Der Blödsinn der Woche 3.

Da im Moment leider nicht jeder Urlaub hat, und ich z.B. zwischen den Klausuren nicht die Ruhe für eine hübsche Geschichte finde, gibt es heute leider nur einen kleinen Tröster in Form von einer vielleicht nicht einmal so sehr blödsinnigen Frage. Vielleicht hat jemand eine gute Antwort? Ich hoffe, es kann bald regulär weiter gehen hier und ihr verzeiht den Bruch im Plan. Liebe Grüße!

In welcher Sprache denken von Geburt an taube Menschen?

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Hörsaalgetuschel – Ausgabe 141.

Überraschungshausarbeit

Drei Uhr nachts war nicht die beste Zeit, um am Schreibtisch zu sitzen, wenn man am nächsten Morgen um zehn Uhr in der Vorlesung sitzen wollte. Vor dem offenen Fenster zog eine angetrunkene Gruppe Studenten vorbei, auf dem Heimweg nach einer wilden Nacht so kurz vor der Prüfungsphase. Für Flo war das keine Option.

Abgesehen davon, dass er der Clubphase weitestgehend entwachsen war, und einfach keine Freude mehr daran finden konnte, aber auch an der Hausarbeit. Eine Woche hatte er noch Zeit, aber auch das hehre Ziel, frühzeitig abzugeben. Es wäre sicherlich leichter gewesen, wenn er die Abgabefrist gemeinsam mit dem Thema zu Semesterbeginn bekommen hätte, und nicht erst vor einer Woche per Mail. Natürlich hatte er sich mit den anderen Kursteilnehmern unterhalten und sie waren alle davon ausgegangen, dass der Abgabetermin wie üblich das Semesterende war. Jetzt war bei ihnen allen die Zeitplanung gründlich durcheinander geraten.

Tina hatte den Kurs direkt aus ihrem Plan gestrichen. Diesen Aufwand würde sie sich schenken, zumal sie gerade wichtigere Probleme hatte. Auch Mia liebäugelte eifrig mit dem Gedanken, zumal sich diese Frist bei ihr mit noch zwei weiteren Fristen überschnitt. Sie hatte ihr Thema für die Hausarbeit spontan und eigenmächtig um das Thema Zeitmanagement erweitert und eine scharfe Kritik an der Organisation des Professors eingebaut. Eventuell würde sie am Ende dran denken, diesen Teil wieder zu löschen. Ihrer Note zuliebe wenigstens.

Flo blätterte durch die Literatur, die sein Thema behandelte, und die er nicht verstand. Er konnte unmöglich alles in der Zeit lesen, was er für eine Hausarbeit nach seinen Maßstäben benötigte. Besonders deswegen, weil er keinen rechten Einstieg in das Thema finden konnte. Die groben Mechaniken waren kein Problem, aber im Master wäre doch sicherlich ein tiefer gehendes Verständnis des Themas vorausgesetzt, und damit konnte er nicht aufwarten. Andererseits würde eine dermaßen tief reichende Behandlung des Themas auch noch den Umfang der Arbeit um einige Größenordnungen sprengen. Er musste sich auf das Wesentliche beschränken, nur dann würde er mit großen Lücken im Thema leben müssen, was ihn ausgesprochen ärgerte.

Sein Blick wanderte zur Uhr. Wenn er jetzt noch Feierabend machte, dann konnte er noch vor halb vier im Bett sein, sich an Kristina ankuscheln und wäre hoffentlich tief genug eingeschlafen, dass er nicht mehr aufwachte, wenn sie sich um kurz nach sechs fertig machte, um zur Arbeit zu fahren. Was die Vorlesung betraf, würde es sowieso wenig Sinn ergeben, dort zu sitzen, wenn er nicht wach bleiben konnte. Aber das konnte er auch morgen früh noch feststellen. Erik würde sicherlich hingehen, auch wenn er auch erst um kurz nach zwei Uhr nachts seinen Laptop zugeklappt hatte.

Aus den ein bis zwei Tagen auf dem Sofa schlafen war inzwischen eine gute Woche geworden. Eine Woche, in der ein sehr leiser und fast unsichtbarer Mitbewohner für eine immer aufgeräumte und saubere Küche gesorgt hatte. Eine Woche, in der Mia zwar irgendwann bemerkt hatte, dass er nicht mehr bei ihr im Bett schlief, aber dann doch immer wieder zu beschäftigt gewesen war, um ihn darauf anzusprechen. Oder sie hatte es schlicht und einfach vergessen, wenn sie ihn dann einmal sah. Sie begrüßte ihn mit einem routinierten Kuss, kuschelte sich gewohnheitsmäßig an und tat, was sie halt so tat. Besorgte Blicke kamen dabei dann weder von Mia oder Erik, welcher alles nur noch stoisch über sich ergehen ließ, sondern von Tina und Flo.

„Und jetzt sag mir noch einmal, dass die zwei einfach nicht ohne einander auskommen können.“

Tina hatte sich in einer ruhigen Minute an Flo gerichtet, und dabei nicht glücklich gewirkt. Natürlich, sie war eifersüchtig auf Mia gewesen, aber das hier war auch keine Alternative. Vor allem, weil sie sich auf diese Weise auch noch schuldig fühlte. Immerhin war sie der Grund, weswegen die tiefen Klüfte in der Beziehung des Traumpaares so drastisch sichtbar wurden. Sie mochte es sich nicht ausgesucht haben, aber das änderte wenig an der Tatsache. Und dann fiel dieses Chaos auch noch in einen so dicht gepackten Zeitraum, wo man ohnehin kaum den Kopf zum Denken freibekommen konnte. Wo sollte das denn bloß alles enden?

Flo musste ihr im Stillen recht geben. Mia und Erik schienen für den Moment wirklich gut zurechtzukommen. Ohneeinander! Der oberflächliche Eindruck mochte täuschen und vielleicht würde diese kleine Auszeit ihnen beiden gut tun, helfen, sich wieder auf was Wesentliche zu besinnen und der Beziehung auf lange Sicht gut tun. Im Augenblick hatte er aber eher den Eindruck, sie hatten sich getrennt, und nur vergessen, das dem jeweils anderen auch mitzuteilen.

Aber ob Pause oder nicht, Erik war ein guter Freund, nur auf Dauer konnte er nicht sein Wohnzimmer in Beschlag nehmen. Darüber waren sich alle Beteiligten sicherlich im Klaren. Tina war bereits drauf und dran gewesen, ihm ihr WG-Zimmer anzubieten, hatte dann aber wieder Abstand davon genommen, als sie realisierte, dass sie dann ja selbst bei Mia einziehen müsste. Der Gedanke war ihr zu sonderbar vorgekommen. Mia hätte vermutlich von allen noch das kleinste Problem damit, eher im Gegenteil. Und das machte die Angelegenheit nicht weniger verrückt. Nicht nur Flo hatte längst aufgegeben, verstehen zu wollen, wer in dieser Dreiecksbeziehung wen nun wie wahrnahm.

Die Uhr zeigte viertel nach drei. Das Licht der Straßenlaternen war das Einzige, was das kleine Arbeitszimmer erhellte, der Monitor war dunkel, genau wie die Lampe. Nur die Perspektive war seltsam. Es kostete ihn einen Moment, zu realisieren, dass er, statt aufzustehen, eingeschlafen und vom Stihl gerutscht sein musste. Eigentlich könnte er auch gleich hier auf dem Teppich liegen bleiben. Das wäre mit Abstand die einfachste Möglichkeit, aber dann griff doch noch sein Egoismus und er schleifte sich ins Bett, nicht für die Bequemlichkeit, aber um näher bei Kristina zu sein. Wenn sie einmal nicht da sein sollte, würde er das unter Garantie sofort bemerken.

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Momente IX

Strahlend weißer Nachthimmel, nur für den Bruchteil eines Wimpernschlags. Zwei Herzschläge schwarzer Ruhe und Finsternis, mit nichts weiter als dem leisen Prasseln von Regen. Ein scharfer Knall zerreißt die Stille der Nacht in abertausende Fetzen, jagt Spannung und Energie durch jede Zelle, angefangen bei den Haarspitzen, bis hinunter in die Zehen. Elektrisches Knistern in der Luft, das weiche Massieren der Druckwellen im Bauch.

Der Wind zerrt an den Wipfeln der Bäume vor dem Fenster, pfeift in den zugigen Ritzen im Rahmen. In immer neuen Böen wirft er Regen und Hagel wüst umher, lässt sie im trüben Licht der Straßenlaterne glitzern. Nach jedem Blitzeinschlag scheinen sie kurz zu verlöschen, nur um dann wieder eine einsame Fackel im schwarzen Unwetter zu sein. Eine einzelne kleine Lampe erleuchtet nur ein Fenster auf der anderen Straßenseite. Ansonsten könnte dort auch eine einfache schwarze Wand sein. Das einzige Lebenszeichen weit und breit.

Mit jedem Blitz wird der Donner leiser und leiser, lässt immer länger auf sich warten. Am Ende schafft es ihr Leuchten kaum noch durch den Regen. Die Aufregung lässt nach und alles, was zurückbleibt, ist das Prasseln der Hagelkörner auf den Autodächern auf dem Parkplatz und das Trommeln der Regentropfen, die der Wind gegen das Fenster wirft. Die Nacht holt sich ihre Finsternis zurück und selbst das letzte Licht gegenüber erlischt.

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Gartenüberraschungen

Wenn die Sonne strahlt, ist es eine tolle Sache, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, und einfach mal durch den Garten zu schlendern. Der Wind spielt mit Blüten und Blättern, die Sonne bringt die Wassertröpfchen auf frisch gegossenen Gemüsebeeten zum Glitzern und Bienen summen mit den Hummeln um die Wette. Überall gibt es etwas zu sehen und in so vielen Beeten auch etwas Interessantes zu entdecken.

Denn der Vorteil an einem Gemeinschaftsgarten ist nicht nur, dass man selbst nicht weiß, was andere Leute gepflanzt haben. Oft genug wissen sie es selbst nicht einmal, oder sind von etwas anderem ausgegangen. Und so sprießen ganz unerwartete Geschöpfe aus den Samen, die doch eigentlich so klar beschriftet waren.

Da sprießt eine Paprika, die zwar eigentlich herrlich süß und erfrischend sein sollte, beim Probieren aber eine feurige Überraschung bereithält. Das ordentliche Beet mit Kapuzinerkresse wird durch darin sprießende Erbsen geringfügig gestört und auch Schnittlauch und Dill sollten eigentlich nicht so einfach zu verwechseln sein. Schwieriger ist es da schon bei Kürbis, Gurke und Zucchini. Diese Drei sind so nah miteinander verwandt, dass teilweise erst die Frucht die Überraschung offenbart.

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Und dann gibt es noch die heimlichen Exoten. Da wächst in einem Beet eine Tomatenpflanze, von der niemand zu wissen behauptet, woher sie denn stammen könnte. Die Tomaten daran sind jedenfalls fast reif und es lässt sich nicht mehr verbergen, dass sie nicht zu gewöhnlich sind. Denn statt in kräftigem Rot erscheinen die Kügelchen im satten Schwarz. Ein Anblick, der vielleicht deswegen so faszinierend ist, weil er unerwartet kommt. Ähnlich wie der Blumenkohl, nur das bei ihm bekannt ist, woher er stammt. Dennoch, obwohl er sich auf dem mageren Boden recht schwer tut, hält auch er eine kleine Überraschung bereit. Er denkt nicht daran, die übliche weiße Farbe anzunehmen. Ihm gefällt die Welt in Lila viel besser. Ein Bild, was man im Supermarkt an der Ecke nicht ganz so oft sieht.

Fast schon langweilig wirkt daneben der Kürbis, der anstelle von grünen, gelb leuchtende Früchte trägt oder die angebliche Feuerbohne, die sich dann doch lieber zu weißen oder blassblauen Blüten, statt der typisch leuchtend roten entschieden hat. Aber noch ist der Sommer nicht vorbei und es bleibt abzuwarten, welche Überraschungen noch in den Beeten warten. Und ansonsten warten auch im nächsten Jahr wieder viele spannende Experimente und Gewächse auf den Sommer.

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Hörsaalgetuschel – Ausgabe 140.

Erik zieht aus

„Hast du bemerkt, dass Erik mit Mia nicht mehr besonders glücklich ist? Selbst wenn es drei Jahre gehalten hat, ich würde gerade auf kein Viertes wetten.“

Das hatte Tina noch vor etwas mehr als zwei Wochen zu Flo gesagt, und dieser hatte es nicht besonders ernst genommen. Bei Mia und Erik ging es immer auf und ab. Mal stritten sie, dann vertrugen sie sich wieder. Sie hassten und liebten sich und konnten doch unmöglich ohne einander. Und regelmäßig kam es vor, dass einer von beiden bei Flo saß und sich hemmungslos über den anderen aufregte. Aber das hier war dann doch etwas Anderes, etwas Neues.

„Kann ich vielleicht ein zwei Nächte bei euch unterkommen? Ich brauche dringend etwas Abstand.“

Erik war zerknittert, genau, wie seine Kleidung. Tiefe Augenringe und ein bei ihm sehr ungewohnter Bartansatz zierten ein ausgemergeltes und eingefallenes Gesicht mit tiefen Falten. Flo konnte sich sogar denken, woran es lag. Tina war vor zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden und bei Mia eingezogen. Mehr oder weniger heimlich war es abgelaufen und ihre Mitbewohnerinnen wussten offiziell nicht, wo sie steckte. Nur für den Fall, dass ihre Familie sich wieder melden würde. Die Ereignisse der letzten Woche hatten das Verhältnis zwischen ihnen deutlich belastet.

Zwei Tage hatte es gedauert, bis ihre Eltern sich die Zeit genommen hatten, sie im Krankenhaus zu besuchen, und es war kein schönes Ereignis gewesen. Voller Vorwürfe und böser Worte, frei von jeder Empathie und Mitgefühl. Waren sie anfangs noch erschüttert gewesen, dass ihre Tochter im Krankenhaus lag, schlug dieses Gefühl in Wut um, als sie von dem Grund erfuhren.

„Ein Kind? Woher um alles in der Welt bekommst du ein Kind? Wie konnte denn so etwas passieren? Wir schicken dich an die Uni, damit du etwas lernst, nicht, damit du dich prostituierst. Kind, wieso machst du uns solch eine Schande? Was sollen denn die Leute über unser Haus denken? Auf diese Weise können wir die ganze Affäre wenigstens unter den Tisch kehren.“

In diesem Stil war der ganze Besuch abgelaufen, bis Mia drauf und dran gewesen war, ihnen den Kopf abzureißen. Sie hatte beschlossen, dass Tina etwas Abstand zu ihrer Familie brauchte und Tina, erschöpft und entkräftet, wie sie war, konnte es zwar nicht zugeben, aber sie war dankbar darum. Hannah und Marlene zogen sofort mit und organisierten mit Mia das Exil. Tina sollte eine Weile bei Mia unterkommen. Nur Erik wurde nicht gefragt. Wieso auch? Natürlich würde er damit einverstanden sein. Wie konnte er auch nicht? Bei einer solchen Situation als Ausgangslage.

Und am Anfang sah es auch gut aus. Das Leben in der gemeinsamen Wohnung ging fast genau so weiter, wie es bisher gewesen war. Erik kümmerte sich um den Haushalt und kochte, Mia kümmerte sich um die Uni und speziell um Tina. Immerhin hatte Tina auch im Hinblick auf das Studium einiges nachzuholen. Und was Erik schon früher bemerkt hatte, fühlte er jetzt deutlicher und immer deutlicher. Er gehörte hier nicht mehr wirklich hin. Es war nicht seine Wohnung, es war Mias und er war hier nur Gast. Er war in gewisser Weise ein Fremdkörper.

Wenn er länger in der Uni gewesen war, wurde er zwar begrüßt, wenn er in die Wohnung kam, aber niemand fragte mehr nach seinem Tag oder wo er gewesen war. Er konnte kommentarlos hinausgehen, ohne vermisst zu werden. Seine Freundin war voll und ganz mit Tina beschäftigt, einer Frau, von der sie wusste, dass sie es einmal auf ihren eigenen Freund abgesehen hatte. Sein Rückzugsort war von einem Tag auf den nächsten nicht mehr vorhanden. Klar, Tina war auch vorher schon öfter hier Gast gewesen, aber immer nur Gast und nie Mitbewohnerin.

Jetzt waren seine Akkus leer und er brauchte dringend Abstand. Jetzt, zum Ende des Semesters, mit der Prüfungsphase vor der Türe, konnte er unmöglich zu seinen Eltern fahren. Flo und Kristina waren eine sehr viel nähere und auch inzwischen vertrautere Umgebung. Um dort nicht zu dem Störfaktor zu werden, vor dem er selbst flüchtete, hatte er sich vorgenommen, möglichst wenig zu stören. Lange Tage in der Bibliothek und eifrige Hilfe im Haushalt konnte er als Ausgleich anbieten. Und es sollten ja auch wirklich nur einige wenige Tage werden. So lange, bis er wieder die Kraft hatte, es in seiner eigenen Wohnung auszuhalten … oder aber eine andere Möglichkeit gefunden hatte.

Nein, den letzten Gedanken verwarf er ganz schnell wieder. An so etwas wollte er überhaupt nicht denken. Natürlich würde er in zwei drei Tagen wieder zu sich nach Hause können. Mia würde ihn bis dahin sicherlich auch vermisst haben. Er wollte sich extra nicht bei ihr abmelden und ihr sagen, was er vorhatte. Sie sollte von alleine darauf kommen. Nur Flo zweifelte an dem Plan, als Erik ihm die Situation beschrieb, sagte aber nichts. Diese Erfahrung musste Erik leider selbst machen.

Es gab generell einiges, was Flo nicht aussprach. Beispielsweise, dass er bereits auf diesen Tag gewartet hatte und vorbereitet war. Alles war für einen solchen Besuch vorbereitet, und als sie abends in die Wohnung kamen, warfen sich Flo und Kristina nur vielsagende Blicke zu.

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Das Volk hat gesprochen!

Volksentscheide bieten eine herrliche Angriffsfläche für Ironie und unfreiwillige Komik. Da soll abgestimmt werden, ob aus einem alten Parkplatz mitten in der Innenstadt ein begrünter Platz mit Tiefgarage darunter, oder ein Park mit größeren Bäumen wird. Die Entscheidung könnte kaum deutlicher sein. Es fehlt nicht mehr viel bis zur Dreiviertelmehrheit, mit der das Volk sich gegen eine Tiefgarage und für einen grünen Park entscheidet. Mitten in der Stau-geplagten Innenstadt irgendwo sogar ein naheliegender Gedanke. Der Verkehr soll aus der Stadt heraus, damit die Luftqualität sich verbessert und die Anwohner weniger Stress haben. Der Park ist billiger und kann sofort umgesetzt werden und bietet ohnehin eigentlich nur Vorteile. Immerhin hat die Initiative für den Park auch im Vorfeld eine musterhafte Werbekampagne gestartet. Da ist ein solches Wahlergebnis doch ein süßer und verdienter Lohn.

Besonders, da die Stadt derart dankbar mit zieht und den alten Parkplatz, ganz dem Wunsche der Bürger entsprechend, für den Verkehr sperrt, einige provisorische Bänke und Kübel mit Bäumen aufstellt, sowie eine Werbetafel mit Bildern, wie es denn einmal aussehen soll. Direkt in der auf den Bürgerentscheid folgende Woche. Der tatsächliche Umbau ist also beschlossen und soll in Kürze dann folgen. Konsequent und ohne langes Hantier, so direkt war Demokratie selten. Was wünscht sich der Bürger denn mehr?

Wer hat es erraten? Richtig! Natürlich Parkplätze! Auf einmal war es völlig unnötig, den Parkplatz so überhastet räumen und sperren zu lassen. Wo soll man schließlich jetzt parken? Und was sollen überhaupt die Bänke hier? Direkt an der Kreuzung hier will sich doch ohnehin niemand niederlassen. Die Empörung ist groß und die Verwunderung noch größer. Wer hätte auch ahnen können, dass ein Volksentscheid tatsächlich umgesetzt wird? Zugegeben, es war so angekündigt, aber seit wann wird umgesetzt, was die Politik beschließt?

Und so rächt sich ein demokratisches Element auf die gemeinste und hinterhältigste mögliche Weise: Es tut, was es soll! Denn ab und an wird der Wähler mit seiner Stimme durchaus gehört und welcher Volksvertreter möchte sich schon gegen das Volk stellen, welches er vertritt? Man kann allerdings etwas den Eindruck bekommen, dieses Volk weiß nicht immer so ganz, was es eigentlich möchte! Demokratie kann eine tolle Sache sein, das sollte niemand bestreiten. Aber damit sie funktioniert, muss der Wähler auch ein gewisses Interesse und Initiative zeigen. Wer gegen seine Interessen wählt, ist nämlich am Ende einfach nur selber schuld und macht das System schlecht.

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War, Sein, Werden V. – Ende

Das Zimmer wirkte in jeder Hinsicht schäbig und unterwohnt. Die Tapete war nicht gestrichen, vergilbt und irgendwann einmal schlampig und schief aufgeklebt worden. Der Boden war immer nackt geblieben, bis auf ein alter Handtuch, was als Teppich diente. Die einzelne Glühbirne über dem verschlissenen Sessel tauchte den winzigen Raum in ein zwar gelbes, aber trotzdem kaltes Licht. In diesem Sessel saß, mit untergeschlagenen Beinen, der Philosoph, und bekam von dem Zustand des Zimmers nichts mit. Er hing seinen eigenen Gedanken in seiner eigenen Welt nach.

„Was wäre,“ so dachte er „wenn die Menschheit eines Tages die Möglichkeit bekommen würde, in der Zeit zurückzugehen und zu sehen, wie vergangene Generationen wirklich gelebt hatten? Könnte man die Zeit überhaupt so beeinflussen? Was für ein Wesen müsste eine solche ‚Zeit‘ haben?“

In der gesamten Geschichte der Menschheit hatte sicherlich nie jemand einen solch kühnen Gedanken veröffentlicht. Er würde den Gedanken aufschreiben, würde eine Fragestellung formulieren, einige Überlegungen dazu notieren und dann die Fragestellung an das philosophische Konzil schicken. Sie würden sich an seinen Namen erinnern. Die Zukunft würde sich an seinen Namen erinnern.

Seine Fensterluke verdunkelte sich, als ein Erzfrachter vom Mars auf dem Mondhafen vor seinem Fenster zur Landung ansetzte. Eine teure Wohnung mit Erdblick konnte er sich nicht leisten aber über seinen Schreibtisch gebeugt würde er davon so oder so nichts mitbekommen.

‚Stellen Sie sich die Zeit als eine Achse vor, auf der man wandern kann. Stellen Sie sich vor, Menschen könnten sich beliebig auf dieser Achse bewegen. Was wäre, wenn man die zeit beeinflussen könnte?‘

Und damit fing der ganze Schlamassel von vorne an…

Das war der kleine Ausflug meines früheren Ichs in die Welt der Zeitreisen. Ich fürchte, die Geschichte funktioniert am besten, wenn man sie am Block liest, aber auch das braucht starke Nerven und Durchhaltevermögen. Wie immer sind aber Kommentare, Kritik und Meinungen immer gerne gesehen. Ich freue mich auf Feedback und bis zum nächsten Abenteuer.

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