der Mars eigentlich unwichtig ist

 

Es ist jetzt auch schon wieder einen Monat her, dass ich mit einigen Videos prokrastiniert habe und meinen Gedanken nachgehangen bin. Dabei hatte ich das Gefühl, dass in letzter Zeit mehr und mehr Menschen auf ein Rettungsboot wie Geoengineering oder den Mars vertrauen, statt unsere Probleme hier einfach einmal handfest angehen zu wollen. Und wer sich für den Erhalt eines Waldstücks und gegen die Vernichtung von älterem Torf einsetzt, der bekommt schnell den Stempel „Ökoterrorist“.

Studien wie das Jena-Experiment helfen zwar dabei, Umweltthemen in den Fokus zu rücken, aber wo bleiben die Konsequenzen?

Vor etwas mehr als einer Woche hat dann der IPCC einen aktuellen Bericht abgegeben. Gemeinsam mit dem Koalitionsvertrag unserer aktuellen Regierung, die sich vom Klimaschutz deutlichst distanziert, und der Meldung der EU, keine strengen Klimaschutzziele verabschieden zu wollen, bietet sich ein deutliches Bild:

Scheiß halt drauf! Wir wandern zum Mars aus. Und dann?

Warum der Mars eigentlich unwichtig ist

Bill Maher hat bereits vor einer ganzen Weile eine Sendung produziert, wo er sich deutlich gegen bemannte Raumfahrt zum Mars oder generell irgendeinen Himmelskörper ausspricht. Eine recht ähnliche Meinung hat auch Harald Lesch etwas später von sich gegeben. Was ist da los?

Ich als ScienceFiction Fan bin erst einmal dafür, wenn es heißt, die bemannte Raumfahrt wird wiederbelebt. Der Griff zu den Sternen ist sicherlich etwas, was uns nicht nur wirtschaftlich und wissenschaftlich weiter bringen kann, sondern ganz sicher auch kulturell. Eine erste kleine Basis auf dem Mond beispielsweise wäre die Erfüllung eines Menschheitstraums. Natürlich würde sich das auch in der Kunst und dem gesamten kulturellen Leben widerspiegeln. Die Mondlandungen waren ja wohl kaum eine Randnotiz in der Popkultur und Sputnik oder Gagarin haben sich nur deswegen weniger stark eingeprägt, weil das die falsche Hälfte der Weltkugel war, die östliche. Und wir wissen ja alle, das ist die ultimative Wurzel allen Übels. Wieso stimme ich den beiden genannten Herren jetzt dann doch zu?

Der Grund ist einfach. Beide sind nicht grundsätzlich Gegner der Raumfahrt. Sie sind Gegner der Sichtweise, der Mars könnte als zweite Erde herhalten. Die Raumfahrt erlebt im Augenblick einen richtigen Hype. SpaceX, Blue Origin oder Virgin Galactic, die Investitionen und die hohe Medienpräsenz privater Raumunternehmen ziehen neue Aufmerksamkeit auf ein altes Thema. Auch NASA und ESA profitieren davon. Wir scheinen so nah dran zu sein, an den ersten bemannten Flügen zum Mars. Es braucht nur noch ein paar Tests und die ersten Freiwilligen können starten.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, und selbst wenn es das wäre… was dann?

Musk ist mit seinen Bestrebungen der forscheste und will bis 2050 eine Millionenpopulation auf dem Mars haben. Das ist ja so weit ganz löblich und ein tolles Ziel. Aber dem Gedanken, der Mars könnte ein Rettungsboot für die Menschheit sein, ist das wenig zuträglich. Denn selbst wenn er sein Ziel erreichen sollte (was doch sehr fragwürdig ist), ist das weit davon entfernt, die gesamte Menschheit zu erfassen. Die Millionen Kolonisten sind nicht einmal ein nennenswerter Anteil an der Menschheit, kaum 0,001% der über zehn Milliarden Köpfe, die sich bis dahin auf dieser Kugel drängen.

Und genau da setzt die Kritik an, die ich uneingeschränkt teile. Raumfahrt ist schön und gut. Ich finde sie richtig und wichtig, kulturell wie wirtschaftlich. Aber das löst nicht die Probleme, die wir hier auf der Erde haben und dringendst angehen müssen! Eine Marskolonie hilft der Erde nicht.

Uns Menschen rennt der Klimawandel aktuell davon. Die Geister, die wir riefen, würden dabei vielleicht sogar auf uns hören, wenn wir ihnen denn die passende Order geben würden. Nicht nur die Ereignisse im Hambacher Forst oder die Reaktionen auf ein Dieselgate stehen als Symbole dafür, dass wir lediglich ein ungebremstes „weiter so“ ordern. Wir greifen in Stoffkreisläufe ein, die wir zu großen Teilen verstanden haben und wo wir wissen, dass es eine dumme Idee ist. Und trotzdem soll auf dem Mars alles besser werden?

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Gibt es auf dem Mars nicht: Einen dichten Wald, der Sauerstoff produziert. Auf der Erde vielleicht auch nicht mehr so ewig.

Über Stoffkreisläufe auf dem Mars wissen wir deutlich weniger. Wir wissen nicht einmal, wie viel Wasser wir dort finden können, in welchem Zustand es ist und wo. Auf der Erde können wir all das recht gut abschätzen. Die Temperaturen kennen wir inzwischen auf beiden Welten recht gut und was soll man sagen? Der Mars ist kalt! Was für eine Überraschung.

Kalt ist es in der Antarktis auch, und da gibt es wenigstens Wasser. Trotzdem will kaum jemand hin, um dauerhaft dort zu leben. Mal ein Besuch, eine Forschungsreise oder Abenteuerurlaub „fernab der Zivilisation“, am besten noch mit dem luxuriösen Kreuzfahrtschiff inklusive Schwerölantrieb. Aber dauerhaft dort leben? Nur das bisschen Gemüse essen, was man dort anbauen kann? In unterirdischen Wohnungen, um sich vor kosmischer Strahlung zu schützen? Das muss man auch berücksichtigen, denn der Mars hat kein Magnetfeld, was die Kolonie schützen könnte und auch keine Atmosphäre, die dicht genug wäre, um vor Strahlung oder Meteoriten zu schützen.

Wieso soll man sich monatelang in viel zu enge Blechdosen quetschen, nur um dann auf diesem dermaßen lebensfeindlichen Brocken aufzuschlagen? Wieso nehmen wir dann nicht den Mond? Der ist viel näher, es ist einfacher hin zu kommen, wir waren schon einmal da und kennen die Gegend besser. Eine Kolonie auf Mond oder Mars kann sich nicht wesentlich im Design unterscheiden. Gut, Wasser könnte echt ein Punkt sein, aber ansonsten ist man auf dem Mond sogar noch leichtfüßiger unterwegs.

„Ja aber den Mars kann man doch terraformen und eine zweite Erde draus machen.“

Ich habe keine Ahnung, woher dieses Gerücht kommt und wieso es sich so hartnäckig hält. Fakt ist: Nein! Können wir nicht! (Wenigstens nicht so, wie es präsentiert wird.)

Es hat einen Grund, dass der Mars nur etwa 1/10 des Luftdrucks der Erde hat. Er ist zu klein. Der Mond hat auch nicht genug Gravitation um eine Atmosphäre zu halten. Sie wird einfach in die Weiten des Weltalls hinweg geweht und ist Masse, die dem Körper für immer verloren geht. Selbst wenn man also die bescheuerte Idee verfolgen will, die möglicherweise wasserreichen Polarregionen des Mars mit Atombomben zu bewerfen, bis das ganze Wasser eine Atmosphäre bildet, dann bleibt die nicht da. Abgesehen davon, dass es nicht mehr so leicht ist, eine Million Kolonisten zusammen zu bekommen, wenn es darum geht, im nuklearen Albtraum zu leben.

Es geht also in meinen Augen kein Weg daran vorbei, die Erde in einen Zustand zu versetzen, dass wir gut und gerne hier leben können. Es gibt in unserem Sonnensystem keine Rettungsboote, auf die wir ausweichen können und wenn es irgendwo anders eines geben sollte, dann können wir es nicht erreichen. Und genau das ist die Aussage, die ich in den beiden Videos sehe. Der Mars ist schön und gut, aber für unsere Probleme ist er unwichtig.

Die Erde ist für die Menschheit alternativlos.

Punkt.

Das dürfen wir niemals aus dem Blick verlieren.

Riskiert gerne einen Blick auf die Videos und sagt mir, ob ihr das ähnlich seht. Ich bin ehrlich gespannt.

 

Bill Mahers Kommentar:

 

„Weltveränderer“ mit Harald Lesch:

Gartenfräuleins Sicht der Dinge

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Liebe Leute, ich habe sie euch ja schon mehrfach vorgestellt (hier oder hier z.B.), aber unser Gartenfräulein Silvi hat natürlich ebenfalls einen Kommentar zum Abschluss der Landesgartenschau geschrieben. Noch dazu hat sie absolut fantastische Fotos gemacht, die wunderbar die Wirkung unserer Fläche einfangen. Das kann ich euch unmöglich vorenthalten und darum gibt es hier dann den Link zu ihrem Beitrag. Guckt ihn euch gerne an und lasst ihr einen lieben Gruß von mir da 😉

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So wie hier am Eröffnugnstag sieht es schon lange nicht mehr aus. Die Natur ist wirklich ein Künstler, wenn es darum geht.

 

Das wars dann

Das wars dann also, das Ende. Es war schön, anstrengend, lehrreich, fordernd, erholsam und noch so vieles anderes gleichzeitig. So war es beispielsweise eines der größten Projekte, an denen ich bisher beteiligt war. Und jetzt ist es vorbei.

Die Landesgartenschau in Würzburg hat ihre Tore nach einem halben Jahr für die Besucher nun geschlossen. Es war eine viel diskutierte Ausstellung und wieder zeigt sich, wie viel Einfluss die Medien doch haben können. Im Frühjahr war die Kritik groß. Weite Rasenflächen, kaum blühende Blumen, fehlende Mülleimer und hohe Ticketpreise. Teilweise auch schlechte oder gleich ganz fehlende Beschilderung. Etliche der Kritikpunkte hätte man mit einer deutlicheren Kommunikation vielleicht entkräften können.

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Beliebter Pausenstopp oder Fotomotiv: Unser Stadtbalkon. Eine kleine Oase in der Oase.

Wer etwa Mitte April, kaum eine Woche nach dem letzten Schnee, bunte Blumenmeere erwartet, der hat nicht ganz verstanden, dass die Natur ihre Zeit braucht. Die Zwiebelchen sitzen hier in der kalten Erde und nicht in einem beheizten Gewächshaus. Ganz abgesehen davon, dass den Winter über ein regelrechter Kampf und jede Blume geführt wurde, denn die Krähen haben schnell herausgefunden, dass die Zwiebeln gut schmecken und leicht auszugraben sind. Am Ende sollte es gar der Habicht richten.

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Artischockenblüten

Die Beton- und Wiesenschau hat diesen Spitznamen ebenfalls gleich im Frühjahr bekommen. Zu einer Zeit, als viele Beete noch überhaupt nicht bepflanzt werden konnten und die gepflasterten Flächen daher um so deutlicher hervorstachen. Nur abgesehen davon, dass der versiegelte Anteil nicht einmal besonders hoch ist, sind die Stellen der Kritik auch kaum anders zu lösen. Immerhin ist das, was hier oben passiert ist, ein Stadtentwicklungsprojekt. Die Landesgartenschau ist nur eine Begleiterscheinung und eine Zwischenlösung. Ein ganzer Stadtteil entsteht hier um einen zentralen Park. Natürlich gehören zu diesem Stadtteil auch Straßen, Wege, Plätze und Parkflächen. Der lange Rundweg um die Dauerparkanlage ist bei der Gelegenheit dann auch in einem offenporigen Asphalt gebaut worden, der die Versickerung von Wasser ermöglicht. Sportflächen wie Basketballplätze sind ebenfalls nicht mit Rollrasen, sondern mit Beton gebaut. Verständlich schon allein deswegen, weil es ungemein pflegeleichter ist. Die Einrichtungen sollen schließlich noch lange erhalten bleiben.

Den Vorwurf der fehlenden Mülleimer damit zu beantworten, dass man ja nicht kommen würde, um Müll zu produzieren, war taktisch vermutlich eher unklug. Müll entsteht nun einmal einfach da, wo viele Menschen aktiv sind. Sinnvoller wäre es gewesen, darauf zu verweisen, wo man denn welche finden kann. Wahrscheinlich wäre es auch dann noch auf mehr Verständnis gestoßen, wenn man gesagt hätte, dass die Kosten hierfür auf lange Sicht das Budget sprengen würden. Immerhin ist die Dauerparkanlage für 10 Jahre festgesetzt. So aber haben sich viele Leute einfach verspottet gefühlt und uns das auch deutlich spüren lassen.

Bei solcher Berichterstattung waren etliche Besucher abgeschreckt. Viele deutlich negative Nachrichten haben sich schnell weit verbreitet und etliche Leute abgehalten, zu Besuch zu kommen. Einige haben sich dennoch nicht abschrecken lassen und spätestens in den letzten beiden Monaten waren die Besucherstimmen ganz andere. Besonders wenn man das Konzept der Stadtentwicklung um einen zentralen Park herum einmal erläutert hatte, konnten die meisten Leute es gut nachvollziehen und waren angetan. Immer wieder haben wir auch mit Menschen gesprochen, die regelrecht begeistert waren und die große Kritik überhaupt nicht verstehen konnten. Diese Offenheit, diese Weite, diese Vielfalt. Es ist eben in weiten Teilen auch einfach Geschmacksache, was jemandem gefällt und was nicht.

Am Ende sind dennoch nicht die erhofften eine Million Besucher da gewesen, sondern nur etwa 700.000. Darunter fanden sich bei Weitem nicht nur Kritiker, sondern auch viele Wiederholungstäter. Diverse Gesichter hat man immer wieder sehen können und eine Dauerkarte wurde wohl ganze 200 Mal am Eingang registriert. Es soll sich ja lohnen. Und nun ist es dann also vorbei. Wir können zusammenpacken, unsere Hochbeete und die gute Erde retten, die Möbel vielleicht sogar verscherbeln und uns wieder anderen Projekten zuwenden.

Oder etwa doch nicht?

Nachdem wir ein gutes Jahr Vorbereitungen mit viel Arbeit aber auch viel Spaß hinter uns gebracht hatten, war sich das Team sehr schnell einig. Es wäre schade, nach einem halben Jahr Landesgartenschau alles wieder abbrechen zu müssen und einen Schlussstrich zu ziehen. Also haben wir die entsprechenden Schritte eingeleitet, uns mit der Stadtverwaltung in Verbindung gesetzt und zu einer gemeinsamen Diskussion eingeladen, ob und wie es weitergehen kann. Überraschenderweise ging die Anfrage nicht einfach verloren, sondern wurde beantwortet. Das Gartenamt, welches im neuen Jahr die Fläche der Landesgartenschau übernimmt, kam zu Besuch und zeigte sich begeistert. Gerüchten zufolge hat auch der Oberbürgermeister sein Wohlwollen dem Projekt gegenüber geäußert.

Und tatsächlich zeigen die Bemühungen Erfolg. Inzwischen steht fest, dass unser Ausstellungsteil nicht abgebaut wird, sondern noch ein Jahr verlängert wird. Erst im nächsten Oktober wird die Fläche dann bebaut und wir müssen ausweichen. Auf lange Sicht aber soll das Projekt seinen Nachfolger nur wenige Hundert Meter entfernt finden, im neu entstehenden Quartierszentrum. Hier soll ein Bürgergarten den Anwohnern zum Gärtnern und den Kindern im entstehenden Kindergarten als Feldlabor dienen können. Die Planung für die Nutzung des Areals steht noch ganz am Anfang, aber alle Beteiligten waren sich einig. Das Projekt Stadtgartenschau wird als fester Bestandteil hier mit eingeplant und soll langfristig erhalten bleiben. In der ein oder anderen Form.

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Unsere Informationstafeln mit Grundriss und der versteckten Bitte, uns nicht alles auseinander zu nehmen. Wir bleiben noch etwas und würden unsere Pflanzen dafür gerne noch etwas behalten. (Einige Besucher haben sich davon leider nicht abhalten lassen)